Marquardsurfahr

 

Letzte Änderung: 13.1.2015 

 

Marquardsurfahr wird im Wüstungsarchiv des Bundesdenkmalamtes unter 994,10, *M83 Donaudorf (Bors) 42/2003, 763 ÖK 38 W 215 / N 218 geführt.
Lage siehe:
http://www.univie.ac.at/wuestungsforschung/archiv.htmhttp://www.univie.ac.at/wuestungsforschung
/archiv/owplan.htm?BildId=0

Die Pfarre Marquardsurfahr wurde 1190 aus der Pfarre Krems herausgelöst und dem Kloster St. Georgen-Herzogenburg übertragen.

 

Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich

1883, NÖ Landesarchiv, St. Pölten: "Ein durch die Donau zerstörtes Pfarrdorf in nächster Nähe von Donaudorf, gegenüber von St. Georgen an der Traisen. Zu Donaudorf befindet sich hinter dem ersten Hause an der östlichen Seite des Ortes eine nie vertrocknende Lacke, genannt Kirchenlacke, weil daselbst die Pfarrkirche von Marquardsurfar soll gestanden haben. Hier besass die baierische Bendiktiner-Abtei Mallersdorf seit 1134 fünf Weingärten. In der diesbezüglichen Bestätigungsbulle vom 13. Jänner 1139 nennt Papst Innocenz II. unter den Besitzungen dieser Abtei: „In Episcopatu pataviensi quinque Uineas apud transitam Marcwardi, apud Sickindorf unam vineam, Trazinsdorf, Slachinsdorf, Grimidorf, com suis pertinenciss“ u.s.w. woraus wir die benachbarten Orte Sittendorf, Strazdorf, Schlickendorf und Grunddorf erkennen. Zwischen 1215 – 1221 war das Stift St. Georgen mit Dechant Conrad von Krems in Streit wegen der Pfarre Marquardsurfar, die letzterer ansprach. Der Streit wurde durch Schiedsrichter beigelegt und das Stift überliess dem Pfarrer ein Haus in Krems. Dieser Vergleich war für das Stift ungünstig ausgefallen und hatte auf lange hinaus für dasselbe nachteilige Folgen. Im ältesten Grundbuch der Pfarre Krems (von c. 1360) heisst es: „Prepositus de hertzogenburg por exempcione ecclesie in Marchartzurvar traslate est haitzendorf de Curia sita sursum curiam Saltzbergensem quam nun tenet pro tempore nomine Simontverl fuit diu destructa servit I lb. ben.“ Im Visitationsbefunde von 1543 für die Pfarre Krems heißt es: „Von der Kirchen zu Makharts Vrfar ist die Pension auskauft, vnd der Probst zu Herzogenburg soll jährlichen geben I lb. den.“ (Pfarrarchiv Krems)

Zu Krems am 4. Juli 1258 bekräftigte Probst Engelschalk von St. Georgen die Verpachtung des Zehents von Diendorf am Kamp an Gozzo, den Richter von Krems, wobei er die Namhaftmachung der Zehentholden mit den Worten beginnt: „Est autem hec decima vinea una plebani de Marquartsurvar.“ Hermann Marschall von Landenberg sprach zu Wien am 23. Mai 1300 zwei Inseln bei Marquardsurfar, deren Besitz eine Frau von Falkenberg streitig machte, dem Stifte Herzogenburg zu. Am 3. Juni 1300 decretierte Gottfried, Richter zu Krems, die Zurückgabe der Werde zu Marquardsurfar, „die der Walchenberger hat inne gehabt“, durch Auftrag des Marschalls Hermann von Landenberg an das Stift Herzogenburg. Um 1337 ging Marquardsurfar zu Grunde.

Marquardsurfar war ein Pfarrort (Martinspatrozinium - möglicherweise karolingisch), bei dem eine Überfuhr (Urfahr) zum gegenüberliegenden Kloster St. Georgen bestand.

Bischof Albert von Passau verlieh zu St. Pölten am 6. April 1340 allen Gläubigen im Dekanate St. Stephan am Wagram Indulgenzen, die zur Vollendung des begonnenen Kirchenbaues zu Haitzendorf etwas beitragen würden. Der Bischof nennt gleichzeitig auch die Veranlassung des Baues, nämlich den Untergang der Pfarrkirche Marquardsurfar: „Cum igitur Ecclesia Parrochialis santci Martine in Marchartsuruar nostre diocesis per inundacionem danubee aquarem inpetu penitus set destructa et plebesani eiusdem ipsam in haitzendorf de noua reedificare inchoarunt.“ Die Zehentregister des Stiftes Herzogenburg berichten bis 1336 ununterbrochen seit vielen Jahren über die Verpachtung der Zehente jener Gegend unter der Ueberschrift „De Barrochia Marquarsvrvar“ oder „In Barrochia Marcharzurvar“, aber zum Jahre 1337 schon: „In Barriochia Haizendorf“. Da nun Haizendorf 1337 bereits Pfarrort ist, jene Ueberschrift aber jedenfalls noch 1336 gemacht wurde, so hat die Annahme viel für sich, es sei Marquartsurfar spätestens 1335 zu Grunde gegangen. Nach W. Bielsky erfolgte die Uebertragung der Pfarre im Jahre 1335, was er aus den Worten des bischöfl. Indulgenzbriefes von 1340 folgert, wo gesagt wird: et plebezani eiusdem ipsam in haitzendorf de noua redificate inchoarunt (1337 – 1339 waren sie mit dem Beginne des neuen Baues beschäftigt) nec absque Christi fidelium auxilio eandem valeant aliquantenus consummare…“ ….

Der Name des abgekommenen Ortes hielt sich aber noch längere Zeit. So haben am 15. August 1420 die Eheleute Ulrich und Caecilia Missendorfer ihrem Sohne Wolfgang Chorherr zu Herzogenburg, gegeben „alle paumstet, waid und wasser was das ist das da gehört zu Maricharz Urfar.“ Daß damit das unsere gemeint ist, geht aus dem Urbar von Strazdorf de anno 1471, Blatt 103, hervor, dessen Aufschrift lautet: „Vermerkht den Dienst von den güettern von Markchartsvrfar der uns von herrn wolfgangen Missendorfert fuer seine Eribtayl sind zugestanden.“

Ein Urbar über Sittendorf von 1501 hat aus Blatt 87 beinahe wörtlich dieselbe Ueberschrift. Der schon erwähnte Gozzo, Bürger von Krems, verkaufte am 5. Juni 1276 durch seine Bevollmächtigten an Bischof Conrad von Freising um 250 Mark Silber Liegenschaften bei und in Theiss, bei der Insel Maquardsurfar die Inseln, welche einst Friedrich von Brunn hatte, und die Urfarwerd-Insel, Savn-Insel.

Der Ort wurde wahrscheinlich nach einem Passauer Ministerialen Marquard benannt. Da es aber deren mehrere (Marquard von Wesen, Marquard von Eisdorf bei St. Andrä Wördern/Altenburg, Marquard von Schönbühel etc.) gab, kann dzt. nichts Näheres bestimmt werden.

 

Homepage des Stiftes Herzogenburg

"Im Jahre 1160 schenkte Bischof Konrad von Passau dem Kloster St. Georgen an der Traisen, das wegen seiner ungünstigen Lage im Jahre 1244 nach Herzogenburg verlegt wurde, die Kirche zu Marquardsurfahr und erhob sie zur Pfarre.“
Siehe hier: 
http://www.stift-herzogenburg.at/index.php?submenu=2&content=172

 

Ludwig Piffl, Heimatkalender des Tullner Bezirkes, 1954:

"Nächst der Kampmündung bestand der alte Fergenort Marquardsurfar, der nordöstlich von Donaudorf vermutet wird. Dieser Ort ging im Verlaufe eines Hochwassers um 1337 zugrunde und die Pfarre wurde nach Haitzendorf verlegt. Die Stelle der untergegangenen Kirche soll die Kirchenlacke bei Donaudorf kennzeichnen. Die Sage berichtet, daß an hellen Tagen tief im Wasser die Kirchturm zu erblicken war."

 

Andreas Nowotny/Maria Knapp
Jänner 2012