Krankheit und Tod

vor 1900

 

Letzte Änderung: 14.4.2017

 

Krankheiten hatten früher teilweise andere Namen als heute, manche kamen früher weitaus häufiger, auch bei jüngeren Menschen, vor, wie etwa die Wassersucht, andere gibt es heute nicht mehr, vor allem die gefährlichen Seuchen wie Cholera oder Pest sind ausgestorben. Im Anschluss sind Krankheiten aufgelistet, die in erster Linie in den Pfarrmatriken als Todesursachen aufscheinen. 

 

Altersschwäche

 

Arterienverkalkung

 

Auszehrung/Abzehrung/Schwindsucht
Krankheitsbilder mit Kräfteverfall und starkem Untergewicht, z.B. Krebs, Tuberkulose

 

Blasenbrand
Blasenentzündung
 

 

Blatternkrankheit
Feuchtblattern - "Wenn sich in einem Orte Kinderblattern zeigen, so haben die Aeltern, Hauseigenthümer und die Ortsrichter hievon bey strenger Verantwortung sogleich die Anzeige der Ortsobrigkeit zu machen. Blatternde Kinder dürfen nicht auf die Gasse oder öffentliche Orte gebracht werden."
Quelle: Handbuch für Orts-Richter, Thomas Hofer, 1840

 

Blutsturz
Unter einem Blutsturz versteht man umgangssprachlich eine plötzliche, starke Organ-Blutung aus einer Körperöffnung, die sich durch Bluterbrechen oder Bluthusten äußert. In der Volksmedizin und in der Geschichte wurde zwischen diesen verschiedenen Erkrankungen oft nicht genauer unterschieden, auch wenn sehr unterschiedliche Ursachen dahinter stehen. Der Blutverlust kann zum Tod führen.

 

Blutzersetzung

 

Brand der Alten
Gangraena senilis, Arteriosklerotischer Brand

 

Brandfieber

 

Bronchitis

 

Cholera
"Im 19. Jahrhundert kam die Cholera aus Preußen und Polen zu uns und hatte besonders im September 1831 viele Todesopfer, ebenso 1837 und 1855. Im nördlichen Bezirksteil war die Seuche 1866 im Gefolge der Kriegsereignisse, durch die Preußen eingeschleppt, sehr stark aufgetreten." Quelle: Otto Biak, Die Geschichte der Stadt Tulln

 

Cholerine

Leichte Form der Cholera

 

Cholik
Als Cholik bezeichnet man einen heftigen, quälenden krampfartig auftretenden Schmerz in der Bauchregion.

 

Dampf
Kurzatmigkeit, Asthma

 

Darmgicht

 

Englische Krankheit

Rachitis

 

Epidemisches (Nerven)Fieber
Dabei handelt es sich um die Influenza, die echte Grippe, die im Gegensatz zum grippalen Infekt (Erkältung) mit hohem Fieber und Muskelschmerzen beginnt.

Zwischen 1918 und 1920 wütete die „spanische Grippe“ in Europa und forderte etwa 25 Millionen Todesopfer. 

Auch bei uns gab es im Jahr 1918 Infektionen: Pfarrchronik Altenwörth: „In den Monaten September und Oktober gab es in unserem Vaterlande wohl kaum ein Dorf, das nicht von der Infektionskrankheit „Spanische Grippe“ heimgesucht gewesen wäre. Auch in unserer Pfarre waren sehr viele erkrankt (auch der Verfasser dieser Aufzeichnungen); tödlich verlief die Krankheit für vier Personen.“

 

Erbrechen

 

Erstickungskatarrh - Suffocativkathar 

 

Ertrinken
Durch die Nähe der Donau kam es oft zum Tod durch Ertrinken - entweder als Unfall oder in Selbstmordabsicht.

 

Fallsucht
Epileptische Anfälle

 

Faulfieber, faules Nervenfieber, Epidemisches Faulungsfieber
Typhus – Infektionskrankheit mit hohem Fieber

 

Fieber/Abzehrendes Fieber/hitziges Fieber/Kopffieber

 

Fraisen/Fallsucht
Als häufigste Todesursache bei Kleinkindern, aber manchmal auch bei Erwachsenen wurde „ Fraisen“ angegeben. Eigentlich handelt es sich dabei um Epilepsie, aber anscheinend wurde dieser Begriff auch bei ungeklärter plötzlicher Todesursache verwendet.

 

Frieslausschlag

Jeder Art von Fieber mit Ausschlag, man unterschied zwischen rotem und weißen Friesl.

 

Fulschber
Diese Krankheit wird zweimal im Mirakelbuch der Wallfahrtskirche von Kirchberg am Wagram erwähnt. Laut Dr. Groiß dürfte es sich um eine Hautkrankheit handeln, näheres ist aber nicht bekannt.

 

Gallfieber
Typhus – Infektionskrankheit mit hohem Fieber

 

Gebärmutterbrand
Nekrose des Gebärmuttergewebes

 

Geburt/Kinderkrankheiten
Kind oder Mutter starben oft „an harter Geburt“, Kinder, die nicht lebensfähig waren, starben an „Schwäche“. Viele Frauen starben „im Kindbett“ oder an den „Kindsbettfolgen“. Erst Dr. Ignaz Semmelweis erkannte um 1850, dass das Kindbettfieber, an dem so viele Frauen starben, nur ein Mangel an Hygiene bei den Ärzten und dem Krankenpersonal war. Doch zu seinen Lebzeiten wurden diese Erkenntnisse nicht mehr umgesetzt.

 

Gedärmfrais
Vermutlich Darmkolik, um 1700 starben viele Säuglinge und Kleinkinder daran, vermutlich durch falsche Säuglingsnahrung. Mozarts erster Sohn Raimund Leopold starb an dieser Erkrankung. Quelle: http://www.paperboy.de/referatanzeigen-579.html
 

 

Gehirnlähmung 

 

Gesichtsrose
Eine Form der Gürtelrose

 

Gicht

 

Grauer Star
In früherer Zeit wurde diese Augenkrankheit von den Chirurgen durch "Starstechen" behandelt.
Siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/gesundheitwesen/chirurgy

 

Häutige Bräune
Diphterie

 

Herzgeschwür

 

Herzwassersucht/Wassersucht/Brustwassersucht/allgemeine Wassersucht
Wassersucht wird heute Ödem genannt und ist eine Schwellung des Gewebes aufgrund einer Einlagerung von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem. Dies kann in vielen Organen oder generalisiert auftreten. Grund ist oft eine Herzschwäche oder Leberzirrhose.

 

Hinfallende Krankheit
Epilepsie

 

Kalter Brand
Als „kalter Brand“ wurde das Absterben von Gewebe bezeichnet. Die häufigsten Ursachen dafür sind Diabetes und Veneninsuffizienz

 

Katarrh

 

Keuchusten/Stickhusten
Keuchusten ist eine durch Bakterien ausgelöste hochansteckende Infektionskrankheit. Bereits seit 1933 gibt es eine Impfung.

 

Kindsnöte
= Wehen, eine Frau die in den Wehen verstorben ist.

 

Knotige Lungensucht
Unterart der Tuberkulose

 

Krampfhusten
echter Krupp (Diphtherie) – Entzündung der oberen Atemwege. Es kann zu lebensbedrohlichen Zuständen und Spätfolgen kommen.

 

Krebs
Es wurden gefunden: Krebsartiges Geschwür, Krebs an der Zunge, Brustkrebs im Jahr 1833.

 

Krupp, Croup

Pseudokrupp; Entzündung der oberen Atemwege im Bereich des Kehlkopfes, die durch einen charakteristischen bellenden Husten, Heiserkeit und bei schweren Verläufen auch Atemnot geprägt ist. Hauptsächlich betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder.  

 

Lebensschwäche

 

Leibschaden
Bruch - behandelt mit dem Rupturband

 

Lendenfieber

Nierenerkrankung

 

Lungenbrand
Lungenbrand, heute Lungengangrän, bezeichnet das brandige Absterben einzelner Lungenpartien, wobei sich das Lungengewebe in einen schwärzlich-grünen, übelriechenden Brandschorf oder in eine missfarbige, stinkende, breiartige oder jauchige Masse umwandelt.
Quelle:  http://www.peter-ug.ch/lexikon/Lungenbrand

 

Lungenentzündung
Die Lungenentzündung, die heute gut mit Antibiotika zu behandeln ist, endete früher oft tödlich.

 

Lungenlähmung
Ist eine plötzliche Todesart, deren Ursache auf einem Stillstand der Atmung beruht. Über das Zustandekommen dieses Stillstandes ist damit nichts ausgesagt.

 

Lungensucht
Die Lungensucht (Tuberkulose) bezeichnete eine völlige Abnahme oder Verzehrung des Körpers, welche aus offenen Geschwüren oder anderen Gebrechen und Fehlern der Lunge entstanden, und mit einem schleichenden, anhaltenden Fieber und beschwerlichem Husten verbunden ist. Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Foto: Familie Schneider, Königsbrunn
Diese Karte wurde aus der Lungenheilanstalt Alland  im Jahr 1928 geschrieben. Im Text auf der Rückseite heißt es: "... dass die alle lungenkrank sind, werdet Ihr wohl kaum glauben und doch ist es so...."

 

Marasmus, Marasmus senilis
Abbau der körperlichen Funktionen, austrocknen

 

Masern
Masern waren in der Zeit vor 1900 eine schwere Infektionskrankheit, an der vor allem Kinder starben.

 

Mehlhund
„Der Mehlhund ist nichts anderes, als wenn an der Zunge und am Zahnfleisch, am Gaumen und in dem Schlund weiße, kleine und größere erhabene Flecken sich zeigen. Die Kinder können vor Hitze und dem empfindlichen Schmerz im Munde kaum saugen, und schreyen Tag und Nacht.“ Quelle: Ausführlicher Unterricht in der Entbindungskunst, Joh. Baptist Obermayer, Sulzbach 1791

 

Miliartuberkulose
Eine über den ganzen Körper verteile Tuberkulose, die durch kleine, hirsekorn- bis linsengroße Krankheitsherde in der Lunge und anderen Organen (z.B. Leber, Milz) gekennzeichnet ist.

 

Mundsperre

 

Mutterfrais
Im Kindbett verstorben

 

Nervenfieber/bösartiges Nervenfieber/Schleichendes Nervenfieber
Typhus – Infektionskrankheit mit hohem Fieber

 

Nervenschlag
Schlaganfall

 

Nervöse Lungenentzündung
Lungenentzündung mit Fieber mit nervösen Charakter.
Quelle: Grundsaetze zur Erkenntniss und Behandlung der Fieber und Entzündungen von Ignaz Rudolph Bischoff
 

 

Nierenentartung

 

Pest/Beulenpest
Die gefürchtetste Krankheit war die Beulenpest, die jahrhundertelang epedemieartig über Europa hereinbrach. Sie begann mit Kopfweh, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Kurz darauf zeigten sich "Dippel am Körper", der Tod trat meist in kürzester Zeit auf und raffte ganze Familien dahin.

"Auch auf der Straße nach Kirchberg steht noch ein Marterl, und ein ganz ähnliches auf dem Feldwege in den 'Hotten', unterhalb Altenwörth, sogenannte Pestkreuze oder Pestmarterl. Derartige Pestmarterl findet man allerorts. Das größte Pestjahr war 1679. - Bei Pestmarterln findet man regelmäßig auch Totengebeine, jedenfalls Spuren der Pestfriedhöfe, dies in hiesiger Pfarre besonders beim Pestkreuz zwischen Sachsendorf und Kollersdorf."
Quelle: Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Dedelbacher

"Die Pest, seit Jahrhunderten der Schrecken unseres Landes, verlor auch in den ersten zwei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts nichts von ihrer Fürchterlichkeit. Sie hatte aber in den Jahren 1710 – 1715 ihren letzten Höhepunkt und suchte diesmal ganz besonders die Dörfer heim. Sie kam aus Ungarn, trat 1711 zuerst in unserem Bezirke in Groß-Weikersdorf auf und verbreitete sich über den ganzen Bezirk."
Quelle: Otto Biak: Die Geschichte der Stadt Tulln

Folgende Pestjahre werden in der Pfarrchronik Altenwörth aufgezählt: 1349, 1359, 1365, 1367, 1368, 1380, 1397, 1409, 1410, 1431, 1445, 1471, 1477, 1543, 1558, 1626, 1655, 1579, 1713, 1714 und 1741

 

Petetschen
Pestflecken

 

Pocken, bösartige Pocken
"Als schwarze Blattern (Variola haemorrhogica) bezeichnet man eine besonders schwere Verlaufsform der Pocken. Innerhalb weniger Tage kommt es hier zu schweren Blutungen der Haut, der Schleimhäute sowie der inneren Organe. Die Patienten sterben bereits in der ersten Erkrankungswoche, häufig schon während der ersten 48 Stunden."
Quelle: http://www.spiegel.de/sptv/themenabend/0,1518,218331,00.html

"Die letzte Pockenepidemie in unserem Bezirk war 1843."
Quelle: Otto Biak: Die Geschichte der Stadt Tulln.

 

Podagra

akuter Gichtanfall am Großzehengrundgelenk

 

Puerperalfieber
Entzündliche Veränderungen des weiblichen Genitaltraktes im Wochenbett, verursacht durch das Eindringen pathogener Bakterien in die Geburtswunden.

 

Rachenbräune
Diphterie

 

Rheumatismus

 

Ruhr - Dysenterie
Die bakterielle Ruhr ist eine Durchfallerkrankung, deren Erreger zwar weltweit verbreitet sind, warmes Klima und schlechte sanitäre Verhältnisse begünstigen aber die Ausbreitung der Krankheit.
Quelle: http://www.onmeda.de/krankheiten/bakterielle_ruhr.html)

 

Ruptur, Leibschaden, Weichbruch, Seitenbruch
Bruch - behandelt mit dem Rupturband

 

Scharlachfieber
Scharlach war vor Einführung der Antibiotika hochgefährlich. Er wurde im 9. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt. Der Scharlach ist eine akute Infektionskrankheit, die vor allem im Kindesalter von vier bis sieben Jahren auftritt. So ist in der Pfarrchronik Altenwörth 1939 eine Scharlachepidemie in Kollersdorf dokumentiert – 25 Kinder waren erkrankt. 
Die Behandlung mit einem entsprechenden Antibiotikum kann den früher gefürchteten Spätkomplikationen vorbeugen.

 

Scharbock - Skorbut
Dabei handelt es sich um eine Vitaminmangelkrankheit, bei der das Vitamin C fehlt, er wird 
der schweren salzarmen und wenig gewürzten Kost zugeschrieben.

 

Schlafsucht

 

Schlagfluss/Nervenschlag
Schlaganfall

 

Schleichfieber

 

Schwindsucht
Krankheitsbilder mit Kräfteverfall und starkem Untergewicht, z.B. Krebs, Tuberkulose

 

Seitenstechen
Damit ist meist eine Brustfellentzündung gemeint, dies ist eine Entzündung des Brustfells, einer dünnen Haut, die die Lungenflügel umhüllt.

 

Skorbut (= Scharbock)
Dabei handelt es sich um eine Vitaminmangelkrankheit, bei der das Vitamin C fehlt, er wird der schweren salzarmen und wenig gewürzten Kost zugeschrieben.

 

Spanische Grippe
Siehe unter "Epidemsiches Fieber".

 

Steckfluss, Stickkatar
Die Menschen starben dabei an einem akuten Asthma-Anfall, bei dem der Kranke nicht mehr ausatmen kann.

 

Stickhusten
Keuchusten ist eine durch Bakterien ausgelöste hochansteckende Infektionskrankheit. Bereits seit 1933 gibt es eine Impfung.

 

Schwarze Blattern
Siehe unter "Pocken".

 

skrofulöse Auszehrung/Scrofelsucht/Skrophelsucht
Diese krankhafte Anlage, die Neigung zu heftigen chronischen Lymphdrüsenschwellungen bei verhältnismäßig geringfügigen Ursachen, nennt man nun Skrofelkrankheit (Skrofulose); Kinder, welche mit dieser Disposition behaftet sind, bezeichnet man als skrofulös. Da Kinder von solcher schwachen, reizbaren skrofulösen Konstitution nicht selten später an Tuberkulose erkranken, so sind Skrofulose und Tuberkulose oft miteinander identifiziert worden; die Skrofulose ist indes eine bloße Krankheitsanlage, die durch zweckmäßige Behandlung beseitigt werden kann, die Tuberkulose hingegen ein ausgebildeter Krankheitsprozeß.
Quelle: http://www.daniel-stieger.ch/krankheiten.htm, Meyers Konversationslexikon (1888)

 

Starrkrampf

 

Tuberkulose

 

Übersetzung des Scharlachstoßes auf das Gehirn

 

Unfälle
Unfälle kamen häufig vor, so etwa: Fall vom Pferd, Fall vom Baum. 

 

Urinverhaltung

 

Veitstanz
Diese Krankheit heißt heute Chorea Huntington und ist eine bisher unheilbare, vererbliche Erkrankung des Gehirns. Die Bezeichnung Veitstanz wurde aber auch für andere ungeklärte Erkrankungen wie die Tanzwut im Mittelalter oder für andere neurologische Erkrankungen verwendet.

 

Verjauchung der Leber

 

Wasserkopf
Ein Hydrocephalus ist eine krankhafte Schädelvergrößerung durch abnorme Vermehrung der Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit, kann angeboren oder erworben sein und war früher eine häufige Todesursache bei Kindern.

 

Erschwerter Zahndurchbruch

 

Zahnfraisen

 

Fressender Züttrich
am Arm der Frau eines Wiener Goldschmiedes im Jahre 1761. Diese Krankheit wird im Mirakelbuch der Wallfahrtskirche von Kirchberg am Wagram erwähnt. Art der Erkrankung unbekannt. 

 

 

Erika Schwarz, Maria Knapp
Februar 2012