Pfarrer Karl Berthold

 

 

Letzte Änderung: 30.11.2014

 

Karl Berthold stammte aus Ebersdorf/Zaya, Pfarre Prinzendorf, im Bezirk Mistelbach. Von 1915 – 1923 war er am Knabenseminar zin Hollabrunn, danach studierte er in Wien Theologie,  Priesterweihe war am 17. 7. 1927.  Seine erste Anstellung fand er in Großenzersdorf (1.4.28 – 31. 7.29). Dieser Posten war sehr anstrengend, er hatte in zwei Filialschulen insgesamt 18 Schulstunden und jeden Sonntag zwei Messen zu halten.
Vom  1. 8. 29 – 30. 9. 29 war er kurze Zeit in Retz, bevor er nach Wien-Erdberg kam (1. 12. 29 – 30.11.1936).


Foto: 975 Jahre Altenwörth, 1014 - 1989

 

Nachdem am 30.11.1936 Pfarrer Josef Dedelbacher in die Pfarre Maria vom Siege in Wien versetzt worden war, trat Karl Berthold  am 1.12. als Provisor seinen Posten in Altenwörth an, am  1.2.1937 wurde er zum Pfarrer ernannt.

„Die Installation am 28.2.1937 nahm Dechant Josef Hochmeister von Fels vor.10 Priester und eine ungeheure Menschenmenge war bei der Installation. Von Wien III. Erdberg sind allein vier große Autobusse gekommen mit Pfarrer Franz Hlawaty und Kooperatoren Kubessa und Brenner. Für Altenwörth wurde die Installation ein Volksfest, wie schon lange keines war.“ (Pfarrer Berthold) 

Er war hier Priester während des Umsturzes und des 2. Weltkrieges. So weit es die finanziellen Mittel erlaubten, hielt er Kirche und Pfarrhof in Stand. Nach dem Krieg ließ er Kirche und Pfarrhof, die in den letzten Kriegstagen größeren Schaden erlitten hatten, vollständig renovieren. 1946 wurden zwei neue Kirchenglocken geweiht, 1947 wurde Altenwörth an das Stromnetz angeschlossen.

„Der 15. August wird für Altenwörth ein großer Gedenktag bleiben; an diesem Tag war nämlich die Lichtfeier. Nach der Weihe des Transformators hielt der Ortspfarrer eine kurze Ansprache, dann sprach Herr Bürgermeister Johann Waltner, der sich um das elektrische Licht besonders verdient gemacht hat; ein kurzer kleiner Segen, bei dem die Kirche erstmalig elektrisch beleuchtet war, schloß den ernsten Teil der Feier. Nachher erfreute die Dorfjugend beim Wunderer die vielen Gäste von nah und fern durch Volkstänze und Lieder und heitere Vorträge; die Pausen wurden durch Musikstücke der Kapelle Einwögerer ausgefüllt.“ (Pfarrer Berthold) 

Besondere Festtage für den Pfarrer waren die beiden Visitationen von Theodor Kardinal Innitzer in den Jahren 1946 und 1951.

  
Kardinal Innitzer, Pfarrer Berthold – Der Kardinal bei der Predigt

 
  Die festlich geschmückte Kirche 

 

Am 25. September 1955 starb der beliebte Priester, der 18 Jahr hier gewirkt hatte,  unerwartet an den Folgen eines Fahrradunfalles. 

„Heute verunglückte Herr Pfarrer Berthold aus Altenwörth schwer. Er fuhr mit dem Rad von Stettenhof über Gösing nach Fels. Er hatte mit den Kollegen Dir. Riediger, Altenwörth, Dir. Schneider, Kollersdorf, Oberlehrer Scheidthauer, Gösing, einen Ausflug zum Gastwirt Fuchs, Stettenhof, gemacht. Nach einem gemütlich verbrachten Nachmittag und einem kurzen Besuch bei Kollegen Scheidthauer in Gösing, fuhr Herr Pfarrer Berthold in Begleitung der Kollegen und ihrer Frauen von Gösing in Richtung Fels. Einige 100 m hinter Gösing fuhr er plötzlich den Frauen vor, dann auch Dir. Süß aus Altenwörth. Kurz danach stürzte er. Ein Schlaganfall hatte ihn der Herrschaft über das Rad beraubt: Beim Sturz zog er sich eine Schädelzertrümmerung und einen Schädelgrundbruch zu. Er wurde sofort ins Krankenhaus Tulln gebracht. Dort verstarb er am Sonntag, den 25.9.1955, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Bei seinem Leichenbegängnis waren fast alle Mitglieder der Pfarrgemeinde und viele von auswärts anwesend. Er war einer jener seltenen Menschen, die sich die Liebe und Achtung aller errungen hatten.“  (Schulchronik Winkl, Lehrer Leopold Engelberger)

"Am Ende der heiligen Messe kam ein Gendarm aus der Sakristei in den Altarraum und flüsterte dem vertretenden Pfarrer etwas ins Ohr. Dieser verkündete dem Pfarrvolk daraufhin die traurige Nachricht: Pfarrer Berthold war im Spital verstorben. Es kam in der Kirche zu berührenden Szenen, alle waren betroffen, viele Leute weinten oder schrien laut." (Alfred Hartl, Kollersdorf)

Das Begräbnis am 28. 9. 1955 hielt Prälat Jakob Fried im Beisein vom Dechant Matthias Hutter und weiteren 36 Geistlichen. Das ganze Pfarrvolk und viele Auswärtige gaben dem überaus beliebten Geistlichen Rat das Geleit auf seinem letzten Weg.

     

     

    
   Fotos: Erich Trezmüller, Gigging

 

 

August 2014
Maria Knapp