Greißler

Kaufleute Viktualienhändler, Fragner
 
 
 
Die Greißlerei hatte alle Waren auf Vorrat, welche im Haushalt nicht selbst erzeugt werden konnten. Hinter der Budel standen der Kaufmann oder seine Frau und bedienten die Leute. Die meisten Waren wurden aus größeren Behältern abgewogen und in Papiertüten verpackt. In die mitgebrachten Behälter füllte die Greißlerin Himbeersaft, Essig, Russen mit Kraut, Sauerkraut, Mehl, Brösel, Zuckerl und vieles mehr.
Der Kaufmann versorgte die Hausfrau aber auch mit Zwirn, Nadeln, Bändern, Waschmittel, Seife, Kaffee, usw. Zu besonderen Anlässen gab es für die Kinder eine Tafel Schokolade und wer besonders brav war, bekam vom Kaufmann ein Stollwerk geschenkt.
Man erfuhr Neuigkeiten, die Männer tranken zwischendurch ein Bier. Die Kinder mussten für den alten Großvater einzelne „3er Zigaretten“ holen, da die Pension, die erst in den 1960er-Jahren aufkam, nicht mehr zuließ.
Der Greißler (oder der Gastwirt) hatte im Ort das erste Telefon. Bei einem eingehenden Anruf lief jemand vom Geschäft zum betroffenen Haus, um Nachricht zu bringen. Wollte man telefonieren, gab es einen Zähler, nach dem man bezahlen musste.
 
Es ist aus den Matriken und anderen Dokumenten oft nicht ersichtlich, ob es sich bei der betreffenden Person um einen Greißler (Gemischtwärenhändler), einen Viktualienhändler (Lebensmittelhändler) oder einen Kaufmann, der auch verschiedene Waren wie Kleidung anbot, gehandelt hat. Es sind daher im Artikel die jeweils genannten Bezeichnungen wiedergegeben.
 
 
 
Altenwörth
 
Die Greißler von Altenwörth siehe hier.
 
 
 
Bierbaum
 
Um 1890/1913: Mathias Wiesböck ist Viktualienhändler in Bierbaum 61.
 
Um 1903:  Elisabeth Jellinek, Maria Völkl und Juliana Wiesböck sind Greißler. 
 
Bis 1998: Das Kaufhaus Leopold Bauer wurde über viele Jahrzehnte bis 1998 betrieben.
 
 
 
Dörfl
 
Um 1929: Alois Neuteufel ist Greißler in Dörfl 2.
 
 
 
Engelmannsbrunn
 
Kaufhaus Eder
(Früher Nr. 63 heute Kapellenberg Nr. 8)
Um 1903: August Eder – er stirbt 1949 mit 68 Jahren
Die Greißlerei wurde zuletzt von Familie Schwillinsky geführt.
 
Kaufhaus Bauer
Engelmannsbrunn 81
1909 übernahm Josef Burger die neuerbaute Greißlerei neben der Schule, Großhändler Mayer von Langenlois belieferte ihn. Als Nachfolger kam Ernst Maringer (vorher Lehrling bei Großhändler Mayer) aus Zeiselberg als Kaufmann nach Engelmannsbrunn. Er heiratete Josefa Deimel, die Nachbarstochter. Nachdem das Gasthaus vom Haus Nr. 1 geschlossen worden war, hatte dieser auch die Tabaktrafik übernommen. Der Neffe Ernst Maringers, Karl Bauer, führte das Kaufhaus als moderner Selbstbedienungsladen weiter,. Das Kaufhaus wurde 2020 geschlossen.
 
Um 1903: Josefa Schaufler ist Viktualienhändlerin.
 
Um 1903. Franz Lill ist Viktualienhändler. 1912 wird er als Obst- und Fruchthändler bezeichnet.
 
 
 
Frauendorf
 
Frauendorf 7
Um 1880 ist Leopold Pfaller Krämer in Frauendorf 7, Gattin Leopoldine geb. Zimmermann ist in diesem Jahr verstorben.
Um 1903: Die Krämerin Eleonora Sohmer (geb. 1862) stammte aus Sitzendorf und wohnte mit ihrem Gatten, einem Schuhmacher, in Frauendorf 7 (getraut 1888).
1908 heiratet der 25jährige Gemischtwarenhändler Franz Wirth aus Frauendorf 7 Anna Schimek.
 
Um 1903:  Walpurga Gerstenberger ist Greißlerin.
 
 
 
Gigging
 
Um 1885: Der Kaufmann Josef Rohrbacher ist im Amtskalender von 1883 bis 1889 als Bürgermeister genannt. Er war auch Wirtschaftsbesitzer und ist 1894 in Gigging 17 verstorben.
 
Um 1903: Anna Maria Kreuzhuber. Sie betrieb in Gigging 24 mit ihrem bereits 1874 verstorbenen Gatten auch das Gasthaus.
 
Um 1903: Franz Mayer ist Viktualienhändler in Gigging 24.
 
 
 
Kirchberg am Wagram
 
Die Kaufleute und Greißler von Kirchberg siehe hier.
 
 
 
Kollersdorf
 
Die Greißler von Kollersdorf siehe hier
 
 
 
 
Mallon
 
Anton Hainzl (1831-1907) war Gastwirt in Mallon 28, ebenso wie sein Sohn Franz Hainzl (1867-1907), der bei seiner Hochzeit im Jahr 1897 bereits als Gastwirt in Mallon 23 bezeichnet wird.
Daneben hat die Familie eine kleine Gemischtwarenhandlung betrieben.
 
  
Karten: Familie Löschl, Mallon
 
 
 
Mitterstockstall
 
Um 1875: Jakob Matulik ist Zwiebelhändler in Mitterstockstall 17.
 
Um 1887: Anton Slawik ist Grünzeughändler in Mitterstockstall 45.
 
Um 1903: Heinrich Schönfeld. Er war jüdischer Abstammung.
 
 
 
Neustift
 
1903 werden als Greißler genannt:  Franz Walzer, Josef Walzer und Leopold Zehetner
 
Um 1929: Anton Schindlböck war Händler in Neustift 59.
 
Neustift 5/44
Vermutlich eröffneten im Jahre 1864 Ignaz Stöger, ein Fleischergeselle aus Mühlbach und dessen Gattin Maria, geb.  Brock aus Gigging das Greißlergeschäft.
Weitere Eigentümer:
Ab 1866: Ferdinand Hundskarrer und Elisabeth, geb. Überacker
Ab 1876: Josef Walzer und Amalia, geb. Hundskarrer
Ab 1885: Josef Walzer mit seiner 2. Gattin Josefa, geb. Grausenburger
Ab 1926/27: Michael Walzer und Maria geb. Kemetner  
Ab 1960: Ernst Walzer und Gattin Friederike geb. Schuster. Sie übersiedelten mit der Greißlerei auf Nr. 44 und eröffneten bald darauf eine Dieseltankstelle. Ernst Walzer war geprüfter Waagmeister für die Brückenwaage
  
Neustift 46
Neben einem Gasthaus ab 1880 gab es hier auch eine Lebensmittelhandlung.
1880   Franz Walzer und Anna, geb. Bekerthy
(1921 übernahm Sohn Leopold Walzer die Gasthauskonzession und führte das Gasthaus auf Haus Nr. 56 weiter.)
Um 1924: Sohn Alois Walzer, der auf Haus Nr. 46 verblieb, übernahm die Lebensmittelhandlung. Er war mit Anna geb. Schaupp verheiratet.
Ab 1963: Leopold Walzer und Hedwig, geb. Schabl.
Am 1. Jänner 2015 wurde die Lebensmittelhandlung geschlossen.
 
 
Das Geschäft um 1900
Karte: Andreas Nowotny, Neustift
 
Neustift 74
Anton Langer, gebürtig aus Wermsdorf in Mähren, war vorher Obsthändler in Langenlois.
Die Familie zog nach der Geburt der jüngsten Tochter um 1904 nach Kirchberg. Sie wohnten in einem kleinen Häuschen südlich des Bahndammes, das noch bis Ende des 20. Jahrhunderts von wechselnden Familien bewohnt war und der Familie Salomon am Gut Oberstockstall gehörte. Der Vater verdingte auch hier seinen Lebensunterhalt als Obsthändler - von 1914 bis 1916 gibt es Werbeeinträge in Zeitungen. 
 
 
 
Oberstockstall
 
1773 stirbt in Oberstockstall 24 der „Materialista“ Menegang mit 64 Jahren.
 
Um 1793: Ignaz Hamberger ist Kaufmann in Oberstockstall 24, Gattin ist Katharina geb. Landsteiner. Um 1820 wird er als Spezereiverkäufer in Oberstockstall bezeichnet.   
 
1799:  Der Krämer Joseph Sonntag stirbt in Oberstockstall 8 mit 45 Jahren.
 
1876: Theresia Sampel ist ledige Greißlerin in Oberstockstall 48, sie stirbt mit 65 Jahren.
 
Um 1880: Josef Walarik ist Zwiebelhändler in Oberstockstall 1.
 
Um 1884: Karl Sandhofer ist Obsthändler in Oberstockstall 30.
 
Um 1903: Magdalena Halwa, Johanna Brackl und Franz Ehn. Letzteres wird bis heute von der Familie Ehn neben ihrem Gasthaus betrieben.
 
Um 1903: Johann Pawlacka ist Viktualienhändler
 
Um 1908: Josef Wunderer ist Kaufmann in Oberstockstall 57
 
Um 1915: Viktor Lammer siehe unter Kirchberg.
 
1939 ist in Oberstockstall die Gemüsehändlerin Appolonia Pawlaka verstorben, sie war 1848 in Provodove geboren.
Aus der Illustrierte Kronen Zeitung vom 27.10.1907:
Unfall durch ein Automobil
Die 60jährige Grünzeughändlerin Apollonia Pawlacka aus Oberstockstall ist gestern vormittags auf dem Altbauplatz vom Automobil A 253 überfahren worden. Sie erlitt einen Schlüsselbeinbruch und zwei Kopfwunden. Die Rettungsgesellschaft verband sie und brachte sie, da sie sich durchaus weigerte, in ein spital zu gehen, zum Polizeikommissariat Alsergrund, wo sie einvernommen wurde. Dann fuhr sie allein nach Hause.
 
 
 
Sachsendorf
 
Um 1856: Leopold Wieser ist behauster Greißler in Sachsendorf 36, Gattin ist Barbara geb. Hellmer.
 
Um 1873: Wilhelm Blau ist Viktualienhändler in Sachsendorf
Aus der Wiener Zeitung vom 15.8.1873:
Danksagung. Der Viktualienhändler Wilhelm Blau aus Sachsendorf bei Kirchberg am Wagram fühlt sich hiemit veranlaßt, den Herren Fleischhauern und Viehhändlern, welche bei seinem Unglücke am Wr. Viehmarkte rasche Hilfe leisteten, sowie für die eingeleiteten Sammlungen, seinen innigsten Dank auszusprechen.
 
Um 1903: Michael Bachmayer in Sachsendorf 8. Er betrieb auch ein Gasthaus.
 
  
Das Gasthaus jeweils im Vordergrund
Karten: Herbert Eder, Kollersdorf
 
 
 
Unterstockstall
 
Um 1890: Josef Slavik ist Grünzeughändler in Unterstockstall, er stammte aus Mähren.
 
Um 1903: Franz Riedl. Gattin Anna starb 1909, er selbst 1913, danach wurde das Gasthaus verkauft:
Wegen Todesfalles ist eine schöne Wirtschaft mit Gemischtwarengeschäft, Tabaktrafik und Ziegelofen sofort zu verkaufen, oder das Geschäft an einen christl. Kaufmann zu verpachten. Das Haus liegt auf dem schönsten Platz in Unterstockstall 26, Post- und Bahnstation Königsbrunn-Stockstall, Kremserbahn. Mündliche Auskunft bei Anton Rinck, Restauration Knödelhütte, Hütteldorf oder Bezirksrichter, Kirchberg am Wagram. Das Haus ist schon über hundert Jahre in der Familie.
(Neues Wiener Tagblatt vom 28.2.1913)
 
Das Gasthaus wurde Jahrzehnte lang von der Familie Aschauer, später von deren Tochter, Frau Ecker, betrieben.
 
 
 
Utzenlaa
 
Um 1903: Johann Zens
 
 
Bild einer Gemischtwarenhandlung in Utzenlaa, Name unbekannt.
Foto: Anton Schwanzer, Utzenlaa
 
Um 1903: Magdalena Pfeil ist Viktualienhändlerin
 
Um 1933: Ludwig Pfaffel ist Viktualienhändler in Utzenlaa 2, ebenso, wie sein Vater.
 
 
 
Winkl
 
Winkl 17
Vor 1900: Johann Pfaller, geb. 1850 in Grafenwörth, verheiratet mit Leopoldine Zimmermann aus Kollersdorf, eröffnet Gasthaus und Greißlerei in Winkl 17.  
 
 
Um 1900: Das Gasthaus auf einer Ansichtskarte
Karte: Herbert Eder, Kollersdorf
 
    
Fotos: Leopold Zehetner, Winkl
 
1901: Leopold Zehetner (1874 – 1932, gebürtig aus Neustift) heiratet 1901 die Gastwirtstochter Franziska Pfaller (1877-1853).  
1943: Zehetner Leopold jun. (1903-1954) heiratet 1943 Rosa Oswald aus Neustift und übernimmt das Geschäft und Gasthaus.
 

Rosa Zehetner
Foto: Familie Riedl, Winkl
 
1954: Nach dem Tod ihres Gatten übernimmt Witwe Rosa Zehetner (geb. 1910), Wirtshaus und Geschäft. Nachdem das Gasthaus schon vorher zugesperrt hatte, schloss die Greißlerei 1970.
 
Weiteres siehe hier: 
 
Greißlerei Zimmermann
Antonia Zimmermann (geb.1872 in Walpersdorf, verst.1946) führte in Winkl 55 ein Gasthaus und eine Greißlerei. Der Raum war klein und hatte keine Auslage. Dieser Betrieb fand so wie das Gasthaus mit ihrem Tod im Jahr 1946 sein Ende.
 
  
Antonia Zimmermann
Fotos: Herbert Zimmermann
 
Um 1903: Josef Deimel ist Viktualienhändler.
 
1939 stirbt in Winkl 37 der aus Königsbrunn gebürtige Wirtschaftsbesitzer und Obsthändler Heinrich Ihl.
 
 
 
Weitere Quellen
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
Österreichischer Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe, 1903, NÖ Landesarchiv
 
 
 
Februar 2022
Maria Knapp