Bereitungsbuch

 

Es wurde schon immer versucht, ein gerechtes Steuersystem zu finden, das ist nicht eine Spezialität unserer Zeit, sondern ist z. B. auch in den politisch unruhigen Zeiten von Reformation und Gegenreformation angestrebt worden. Um den andauernden Meinungsverschiedenheiten zwischen Kaiser und Ständen über die Steueraufbringung ein Ende zu setzen, wurden verschiedene Versuche unternommen, zu einer gerechten Lösung zu kommen.

So wurde 1590 die Idee, die Steuer auf Grund der untertänigen Häuser festzulegen, umgesetzt.  Als Abgabe wurde der Hausgulden geschaffen. Dazu aber musste man eine genaue Aufstellung über die Anzahl und die Besitzer der Häuser haben  und aus diesem Grund musste eine Bereitung des Landes Niederösterreich vorgenommen werden – daher der Name des Buches. Der Name lässt sich außerdem auf das Wort "roaten" zurückführen, das soviel wie zählen, berechnen, bedeutet.

Mit dieser Bereitung wurden von den Ständen zwei Männer, nämlich Rudolf Vischl von der Venusmühle in Traismauer und Hanns Zölcher aus Dürnkrut, ein Untertan des Herrn von Landau, beauftragt. Viel mehr ist über die beiden Herren nicht bekannt – sie müssen jedenfalls einigermaßen gebildet gewesen sein, um mit einer solchen Aufgabe betraut zu werden.

Die Instruktion enthielt eine genaue Arbeitsanleitung – für Zölcher nördlich und für Vischl südlich der  Donau:

  1. Ein vollständiges Ortsverzeichnis zu liefern. Bei der Ankunft in einem zu erhebenden Ort muss sich der Bereiter zur Ortsobrigkeit begeben, sein General vorweisen und diese befragen:
    Wer Herr und Besitzer des Ortes ist.
    Wie viele der behausten Untertanen seine eigenen sind.
    Wie viele Untertanen einem anderen Herrn zugehören und wer die anderen Herren sind.
  2. Ortsobrigkeit und Zahl seiner Häuser, sowie Grundobrigkeiten und Zahl deren Häuser feststellen.
  3. Pfandschaften, Urbarsholde, sowie Pfarr- und Vogtholde, die an das Vizedomamt die Steuer zahlen, sind gesondert   zu erwähnen.
  4. Wird dem Bereiter die Auskunft verweigert, soll er einen Boten nach Wien zu den Verordneten schicken, die sich dann um das Weitere kümmern. 

Das Schema für die einzelnen Orte:
Ortsname
Ortsobrigkeit…………….. Häuserzahl
Grundobrigkeit………….. Häuserzahl
Pfarrbesitz......................  Häuserzahl
Pfandschaft......................Häuserzahl                              

Zölcher, der für unser Viertel zuständig war, hat sich sehr genau an die Vorgaben gehalten, das Ergebnis der Bereitung ist daher eine einmalige Häuserstatistik der Zeit um 1590. Es kann  gesagt werden, das Bereitungsbuch war die Steuerbemessungsgrundlage dieser Zeit. 

Vischl hat die von ihm besuchten Orte alphabetisch geordnet, bei Zölcher  sind sie nach der Reihenfolge seines Besuches aufgeschrieben. 

Für die Dauer der Bereitung standen die Bereiter im Dienste der Stände und wurden von diesen besoldet. Jeder Bereiter erhielt für sich und für den Unterhalt von zwei Pferden 40 Gulden. Da beide Bereiter eine Landwirtschaft zu versorgen hatten, stand ihnen Urlaub zu. 

Neben den Büchern zu den vier Vierteln existiert ein fünfter Band, das sogenannte „Herrschaftsverzeichnis“.  Darin ist der Häuserbesitz eines jeden Ständemitgliedes ablesbar und es konnte dadurch sofort der als „Hausgulden“ zu entrichtende Betrag festgestellt werden.  Die Obrigkeiten sind darin folgendermaßen gegliedert:
      Prälaten
      Herren
      Adel und Ritterschaft
      Fürsten und Prälaten, Ausländer
      Priesterschaften 

 

Folgende Zahl der „Feuerstätten“ – Häuser – zählte man in Niederösterreich:
Ober dem Manhartsberg                         17.015
Unter dem Manhartsberg                        15.882
Ober dem Wienerwald                            24.254
Unter dem Wienerwald                           12.677 ½ 
                                                                69.828 ½      

Die meisten Häuser im Viertel unter dem Manhartsberg, nämlich 10824 ½, besaßen Mitglieder des Herrenstandes, der Ritterstand 5853 ½ Häuser.  Die Einzelperson mit den meisten Häusern, nämlich 881, wardie Witwe des Herrn von Liechtenstein auf Wilfersdorf. Insgesamt besaßen die Liechtensteins 1885 Häuser. An zweiter Stelle folgte die Familie Hardegg mit 873 Häusern. An vierter Stelle befand sich Bernhard Turschy (Turzo), Herrschaft Grafenegg, mit 521 Häusern. 

Der Beginn des Bereitungsbuches für das Viertel unter dem Manhartsberg:
„Beschreibung aller Stött, Marckht, dörfer, auch ainschichtigen Höf unnd Müllen In österreich unnder der Ennß, des Viertls unnder Manhartsberg durch Hannsßen Zolcher, wonhaft zue Dierncrut beschriben Anno 1590isten“ 

Die Angaben zu den einzelnen Orten finden Sie unter dem Menüpunkt „Topographien von…“

Eine Kopie des Originalbuches befindet sich im NÖ Landesarchiv zur Einsichtnahme.
 

Quellen
Dissertation Franz Graf, Wien 1972
Das Viertel unter dem Manhartsberg im Spiegel des Bereitungsbuches 1590, NÖ Landesarchiv, HS 1004/a,b,c 
Herr Ludwig Leuthner, Fels

 

Maria Knapp
Oktober 2012