Inwohner-Robot

 
Beantwortung einer Anfrage der Herrschaft Grafenegg über die Handhabung der Robotleistung der Inwohner
 
 
 
Uiber die Frage, ob und wie fern die auf der Herrschaft Gravenegg befindlichen Inleute zur Roboth verhalten werden können?
 
Gutachten
 
Mehrere von dem Oberamte in dessen Amtsberichte ddto 6ten August d. J. aufgeworfene Zweifel beheben sich durch die in dem Robothpatent von 6ten Juny 1772 aufgenommenen Grundsätze und Vorschriften von selbst; denn
1tens gebührt nach dem 3ten § gedachten Patente die Hand und Fußroboth von denen Inleuten – sie mögen verheurathet – verwittwet oder ledig seyn dem Grundherrn, woraus fliesset, dass also nur jene Inleute, die in unterthänigen Häusern wohnen – nicht aber auch jene, die sich in fremden Häusern aufhalten, zur Roboth einzogen werden können.
2tens ist die Pflichtigkeit der Roboth für derlei Inleute nach eben diesen § auf 12 Tage im Jahre ohne irgend einer sonstigen Forderung unter dem Titel Schutzgeld beschränkt – jedoch sind darunter alle möglichen Arbeiten und Verrichtungen nach dem 5ten § dieses Patents begriffen, woraus abermals schliesset, daß in der Regel jeder Inmann im Jahre zu einer 12tägigen Hand oder Fußroboth ohne Unterschied der Arbeit oder Verrichtung in dem Herrschafts-Districte verhalten werden könne.
Dieses ist nach dem Robothpatente rücksichtlich der Inleute allgemein Rechtens.
Weil aber in demselben Patente vorgesehen ist, daß, wenn bis zu dessen Erscheinung – folglich in früherer Zeit eine mindere Roboth gebräuchlich oder wirklich eingeführt war, oder zwischen Grundherren und Unterthanen über die Roboth in natura oder in Gelde ein Vergleich getroffen, - oder im rechtlichen Wege was anders entschieden worden ist, es dabei sein Verbleiben haben solle; so wird im vorliegenden Falle die Frage entstehen, welche Verhältnisse bei den in Anregung gebrachten Robothgegenstand obwalten, um diese Roboth reguliren zu können. Nach dem ämtlichen Berichte tretten 2 Fälle ein, nemlich:
1tens daß in Folge des Rechnungs-Auszuges 2. die Gemeinden Grafenwörth, Heitzendorf, Kamp, Elsarn, Wiedendorf und Etschdorf für die Inleute ein bestimmtes jährliches Robothgeld seit 1769 bis 1771 mit 132 fl und seit 1772 bis 1775 mit 130 fl unverändert die Gemeinde Weickersdorf aber seit 1739 ungleiche Jahrbeträge – seit 1772 aber einen unveränderten Betrag pr 24 fl entrichteten.
2tens daß ausser den eben bezeugten Ortschaften aus Abgang der Akten nicht erhoben werden könne, ob von denen in anderen unterthänigen Gemeinden sich aufhaltende Inleuthen ein Robothgeld bezogen worden seyn?
Was den 1ten Fall anbelangt, so würde, wenn hierüber besondere Abfindungs-Instrumente bestünden, nach dem 12ten § des Robothpatentes mit Erfolg nichts neues vorgekehrt werden können; sondern es dabei verbleiben müssen; da sich hierüber aber kein Uibereinkommen verfindet, auch der Betrag der Reulition in Gelde zeitweiß abgeändert wurde, somit als zeitlich anzusehen ist, so dürfte hierwegen, wenn anderst die Gemeind nicht etwa mit standhaften Behelfen hervorkommen, kein Anstand gegen eine neuerliche Bestimmung obwalten, zumahlen das Recht die Roboth zu fordern gegen die einzelnen Inleute, und nicht gegen die Gemeinde stattfindet.
Betreffend den 2ten Fall; so gründet es sich keineswegs in dem Robothpatente vom Jahr 1772 – in dessen Nachtrag vom 12ten Juny 1773, oder dem Patente vom 24. Oct. 1773, worauf sich die um Enthebung der Roboth für ihre Inleute einschreitende Gemeinde Eselstein beruft, daß jene Inwohner von welchen vor der Zeit des erschienenen Robothpatentes aus besonderen Verhältnissen oder Rücksichten eine Robothpflicht nicht gefordert wurde, dieselbe auch nach erschienenen Patente nicht leisten dürfen – überhaupt berühren diese Patente rücksichtlich der Inwohner derlei Fälle gar nicht, und sonach muß also das was das Patent dießfalls als Regel festgesetzet, nemlich: die 12tägige Hand oder Fußroboth bestand haben.
Wenn aber auch ex Analogia der 11te § des Patentes auch für die Inleute als Vorschrift angewendet werden will, so ergiebt sich daraus nichts weiter als daß, wenn die gesetzliche Pflichtigkeit der Roboth in früherer Zeit auf weniger Tage verglichen worden seye, diesen in Folge der Vorschrift des Patentes nicht ausgedehnt werden könne; sondern es bei den frühern Gebrauch oder Einführung verbleiben solle – keineswegs aber daß von den nach der Natur Roboth schuldigen Inleuthen gar keine gefordert werden könne.
Es lässt sich auch dießfalls nicht wohl eine Verjährung entgegen setzen, indem sich auf selbe nur in einzelnen Fällen beruffen werden könnte, in welchen sich schwer die zu einer Verjährung vorgeschriebenen Erfordernisse vereinigen könne.
In Voraussetzung dessen wäre ich demnach gänzlich mit dem Vorschlages des Amtes und den in selben angetragenen Modificationen einverstanden, soweit die politischen Rücksichten wegen besorgung der Uibersiedlung und Verschonung der Inleuthe in dem laufenden Jahre, deren Wichtigkeit ich nicht zu würdigen vermag, gegründet befunden werden.
 
Wien, den 24 August 1851
 
Unterschrift

 

Quelle:
Haus-, Hof und Staatsarchiv
AT-OeStA/AVA Kultus NK Kath Akten 271.1

 

Juni 2016
Maria Knapp