Gnage
 
 
Letzte Änderung: 7.9.2017
 
 
Lage: bei Großweikersdorf an der Schmida
Wüstungsarchiv-Nr. 525,10 HONB G 165
Flurname: Knofeld
 
Gnage war laut Dr. Marian (NÖ Landesarchiv) eine Gründung der Herren von Winkl: Während Ortolf-Ortlieb (I.) von Winkl die Winkler Hauptlinie fortsetzte und Ulrich (I.) von Königsbrunn am namengebenden Ort eine dauerhafte Herrschaft errichten konnte, verließ Poppo (II.) das angestammte Gebiet, um sich neuen Aufgaben in der Gegend von Mödling zuzuwenden. Zunächst aber errichtete er seine Herrschaft in dem bereits im Hochmittelalter wieder abgekommenen Ort Gnage, der aufgrund eines entsprechenden Flurnamens mit ziemlicher Sicherheit zwischen Großweikersdorf und Großwetzdorf an der Schmida zu suchen ist. Dadurch konnten die Herren von Winkl ihren Herrschaftsbereich über den Wagram hinaus ausdehnen.
 
In einigen Urkunden scheint Poppo gemeinsam mit seinen Brüdern auf:
Ortlieb de Winchel et Poppo de Gnagendorf (F 69 Nr. 400, 1183/94)
Poppo de Gnage et frate eius Vlricvs de Chungesbrunne (BUB I Nr. 51, 1177)
Eine Kunigunde von Gnage, wahrscheinlich die Gattin Poppos, verfügte über Besitzungen in Traiskirchen (MGH Necr V 16, Februar 26). Es hat sich dabei vermutlich um die Tochter Kalhochs (I.) von Tulbing gehandelt, die mit ihrer Mitgift die Errichtung des Herrschaftssitzes Gnage ermöglicht hat.
 
Um 1190 trat Poppo von Gnage letztmalig in Erscheinung, als er gemeinsam mit seinem Bruder Ortlieb von Winkl sowie seinem Neffen Hugo (II.) von Aigen an prominenter Stelle stehend eine Stiftung des Grafen Siboto von Hernstein bezeugte (BUB IV Nr. 867 = F 69 Nr. 400).
Nur wenige Jahre danach wird auch der Ort Gange letztmalig erwähnt (F 4 417, 1194/95).
 
 
Quellen:
Günter Marian, Dissertation: Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld, Wien 2015
Heinrich Weigl, HONB G 165, Band VIII, Wien 1981, S.274.
 
 
September 2017
Maria Knapp