Kinderarbeit

 

Letzte Änderung: 30.12.2015

 

Heute betreibt ein Bauer oft ganz allein eine große Landwirtschaft. Nur bei manchen Arbeiten benötigt er Hilfe - mit großen Maschinen erledigt man alles im Nu. Früher, als es noch kaum Geräte bei der bäuerlichen Arbeit gab, wurden viele Helfer gebraucht, um mit den vielfältigen Anforderungen zu Rande zu kommen. So  war es auch üblich, dass die Kinder Arbeiten im Haus und am Feld leisten mussten, ja ihre Mithilfe war im jeweiligen Landwirtschaftsbetrieb fest eingeplant.

 

Hier einige Beispiele aus verschiedenen Jahrzehnten über die von Kinder zu leistende Arbeiten:

 

 

Frau Anna Schabl, Königsbrunn, Jahrgang 1916

Kleine Arbeiten verrichteten wir, indem wir bei der Getreideernte auflegten. An den Kartoffeläckern den Hederich (Unkraut) ausrissen. Im Weingarten „ausbrocken“, das war die Geizen an den Reben wegbrechen oder dort selbst Gras ausreissen.

Hofkehren, Holzkiste frisch mit Scheitern füllen und Wasser schöpfen für das durstige Vieh. Da ich gerne arbeitete, ging ich mit meiner Mutter zeitig in der Früh Futter mähen. So habe ich mit 13 ½ Jahren das erste Mal mit einer Sense gemäht und nach dieser Arbeit ging ich in die Schule.

 

 

Maria Engelmann, Winkl, Jahrgang 1924

Schon früh musste man Holz aus dem Schuppen hereinholen. 

Im Winter halfen wir, mit der Rübenhäckselmaschine die Burgunder-Rüben zerkleinern. Das war eine gefährliche Arbeit, denn wenn man die Finger beim Nachtauchen zu weit hineinsteckte, waren sie abgeschnitten. Gott sei Dank passierte uns das nicht! 

In den letzten Schuljahren mussten wir mit der G‘hackmaschine Stroh und Futterweizen schneiden. 

Unter Aufsicht des Lehrers  klaubten wir mit der Schulklasse Maikäfer. Männer schüttelten die Bäume und wir Kinder mussten die Käfer in Kübel einsammeln. 

Foto: Familie Riedl, Winkl

In manchen Jahren gab es eine Mäuseplage. Da mussten wir aufs Feld gehen und mit einem Löffel in jedes Loch, das wir fanden, 4 -5 Körner Mausgift hineinleeren. 

Beim Kartoffelklauben mussten wir helfen. In meiner Jugend wurden sie meist mit der Hand ausgegraben, erst später mit dem Erdäpfelrodler. 

Bei der Getreideernte wurde jede Hand gebraucht. Auch wir Kinder waren von früh bis spät am Acker, um die Frucht rechtzeitig einzubringen. 

 

Beim Lesen fuhr man mit dem Lesewagen in den Weingarten. Das war ein umgeräumter Leiterwagen. Man saß ziemlich hoch und frei und wir Kinder fürchteten uns vor dem Hinunterfallen. 

Als wir ein wenig größer waren, mussten wir im Kuhstall Stroh einstreuen. Das geschah mit einer hölzernen Gabel, damit man die Tiere nicht verletzen konnte. 

Foto: Familie Eckart, Engelmannsbrunn 

Bevor es Strohpressen gab, wurde das Heu lose auf den Wagen geladen und ziemlich hoch aufgetürmt. Wir Kinder mussten mit dem Rechen das liegen gebliebene Heu nachrechen, die größeren Buben auch schon das Heu auf den Wagen hinaufgeben. Wenn man mit so einer Lade einmal umschmiss, hatte man auch noch den Spott der anderen Bauern zu ertragen.

 

 

Maria Knapp, Winkl, Jahrgang 1959

Zucker- und Futterrüben 
Im Frühjahr wurden die Rüben zuerst vereinzelt und dann nochmals händisch durchgehackt. Wir blieben dafür sogar einige Male von der Schule zu Hause. Manchmal schrieben die Eltern den wahren Grund ins Mitteilungsheft – oder wir waren halt einen Tag krank. Die Arbeit wurde anfangs mit Harken mit kurzem Stiel verrichtet. Dann kam anscheinend jemand dahinter, dass man auch längere Stiele nehmen kann, dadurch musste man sich nicht mehr so stark bücken. Manchmal war das Wetter schon so heiß, dass man mit dem Bikini arbeiten konnte und man als positiven Nebeneffekt gleich eine schöne Bräune bekam.

Im Herbst halfen wird beim Ausgraben der Futterrüben. Bei den Zuckerrüben ging man, nachdem die Erntemaschine ihre Arbeit getan hatte, nochmals über den Acker, um liegen gebliebene Rüben aufzusammeln, denn verschwendet wurde damals nichts.

Foto: Familie Zehetgruber, Winkl

 

Kartoffeln
Im Laufe des Frühjahrs wuchsen im Keller die Kartoffeln aus, das heißt, sie setzten lange weiße Triebe an, die man entfernen musste. Oft wurden wir Kinder dazu vergattert. Das war keine schöne Arbeit. Man konnte zwar dabei auf einem Hocker sitzen, jedoch musste man sich trotzdem bücken und bekam Kreuzweh. Außerdem waren oft faulige Kartoffeln darunter – und in die zu greifen, war nicht angenehm.

Im Frühjahr halfen wir, die Kartoffeln fürs Legen zu zerschneiden, damit sie besser ausgaben. Dabei musste man darauf achten, dass jede Hälfe mindestens ein Auge hatte.

Beim Legen derselben mussten wir auch helfen.  Wir saßen auf der Legemaschine und mussten beim Läuten, das regelmäßig erklang, jeweils eine Kartoffel in die dafür vorgesehene Öffnung schmeißen. 

Anfang September ging es dann zum Kartoffelklauben, das wir schon von klein auf machen konnten. Später bekamen wir eine Erntemaschine, auf der man nur stehen musste, um Schollen auszuklauben. Schön war es, wenn man die Kartoffelstauden zum Anzünden (ist heute auch nicht mehr erlaubt) auf einen Haufen warf und die letzten, übersehenen Kartoffeln ins Feuer warf, um sie dann heiß und schwarz zu essen (würde heute als ungesund erachtet).

 

Futterweizen
Wenn der Futterweizen eine gewisse Höhe erreicht hatte, mussten meine Schwester und ich, wenn sonst gerade niemand Zeit hatte, mit der Scheibtruhe und den Sicheln Bündel vom Weizen abschneiden,“grasen“ genannt, ihn zusammenbinden und in die Graskammer fahren – als Futter für das Rindvieh.

 

Heu/Klee
Beim Heuen mussten wir anfangs nachrechen, später durften wir mit den Traktor am Feld fahren oder laden. Beim Abladen zu Hause warfen wir entweder die Ballen vom Wagen oder schlichteten sie im Stadel auf.  

Klee für die Tiere hatten wir manchmal auf der kleinen Fläche hinter dem Haus. Da mussten wir den gemähten Klee mit Gabeln auf die „Kleehügel“ werfen, wo er getrocknet wurde. 

Foto: Familie Knapp, St. Johann

 

Ziesel und Hamster
Eine Einnahmequelle gab es für uns Kinder: Auf den Äckern herrschte eine Ziesel- und Hamsterplage, so wurde festgesetzt – schon in der Winkler Gemeinde und dann in der Großgemeinde -  dass man für die Schwänze dieser Tiere einen bestimmten, geringen, Geldbetrag erhält. Wir fingen  zu Dritt mit einigen Fallen diese Tiere um ein kleines Taschengeld zu bekommen. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern, wer die Schwänze abgeschnitten hat.

 

Getreide
Am meisten Arbeit gab es bei der Getreideernte. Noch recht jung, musste ich meiner Mutter beim „Absackeln“ des Getreides vom ersten Mähdrescher helfen. Später, beim Nachfolgemodell fuhren wir auf den Acker mit, um Saatgut für den nächsten Anbau in Säcke zu füllen. Ich lag dann auf einer Decke im Schatten unter dem Kipper und gab mir meine damalige Lieblingslektüre: Jerry Cotton-Romane. 

Foto: Bei diesem Mähdrescher konnte man 
eine Plattform herunterklappen,
von der aus man das Getreide in Säcke füllte.
 

Ein Teil des Getreides wurde mittels einer Körnerschnecke auf den Dachboden am Ausnahm geblasen. Unsere Arbeit: Eine musste in der Hitze und im Staub am Anhänger stehen und Getreide zur Schnecke schaufeln, die andere stand in der noch größeren Hitze und in noch mehr Staub am Dachboden und musste das Getreide dort wegschaufeln. 

Beim „Strohführen“ war unsere Arbeit das „Nachfahren“ mit dem Traktor oder das Laden, wobei ich zweiteres lieber tat, da ich einmal mit dem Traktor einen Ruck gemacht hatte und mein Vater zwischen die Wägen gefallen war. Ich hatte damals kein Problem damit, den Wagen so hoch es ging, zu beladen, auch wenn das Stroh stach. Vor allem das Gerstenstroh biss so lange, bis man sich geduscht hatte. Beim Abladen war unsere Hilfe natürlich ebenfalls wieder gefragt.

 

Weinlese
Die Weinlese machte bei uns nicht so viel Arbeit, da wir nur drei Viertel Weingärten besaßen. Da waren wir in zwei schwachen Tagen fertig. Am lustigsten war das Gehen mit dem Pressbaum und unvergleichlich war der Most, wenn man ihn frisch von der Rinne auffing. 

Das war natürlich nicht die einzige Arbeit im Weingarten: Wenn wir Zeit hatten, fuhren wir zum Hacken oder zum „Ausbrocken“ mit. 

Foto rechts und ganz oben: Familie Grausenburger  

 

Holzarbeit
In die Au zum Holzmachen nahmen uns unsere Eltern, soweit ich mich erinnern kann, nur einmal mit. Aber beim Holzschneiden zu Hause mussten wir schon ein wenig mithelfen und Holz zugeben oder wegnehmen. Wir legten das geschnittene Keinholz zum Feuermachen in die „Bürtelpresse“, wo es, wenn diese voll war, von den Erwachsenen zusammengepresst und mit Draht gebunden wurde. 

Nach der Schule wurde uns aufgetragen, die Holztruhe neben dem Ofen in der Küche mit Kleinholz und Holz anzufüllen. Ebenso mussten wir schon bald im Küchenofen Feuer machen, nachlegen und die Wasserwanne im Herd befüllen.

 

Federvieh
Schon sehr klein durften wie die Hühner füttern, was uns viel Spaß machte. 

Im Winter wurde in der Küche Federn geschlissen. In jedem Haus gab es Hühner, Enten oder Gänse, deren Federn vom Kiel getrennt wurden und die man dann für Polster und Tuchenten verwendete. Das war keine schwere, aber doch langweilige Arbeit. Man durfte die Küchentür nur ganz vorsichtig öffnen, da sonst die sehr leichten Federn aufwirbelten und die Erwachsenen schimpften.

Beim Abstechen der Hühner halfen wir mit. Zuerst hielten wir sie beim Schlachten, damit sie nicht um sich schlugen. Nach dem  Einweichen in heißes Wasser rupften wir sie und nahmen sie aus. 

 

 

 

Schweine
Im Alter von etwa 15 Jahren mussten wir, wenn die Eltern gerade viel  Arbeit hatten, öfters die Schweineställe ausmisten. Die Schweine wurden dazu in den Auslauf hinausgetrieben, sodass man Platz zum Arbeiten hatte. 

Auch beim Schlachten durften wir helfen: Nachdem das Schwein geschlachtet war, mussten wir das aufgefangene Blut für die Blutwürste rühren, bis es abgekühlt war und nicht mehr gerinnen konnte. Dann kam das Fettschneiden, das Blutwurstmachen, Fleisch einpacken – und viel Geschirr abwaschen. 

Foto: Frau Monika Jöchl

 

 

 

Putzen
Das Kehren das Hofes (das wir nicht besonders gerne machten) gehörte samstags zu unseren Pflichten.

 

In den Pfarrmatriken Kirchberg wurden folgende Fälle von Kinderarbeit gefunden:

1801: Der Kinderwärter Franz Posch stirbt in Engelmannsbrunn 2 mit 10 Jahren am Faulfieber.

1804: Der ledige Kellner Joseph Moll stirbt mit 11! Jahren an der Wassersucht in Kirchberg 41.

 

 

April 2013
Maria Knapp