Der Neubau des Pfarrhofes

 

Letzte Änderung: 28.11.2014 

 

Die Kirche mit dem alten Pfarrhof

 

Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Wilhelm Grubmüller

Eine Renovierung des Pfarrhofes war unbedingt notwendig geworden und sollte nun anläßlich der Neubesetzung der Pfarre durchgeführt werden. Die erforderliche Bausumme sollte jedoch 120.000 S nicht übersteigen. Im Bemühen, auch von Seiten der Gemeinden der Pfarre eine Unterstützung zu erlangen, kam es zu dem Plan eines gänzlichen Neubaues. Herr Landesrat Johann Waltner, Bürgermeister daselbst hat nach Rücksprache mit den Bürgermeistern von Kollersdorf und Winkl ein so beachtenswertes Angebot gemacht, daß es vom Vertreter des kirchlichen Bauamtes H. Dechant und dem gefertigten neuen Pfarrer nur dankend angenommen werden konnte. Die Gemeinden verpflichteten sich, für den Fall eines Neubaues, die Summe von 100.000 S in bar als Zuschuß aufzubringen und außerdem durch freiwillige Arbeitsleistung im Wert von ungefähr 70.000 S die Bausumme entsprechend zu verringern. Somit stand ein Baukapital von 310.000 S zur Verfügung und zwar: 50.000 S hatte die Pfarre Bestandguthaben bei der e.b. Finanzkammer (aus früher verkauften Kirchengründen), 80.000 S als Darlehen und ebenso     viel als außerordentlicher Zuschuß wurden von der e.b. Finanzkammer zugesprochen und die oben erwähnten 100.000 S von den Gemeinden.

Mit dieser Summe müßte nach Angaben der Fachleute das Auslangen gefunden werden, zumal der alte Dachstuhl hätte wiederverwendet werden sollen, weshalb auch die Außenmaße des Neubaues mit dem alten Pfarrhaus übereinstimmen mußten.

Um nun dem neuen Pfarrer das Odium das Abreißens gleich zu Beginn seine Amtstätigkeit zu ersparen, wurde die Installation verschoben bis der neue Pfarrhof wenigstens im Rohbau fertig ist. Dies war aber nur dadurch möglich, daß sich der Hochw. Pfarrer Rudolf Koriska von Kirchberg ganz freiwillig und von sich aus bereit erklärte, die Provisur bis dahin zu übernehmen. Dafür sei ihm hier ganz öffentlich ein herzliches Vergeltsgott gesagt, besonders auch für die Leitung des Baues und die nicht immer leichte, aber von ihm glänzend gelöste Aufgabe bei der Organisation der freiwilligen Hilfskräfte. Mit der Beaufsichtigung des Baues (Abreißen und Neubau) wird Herr Direktor Friedrich Süß, Oberlehrer i. R. beauftragt. Ihm ist auch eine genaue Aufzeichnung über den Gang der Arbeiten beim Bau zu verdanken, die er nach Fertigstellung und Abschluß der Pfarre zur Überlieferung an die Nachwelt hinterläßt. Begonnen wurde mit dem Abbruch (Abdecken des Daches) am Freitag den 10. Mai um 6 Uhr früh. Dank der fleißigen Mithilfe aller Pfarrangehörigen konnte dem Neubau, der auf die alten Grundmauern gesetzt wurde, bereits am 16. Juli wieder der Dachstuhl (allerdings ein neuer!) gesetzt werden.

 

Schulchronik Altenwörth, Lehrer Ludwig Riediger 

Mit 1. April 1957 wurde unsere Pfarre neu besetzt. Die Zeit von der Räumung des Pfarrhofes bis zur Wiederbesiedlung wollte man benützen, verschiedene Ausbesserungsarbeiten durchzuführen, deren Dringlichkeit anerkannt wurde. Es ergab sich jedoch, daß umfangreiche Reparaturen notwendig sind, wozu auch eine bedeutende Geldsumme erforderlich ist. Nach reiflicher Überlegung wurde am 5. Mai 1957 durch die hiefür maßgeblichen Stellen, Ämter und Behörden, in einer gemeinsamen Sachprüfung mit den drei Gemeinden der Pfarre der einstimmige Beschluß gefaßt, den bestehenden Pfarrhof niederzureißen und an derselben Stelle neu aufzubauen. Die Gemeinden der Pfarre erklärten sich bereit, außer unentgeltlicher Bereitstellung von freiwilligen Arbeitskräften noch finanziell zu den Kosten des Neubaues beizutragen. Bei Versammlungen in den einzelnen Gemeinden, geleitet vom interimistischen Leiter der Pfarre, Hochw. Herrn Pfarrer Koriska aus Kirchberg am Wagram, die auch erfolgreich verliefen, wurde eine Liste von freiwilligen Arbeitskräften aufgenommen, und so konnte bereits am 10. Mai mit dem Abbruch des Pfarrhofes begonnen werden. Die Demolierungsarbeiten, die von einem Fachmann der Baufirma Damböck aus Kirchberg geleitet wurden, sind ausschließlich von freiwilligen Helfern der drei Gemeinden der Pfarre durchgeführt worden. Während noch die alten Mauern fielen, wurden bereits Männer und Frauen damit beschäftigt, das gute Ziegelmaterial abzuputzen und sortiert aufzustellen. Ein anderer Teil dieser Helfer räumte Schutt weg, der sogleich mittels Traktorfuhrwerkes weggeführt wurde. 30 bis 60 Helfer waren tageweise im Einsatz und es war eine helle Freude, zu sehen, mit welchem Eifer man am Werk war. Nebenbei wurden bereits Bauwerkzeuge sowie Baumaterialien herbeigeschafft.

Am 24. Mai war der Abbruch des alten Pfarrhofes beendet. Nun wurde mit dem Ausmessen des Kellers und mit dem Betonieren der Grundfeste begonnen. Zunächst waren nur zwei, später drei und zeitweise vier Maurer zur Arbeit. Handlanger dieser sowie das Kalkablöschen und Mörtelmischen wurde von freiwilligen Helfern durchgeführt. Zum Betonieren wurde Schotter aus der Schottergrube in Kollersdorf von freiwilligen Helfern herbeigebracht. Am 5. Juni war die Grundfeste fertiggestellt und es konnte mit den Grundmauern begonnen werden. Dazu wurde nur gutes Ziegelmaterial verwendet. Außen- und Innenmauern des ebenerdigen Traktes waren mit 26. Juni  fertig. Zimmerleute der Fa. Hametner aus Altenwörth legten den Tramboden und machten die Verschalung. Das Mauerwerk des 1. Stockwerkes wurde mit Hohlblock-Ziegeln hergestellt. Mittels elektrischen Aufzuges wurden die Ziegel und Mörtel hochgezogen. Bereits am 11. Juli ist die Gleiche fertig und an der SO-Ecke des Baues prangte der geschmückte Baumgipfel. In den kommenden Tagen legten die Zimmerleute die Decke im Obergeschoß. Am 16. Juli war der Dachstuhl aufgesetzt, am Abend bereits (eingelagert) eingelattet und auch der geschmückte Firstbaum fehlte nicht. Nun wurden die Rauchfänge aufgemauert. Am 24. Juli konnten die Dachziegel eingehängt werden. Ein Dachdecker und 38 freiwillige Arbeitskräfte waren zu dieser Arbeit erschienen. Altenwörth stellte 16, Gigging 6, Kollersdorf 11, Sachsendorf 5 Leute. Aus Winkl war niemand erschienen. Innerhalb von 4 ½ Stunden war die Arbeit vollbracht. So stand nach etwa 2 ½ Monaten der Rohbau fertig da. Nun begannen die Arbeiten im Innern des Hauses. Schon vorher hatten die Elektriker die Leitungen fürs Licht gelegt. Spenglerarbeiten durchgeführt durch Spenglermeister Zimmermann aus Fels, Dachdecker (Ziehensag aus Grafenwörth). Von den Maurern wurden Tür- und Fensterstöcke eingemauert, noch kleine Zwischenmauern aufgestellt, die Zimmerdecken angerohrt, Decken und Wände angeworfen und geputzt, Ein großes Glasfenster an der Nordseite eingesetzt, die Kanalisierung angelegt, der Dachboden wurde mit Lösch angeschüttet und betoniert. Von den Schlossern (Fa. Kitzler aus Kirchberg) wurden die Installierungsarbeiten für die Wasserleitung hergestellt, Wasserpumpe und Druckkessel aufgestellt. Die Fußböden (Fa. Hametner, Altenwörth) wurden gelegt, die Türstöcke für Ein- und Ausgang eingemauert. Sämtliche Tischlerarbeiten besorgte Tischlermeister Walter Magerl aus Kollersdorf. Mit 31. Oktober wurden die Maurerarbeiten somit fertig; der Außenputz wird erst im kommenden Frühjahr gemacht. Aber auch im Winter ruhte die Arbeit nicht. Pflasterer (Fa. Damböck. Kirchberg) und Fliesenleger (Felsner, Jettsdorf) waren beschäftigt, Elektriker (Ing. Knofel, Altenwörth) zogen die Leitungsdrähte ein, montierten Schalter und Stecker, Installateure bauten Waschmuschel und Speicher auf. Der Stiegenbauer (Kramer, Rosenburg) machte den Aufgang in den 1. Stock, Holzverschalung und Wandverkleidungen wurden hergestellt. Mit Anfang April 1958 wurden bereits die Malerarbeiten (Klug, Kirchberg) begonnen und am 15. April der Außenputz in Angriff genommen. Maurer, Maler-Anstreicher und Steinmetz (Müller, Krems) waren noch mit der weiteren Ausstattung beschäftigt. Zum Abschluß wurde noch durch Herrn Prof. Rudolf Pleban, akademischer Maler aus Tullnerbach, das prachtvolle Sgraffito-Bild an der Ostwand des Gebäudes, darstellend den Sturm auf dem Meere ausgeführt. Nachdem im Hofraum noch Betonwege angelegt, die Toreinfahrt hergerichtet und mit einem Blechsaum überdacht sowie rings um das Haus Traufenpflaster gemacht wurde, waren am 16. Mai 1958 sämtliche Arbeiten vollendet.

Am 17. Mai 1958 wurde der Neubau durch seine Exzellenz Erzbischof-Koadjutor Dr. Jachym aus Wien eingeweiht. So ist innerhalb eines Jahres ein prachtvolles Bauwerk entstanden, ein Schmuckstück für die ganze Pfarrgemeinde.

Der Bau des neuen Pfarrhofes erforderte 12.740 Arbeitsstunden, davon wurden von sämtlichen Bauhandwerkern insgesamt 7.522 Arbeitsstunden geleistet d.i. 59 %, von den freiwilligen Arbeitskräften der Pfarrgemeinde 5.218 Arbeitsstunden d.i. 41 %; letzteres ist wohl ein schöner Erfolg für die Pfarrbewohner.

Der neu ernannte Herr Pfarrer, Hochw. Wilhelm Grubmüller, wurde am 28. Juli 1957 in die hiesige Pfarre investiert und bezog den neu erbauten Pfarrhof am 30. April 1958. In der Zwischenzeit bewohnte er das Haus in Altenwörth No. 41. 

 

Sitzungsprotokolle Gemeinde Winkl 

1957: Der Bürgermeister berichtet, dass der Beitrag der Gemeinde Winkl zur Instandsetzung des Pfarrhauses S 30.000,- beträgt. Der Gemeinderat nimmt dies zur Kenntnis und beschließt einstimmig, diesen Betrag in der Form aufzubringen, dass 15.000,-- S durch Hand- und Zugarbeit der Bewohner erbracht werden und für die restlichen S. 15.000,-- die NÖ Landesregierung um eine Bedarfszuweisung ersucht wird. 

  
Der Pfarrhof im Jahr 1912, vor der neuerlichen Renovierung 

Der Pfarrhof 2013

 

Februar 2013
Maria Knapp