Fischer, Fischermeister (Piscatoris)

 

Letzte Änderung: 14.4.2017

 

„Der Fischerei kam bis ins 19. Jahrhundert hinein größere Bedeutung zu als heute. Die Fastengebote der katholischen Kirche verboten an bestimmten Tagen und zu bestimmten Perioden den Genuss des Fleisches von warmblütigen Tieren, erlaubten hingegen den Konsum von Fischen, was der Fischerei und dem Fischhandel zu großem Aufschwung verhalf. Da der Import von Fischen wegen der weiten Wegstrecken von den Meeresküsten in unser Land, den damaligen Straßenverhältnissen  und der Verderblichkeit der Ware nur in sehr beschränktem Umfang möglich war, wurde  auch in kleinen Gewässern gefischt und wohl auch kleine Wassertiere gefangen, die heute als für den menschlichen Genuss ungeeignet gelten.  Es dürften allerdings auch die fließenden Gewässer und die Seen fischreicher gewesen sein, weil es noch keine Schädigung der Fauna durch Abwässer und Flussregulierungen gab.“
Quelle: Helmuth Feigl, Die niederösterreichische Grundherrschaft, St. Pölten 1998
 

 

Bereits in einem Grundbuch aus dem Jahr 1604 werden Fischer aus Altenwörth und Winkl genannt:  

"Veith Heiß in Altenwörth 1604"
und
"Die Vischer in Altenwörth und Winkhl geben jährlich von der Vischwaid
daselbst . . . . . 23 f 5 ß
und widerumb ain stattlich f (Gulden) vom Vieh"
Quelle: AT-OeStA /HHStA SB HA Grafenegg Handschriften 73 Engabrunn, Grundbuch 1604
 

Aus einer Abrechnung der Herrschaft Grafenegg aus dem Jahr 1706 geht hervor, dass die Winkler Fischer im Zeitraum vom 5. März 1706 bis 17. Februar 1707  etwa 195 Pfund (ungefähr 100 kg) verschiedene Fische wie Hecht, Zander, Schied, Weißfisch, Brachsen und Karpfen im Wert von 32 fl 11 xr an diese geliefert haben.
Quelle: AT-OeStA/HHStA SB HA Grafenegg, Akten 653-6 

 

Fischerwappen
 
In zwei Häusern in St. Johann traten zwei Fischerwappen zutage. Vom ersten gibt es nur eine Nachbildung mit folgendem Text:
„An der Gassenseite des Wirtschaftsbesitzes Johann Knorr Nr. 12 in St. Johann trat dieses signierte Ölgemälde an der Mauer hervor. Das Gemälde wurde wieder überstrichen. Maler J. Hofmann aus St. Johann zeichnete das signierte Gemälde ab. St. Johann war ein ausgesprochenes Donau-Fischerdorf. Es wurde seinerzeit umspielt mit den Donauwellen. Heute haust noch ein Fischer dort namens Hummer, der sein bescheidenes Handwerk im Kamp ausübt. Die Donau liegt heute ¾ Stunden südwärts. Aus dem Fischerdorf ist ein Bauerndorf heute geworden. 
Wallner Vetter 1937“ 
 
 
Bild zur Verfügung gestellt von Friedrich Ploiner, Grafenwörth
 
 
Das zweite Wappen wurde 2014 bei Umbauarbeiten im Innenraum eines ehemaligen Wirtshauses, in dem die Fischer verkehrten, entdeckt und restauriert.

Foto: Friedrich Ploiner, Grafenwörth

 

Die Fischer und ihr Handwerk waren immer wieder Gegenstand herrschaftlicher Verfahren, wie folgende Vorfälle im Bereich der Herrschaft Grafenegg zeigen: 
 
"Den 30. Junÿ 1685 wurden Michel Märckel, undt Adam Welster beede fischer zu St. Johanns bestrafet, das sie über gethannes Verboth die besten fisch nacher Wienn abgeführt undt die Herrschaft gar nicht mit fischen versehen. Jeder mit 10 Taller in allen 30 f nach Abzug des 4ten Theil bleibt zu verraitten 22 f 30 x." 
 
"Den 29. Martÿ 1694 ist eine Lackhen zwischen Winkchl und Fraundorf gefischt worden, welche von beeden seithen des Landts in der Herrschaft Graveneggischen Freÿheit ligt, wobeÿ der Jesuiterische Pfleger zu Winkhlberg protesirt, daß das entrige Landt gegen Winkhlberg denen Jesuitern, auf Winkhlberg Consequenter auch daß fischen in selbiger Lackhen zugehörig seÿe dem aber von einer Unterschribenen Zue antwort gegeben worden. Er Pfleger und seine Jesuiter haben hierinfahls nichts zu protestieren, noch einiges recht zu fischen in dieser Lackhen, zumahlen die Herrschafft Gravenegg, beederseiths alle Jurisdiction hat, und ist das fischen ungehindert sein Pflegers protesiren aim alß anderen weeg vollzogen worden. 
Item den Ersten April 1694 seint in der fraundorfer freÿheit auch ander Zwaÿ Lackhen so niemahls zur Herrrschaft genossen gefischt worden."  
 
"In Sachen Ferdinand Märckhl Fischer zu St: Johanns, das derselbe dem Philipp Eder bürg: Fisch Käuffer in Wienn auß einer Fischtruhen am Ufer beÿ gedachten St: Johanns, 19 Stuckh Kärpfen haimblich herauß genohmen haben solle. Ist nach fleisiger der sachen Untersuchung gefunden worden, daß dieser Actus darumb nicht landtghrtmessig seÿe. Umb willen er Märckhl selbsten solches Erwehnten Eder kundtbahr gemacht, und das auß Spaiss ein Rausch die Heraußnehmung der Kärpfen geschehen, wie dan auch destwegen offterwehnter Eder, dem auch offterwenten Ferdinand Märckhl disen Possen verzeihen. Von hiesiger Cantzleÿ aber, das des Märckhls factum Ihme gar nicht an Ehren Verlezen thuett, und neben anderen mit Fischmaistern Ihnen Jederzeith und ÿberall gleich stehen khönne. Der Warheit zu Steur ist Ihme diese authentische attestation Ertheilt worden. 
Actum Schloss Gravenegg den 12. Martj Ao. 1707.  
Er Ferdinand Märckhl aber, ist umb solchen begangenen Frevel gestrafft worden pr 24 f."
Quelle: AT-OeStA/HHStA SB HA Grafenegg Handschriften 26

 

Bevor man die Donau in ihr jetziges Bett zwängte, gab viele Inseln, die Au war von einigen schiffbaren Gräben durchzogen, wie z.B. dem Granitz- und dem Schindergraben und der Anschlaglahn, wo ebenfalls Fischerei betrieben werden konnte. Es gab vor allem in Utzenlaa, Winkl und Altenwörth viele Fischerfamilien. Zwei Fischermeister aus Winkl waren auch Dorfrichter, und zwar Johann Kleindienst (er starb 1773) und Johann Exinger (um 1790). Die Fischer waren meist  Inwohner und sie wechselten gerne  ihren Wohnsitz, wie aus den Pfarrmatriken hervorgeht:  

 

Fischer in der Pfarrmatriken 

Winkl

1753: Johann Kleindienst scheint im Grundbuch am heutigen Haus Nr. 3 auf und ist auch als Dorfrichter ausgewiesen. Er stirbt 1773.

1753: Johann Georg Pernerstorffer wohnte im Haus Nr. 25.

Ca. 1771 bis 1787: Johannes Exinger,  Winkl 9

1798: Elias Exinger, Fischermeister und Witwer von Winkl 7, heiratet mit 50 Jahren die Theresia Rauscher, 22, aus Kollersdorf. Trauzeuge ist Johann Exinger, Dorfrichter und Fischermeister, Winkl

Um 1784 bis 1787: Josef Staudinger, Fischer und seine Frau Theresia, geb. Apfelthaler, Winkl  17 

Um 1787: Michael Ratschbacher, Fischermeister und seine Frau  Rosalia, geb. Topfer, Winkl, 14

Um 1790: Georg Staudinger, Fischer und seine Gattin  Rosalia. Sie wohnten im Inleuthaus der Familie Aichberger, Winkl 32.

Um 1793: Georg Staudinger, Fischermeister und seine Frau Rosalia, Haus Nr. 3

Um 1796 - 1811: Joseph Stampfl, Fischermeister und seine Gattin Theresia geb. Apfelthaler, Winkl 13

1809:   Der Fischermeister Peter Hammerschmidt ertrinkt mit 68 Jahren.

1830: Leopold Donner, Fischermeister, Winkl 13, gebürtig aus Jetsdorf, heiratet  Theresia, die Tochter des Fischermeisters Georg Exinger, ebenfalls von Winkl 13. Sie ist 45 Jahre, er 24. 

Um 1830/40 ist der Fischermeister Anton Grünwald erwähnt, er ist mit Anna Maria aus der Fischerdynastie der Exingers verheiratet.

1839: Elias Exinger Fischermeister in Winkl verheiratet mit Theresia Rauscher.

 

Altenwörth

Johann Georg Mantler (1742 – 1773) war Fischermeister in Altenwörth. Er ist zwei Monate nach der Hochzeit mit Katharina Zimmermann ertrunken. Er hatte einen Sohn.

1753: Thoma Exinger

1753/Vor 1794: Lorenz Zimmermann, Fischermeister

Um 1776: Georg Rödl

1805: Der Fischermeister Ferdinand Stämpfl stirbt mit 69 Jahren in Altenwörth 18.

Um 1807: Leopold Leuthner war Fischermeister in Altenwörth 27.

1809: Der Fischermeister Anton Berger stirbt mit 38 Jahren in Altenwörth 26 an der Wassersucht.

1818: Leopold Story, Fischerknecht in Altenwörth 12

1819: Joseph Exinger ist Fischermeister und Richter in Altenwörth 26. Er stirbt 1821 an den Folgen eines eingeklemmten Darm- und Netzbruchs mit nur 42 Jahren

1820: Der Fischermeister Joseph Reichl stirbt mit 60 Jahren in Altenwörth 27 an einer krebsartigen Geschwür und wird wegen „bösartiger Krankheit“ schon am nächsten Tag begraben. 

Um 1822: Leopold Strabler ist Fischermeister in altenwörth 27.

1828/1835/1843: Leopold Strabler, Fischermeister in Altenwörth 27 

Um 1826/1830: Johann Breitmoser, Altenwörth 26

1852: Ignaz Powondra ist behauster Fischermeister in Altenwörth 25, sein Vater war Revierjäger in Utzenlaa. Verheiratet war er mit Franziska Guttauer, der Tochter des Bierbaumer Revierjägers.

1863: Johann Grötzl ist Fischermeister in Altenwörth 43.

1863: Leopold Strabler ist Fischermeister in Altenwörth 24?

1889: Ferdinand Stampfl, Fischermeister in Altenwörth 18

 

Sachsendorf

1787: Der ledige Fischerknecht Leopold Lutter stirbt mit 21 Jahren in Sachsendorf 27.

 

 

Utzenlaa

Adam Mantler, geboren 1715 in Utzenlaa,  seit 1741 verheiratet mit Maria Anna, er hatte 6 Töchter. Er wird 1775 nochmals erwähnt.

Um 1771: Michael Mayer, Fischer in Utzenlaa

Um 1775: Adam Exinger

Michael Knapp war Fischerknecht in Utzenlaa 25, geb. in  Unterseebarn  45 (1797, +  1878 in Kollersdorf 53) 

1807:  Leopold Lentz Fischermeister in Utzenlaa

1807: Franz Kleindienst Fischermeister in Utzenlaa

 

St. Johann

Um 1685:  Michel Märckel, undt Adam Welster (Quelle: AT-OeStA/FHKA AHK NÖHA W 86)

Um 1707: Ferdinand Märckhl (Quelle: AT-OeStA/FHKA AHK NÖHA W 86)

1794: Joseph Bernstorfer, Fischermeister in St. Johann 14

 

Aus der Zeit um 1530 sind die  "Fischerrechte zu Winkl" die Sie im Original und übersetzt hier nachlesen können: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl1/fischerrechte-zu-winkl

 

Dezember 2012
Maria Knapp