Topographien von Altenwörth

 

Letzte Änderung: 10.12.2014

 

Bereitungsbuch
NÖ Landesarchiv

"Beschreibung aller Stött, Marckht, dörfer, auch ainschichtigen Höf unnd Müllen In österreich unnder der Ennß, des Viertls unnder Manhartsberg durchHannsßen Zolcher, wonhaft zue Dierncrut beschriben Anno 1590isten

(476) Altenwörth, fo 116 v
Herr Bernhard Turzo auf Grafenegg, Obrigkeit                11
Kloster Göttweig vogthold gegen Grafenegg                   11
                                                                            Summe 22 Häuser"


 

Josephinische Landesaufnahme
um 1780, Kriegsarchiv Wien

"Altenwart: Die Kierch allein ist von Stein, der Pfarrhof aber nur von Holtz so wie das Dorf erbaut. Das Dorf liegt an der Au ohnweit der Donau."

 

Topographische Tabelle von 1817
Diese Tabellen wurden von den Kreisämtern den diversen  Grundherrschaften zugesandt und von diesen ausgefüllt retourniert. NÖ Landesarchiv

"Altenwerd ein Pfarrdorf hart an der Donau, unter Grafenwerd, nahe bey Gicking, gehört zur gräflichen breuerischen Herrschaft, und zum Landgerichte Grafeneck.

Die Donau treibt hier drey Schiffmühlen, und ist dem Dorfe so nahe, daß auf große Kosten des Landes, zu Schützung des Ortes, ein Wasserbau geführet wird, weil zu besorgen ist, daß der immer weiter eindringende Strohm die Gräben, welche rückwärts der Altenwerder Kirche sich herum ziehen, erreichen könnte, wodurch die Dörfer Altenwerd, Gicking und Winkel ganz weggerissen, andere naheliegende Felder verwüstet, und zum Theile hinweggetragen würden. Dann dieser Graben läuft von Winkel den Utzenlaaer – Biernbaumer – und Frauendorfer Feldern zu, und fällt erst bey Mollersdorf (Molmandsdorf, in der Herrschaft Stetteldorf) in den dermaligen Donaurinnsal. Es ist leicht zu begreifen, daß dieser Ort Überschwemmungen ausgesetzet ist, so oft der Strohm überläuft.

Noch ein größeres Unglück ist, daß Altenwerd, Gicking , Winkel und zum Theile Kollersdorf, viele Menschen beyden Geschlechtes erzeugen, welche, wie es die gewöhnliche Redensart dieser Gegend, die auch in Kanzleyschriften vorkömmt, nicht ungeschickt ausdrückt, nicht recht weltläufig sind: Sie sind sehr klein und übel gewachsen, haben Kröpfe, oder doch sehr dicke Hälse, sind großköpfig, zeigen wenig Vernunft, kommen mit der Sprache sehr schwer fort, mehrere derselben sind Taube, und folglich zum Soldatenstande ganz unbrauchbar.

Sonst hat die Gegend starken Safranbau, der aber nicht von der ersten Gattung ist. Der übrige Feldbaugrund ist mittelmäßig, reifet aber vorzüglich Rocken, Gerste, türkischer Weitzen, weniger Weitzen, Hafer, Heide, Erbsen, Linsen, Hanf, und Obst. Kraut, Rüben und Erdäpfel werden häufig nach Wien zum Verkaufe gebracht: Klee und Burgunderrüben werden immer sorgfältiger gepflogen. Der Wiesengrund erzeugt so vieles Gras, daß auch die herumgelegenen Orte daran Theil nehmen. Die herrschaftlichen Auen liefern beträchtlich Holz nach Wien.

Der hiesige Schullehrer ist ohne Gehülfen. Das Dorf besteht aus 32 Häusern, die alle der Herrschaft Grafeneck unterthänig sind, aus 41 Familien, 96 männlichen, 101 weiblichen Köpfen: unter diesen sind 3 Schiffmüller, 2 Fischer, 1 Fleischer, 1 Schneider, 1 Schuhmacher.

Der Viehstand zählet 20 Pferde, keine Ochsen,64 Stück Rinder, 30 Schafe. Luft und Wasser sind der Gesundheit nachtheilig.

Das Patronatsrecht der hiesigen im Jahre 1784 neu errichteten Pfarre, welche dem Decanate Kirchberg am Wagram untergeordnet ist, hat der Landesfürst. Die alte Kirche zum heilien Apostel Andreas ist abgebrochen, und eine neue von Grunde gebaut worden. Der Pfarre sind die Dörfer Kollersdorf, Sachsendorf und Gicking zugetheilet. Die Gemeinde beträgt 318 Seelen, und im Durchschnitte jährlich 30 Taufen, 36 Gestorbene, 10 Getraute Paare. Der Pfarrer erhebet seine Einküfte in baarem Gelde aus dem Religionsfonde."

 

Franz Xaver Schweickhardt
(1794 – 1858), veröffentlichte zwischen den Jahren 1831 – 1841 eine Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns durch eine umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten u.u. topographisch=statistisch=geneologisch=historische bearbeitet, und nach den bestehenden vier Kreisvierteln alphabetisch gereihet. Das ist eine historisch-topographische Beschreibung Niederösterreichs in 34 Bänden, die nach den vier Vierteln geordnet sind.
Im Jahre 1835 in Band 7 ist unsere Gegend, das Viertel unter dem Manhartsberg, beschrieben:

"Altenwörth
ein Pfarrdorf von 36 Häusern, wovon die nächste Poststation Weikersdorf ist.
Die Kirche und Schule befinden sich im Orte. Das Patronat besitzt die Staatsherrschaft Oberstockstall, Decanat ist Hadersdorf. Den Werbbezirk hat hier das Lin. Inf. Regmt. Nro. 4.
Landgericht, Grund-, Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist die Herrschaft Grafenegg. Der Seelenstand beläuft sich auf 57 Familien (darunter werden 120 männliche, 130 weibliche Personen und 27 schulpflichtige Kinder gezählt);  Die Bewohner, verschieden mit Grundstücken bestiftet, nähren sich blos vom Ackerbau, und bestellen ihre Felder welche häufigen Ueberschwemmungen der Donau ausgesetzt und nur mittelmäßig zu nennen sind, mit Rocken, Gerste, Hafer und Mais, auch wird hier etwas Obst gewonnen.
Dieser Ort liegt nahe an dem linken Ufer der Donau zwischen den Dörfern Gigging und Sachsendorf, in einer ebenen Gegend, zu welchen auch drei Schiffmühlen, jede mit einem Gange gehören. Das Recht des Fischens besitzt die Herrschaft Grafenegg. Die Jagd in den Auen liefert Hirsche, Rehe, Fasane, Hasen und auch Rebhühner. Die Nähe der Donau macht das Klima weniger gesund, auch ist das Wasser von keiner besonderen Güte.
Die hiesige Pfarrkirche wurde im Jahr 1786 an die Stelle eines kleinen Kirchleins, welches früher eine Filial-Kirche von Kirchberg am Wagram war, ganz neu erbaut, dem heiligen Andreas geweiht und von Kaiser Joseph II. zur selbständigen Pfarre erhoben. Sie hat einen viereckigen Thurm mit drei Glocken, befindet sich in der Mitte des Ortes und ist nicht gewölbt, hat aber im Innern ein sehr freundliches Ansehen. Der Hochaltar ist mit dem Bilde des heiligen Apostels Andreas, der Seitenaltar mit dem Marienbilde Maria Trost geziert. Beide sind aus Holz mit ganz einfacher Bildhauerarbeit versehen. Zu dieser Kirche sind noch die Ortschaften Kollersdorf und Sachsendorf ½ Stunde, und Gigging ¼ Stunde entfernt, eingepfarrt. Der anwesende Pfarrer versieht die Seelsorge allein. Nicht weit von der Pfarrkirche außer dem Orte ist der Leichenhof angelegt.
Von sonstigen Merkwürdigkeiten, von der Entstehungsperiode so wie von den Schicksalen des Dorfes Altenwörth ist nichts bekannt, nach älteren Urkunden hieß dasselbe früher Altenwart, auch Altlichtenwart, und hat die Ableitung von der örtlichen Lage erhalten, da Wört vor Alters ein erhöht liegendes Land bedeutete. Auch nannte man ehemals überhaupt einen vor Gewalt gesicherten Ort Wörd, Word, Wart, Wurd, Wöhrt, ec. ec., woraus zu urtheilen wäre, daß dieses Dorf einst einige Befestigung gehabt habe. Gewisser doch können wir erstere Bedeutung annehmen, da hierauf alt gelichtetes Land also ausgehauene Auen Bezug haben, daher ganz richtig der alte Name: Altenlichtenwörth, gegenwärtig aber nur Altenwörth."

 

Neue Gebietseintheilung
sammt alphabetischem Verzeichnisse sämmtlicher Orte des Erzherzogthumes Niederösterreich, aus der kaiserlich-königlichen Staatsdruckerei, Wien 1855, NÖ Landesbibliothek

"Ortsname: Altenwörth
Eigenschaft des Ortes: Dorf und Kat.G.
Gehört zur Katastral-Gemeinde: Altenwörth
Gehört zur Ortsgemeinde: Altenwörth
Flächeninhalt nach nö. Jochen: 803
Einwohnerzahl: 280
Dazugehörige Katastralgemeinden: Altenwörth, Gigging, Kollersdorf, Joche: 2833, Einwohner 970
Gehört zum Pfarrsprengel: Altenwörth
Gehört zum Bezirksamte: Kirchberg am Wagram
Gehört zum Untersuchungsgericht: Korneuburg
Gehört zum Kreise: U.M.B.
Gehört zum Postbestellungsbezirke: Kirchberg am Wagram"

 

Alphabetische Reihenfolge
und Schilderung der Ortschaften in Niederösterreich, 1. Band, Wien, 1879-1885), NÖ Landesbibliothek

"Altenwörth (richtiger Altenwerd), Dorf und O.-G. (mit Gigging, Kollersdorf und Sachsendorf 16,30 Kilom2.), Pfarre Altenwörth, Post Kirchberg am Wagram, G.B. Kirchberg am Wagram, B-H. Krems (U.M.B.)

(1795) 30 Häuser, (1822) 35 Häuser, Schw, (1833) 36 Häuser, 277 Bew., Bl. (1835) 36 Häuser, 250 Bew., (1853) 280 Bew., (1870) 46 Häuser, 278 Bew., W. (1878) 314 Seelen.

Am linken Ufer der Donau, östlich von der Mündung des Kamp in den Strom, 185 Met. über dem Meere, in einer Lichtung der Donau-Auen, die sowol ober- als unterhalb des Ortes das Uferland so wie die ihm südlich vorliegenden Strominseln erfüllen. Die Bewohner sind Ackerbauer, deren Felder theilweise von Ueberschwemmungen heimgesucht werden. Die Pfarrkirche an der Stelle einer zur Pfarre Kirchberg gehörigen Kapelle wurde 1786 erbaut, als der Ort eine eigene Pfarre bekam. Die Kinder besuchen die einklassige Ortsschule. Grundherrschaft war ehedem Grafenegg.

Der Name deutet auf eine vom Strome umflossene Au (Werd, vergl. Schmeller, II. 988) die schon zur Zeit, als die Ansiedelung geschah, alt, d.h. nicht mehr ganz vom Wasser umflossen war. Schon in dem ältesten Urbar des Stiftes Göttweig heißt der Ort Altenwerd, wie es seiner Lage ganz entspricht. Die Ansiedelung mag auf das XI. Jahrhundert zurückzuführen sein und ist jedenfalls älter als das nordwestlich gelegene Grafenwerd (jetzt Grafenwörth), das wahrscheinlich zur Unterscheidung von diesem so genannt wurde."

 

Heimatkalender des Tullner Bezirks
1949, NÖ Landesbibliothek

"Nr. 4. ALTENWÖRTH

7,53 km2, 405 Einwohner, 91 Häuser.
Katastralgemeinden:
Altenwörth, Dorf, Seehöhe 180 m. Post, Pfarre, 2klassige Volksschule, Gend. Posten im Orte, Standesamt Kirchberg-Wagram, Eisenbahnstation (Strecke Absdorf – Krems) Kirchberg am Wagram (über Neustift 6 km).

Das Dorf liegt am linken Ufer der Donau, östlich von der Mündung des Kamp, in der Ebene. Der an der Donau errichtete Damm reicht nicht hin, den Ort vor Hochwasser zu schützen; ein Graben hinter dem Orte füllt sich bei Hochwasser und wird zum reißenden Strome. Wegen der schönen Lage an der Donau ist der Ort eine beliebte Sommerfrische.

259 Einwohner, 56 Häuser. Das Katastralgebiet umfaßt 445,68 ha u.z. 220,67 ha Au, 68,77 ha Äcker, 29,68 ha Wiesen, 11,14 ha Gärten, 1,64 ha Weiden, verbaut sind 3,90 ha.

17 landw. Betriebe mit Milchkasino und landw. Genossenschaft.

1 Bäcker (1F), 1 Fleischhauer, 1 Friseur, 3 Gastwirte, 3 Kauflaute, (1A), 2 Maurermeister, 1 Sattler, 1 Schmied, 1 Schneiderin (1L), 1 Schuhmacher, 1 Zimmermeister, Sägewerk (9 F, 4 L, 4 Ha)."

 

Maria Knapp, Erika Schwarz
April 2012