Getreidebau

 

Letzte Änderung: 8.10.2016 

 
Der Sämann
Schul-Wandbild der Schule Niederschleinz, Verlag F. Tempsky, Prag
zur Verfügung gestellt von Herrn Herbert Pauritsch sen.


Schul-Wandbilder, Erlebnismuseum Schönbach im Waldviertel

 

Im Franziszeischen Kataster um 1830 werden als Getreidesorten, die bei uns angebaut wurden, Korn (Roggen), Hafer, Weizen, Gerste, und Kukuruz genannt.

 

Gesät wurde bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts von Hand. Dazu kam das Getreide in das  "Viata" - Fürtuch, eine Schürze, deren unterer Teil heraufgebunden wurde, um eine Tasche zu bilden.

Später kamen Sämaschinen in Gebrauch, die von Ochsen oder Pferden gezogen wurden. Vor dem Anbau wurde mit Rindermist gedüngt.  

Familie Schuster, Sachsendorf
Foto: Familie Grausenburger, Winkl 

 

 

 

 

Um 1950: Die Mohda (Mäher) von Winkl: Einige Winkler taten sich zusammen, um die Felder zu mähen. 

vorne v. li.: Kreuzinger Anton, Urban Engelbert,
Schuster Josef;
hinten v. li.: Riedl Johann, Zimmermann Georg, Reiser Franz, Zehetgruber Franz, 
Foto: Familie Riedl, Winkl  


 

 

 

 

Dieses Foto wurde vor 1945 von einem Journalisten für eine Zeitung aufgenommen und zeigt die Arbeit bei der Getreidemahd.  

 

Hinter dem Mäher nahmen Helfer die Bündel auf, banden sie und stellten sie zu Mandeln auf. Halbwüchsige Kinder gingen nach und rechten die liegengebliebenen Halme zusammen, denn es durfte nichts verschwendet werden. Die Mandl blieben zum Trocknen stehen, bevor sie mit dem Leiterwagen in den Stadel kamen.

 

 

 

Rast bei den Getreidemandeln
Foto: Familie Grausenburger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der beendeten Mahd wurde gefeiert. Hier bei der Familie Schaller in Mallon. 
Foto. Familie Leuthner, Kollersdorf 

 

 

 

 

Bis ca. 1960 wurde das Getreide von Hand mit der Sense gemäht. Ein mittlerer Bauer hatte damals ca. 20 Joch Grund und davon 2/3 Getreide, das sind ca. 13 Joch Getreide. Zwei Männer mähten an einem Tag etwa ein Joch. 

Einige Zeit gab es dann den Bindemäher, bis um 1960 die Mähdrescher aufkamen. Bei den ersten musste man „absackeln“,  man musste Säcke unter eine Ausgießöffnung stellen und diese befüllen - siehe Foto unten.

 

 

 

Foto: Familie Engelmann, Winkl 

 

 

 

 

 Foto: Familie Riedl, Winkl     

 

 

 

Im Winter wurde das Getreide mit dem Drischel gedroschen, wobei eine gut eingespielte Partie von Männern (manchmal auch Frauen) um die aufgelegten Kornbündel gingen und im Takt auf die Ähren einschlugen, bis alle leer waren. In vielen Orten schlossen sich die Bauern zu Druschgenossenschaften zusammen und erledigten diese schwere Arbeit gemeinsam. Zum Abschluss gab es den „Dreschhahn“: „ Der Dreschhahn ist eine bessere Mahlzeit, an der nach dem Abschluss des Drusches alle daran Beteiligten teilnehmen und die bei Gesang, Spiel und Trunk bis tief in die Nacht hinein andauert.“ Quelle: Heimatliche Stoffsammlung, Winkl

Näheres zur Druschgenossenschaft Winkl siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl/die-druschgenossenschaft 


Frau Schabl hat in ihren Erinnerungen die Arbeit des Dreschens sehr gut beschrieben:

" Das ganze Getreide wurde mit Sensen gemäht und 'Mandeln“'aufgestellt. Bei Korn u. Weizen machte man '9er Mandeln“' bei Gerste und Hafer '10er Mandeln', da man mit 3 Garben einen Reiter darauf setzte. Auch für den Viehhirt wurden pro Joch 2 Garben ausgelegt. Er war ja Gemeindeangestellter und mußte die Feldwege in Stand halten. ....  Auf der Tenne wurde auch Drischel gedroschen. Die Korngarben wurden auf der Tenne ausgebreitet, so daß sich die Ähren in der Mitte kreuzten. Auf der einen Seite machte die Tennwand die Gerade, auf der anderen Seite legte man einen 'Tennhund' auf, wo man Holzbretter hineinschob und ebenfalls eine Gerade schuf. Mit den Drischeln oder Dreschflegel wurde in 3/4 oder 4/4 Takt gedroschen, je nach Anzahl der Drescher. Eine Person mußte das Korn wenden, da auf der anderen Seite der gleiche Vorgang stattfand. Das Stroh wurde zu Garben 'Schab' gebunden.

Die ersten Dreschmaschinen wurden mit einer Kurbel mit der Hand gedreht. Nachher wurden die Maschinen mit Göpel angetrieben. Es gab einen Hochgöpel und einen liegenden. Auf demselben befand sich ein großes Antriebsrad, welches mit einem Riemen mit der Riemenscheibe der Dreschmaschine verbunden war. Am Göpel selbst war eine Stange mit 2 Drittel wo die Pferde angespannt wurden. Warm angezogen mussten wir als Kinder 'Roßtreiben'. Da es noch keine Strohpresse gab, war das Stroh lose. Eine Person stand vor dem Strohschüttler und nahm das Stroh auf und legte es auf ausgebreitete Bänder, oder es wurde zusammengeschlagen und der Spießträger trug es weg, wir Kinder traten das Stroh zusammen.
Beim Dreschen mussten sein: Einer mußte das Getreide auf den Maschinentisch legte, ein zweiter, der die losen Garben in die Maschine eingab. Ein dritter, der Körndl und Spreu wegschaffte und drei Personen beim Stroh.
Beim 'Winden“'(ausputzen des Getreides) mussten vier Personen sein. Einer der einschüttete, ein 2ter, der auf einem Stockerl stehend mit der Hand das Getreide einrührte und ein 3ter und 4ter, der mit einer Windschaufel wegschaufelt und die Kurbel drehte. Dies geschah 2 mal. In Halbe gefüllt = 50 Liter Eimer gemessen, von da in Säcke abgefüllt und am Schüttboden gelagert. Korn oder Weizen wurden meist erst im Winter zum Verkauf abgegeben, da es um diese Zeit einen höheren Preis hatte." 

 
Teile eines Göpelrades
Erika Schwarz, Martin Andrä/beide Windpassing

 

 

Beim Dreschen: Familie Schaller, Mallon

 

 

 

 

 

 

   
Dampfdreschmaschine, fotografiert am Dampffest in Windpassing, Gemeinde Grabern, 2008

 

Das Getreide wurde in Säcken mühsam auf den Dachboden getragen und dort zum weiteren Trocknen aufgeschüttet. Es musste anfangs häufig umgeschaufelt werden, damit es sich durch die Restfeuchtigkeit im Inneren nicht erhitzte und gut trocknete. Bei Bedarf - entweder zum Mehlmahlen, zum Verfüttern an die Tiere oder zum Verkauf - wurde es wieder in Säcke gefüllt und herunter getragen. 

Das Stroh des Roggens, das sehr lang war, wurde aber nach wie vor zur Herstellung von Bindmaterial verwendet und mit dem Drischel ausgedroschen.

Für den Weingarten wurden sogenannte Riedl gefertigt: Dazu nahm man entweder das neue, noch unreife Stroh oder das alte, das man einweichte und trat, damit es geschmeidig wurde. 2 - 3 Halme wurden dabei zusammengedreht. Ein Bündel dieser Riedl band man sich jeweils um den Leib und band damit im Weingarten die Reben an.      

Foto: Anna Sieberer, Absdorf  

Zum Binden der Getreidegarben wurden Bänder hergestellt, das war die Arbeit der Männer im Winter. Mit einer besonderen Technik wurde das Stroh zusammengedreht. Manche Bauern  nahmen aber gleich das frische Stroh während der Ernte dazu.
Bänder bekam man aber auch am Faschingsmarkt in Kirchberg oder bei Besenbindern, die aus dem Waldviertel kamen, zu kaufen.
 
Mit Bändern gebundene Garben - Maschine zum Abschneiden der Bänder, obenauf liegen Sense und Wachler
Fotos: Erlebnismuseum Schönbach im Waldviertel

Mit dem Roggenstroh wurden auch die Strohsäcke gefüllt, die man als Matratzen verwendete.

Das Stroh der anderen Getreidesorten wurde als Einstreu bei Rindern und Schweinen verwendet.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch keine Lagerhäuser, es gab aber findige Leute, die größere Mengen ungereinigtes Getreide aufkauften, es mit der Windmühle reinigten und teurer weiter verkaufen. 

 

Korn
Roggen, (Getreide, Troad,Traydt, Korn) war das wichtigste Getreide - wurde daraus doch Brot gebacken. Der Bauer brachte das eigene Getreide in Säcken zum Müller, der daraus Mehl und andere Produkte mahlte bzw. schrotete. 

 

Weizen

Weizen wurde  zum Backen und Kochen verwendet. 

 

Gerste
Gerste wurde als Tierfutter verwendet. Die daraus hergestellte Grütze und Graupen dienten zur Nahrung. Aus Gerste besserer Qualität wurde und wird Bier hergestellt. 

 

Hafer
Hafer (Habern) diente in erster Linie als Pferdefutter. Gequetschter Hafer ergibt die gesunden Haferflocken. 

 

Mais, Kukuruz, türkischer Weizen
Diese Pflanze wurde meist als Grünfutter für das Rindvieh verwendet. Mit der Sichel schnitt man die Stämme unten ab und band sie zu handlichen Bündeln zusammen. Oft wurden diese für einige Tag auf Vorrat geerntet und in der Graskammer, einem kühlen Raum mit gestampftem Erdboden, aufbewahrt.  


"Der Kukuruz (Mais) machte seinerzeit allerhand Arbeit. Nach dem Abbrechen im Herbst wurden die Kukuruzzapfen zu Hause, entweder in Schupfe od. Toreinfahrt, zum Auslösen aufgeschüttet. Mit Bänken umstellt, so daß an die 20 Personen Platz fanden, welche die Zapfen auf je 3 Blätter auslösten, die Männer knüpften je 4 Zapfen zusammen, welche dann am Boden zum Trocknen aufgehängt wurden. Bei dieser Arbeit gab es hie u. da einen roten Zapfen u. da bekam so manches Mädchen unverhofft v. dem betreffenden einen Kuß. War es aber ein schwarzer Zapfen, der schon faul war, bekam man ein schwarzes Gesicht. Bei dieser Arbeit wurde gesungen u. Witze erzählt u. dgl. Nach getaner Arbeit gab es Kaffee u. Kuchen. Auch Obst, Weintrauben, Nüsse, Zwetschken u. Sturm zu trinken. Abgerebelt wurden die Zapfen im Winter händisch an einem warmen Ort u. an Federvieh und Schweine verfüttert."
Quelle: Frau Anna Schabl

  
Der Mais wurde unter dem Dachvorsprung zum Trocknen aufgehängt. - Gerät zum Maisabrebeln, Foto: Josef Leuthner, Kollersdorf

 

Verschiedene Geräte

 
Foto links: Der Bauer mit dem „Wachler“, der Sense mit einem Holzbügel,der mit Leinen bespannt war,
mit dessen Hilfe man das Getreide schön bündelweise ablegen konnte. 
Foto rechts: Heugabel, Wachler und Saatrechen, Foto: Herbert Pauritsch, Niederschleinz 

  
Ein Drischel – rechts im Detail
Foto: Herbert Pauritsch, Niederschleinz 

 
Links: Mit den Sicheln wurde das Getreide aufgenommen und dann zu Garben gebunden.
Rechts:  „Kümpfel“ – Wetzsteinbehälter aus Kunststoff, Holz und Horn.

   
Auf einer solchen "Dongl-Goas wurde die Sense geschärft: Das Sensenblatt wurde auf das Metall auf der rechten Seite gelegt und mit dem Dengl-Hammer geklopft, um es am Rand dünner zu machen. Erst dann konnte mit dem Wetzstein die Sense geschäft werden. Zu dieser Arbeit setzte man sich auf den hinteren Teil des Gerätes.n - LInks ein Denglhammer 


Eine Dreschmaschine, die meist in Gemeinschaft betrieben wurde (siehe http://www.hf-kirchberg.at/index.php/winkl1/druschgenossenschaft-winkl).
Foto: Heimatmuseum Seebarn


  
Mit der Winde wurde sozusagen die Spreu vom Weizen getrennt.
Foto: Museumsdorf Niedersulz

 

 

 

Ein Teil des Getreides wurde mit der Schrotmühle zu Tierfutter gemahlen.
Foto: Josef Leuthner, Kollersdorf

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Jänner 2014
Maria Knapp