Begriffe in Matrikenbüchern

 

Letzte Änderung:  15.10.2014

 

Falls Sie sich entschließen – oder schon entschlossen haben – Ihre Ahnen mittels http://matricula-online.eu zu erforschen, stehen Sie gleich zu Beginn drei Problemen gegenüber:

  1. Datenschutz
    Die Daten sind mit einer Sperrfrist versehen. Diese beträgt im Taufregister 100 Jahre, im Trauungsregister 75 Jahre und im Sterberegister 30 Jahre.
  2. Die Schrift
    Wenn Sie um 1900 einsteigen, landen Sie in vielen Büchern mitten in der Kurrentschrift. Aber keine Angst, so schwierig ist diese nicht. Es gibt im Internet viele Seiten mit Kurrent- oder Sütterlinalphabeten. Die Schreibweise Ihres Familiennamens werden Sie bald leicht lesen können.
  3. Sprache
    Vor 1800 wurden die Bücher dazu auch noch in lateinischer Sprache verfasst. Da sich die Wörter aber immer wiederholen, kennt man die nötigsten bald. Wenn man das Wort gut lesen kann, wird man oft auch im Internet in Latein-Lexika fündig. Allerdings finden sich viele lateinische Wörter, die nicht lehrbuchgerecht sind. 

Ich habe hier ein Verzeichnis erstellt, in dem Sie – deutsch und latein vermischt – viele Ausdrücke finden, die  in den Pfarrmatriken vorkommen. 

 

Allgemeine Begriffe

aet., aetatis - im Alter von 

ancilla - Magd 

anirzo - jetzt

ao, anno, AD - im Jahr des Herrn 

aetatis - im Alter von 

angeblich  - Die Daten wurden keinen Dokumenten entnommen, sondern von der betroffenen Person mündlich genannt, also angegeben. 

bapt., baptista - getauft 

caelebs - ledig, unverheiratet 

civilis - bürgerlich

civis - Bürger 

c.m. (causa mortis) - Todesursache 

cop., copulato - getraut, verheiratet 

cum - mit 

de - von 

def., dftus, defunctus - gestorben 

dtto, detto, do- der-, dieselbe 

die - Tag

Ehewirthin, Ehewürthin - Ehegattin 

eodem (die) - am gleichen Tag wie oben 

et - und 

ex - aus 

ex.,  Exitus - Tod 

fil., (filius, filia) - Sohn, Tochter 

fol., folio - Seite

frauengetauft - ein notgetauftes Kind 

geboren und getauft - Geburt und Taufe erfolgten innerhalb 1 – 2 Tagen, da die Kindersterblichkeit sehr groß war. Es gibt Seiten in den Sterbematriken, auf denen fast nur Eintragungen von toten Kleinkindern zu finden sind. 

gemini - Zwillinge

h.a., hoc anno - in diesem Jahr 

hinterlassen - Ehemann oder Ehefrau sind schon verstorben 

hora - Stunde 

hujus loci - hier 

idem - derselbe 

ibidem   - ebenda, an derselben Stelle (aus demselben Ort) 

ill., illegitima - unehelich – darauf wurde in den Taufmatriken besonders hingewiesen. 

infans - Kind 

-in als Endung - An den Namen der Ehefrau wurde die Endung –in angehängt: Malterin, Mannin. 

Index, Indizes (Mz.) - Inhaltsverzeichnis – ob es eines gibt, steht schon in der Beschreibung des Buches. Es befindet sich meist am Ende. Aber Achtung: Es gibt oft am Ende der Bücherliste Inhaltsverzeichnisse der ganz alten Bücher! Also zu Anfang gleich durchsehen, welche Bücher es überhaupt gibt, das erspart oft viel Sucharbeit. 

k. R. - katholische Religion 

led. - ledig. 

leg., legitimus, legitima - ehelich 

loco eodem - am gleichen Ort 

mater - Mutter 

matrina - Patin 

Namensschreiber - Wenn ein Trauzeuge oder Taufpate nicht schreiben konnte, erledigte dies ein anderer für ihn, der seinen Namen angeben musste. 

mort., mortuus, mortua - gestorben 

nata, nato - Geborene(r)

nn - Oft ist über einem n oder m  ein Querstrich, dieser bedeutet, dass der Buchstabe verdoppelt gehört. 

nomen, nom., nomine - Namen 

parentes - Eltern 

parochia, parochus - Pfarrer, Pfarre 

pater - Vater

patrinus - Pate 

pauper - arm 

post - nach 

rel., relictus - hinterlassen, z.B. hinterlassene Witwe 

Requiescat in pace! - Ruhe in Frieden! 

sel., selig - verstorben. Meist im Trauungsregister als Angabe bei den Eltern der Brautleute. An dieser Eintragung (Gegenteil: noch im Leben) kann man den Todeszeitpunkt der betreffenden Person eingrenzen. 

sept., sepultus - begraben 

sol., solutus - ledig 

sponsa, sponsus - Braut, Bräutigam 

test., testes sponsi/sponso - Trauzeugen 

TOM, tomus - Buch – Bezeichnung der Matrikenbücher TOM I, TOM II., etc. 

versehen - mit den Sterbesakramenten gesalbt

vidua, viduus - Witwe, Witwer 

u - Bei der Kurrentschrift findet man über jedem u einen kleinen Haken. Man kann den Buchstaben bei schlampiger Schrift somit besser von einem a oder n unterscheiden. 

ux, uxoris - Ehegattin 

+ - Ein Kreuz beim Namen eines neugeborenen Kindes bedeutet, dass es gleich bei der Geburt gestorben ist oder tot geboren wurde. 

xxx - Unterschrift von Leuten, die ihren Namen nicht schreiben konnten, was sehr oft vorkam. 

 

Berufe und Tätigkeiten

Abdecker
Siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/wasenmeister 

Actuarius
Schreiber 

Adjutrix
Hebamme

Bader
Betreiber einer Badstube, in der auch kleinere medizinische Eingriffe vorgenommen werden durften. 

Binder, Fassbinder 

Bubulcus
Viehhirt, Ochsenhalter – siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/viehhirt 

Carpentarius
Zimmermann 

Caupo
Wirt 

Cooperator
mit dem heutigen Kaplan vergleichbar

Cuparius
Fassbinder 

Chirurgy
Siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/gesundheitwesen/chirurgy 

Doctor medicino
Studierter Arzt 

Faber ferrari
Schmid 

Fragner
Greißler 

Famulus, Famula
Knecht, Magd 

Ganzlehner
Siehe unter Halblehner 

Halblehner
Die Herrschaften teilten ihre Gründe zu gleichen Teilen auf die Bauern eines Dorfes auf, die sogenannten Lehen. Die Größe dieser Landwirtschaften war örtlich verschieden. In unserer Gegend waren es zwischen 15 und 20 ha (Quelle: Heimatbuch von Neuaigen). Durch Erbteilung oder Teilung bei Heiraten kam es im Laufe der Zeit zu den erwähnten Halb-, Viertel- und Achtellehen 

Halter
Viehhirt – sie heirateten gerne untereinander oder waren zumindest die Trauzeugen. Siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/viehhirt 

Hauer
Weinhauer. In unserer Gegend wurde dieser Ausdruck oft verwendet, auch für Inwohner, die sich bei den Bauern verdingten. 

Häusler, Kleinhäusler
Dieser hatte kein Lehen (siehe unter Halblehner), sondern nur ein Haus mit wenig Grund, waren Taglöhner oder übte ein Gewerbe aus. 

Hebamme
Geprüft oder ungeprüft 

Heger
Wildhüter, Förster 

Incola - Inwohner
Inwohner oder Inleute waren, wie man heute sagen würde, bei einem Bauern in Miete und hatte diese Miete abzuarbeiten.

Judex
Dorfrichter 

Lanio
Fleischhauer 

Lederer
Gerber 

Lignarius
Zimmermann 

Ludi magistri
Schulleiter - in Kirchberg und Winkl gefunden 

Mendicus
Bettler 

Molitor
Müller 

Murarius
Maurer 

Pfründner
Meist ein alter Mensch, der in einem Haus, oft dem Armenhaus, wohnte. 

Piscator
Fischer – vor allem in Winkl und Altenwörth heimisch. 

Pistor
Bäcker 

Riemer
Sattler 

Rusticus
Bauer – die bei uns übliche Bezeichnung 

Saponarius
Seifensieder – gab es in Kirchberg 

Sartor
Schneider 

Schinder
Wasenmeister, er verarbeitete die verendeten Tiere.
Siehe hier:  http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/wasenmeister 

spuria, spurius
uneheliche Tochter, unehelicher Sohn

Sutor
Schuster 

Tabellarius
Bote 

Taglöhner
Jemand ohne fixe Anstellung, der tageweise bei den Bauern arbeitete. 

Tegularius
Ziegelmacher, meist Ausländer, die bei den Ziegelöfen außerhalb der Dörfer arbeiteten. 

Textor
Weber 

Venator
Jäger 

Viehhirt
Halter, siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/viehhirt 

Viertellehner
Siehe unter Halblehner 

Vietor
Binder 

Vinarius
Weinhändler 

Vinitor
Hauer, Weinhauer – die bei uns übliche Bezeichnung 

Wasenmeister
Siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/wasenmeister

 

Namen

Bis ca. 1800 wurden auch die Vornamen lateinisiert, wie etwa Johannes Georgius, Florianus ….

Doppelnamen kamen sehr häufig vor.

Da die Namen selten von Urkunden übernommen, sondern nach Angabe der betreffenden Personen aufgeschrieben wurden, konnte leicht aus Blauensteiner ein Plabbensteiner und aus Bösel und Pöhsl werden.

 

Anna Maria
Maria Anna – dies waren die beiden häufigsten Frauennamen. 

Anton Einsiedler 

Antonius de Padua 

Franciscus Serapius 

Franciscus Xaverius 

Joannes – oft für Johannes verwendet. 

Johannes baptista - Johannes der Täufer 

Johannes evangelista - Johannes der Evangelist

  

Todesursachen 

Diese finden Sie hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/gesundheitwesen/krankheit-tod

 

Beispiele aus den Matrikenbüchern 

 
1774 – Taufbuch Kirchberg am Wagram

Antonius Padua, filius legitimy
Antonij Englmann, Bubulci  et  Ana Maria uxoris, nato  Schiftnerin
Andreas Ringswürth, Bubulcus ex Kollersdorf

Übers.:  Anton v. Padua, ehelicher Sohn
Anton Englmann, Viehhirt und Anna Maria, seine Ehefrau, geborene Schiftner
Pate: Andreas Ringswürth, Viehhirt aus Kollersdorf
 

 

 
1758 – großteils  in lateinischer Schrift – Kirchberg am Wagram

Catharina. Pater Joannes Englmann, Theresia ux: v. Neystifft, Lev: Theresia Prucknerin v. Englmannsbrunn

Übers.:Katharina, Vater Johann Englmann, Theresia seine Ehefrau, von Neustift, Patin, Theresia Pruckner von Engelmannsbrunn 

 

 
1860 – Sterbebuch – Kirchberg am Wagram

Den 6. Mai 1860
Ottenthal No 13
Haslacher Magdalena, hinterlassene Wittwe des Mathias Haslacher gewesener Hauer in Ottenthal, eine geborene Fischer von Ziersdorf.

 

 
1778 – Taufbuch – Kirchberg am Wagram

Königsbrunn 17. Juliana filia legitima
Ruperti Eker Pistoris, Judicus et Ana Maria uxoris, nato …
Theresia Mitterbauerin, vidua eodem.

Übers.: Königsbrunn 17, Juliana, eheliche Tochter des Rupert Ecker, Bäcker, Dorfrichter und Anna Maria seine Ehefrau, geborene ..
Patin: Theresia Mitterbauer, ebenfalls aus Königsbrunn. 

 

 
1856 – Pfarrmatriken Bierbaum – Trauungsbuch

Den 11ten Novembr 1856.
No 56 in Birbaum. No 28 in Mitterstokstall.
Georg Mitterbauer Pfarrer
Joseph Feury, Wittwer u. Ausnehmer hierzu Birbaum, des Joseph Feurry, gewesten Hauers ebendaselbst, u. der Katharina, dessen Gattin, einer geb. Engelman ehel. Sohn. –
Magdalena Pichler, derzeit Inwohnerin zu Mitterstockstall, ehl. Tochter des Anton Pichler, gewesenen Schuhmachers ebendaselbst, u. der Theresia, dessen Gattin, geb. Wagner.

 

 

Dezember 2012
Maria Knapp