Altendorf

 

Letzte Änderung: 13.1. 2015

 

Altendorf wird im Wüstungsarchiv des Bundesdenkmalamtes unter Nr. 52,10 (Archivnummer), und unter A 130 a (Historisches Ortsnamenbuch, Heinrich Weigl, 8 Bände 1964 – 1981, HONB) südwestlich von Neustift im Felde genannt.

Der Flurname, der heute noch südwestlich von Neustift existiert, rührt, sofern das Dorf, das sich dort befunden hat, wirklich Altendorf hieß, entweder vom ostgotischen Ausdruck für Heiligtum (âla), der sich später auf alt änderte (siehe http://www.haleberg.at/ ) oder falls dies nicht zutrifft, daher, dass man das Gebiet später als „altes Dorf“ bezeichnete. Wie das Dorf dann wirklich hieß, darüber gehen die Meinungen auseinander – manche vermuten das verschollene Hannodorf hier – siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/abgekommene-orte/hannodorf 

Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Dedelbacher
Wie schon erwähnt, war das verheerendste Hochwasser im Jahre 1337, bei welchem dem Donauufer entlang viele Ortschaften (so Marquardsurfar) förmlich vom Erdboden wegrasiert wurden, da die Lehmbauten bei Überschwemmungen keinen Widerstand bieten konnten. Eine Ried zwischen Gigging und Neustift heißt noch heute 'Altendorf' und die Volkstradition bezeichnet diese Ried als den Platz der verheerten Ortschaft, deren Bewohner dann weiter draußen neu ansiedelten (das heutige Neustift).“

Laut den Aufzeichnungen des ehemaligen Schulleiters von Neustift im Felde, Adalbert Hirsch d. J. in der „Schulchronik 2“ im Teil „Geschichte“ soll Neustift im Felde im Jahre 1337 nach der Verwüstung der Orte „Altendorf“ und „Parz“ durch eine oder mehrere katastrophale Überschwemmungen gegründet worden sein.

Diese Angaben sind jedoch insofern nicht ganz korrekt, da Neustift urkundlich wahrscheinlich schon im Jahre 1280 als „Neustat“ (MB XI, Teil 1, Monumenta Nideralcensia, S 322 unter Pkt.7 und nachweislich in der Urkunde aus dem Prämonstratenserstift Schlägl (Slage, OÖ - Mühlviertel) der bisher bekannten  Erstnennung vom 1. Jänner 1318 schon bestanden hat.

Im  Stift Schlägl befindet sich eine Urkunde, ausgestellt am  1. Januar 1318  in “Winchel pei der Tvenaw” (Winkl bei der Donau) durch Hadmar von Winchel, in welcher  “hoffen dacz Winchel” oder “hoffen dacz der Neustift”  (Höfen des Stiftes  da zu Winkl oder da zu der Neustift),  hier ist mit Sicherheit das heutige Neustift im Felde gemeint - genannt werden. Dieses Dokument beweist, dass Neustift schon im Jahre 1317 bestanden hat. Urkunden des Stiftes Schlägl, No II A.Claf:III Jura Rub: c Lig: 2, (Source: Pichler, Isfried H., Urkundenbuch des Stiftes Schlägl, Aigen i. M., 2003, Nr. 101 (S 83), S. 115-116). Siehe http://monasterium.net/mom/AT-StiASchl/Urkunden/1318_I_01/charter  

Im Buch "1000 Jahre Absdorf" wird unter Bezugnahme auf die Diplomarbeit Erwin Kupfers (1995) erwähnt, dass Neustift bereits im Jahre 1208 bestanden hätte. Das Stift Zwettl soll hier Besitz gehabt haben. Erwin Kupfer verweist jedoch weiter auf eine andere Diplomarbeit  von Karl Janicek (1939).  Das Stift Zwettl hatte Besitzungen in Glatzmanns, siehe http://www.hf-kirchberg.at/index.php/abgekommene-orte/glatzmanns und im Dorfe Neustift bei Rohrendorf. 

Karl Janicek schreibt in seiner Dissertation folgendes: "Im Augebiete der Donau hatte auch Niederaltaich  Besitzungen, wie wir bereits wissen. Nun findet sich in einem Lehensverzeichnis, das aus der Zeit um 1280 stammt, unter der Überschrift 'Feoda nobilis in Austria' unter Punkt 7) die Eintragung 'Item Domini de Winkel habent in feodo Bona in Frauendorf, in Winkel, in Neustat,.......(M.B.XI, S.323).' Die beiden ersten Orte sind uns bereits bekannt. Wo liegt nun Neustat? Ich vermute, daß dieses Neustat Neustift i. F. ist, das in der Nähe dieser Orte liegt, allerdings schon in der Ebene herauszen.

Ing. Franz Mann: Was sagen uns die Flurnamen im Bezirk Kirchberg am Wagram?
"Altendorf - identisch mit dem um 1337 durch Hochwasser untergegangenen Hannodorf. Die Bezeichnung Altendorf ist daher erst nach der neuen Siedlung Neustift aufgetaucht. Das alte Dorf lag ca. 700 m südwestlich von der heutigen Dorfkapelle am Fuß des sogenannten Niederen Wagram. In der Maria-Theresianischen Fassion von 1751 heißt es: 'Im alten Dorf, dem Wasserschaden unterworfen, wird bald als Acker, bald als Wißl, bald aber wegen aufstehenden Wassers gar nicht genossen.' In der Josephinischen Fassion von 1787 lautet der Kommentar: 'Im Altendorf... ist sehr sumpfig und ausgesäuert; diese Gründe können wegen aufgehenden Wasser nur alle 4-5 Jahre ganz angebaut werden'.


Abb.: Aquarell des Schulleiters Adalbert Hirsch d.J. in der Schulchronik 2, Neustift im Felde

 

Andreas Nowotny/Maria Knapp
Februar 2012