Knechte und Mägde

 

Letzte Änderung: 19.5.2019

 

In der bäuerlichen Welt standen die Knechte und Mädge auf der untersten Stufe. Sie waren noch schlechter gestellt als die Inwohner. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Bauernkinder, sowie Nachkommen der Inwohner und Dienstboten. Als Blütezeit des Gesindewesens kann man das 19.  und beginnende 20. Jahrhundert ansehen.
Die Entlohnung bestand in erster Linie aus einer oft kargen Verpflegung, Kleidung und einer bescheidenen Unterkunft. War die Wohnsituation schon für die Bauern nicht gut, war diese für die Bediensteten noch schlechter. Sie schliefen in kleinen, kaum geheizten Kammern, Pferdeknechte auf Stroh im Stall. Der Gehalt entsprach eher einem Taschengeld.
Die Arbeitszeit betrug häufig bis zu 16 Stunden. Nach der Arbeit am Feld musste vor allem das weibliche Personal noch im Haushalt mithelfen. Die gegenseitige Abhängigkeit war nicht immer einfach. Mancher Bauer beschwerte sich über die Faulheit der Dienstboten. Diese wiederum beklagten sich über das schlechte und wenige Essen und die überreichliche Arbeit.  Es gab aber auch Dienstboten, die gerne für ihren Herrn arbeiteten und sich als Teil des Betriebes sahen. Gutmeinende Bauern behielten ihre Dienstboten auch im Alter, es gab aber viele, die, wenn sie nicht mehr arbeiten konnten, ins Armenhaus übersiedeln mussten.
Das Gesinde hatte kaum freie Tage. Nur an den „Schlankltagen“,  den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, arbeiteten auch die Bauern nicht viel, was den Dienstboten zugutekam. 
Es wurde nicht gerne gesehen, dass Knechte und Mägde heirateten. Erstens
wären die Mägde bei den zu erwartenden Schwangerschaften nicht voll einsatzfähig gewesen, außerdem hätte man zu den eigenen noch zusätzliche Kinder verköstigen, kleiden und beherbergen müssen. Ledige, schwangere Mägde wurden daher oftmals vom Hof gejagt.
Vor der Bauernbefreiung im Jahr 1848 mussten Heiratswillige dem Gutsherrn nachweisen, dass sie eine Familie ernähren konnten, alleine aus diesem Grund war für viele aus der ärmeren Schicht eine Verehelichung nicht möglich - und uneheliche Kinder an der Tagesordnung. 
 
 
Barbara Vock,  Kindermagd der Familie Heisler, um 1960
Foto: Herta Heisler, Winkl
 
Für den „Knecht- und Mentscherwechsel“ war das Fest Mariä Lichtmess am 2. Februar der übliche Termin. Die Dienstboten verdingten sich gewöhnlich auf ein Jahr, während dieser Zeit durften sie nicht ohne schwerwiegenden Grund ihren Dienst verlassen bzw. der Dienstgeber sie nicht entlassen, sofern sie sich nichts zu Schulden kommen ließen.
Nach 1900 fand in Kirchberg jährlich eine Dienstbotenprämierung statt, bei der jene Knechte und Mägde Geldbeträge erhielten, die besonders lange bei ihren Dienstgebern angestellt waren - hier aus der Pfarrchronik im Jahr 1926: „Am Feste des hl. Leopold war hier wieder die Prämierung von 24 braven Dienst-boten in  Gegenwart des Herrn Bezirkshauptmannes Dr. Schuppler, mit schöner kirchlicher Feier, bei der auch der Pfarrer einige Worte an die Prämierten hielt.“
 
Das „Handbuch für Orts-Richter“ erläutert den Umgang mit dienstlosem Gesinde: „Um den mit der Dienstlosigkeit verbundenen höchst schädlichen Folgen vorzubeugen, sollen die Richter und Ortsobrigkeiten sich angelegen seyn lassen, über die austretenden und mit keinem andern Dienst versehenen Dienstbothen überhaupt, vorzüglich aber über diejenigen welche außer der ordentlichen Gesinde-Aufnehmungszeit dienstlos geworden sind, zu wachen, und sie, wenn sie nicht bald zu einem Dienste oder einem andern ehrbaren Nahrungswege gelangen, dazu verhalten, sich sobald als möglich anderswo nach einem Dienste umzusehen. In dieser Absicht und um dem Müssiggange allen Vorwand abzuschneiden, sollen den Dienstbothen  zwischen dem Austritte aus dem alten, und Ein-tritte in den neuen Dienst, zur Besorgung ihrer Geschäfte höchstens nur drey Tage zugestanden werden.“
 
 
Dienstboten in Dokumenten und Pfarrmatriken (Auswahl)
1772 starb in Winkl 15 der ledige Knecht Joseph Grill mit 45 Jahren.
Philip Tängl, Knecht in Winkl 27, heiratete 1776 Theresia, die Witwe des Webers Lorenz Burger.
Der aus Kirchschlag stammende ledige Pferdeknecht Georg Strobl starb 1861 mit 68 Jahren in Winkl 22.
Johann, Sohn der ledigen Dienstmagd Katharina Maringer, starb 1870 in Winkl 28 wenige Tage nach der Geburt.
Franz Tobias, Sohn des Hauerknechts Alois Tobias aus Wien, starb  1892 mit fünf  Monaten in Winkl 49 an Rachitis.
 
Den aus dem St. Pöltner Bezirk stammenden Anton Brabletz, der bei der Witwe Katharina Wimmer in Winkl 38 im Dienst war, verwies man laut Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 25. März 1937 des Ortes: „Anton Brabletz hat am 1. Juni 1934 nach Einbruch aus einer Kammer des Milchkasinos ein Bild des verewigten Bundeskanzlers  Dr. Dollfuß entwendet und gemeinsam mit Anton Kreuzinger in dessen Wohnung in Winkl verbrannt. Er wurde deshalb vom Kreisgerichte in Krems mit vier Wochen strengem Kerker bestraft. Weiters hat Brabletz in der Nacht zum 17.6.1934 in Winkl illegale Flugzettel gestreut und Hakenkreuzfahnen gehisst. Schließlich hat er am 19. September 1936 bei der in Winkl Nr. 55 wohnhaften Antonia Zimmermann eingebrochen und verschiedene Gegenstände entwendet, weshalb er vom Kreisgerichte Krems mit zwei Monaten strengem Kerker bestraft wurde.“
 
Barbara Vock (Kargl) bei Familie Heisler, Werner Schlawak bei Familie Grausenburger und Josef Teufel bei Familie Eder gehörten in den 1960er-Jahren zu den letzten Dienstboten in Winkl.
 
 
Quellen:
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
Thomas Hofer: Handbuch für Ortsrichter, 1848
Protokolle der Gemeinderatssitzungen der Gemeinde Winkl
 
 
Mai 2019
Maria Knapp