Kartoffelbau

 

Letzte Änderung: 1.12.2014

 

„Ab 1761 forcierte der aus Luxemburg stammende und in Prinzendorf im Weinviertel wirkende Pfarrer Johann Eberhard Jungblut den Anbau der Kartoffel im Zayatal. Die Bauern waren zuerst nicht sehr davon angetan, da die Kartoffeln das bewährte System Wintergetreide, Hafer, Brache bzw. Hutweide durcheinander brachten. Die Müller hatten Angst um ihr Geschäft, wenn die Bauern weniger Getreide anbauten. Die Grundherren lehnten sie ab, weil als Futtermittel darauf kein Zehent zu zahlen war. Da es jedoch in den Jahren von 1769 bis 1771 zu Missernten bei vielen Feldfrüchten kam, versuchten die Bauern nun doch den vermehrten Anbau von Kartoffeln. Die Dreifelderwirtschaft verlor allmählich an Bedeutung und die Weidefütterung des Rindviehs wich der Stallfütterung.
Zunahme des Kartoffelanbaues: Da in den Franzosenkriegen von 1805 bis 1809 sowohl der Feind als auch das eigene Militär große Getreidemengen beschlagnahmten, wurden als Ausgleich mehr Kartoffeln angebaut.
1834 gab es die beste Kartoffelernte des Jahrhunderts in Niederösterreich. Doch schon in den 1840er Jahren ging der Ertrag durch verschiedene Krankheiten wieder zurück, was erst durch einen Samenwechsel geändert werden konnte.“ 
Quelle:Bauernbundkalender 2011, Gebhard König: Pfarrer Jungblut und der Erdäpfelanbau in Niederösterreich 

 

"Die Kartoffeln haben sich in den letzten Decennien immer weiter verbreitet, und werden gegenwärtig in gebirgigen sowohl, als ebenen Ländereyen sandiger Beschaffenheit in sehr ansehnlicher Menge gefechset. Eine Frucht, die man vor noch nicht langer Zeit größten Theils nur als Viehfutter brauchte, wird jetzt von Tausenden der ärmern Classe als ein kostbares Geschenk des Himmels geschätzt. Außer dem manigfaltigen Nutzen, den sie in der Landwirtschaft gewährt, surrogirt sie auch in vielen Gegenden Mehl und Brot. Und darum trachtet man auch die vielerley Arten, die man schon jetzt im Lande antrifft, durch Einführung neuer Sorten zu vermehren und zu veredeln; darum bestrebt man sich, die Aussaat möglichst zu verringern, und den kostbaren Samen zu sparen. Versuche zu Kührling, Klosterneuburg, Vösendorf u.a.O. haben gezeigt, daß zerschnittene Kartoffeln, weit weniger Raum brauchen, und doch gleich große Ernten abwerfen. Der Ertrag derselben unterliegt nach Verschiedenheit der Gegenden und der Witterung sehr vielen Abweichungen. Im Kreise ober dem Mannhartsberge wirft in besseren Gründen das Joch bey einer Aussaat von 8 Metzen oft gegen 300 Metzen; in schlechten Gründen aber auch nur 40 Metzen ab." 
Quelle: Vaterländische Blätter, 30. Juni 1813


Ausackern der Erdäpfel mit dem Pflug: Alois Reiser-Deibl und sein Schwiegervater Leopold Politzer
Foto: Familie Riedl


links: Leopoldine Behinsky (Detter), Foto: Franz Riegler, Frauendorf

Gelegt wurden die Kartoffeln früher, indem eine Person mit einer Haue die Erde zurückschob, eine zweite Person warf eine Kartoffel aus dem Fürtuch oder einem Korb ins Loch, worauf der erste die Erde wieder über die Kartoffel fallen ließ. Wenn eine Reihe gelegt war, wurde mit der Haue angehäufelt. Später kamen die Legemaschinen auf, die es bis heute gibt, auf denen zwei Personen sitzen, die die Kartoffeln aus einem Tank nach einem Klingelton in die Erde werfen.

Ausgegraben wurde zuerst händisch, dann mit dem Pflug. Später kamen die „Erdäpfelrodler“ in Gebrauch, bei denen man die Erdäpfel auch noch händisch in ein geflochtenes Körberl klauben musste - siehe Bilder oben. War der Korb voll, leerte man die Erdäpfel in einen Jutesack, was bei trockenem Wetter eine staubige Arbeit war.

Die Kartoffeln wurden im Keller gelagert. Da es keine chemischen Zusätze gab, "wuchsen die Erdäpfel gegen das Frühjahr hin aus", das heißt, sie trieben frühzeitig aus und raubten den Knollen Energie, sie wurden schrumpelig. Um das zu verhindern, musste man das Kraut von Zeit zu Zeit entfernen. Zu dieser wenig beliebten, aber einfachen Arbeit wurden gerne die Kinder herangezogen. Besonders unangenehm war es, wenn man in einen gefaulten Erdapfel griff. 

Ein mittlerer Bauer hatte ein Joch Erdäpfel. Diese wurden weniger verkauft, sondern zum Füttern der Schweine und zum Kochen verwendet. Als Abendmahl gab es in vielen Häusern jahraus-jahrein Erdäpfelsterz und Stoßsuppe. Das war ein kostenloses Essen, da man die Zutaten selbst hatte – und gesund war es außerdem. Doch darum kümmerte man sich früher nur am Rande. Man war froh, wenn man satt war. 

Links eine Kartoffelgabel zum Umschaufeln der Kartoffeln – die Zinken sind abgerundet, damit man die Kartoffeln nicht ansticht.
Rechts eine Gabel zum Ausgraben der Kartoffeln mit kurzen, starken Zinken.   

 

 

 

 

Eine mechanisches Gerät zum Waschen der Kartoffeln. Diese wurden auf den Rost gegeben und in dem mit Wasser gefüllten Behälter durch Auf- und Abbewegung gereinigt.
Foto: Josef Leuthner, Kollersdorf   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit diesem Stössel wurden die im Erdäpfeldämpfer gekochten Erdäpfel für die Schweinefütterung zerstoßen.

 

 

 

Später kamen die Erdäfpel-Vollernter auf, bei denen einige Personen nur mehr Erdschollen und Steine aus den auf einem Förderband vorbeilaufenden Kartoffeln ausklauben müssen. 

 

Jänner 2014
Maria Knapp