Kirchheim

 

Letzte Änderung: 13.1.2015

 

Wird im Wüstungsarchiv des Bundesdenkmalamtes unter Nr. 191, 10, Chirichheim K141 in der Katastralgemeinde Absdorf genannt . Es lag an der südlichsten Gemeindegrenze von Absdorf, östlich von Utzenlaa.

Lage: Siehe http://www.univie.ac.at/wuestungsforschung/archiv/owplan.htm?BildId=0
Hier finden Sie einen Lageplan: http://www.univie.ac.at/wuestungsforschung/archiv.htm
Siehe auch:
http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1142

 

Erwähnungen

Ludwig Piffl, Heimatkalender des Tullner Bezirkes, 1954:
"Nicht weit von St. Michael lag die Ortschaft Kirchheim. 1019 schon genannt, an einem Nebenarm der Donau, dem Kirchheimer Wasser. „Durch Überflutung wurde sie öde und völlig verwüstet, so daß nichts von ihr übrig blieb“ (Lechner).

Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, 1881 S. 305:
„Das Domkapitel von Passau war zu Kirchhaim begütert. Im Urbar (Archiv i. c. LIII. P. 270) dieser Korporation von c. 1230 ist Kirchhaim zwischen Dürrenthal und Hippersdorf angeführt. Es lieferte Getreide- und Geflügelzehent. Hauptbesitzer aber scheint hier – wenigstens im XIII. Jahrhundert – die Abtei Nieder-Altaich gewesen zu sein. Dieselbe besaß 1258 hier „VIII beneficia et XIV curtes, quae serviunt ecclesiae insuper IV Hofmarch, quae pertinebant ad duo beneficia, quae divisa sunt“. Also ein sehr bedeutender Besitz in geistlichen Händen allein schon, wozu gewiss auch adelige Besitzungen zu rechnen sind. Auch die Schottenabtei hatte hier Besitz, und zwar wissen wir von 11 Joch Aeckern zu „Chirchaim“, die 1307 urkundlich erwähnt sind. (Fontes 1. C. XVIII. p. 125, Nr. 105) und die hiesige Kirche besass die Schottenabtei (Fontes 1. C. XVIII. p. 16, Nr. 11. zu „Chirchaim“ 4 Mansen und die Kirche. Hier wird es neben Utzenlaa genannt) bereits vor 1200. Wenn gleich die genaue Lage Kirchhaims noch unermittelt ist, kann doch angenommen werden, dass es sicher zwischen Krems und Abtsdorf lag (nach Herrn Dr. Winters Folgerungen, gestützt auf Belegstellen aus Archiv 1. C. I. 1. Heft p. 34. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften XI. p. 940 und 941; vgl. p. 908 und Archiv 1. C. I. 1. Heft p. 35 – 36. Archiv 1. C. LIII. P. 287, Note 52.). Es scheint frühzeitig ein Opfer der Donau geworden zu sein.

Herzog Leopold VI. (VII.) entscheidet am 23. Februar 1225 zu Krems, dass sein Dienstherr, Herr Ortlieb von Winkel zu Abtsdorf und Kirchhaum über die Nieder-Altaicher Besitzungen keinerlei Anspruch mehr haben soll, es sei Vogtei etc., doch soll er eines der Lehen zu Kirchhaim inne haben, die dort die Abtei besitzt. (J. Chmel, Monum. Habsburg II., 419.)

Zu Wien am Samstag nach Mathias 1356 beurkundet Herzog Albrecht, dass sich neben dem Werd bei Kirchheim, der zur Abtei N.-Altaich gehört, ein neuer Werd ansetzte, den Ortlieb von Winkel „bei der Donau“ beanspruchte, doch ist selber nun durch zwei Schiedsmänner der Abtei zugesprochen worden (Mon. Boie. XI. üpag. 306).

Der zweite katholische Pfarrer von Neu-Aigen seit der Abschaffung des lutherischen Predigers Johann Taglang berichtete am 5. Mai eines nicht beigefügten Jahres, wahrscheinlich um 1630, an den bischöflichen Official Karl von Kirchberg: „Was das Dorf Kirchheim anlangt, thue ich Euer Gnaden auch zu wissen: es ist ein Kirch von Neuaigen etwan ein halbe stundt gestanden, die ist genent worden bei St. Michael, bei dieser Kirchen ist gestanden dieses Dorf Kirchheim, wie ich von Vielen gehört hab, zwar gedenkt keiner, aber doch dass sie von Alten haben, jetzung wie sie sagen, möchts 100 Jahr sein (also 1529), dass das Kirchle und das Dorf zerstert sein worden durch den Türken, haben sich wollen die Leut in dem Kirchle aufhalten, aber sogleich dan der Türk ist hinein komen und alle nidergesablet, dass man etlich Jahr das Blut an den Wänden gesehen hat. Hernach hat man die Kirchen bei St. Michael auf Neuaigen gebaut, darinnen jetzung (anstatt St. Michael) unser liebe fraw patrona ist.“

Fischerrechte zu Winkl, ca. 1530:
In der Abgrenzung des Geltungsbereichs der Fischerrechte wird das „Kirchheimer Wasser“ erwähnt, siehe unter http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl/26-fischerrechte-zu-winkl

Hubert Schützner: Geschichte von Absdorf und Absberg, 1959:
"Nach der in der Geschiche von Absdorf erwähnten Urkunde Ludwigs des Deutschen vom Jahre 864 ist anzunehmen, daß Krichheim in dieser Zeits chon bestanden hat. Im Jahre 1356 wird ein Streit zwischen dem Kloster Nieder-Altaich und Ortlieb von Winkel geschlichtet über einen "Werd" (wasserfreies Land zwischen Sümpfen), "der geschüttet ist an des Gotteshauses Werd von Nieder-Altaich bei Chirchheim". (Mon. boica XI, S. 305) Daraus folgt, daß Kirchheim zweifellos an der Donau bzw. an einem Nebenarm derselben gelegen sein mußte. Diese Annahme wird noch weiter erhärtet, indem in der Urkunde Kaiser Heinrichs II. (1019) ausdrücklich eine "parvula insula in Danubia" (kleine Inseln der Donau) gegenüber von Absdorf genannt wird.
Durch Überflutung der Donau wurde diese Parvula insula gänzlich verwüstet. Nach dem Weistum der Herrschaft Winkel von ca. 1530 erstreckt sich deren Gerechtigkeit von Altenwörth abwärts bis "an die Haywies, wo das Kirchheimer Wasser ausser rinnt", (Winter, N.Ö. Weistümer, II., S. 614 ff.) Tatsächlich finden sich in dem merkwürdig lappenförmig nach Süden vorspringenden Zipfel der Gemeinde Utzenlaa die Flurnamen "Gmarchhaufen", Gränzhaufen" und ebenso ein "Heustadlboden". Weiter lesen wir, daß das Haymadzehetel" bei Utzenlaaa im 16. Jahrhundert als Besitz der Herrschaft Winkelberg nachweisbar ist. Diese Flurnamen deuten jedenfalls eine einstige Siedlung an. Am Südende der Absdorfer "Hofau" fließt auch ein Nebenarm der Donau und das dürfte zweifellos das Kirchheimer Wasser sein. Aus diesen Ausfürhungen können wir den fast sicheren Schluß ziehen, daß Kirchheim hier am Kirchheimer Wasser zwischen Utzenlaa und St. Michael gelegen ist. Diese Annahme gewinnt noch an Sicherheit durch die Tatsache, daß Kirchheim der eigentliche Kirchort für St. Michael war, weshalb die beiden Orte auch immer nebeneinander genannt werden. Schließlich wäre noch darauf zu verweisen: Im Jahre 1200 bestätigt Herzog Leopold VI. dem Schottenkloster in Wien, daß diesem "alii fideles" (also nicht die Gründer selbst, sondern andere Getreue) unter anderem in Kirchheim "vier mansos et ecclesiam" (4Mansen und die Kiche) gegeben hatten. Nach dem Grundbuch der Pfarre Hausleiten ist aber mit der Kirche die ins 9. Jahrhundert zurückreichende Sankt Michaelskirche im Dörflein gemeint, die damals schon eine Filiale von St. Agatha (Hausleiten) war. Daraus ersehen wir, daß Kirchheim und St. Michael unmittelbar nebeneinander gelegen waren. (font.r.A.18,11) In dieser Urkunde heißt es: "Kirchheim neben Utzenlaa". Aber schon in dem Urbar von 1322 ist von diesem Besitz keine Rede mehr.
Wie wir aus nachfolgenden Besitztümern ersehen, war Kirchheim ehemals ein ziemlich bedeutender Ort. Aus den Besitz- und Einkunftsverzeichnissen des Klosters Nieder-Altaich von den Jahren 1245 und 1258 ersehen wir, daß das Kloster in dieser Zeit 7 Lehen und 14 Hofstätten in Kirchheim hatte; dazu kamen noch 4 Hofmarchen, die zu 2 Lehen gehörten, die nun zerteilt sind.... Durch die erwähnten Einkunftsverzeichnisse von 1245 erfahren wir auch, daß die Bewohner von Kirchheim mit 9 Wagen den ganzen zur Abgabe an das Kloster bestimmten Hafer in den Hof nach Absdorf führen mußten, wofür ihnen einmal des Tages die Kost gegeben wurde. Die Entfernung der beiden Orte kann daher nicht so groß gewesen sein, sodaß man Kirchheim fast sicher nahe bei Utzenlaa annehmen muß. Da die Nieder-Altaicher in Krems Weingärten besaßen, mußten zur Zeit der Weinlese ein Wagen von Kirchheim und zwei von Absdorf nach Krems fahren, um den Wein zu holen. (Chmel, IX. u X., 871, 877, Sitzber.)
Daraus ist ersichtlich, daß das Kloster Nieder-Altaich der weitaus größte Besitzer in Kirchheim war. Außer dem früher angeführten Besitz hatte das Schottenkloster hier noch 11 Joch Äcker, die es im Tauschwege im Jahre 1307 vom Herzog übernahm (Font. rer. Aust. 18, Nr. 105) Auch das Domkaptil von Passau war hier begütert. Im Urbar dieser Korporation von ca. 1230 ist enthalten, daß die hiesigen Untertanen Getreide- und Geflügelzehent leisteten. (Arch. I. c. 53, S. 270).
Die Kirche wurde von den Nieder-Altaicher Mönchen geführt und galt auch für das nahegelegene St. Michael als Kirchort. Pfarrliche Rechte hatte sie aber nicht, sondern Kirchheim gehörte schon im 13. Jahrhundert zur Pfarre Kirchberg und kam nur vorübergehend zur Pfarre Trübensee."

http://regesten.regesta-imperii.de/index.php?pk=45237&offset=0&bandanzeige=1&begriffe=&q=&q2= (Friedrich der Schöne), 1314 November 13 Konrad Moerli, Ammann zu Kirchheim, verpflichtet sich gegen Hzg. Leopold, den Gingmaiger-Hof zu Kirchheim, den ihm der Herzog für seinen Dienst um 160 Pfund Heller zu Lehen verliehen hat, gegen Zahlung dieser Summe wieder einzuantworten. D. b. i. g. an sant Briccis tag 1314. ‒ Or. Stuttgart Staats-A. (Kirchheim weltlich) mit dem Siegel der Bürger von Kirchheim an Pg. Str. Reg.: Lichn.-Birk 7, 227 n. 277b.

 

Bei Feldarbeiten werden an der Stelle, an der Kirchheim vermutet wird, immer wieder verschiedene Keramikscherben - glasierte und unglasierte - gefunden:

Foto: Heimatmuseum Absdorf

 

Namensnennungen

Hubert Schützner: Geschichte von Absdorf und Absberg, 1959:
"Anfangs des 12. Jahrhunderts werden in den Klosterneuburger Traditionen auch einige weltliche Adelige in Kirchheim genannt, u. zw. "Engelfriedus und Marchwart de Chirichem", (font. rer. Austr. 4, Nr. 54 und 504); aber auch andere Besitzer waren dort. So gab es Chadalhoch von Harroz (er gehörte den Dienstmannen der Chaldoden, der späteren Herren von Seefeld-Feldsberg an) ein Gut zu Kirchheim an Klosterneuburg, das aber später dort nicht mehr nachweibar ist."

 

Letzte Erwähnungen

Hubert Schützner, Geschichte von Absdorf und Absberg, 1959:
Als die Nieder-Altaicher Mönche 1570 ihre hiesigen Besitzungen an Graf Hardegg verkauften, wird Kirchheim im Kaufvertrage nicht mehr erwähnt. (Verkaufsurkunde im Arch. Stetteldorf) Es dürften aber vielleicht bis zur Wende des 15. und 15. Jahrhunderts doch noch einige Häuser gestanden sein, die nach Trebensee eingepfarrt wurden, da noch im Passauischen Lehnensbuche von ca. 1641 - freilich auf Grund älterer Vorlagen - der halbe Dorfzehent zu "Kirchheimb in Trebenseer Pfarr" als Lehen der der Herbersteiner in Sierndorf aufgezählt wird. Als Passauer Zehentort wird Kirchheim als bestehend im Jahre 1438 zu letztenmal genannt. (Mon. boica 31, S. 325 ff.)"

 

Andreas Nowotny/Maria Knapp
Jänner 2012