Gedanken zum Klimawandel

 

Letzte Änderung: 8.11.2014

 

Im Zuge des neuerlichen Auftretens eines Hochwassers innerhalb weniger Jahre wird von vielen mehr oder weniger Fachkundigen für die starken Regenfälle ein kommender Klimawandel als Ursache angesehen. Wenn man aber in alten Chroniken liest, erkennt man: Solche Wetterkapriolen hat es schon immer gegeben.  Besonders reich an Information ist hier die Pfarrchronik Altenwörth, die uns über warme Winter und Hochwässer vergangener Zeiten reichlich Auskunft gibt:  

 

Pfarrer Josef Dedelbacher, von 1915 – 1936 Pfarrer in Altenwörth, der sich auch als Heimatforscher betätigt hat, klebte folgenden Artikel aus der Zeitung „Illustrierte Wochenschau“ vom 7. Februar 1925 in die Chronik ein: 

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Warme Winter 

 „Wenn der Winter nicht kommen will.

Es ist nicht das erste Mal, daß der Winter all denen, die ihn mit besonderer Sehnsucht erwarten, ein Schnippchen schlägt.

Im Jahre 1289 soll es um Weihnachten und um den Dreikönigstag herum so warm gewesen sein, daß die jungen Mädchen Kränze von Veilchen und Kornblumen trugen,

Anno 1420 blühten im März die Bäume,

1503 folgte einem sehr heißen Sommer ein so milder Winter, dass die „Beester noch nach Weihnachten draußen gingen“ – wie in diesem Jahr – und  (Beester: Rinder, junge Kühe, Anm.d.Verf.)

im Jahre 1512 setzte der Winter zwar schon um Mitte Oktober sehr heftig ein, machte aber bald einer ausnehmend milden Temperatur Platz, so daß sich das Bild von 1503 wiederholte.

1572 schlugen die Bäume im Jänner aus,

1585 stand am ersten Osterfeiertrag das Korn in Aehren und

im ganzen Winter 1617, der dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges vorausging, fror es überhaupt nur an zwei Tagen, so daß am 3. März, dem Fastnachtstag, bereits die Bäume in Blüte standen.

Das Jahr 1654 brachte nach einem gleichfalls außerordentlich milden Winter mit nur vier Frosttagen eine Rekordernte, deren sich die ältesten Leute nicht erinnern konnten. Es war den Bauern nicht möglich, ihre ganzen Kornvorräte abzusetzen.

Aus dem Jahre 1715 wird berichtet, daß damals bei sehr großer Hitze schon im April der Roggen in Blüte stand, und

im März 1750 blühten die Aprikosen.

Im Februar 1779 konnte sich das Auge am Anblick von blühendem Krokus, Veilchen und Ulmen ergötzen und auch dem damaligen linden Winter folgte eine besonders reiche Ernte.

Der Winter 1790 – 91 war fast frostlos, brachte aber sehr schwere Stürme, die in den Forsten äußerst verheerend wirkten.

1794 blühten im April bei 22 Grad Hitze alle Obstbäume, und vom

Winter 1807 liest man bei Johann Peter Hebel: „Der warme Winter von dem Jahre 1806 auf das Jahr 1807 hat viel Verwunderung erregt und den armen Leuten wohl getan. Zwischen Weihnachten und Neujahr hat man damals Erdbeeren gegessen und Veilchen gepflückt.“

Im Jahre 1835 hat es nur an drei Tagen, nämlich am 20., 21. und 22 Jänner gefroren und auch

die Winter von 1845 und 1846 waren überaus warm und fast völlig frei von Stürmen.

Das Jahr 1861, in dem die Ernte gar nicht befriedigt hatte, brachte großen Futtermangel mit sich, doch konnten die Bauern in vielen Gegenden schon Anfang März des folgenden Jahres ihr Vieh auf die Weide treiben und wurden durch die Rekordernte dieses Jahres für den Ausfall des vorausgegangenen reichlich entschädigt.

In den letzten Jahrzehnten ist der Winter bei uns im allgemeinen normal verlaufen, doch läßt sich nicht verkennen, daß die Tendenz zu nicht schroffen Temperaturen sich immer mehr verstärkt hat….“
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Weitere Eintragungen in der Altenwörther Pfarrchronik

"1915: Der Winter war durchwegs sehr milde, es gab wenig Schnee. Eis bildete sich überhaupt keines.

1935: Der abgelaufene Winter zeigte ein außerordentlich mildes Gepräge, es gab fast keinen Schnee. Nur an zwei Tagen sank das Thermometer auf  -10° C, und zwar am 23. Dezember und am 11. Februar.

Der Winter 1942/43 war recht milde.

1946: Der Winter war heuer milder; es gab auch wenig Schnee; für die Leute war das ein Glück, denn mit Brennmaterial schaut es schlecht aus.

1966: Der Winter war auch heuer wieder milde und besonders im Februar gab es Temperaturen (Wärmegrade) wie sie schon lange nicht verzeichnet wurden. Da auch im März u. April – obwohl es wieder kälter wurde keine Nachtfröste mehr auftraten, konnte heuer, im krassen Gegensatz zum Vorjahr, Wachstum u. Blühen frühzeitig einsetzen und deutet alles auf ein gutes Jahr hin."

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In der Schulchronik von Bierbaum ist bei Schuljahr 1962/63 folgender Artikel einer nicht näher bezeichneten Zeitung beigelegt: 


Wetterkatastrophen gab es schon immer
  

"Über den ungewöhnlich strengen Winter wird noch lange gesprochen werden. Und dabei fällt auch immer wieder das Wort, nicht nur die Menschheit, auch das Wetter gebärde sich ziemlich verrückt. 

Noch heute hat die Meteorologie nicht genau erforscht, warum das Wetter plötzlich ganz extreme Sprünge macht, um dann wieder Jahrzehnte hindurch nach unseren landläufigen Auffassungen normal zu verlaufen. Wenn wir alte Aufzeichnungen zur Hand nehmen, dann werden wir mit Erstaunen feststellen, daß das Wetter auch ohne Atombomben immer wieder über die Stränge schlug.  

300: Das Schwarze Meer fror in einem fürchterlichen Winter ganz zu. Man konnte mit Pferden und Schlitten darüberfahren. 

627: Eine verheerende Hitzeperiode suchte während der Sommermonate das heutige Frankreich heim. Alle Brunnen versiegten, das Vieh starb zu Tausenden auf den vertrockneten Weiden. 

673: Wieder suchte ein entsetzlicher Winter die Länder um das Schwarze Meer heim und wieder fror es völlig zu. Unzählige Menschen, vor allem Nomaden, erfroren in ihren Zelten.  

1186: Der Sommer wollte nicht enden, er ging weiter bis Dezember. Viele Vögel brüteten kurz vor Weihnachten. Im Januar bekamen dann die Bäume schon wieder frisches Laub, und im Februar hatten die Obstbäume schon Früchte angesetzt. Die Ernte wurde bereits im Mai eingebracht, der Wein im August gekeltert. 

1301: Im Januar blühten in Deutschland die Bäume. 

1303: Der Sommer über Europa war so trocken, daß die Seine, die Donau und der Rhein zu Fuß durchquert werden konnten, weil sie kaum noch Wasser führten. 

1306: Der Winter im hohen Norden war so kalt, daß die Ostsee zufror und der Handel auf Pferdeschlitten von Estland aus über die Aalandsinseln nach Gotland durchgeführt werden konnte.

1424: Die Ostsee fror in diesem ungeheuer kalten Winter sogar völlig zu. 

1603: Ein Trockenjahr brachte der Landwirtschaft riesige Verluste. Fast der gesamte Viehbestand wurde vernichtet. Eine Hungersnot raffte unzählige Menschen hinweg. 

1608: Einer der fürchterlichsten Winter aller Zeiten brach über ganz Europa herein. Von Norwegen bis nach Sizilien und Spanien lagen alle Länder unter einer meterhohen Schneedecke. Am kältesten war es dabei in Italien und Spanien. Die Kirchen waren überfüllt, weil die Menschen an ein Gottesgericht glaubten.  

1739: Der Winter begann mit Frost am 24. Oktober und der Frost endete erst am 13. Juni des darauffolgenden Jahres. Die Menschen froren entsetzlich in ihren meist schlecht geheizten Wohnungen. Der Holzdiebstahl in den Wäldern nahm groteske Formen an. 

1823: Ganz Europa erlebte einen außerordentlich milden, völlig schneelosen Winter. Sogar in Sibirien gab es nur Regen und keinen Schnee. 

1833: Ganz Unterägypten wurde von gewaltigen Schneefällen heimgesucht. 

1838: Südeuropa erlebte einen der trockensten Sommer seiner Geschichte. Aber auch der Winter brachte weiten Teilen keinen Regen. 

1911:Der Sommer über Europa war so heiß, daß das Thermometer meist über 30 Grad Celsius anzeigte. 

1928/29:Der Winter war so kalt, daß die Menschen es kaum wagten, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Flüsse und Kanäle froren zu, die Schiffahrt kam völlig zum Erliegen. Glücklicherweise setzte das Tauwetter nur langsam ein, sonst wäre es zu gewaltigen Überschwemmungen gekommen.  

Das war also eine kleine Blütenlese aus dem Wetterkalender der Extreme! Der Mensch kann immer wieder nur staunen. Im übrigen aber hat er eine phantastische Anpassungsgabe. So leicht bringt ihn nichts um.                                         

Zusatz von Schulleiter Karl Kohlhauser: Allerheiligen begann d. Winter. Schnee blieb liegen v. 24. Nov. – Reste bis 24. März 1963."

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Ignaz Scheiger,  Pfarrer von Kirchberg am Wagram von 1799 – 1835, veröffentlichte im Jahr 1831 einen Gedichtband, der ein Gedicht „An Österreich“ enthält, wo Feigen als heimisches Obst ganz selbstverständlich erwähnt werden:

…“Heil dir glückliches Land! Hier wo so reichlich der
Aprikosenbaum mich labet mit süßer Frucht,
Und die Feige heranreift,
Ströme Dank dir mein Glutgesang!...“ 

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Hochwässer 

Durch die Lage an der Donau waren die Hochwässer in der Altenwörther Pfarrchronik ein stetes Thema, wobei hier solche, die auf Grund eines Eisstoßes entstanden sind, keine Erwähnung finden, da sie ja eine andere Ursache als „normale“ Überschwemmungen haben. 

19.3.1740:  Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,43 m.

14.2.1776:  Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,93 m.

1786: "Im Jahre 1786 den 29.Juni und 20. August  ist die Donau aus ihrem Ufer getreten, jedes ohne beträchtlichen Schaden.“

1787: „Vom 30. September bis 2. Oktober war eine sehr große Überschwemmung, wobei das Wasser nicht nur in die Kirche eindrang, sondern auch in Altenwörth und Gigging viele Häuser demolierte.“ 

13.2.1795: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,69 m.

24.3.1799: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,66 m.

1813: „Im Jahre 1813 war furchtbare Überschwemmung; Gesamtschaden 103.700 Gulden.“ 

20.2.1830: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 9,30 m. 

7.9.1855: Das Hochwasser kam von den Flüssen Krems und Kamp und überflutete auch in Kollersdorf, Sachsendorf und Altenwörth die Äcker. 

4.2.1862: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 7,82 m.
In Folge des in der letzten Woche des Jänners plötzlich eingetretenen Thauwetters in Deutschland, Tyrol, Steyermark, Ober- und Niederösterreich u.s.w. und des in Baiern, Tyrol, Oberösterreich gleichzeitig stattgehabten, Wolkenbruch ähnlichen Regens wurde der sämtlich vorfindige Schnee, der jedoch nur in den Gebirgsgegenden von Bedeutung war, innerhalb kürzester Zeit in Wasser verwandelt und den Flußbeeten mit Raschheit zugeführt. Hiedurch geschah es, daß der Donaustrom eine Höhe und Ausdehnung erreichte, die soweit die ältesten Leute zurückzudenken vermögen, noch nicht da gewesen ist…

2.1.1880: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,14 m. 

1883: Anfang Jänner des Jahres fand in Altenwörth und in der Umgebung eine Überschwemmung statt. 

1890: Anfangs September 1890 wurde Altenwörth von einer argen Überschwemmung heimgesucht  ähnlich wie 1883. 

1892: Am 9. Juni dieses Jahres wurde Altenwörth von einer fürchterlichen Überschwemmung heimgesucht. Das Wasser war höher als im Jahre 1890 und richtete auf den Feldern u. in den Gärten großen Schaden an. 

1896:  Am 10. u. 11. März war Hochwasser mit mäßiger Überschwemmung. 

1897: Die Pfarrgemeinde Altenwörth wurde in diesen Tagen in der Zeit von 31. Juli bis 6. August durch Hochwasser heimgesucht.
2.8.1897: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,16 m. 

1899: „Das Bemerkenswerte in diesem Jahre ist die große Überschwemmung im Sptbr; vom 13. d. M. bis 17 inc. stieg das Wasser in der Donau derart, daß der Wasserstand dieser Überschwemmung deutlich höher war, als bei der Überschwemmung im Jahre 1897... Der Schaden an Feldern war ein großer, u. leider ist die Aussicht auf den gepl. Schutzbau scheinbar ganz hoffnungslos geworden.“
7.9.1899: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,34 m. 

1920: „Am 9. September trat die Donau aus ihrem Bette und überschwemmte viele Felder, wodurch der größte Teil der Kartoffelernte vernichtet wurde. Den Höchststand erreichte das Hochwasser am 10. September.“
10.9.1920: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 7,78 m. 

1923: „Das plötzlich eintretende Tauwetter brachte die großen Schneewasser (im Gebirge) zum raschen Schmelzen und die Folge: Überschwemmung. Das Hochwasser erreichte am 4. Februar den höchsten Stand und  begann rasch zu fallen. Wenngleich der Wasserstand im Vergleich zu 1920 ungefähr 20 cm zurückblieb, richtete diese Überschwemmung auf den Feldern größeren Schaden an.“
7.2.1923: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 7,69 m. 

1938: “In den letzten Wochen des August und ersten Wochen im September hat es so stark geregnet, daß die Donau fast ausgetreten ist. Viele Ortschaften wurden überschwemmt, besonders arg war es in Absdorf. Der Schaden durch das viele Regnen war bedeutend.“ 

1954: „Samstag den 10. Juli trat die Donau ober der Kampmündung aus. Sonntag war der Weg am Donauufer schon bis ins Dorf herab unter Wasser. Nun wurde das Ufer verschanzt durch einen Notdamm soweit es ging,…. Es war das größte Hochwasser seit 1899.“
8.7.1954: Der Hochwasserstein in Ponsee zeigt eine Höhe von 8,86 m. 

1965: „Auch gab es ein zweites Mal in diese Jahre Hochwasser mit enormen Schäden in Osttirol u. Kärnten. Wir blieben auch diesmal wieder verschont – wohl doch dank des neu ausgebauten u. erhöhten Dammes – obwohl die Gefahr schon sehr groß war.“ 

1975: Hochwassergefahr 

1981: Doch noch größeres Leid war für viele mit dem Hochwasser verbunden, das seit 1975 in diesem Ausmaß nicht mehr verzeichnet wurde. Neben den üblichen Überschwemmungsgebieten (Linz-Mauthausen-Wachau) mußten auch wir erfahren, daß unser Kraftwerk u. sein Damm nicht den versprochenen Schutz bieten. Wohl kam das Wasser nicht direkt von der Donau wie früher, sondern vom Ausgleichsgerinne u. dem Überlauf bei Theiß. Besonders Grafenwörth, St. Johann u. Seebarn, aber auch Sachsendorf u. Kollersdorf haben darunter gelitten.

2002: Trotz reger Dammbauarbeiten in den vorhergehenden Jahren traf dieses Hochwasser unsere Gegend massiv, da es diesmal vor allem vom Kamp kam. 

2013: Durch die Dämme waren wir im Gegensatz zu anderen Gegenden an der Donau vor dem Hochwasser gut geschützt.

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Alleine zwischen 1880 und 1900 gab es sieben Hochwässer, auch sonst war der Abstand oft nur 10 bis 20 Jahre. Man war auch immer schon bestrebt, sich vor dem Hochwasser zu schützen. Schon im 18. Jahrhundert gab es dazu Bestrebungen (was der Inhalt eines eigenen Artikels sein wird), die Natur zeigt uns aber, dass wir sie trotz all unserer fortschrittlichen Technik nicht gänzlich beherrschen können.
 

Anhand dieser Beispiele aus nur einer Chronik sieht man, dass es immer schon Wetterkapriolen gegeben hat,  Hochwässer keine Seltenheit sind, diese Phänomene nicht nur auf  die Industrialisierung und den vermehrten CO2-Ausstoß zurückgeführt werden können und die ständige Rede vom Klimawandel Großteils Panikmache ist.

 

Weitere Katastrophen in der näheren Umgebung siehe hier:
http://www.hf-kirchberg.at/index.php/katastrophen/katastrohpen  

 

Juli 2013
Maria Knapp