Das Patronagehaus in Altenwörth
 
 
Letzte Änderung: 1.3.2017
 
 
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gründeten wohltätige Damen unter der Patronanz des Heiligen Philip Neri neben vielen anderen Heimstätten für Frauen auch in Altenwörth eine solche und zwar ein Heim für erholungsbedürftige Mädchen. Dieses befand sich in der heutigen Schwemmgasse.
 

Ausschnitt aus einer Ansichtskarte
Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
Zwischen Kirche, Pfarrhaus, Gashaus Hametner und Zille sieht man das Patronagehaus
Monika Jöchel, Winkl
 
 
 
 
Ansichten aus Ansichtskarten, zur Verfügung gestellt von Hermann Pistracher, Kirchberg am Wagram
Auf einem Bild wurde das Institut als St. Philippsheim bezeichnet.
 
 
Einige Zeitungsausschnitte geben Auskunft über diese Stiftung.
 
In einem Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1911 wird das Haus in einer Liste von Mädchenfürsorgevereinen als Philippsheim bezeichnet.
Quelle: Illustrierte Kremser Zeitung vom 12.6.1911, veröffentlicht in ANNO - AustriaN Newspapers Online -, ein Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek
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Das Jubiläum einer sozialen Samariterin.
Am 27. d. feiert eine der auf sozial-charitativem Gebiete verdienstvollen Damen Wiens, Gräfin Melanie Zichy-Metternich, ihren 80. Geburtstag. Ein ereignis- und erfahrungsreiches Leben liegt hinter der edlen, immer noch sehr rüstigen Gräfin.
Die Gräfin Zichy-Metternich war eine Tochter von Fürst Metternich. Mit ihrer Familie flüchtete sie 1848 nach der Abdankung des Vaters nach London. Später wieder in der Monarchie, heiratete sie den Grafen Josef Zichy. Gemeinsam mit ihm ging sie mit Erzherzog Maximilian für ein halbes Jahr nach Mexiko, bis der dortige Hofstab etabliert war. Nach dem Tod ihres Gatten im Jahr 1896 widmete sie sich wohltätigen Aufgaben.
So war sie diejenige, welche es durchsetzte, daß die katholischen Frauen der Monarchie sich vereinigten, um die Stellung der Frau im katholischen Sinne gegenüber dem zersetzenden Geist der allzu liberalen Frauenbunde zu erhalten, festigen und schützen. Man darf sie im edelsten Sinne des Wortes als die erste katholische Frauenrechtlerin Oesterreichs bezeichnen.
Gräfin Zichy-Metternich hat ferner auch das große Werk des Jugendschutzes für Mädchen der Arbeiterkeise, das „Werk des hl. Philippus Neri“, ins Leben gerufen. – Ueber ganz Oesterreich-Ungarn breitet sich dieses Werk aus und wurde auch in Süddeutschland nachgebildet. Von seinem segensvollen Wirken ist auch unsere Reichshauptstadt Zeuge. In Wien unterhält dieser Verein, deren Landespräsidentin Prinzessin Franziska Metternich-Mettrowsky ist, außer ihrer Zentrale eine Heimstätte für junge Verkäuferinnen und ein Frauenspeisehaus (1, Himmelpfortgasse 19), eine Privathandelsschule und Unterrichtsanstalt für Weißnähen und Kleidermachen (1. Dorotheergasse 5), eine unentgeltliche Stellenvermittlung für Dienstboten und eine Auskunftsstelle für Kinder- und Arbeiterinnenpatronagen (1, Himmelpfortgasse 19), ein Arbeiterinnenheim in der Alxingergasse in Favoriten und in Altenwörth ein Heim für erholungsbedürftige Mädchen. Welch eine Fülle von Arbeit und Sorgen verrät schon diese Aufzählung!...
Quelle: Reichspost vom 25.2.1912, veröffentlicht in ANNO - AustriaN Newspapers Online -, ein Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek
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Das Werk des heiligen Philipp Neri.
Der unter dem Protektorate der Erzherzogin Aebtissin Frau Maria Annunziata stehende Verein „Werk des heiligen Philipp Neri“, hatte für Sonntag den 25. d., in den kleinen Konzerthaussaal eine Plenarversammlung einberufen, die einen massenhaften Besuch aufwies. Es waren erschienen: Die Generalpräsidentin Gräfin Zichy-Metternich, Landes-Direktor f.e. geistl. Rat Msgre. Dr. Leopold Schranzhofer, die Landes-Präsidentin Prinzessin Lothar Metternich, ……..
Dr. Schranzhofer führte den Vorsitz. Er eröffnete die Versammlung mit dem katholischen Gruße und entschuldigte zunächst das Fernbleiben der Protektorin des Vereines Frau Erzherzogin Aebtissin Maria Annunziata sowie des Fürsterzbischofs Exzellenz Doktor Friedrich Piffl. Redner gedachte des herrlich verlaufenen II. Katholischen Frauentages und ging dann zur Besprechung des Werkes des heiligen Philipp Neri über. „In unserem Werke, sagte er, werden ungefähr 2200 Schützlinge vor den Gefahren der Straße geschützt. Es gibt ferner eine Marianische Kongregation, die mehr als 100 Mitglieder umfaßt und äußerst verdienstlich wirkt die Kerntruppe für dieses Werk des hl. Philipp Neri. Wir haben ein Arbeiterinnenheim im 10. Bezirk, eine Erholungsheim in Altenwörth a.d. Donau, in welchem jährlich 70 Schützlinge gegen billiges Geld Erholung und Unterkunft finden. Ein Werk, das auf solche Einrichtungen hinweisen kann, ist wohl wert, bekannt zu werden. Heuer sind es 20 Jahre, dass dieses Werk besteht. Nach und nach wurden Patronagen gegründet und gegenwärtig gibt es in Wien 11 Arbeiterinnenpatronagen, 10 Kinderpatronagen und 1 Dienstbotenpatronage, außerhalb Wiens eine in Baden, Wr. Neustadt, St. Pölten, Scheibbs und Krems. Dieser herrliche Gedanke des Schutzwerkes hat auch über das engere Vaterland Niederösterreich hinausgegriffen und Wurzeln gefaßt in Steiermark, Kärnten, Tirol und Böhmen. ….
Quelle: Reichspost vom 3. Mai 1914, veröffentlicht in ANNO - AustriaN Newspapers Online -, ein Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek
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Anzeige:
Erholungsheim
Altenwörth a. d. Donau, für junge Mädchen Landaufenthalt mit guter, reichlicher Verpflegung (5 Mahlzeiten). Mai, Juni, September, Oktober pro Tag S 2,--, Juli, August S 3,60. Anmeldungen: Zentrale, 1, Himmelportgasse 19, täglich von 12 bis 2 Uhr und von 6 bis 7 Uhr.
Quelle: Reichspost vom 1. Mai 1926, veröffentlicht in ANNO - AustriaN Newspapers Online -, ein Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek
 
 
 
November 2016
Maria Knapp