Verschiedene Plagen in der Landwirtschaft

in früherer Zeit


Letzte Änderung: 29.8.2017

 

Inhalt
1 Trockenheit

2 Hagel
3 Kälteeinbrüche
4 Hochwasser
5 Krieg
6 Kartoffelfäule und Kartoffelkäfer
7 Heuschreckeneinfälle
8 Maikäfer
9 Reblaus
10 Maul- und Klauenseuche
11 Mäuseplage
12 Ziesel und Hamster
13 Sonstiges

 

Die Bauern und Hauer hatten – abgesehen von Wetterkapriolen - in früherer Zeit mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als heute, wo es für fast jedes Problem ein Mittel gibt.

 

1 Trockenheit

Wenn heute bei lang anhaltender Trockenheit der Bauer seine Beregnungsanlage aufstellt, so hatte man diese Möglichkeit früher nicht.

Pfarrchronik Altenwörth
1841 schreibt Pfarrer Christian Liermberger in der Altenwörther Pfarrchronik: "Ernteausfall: Infoge der großen Kälte bei wenig Schnee auf den Feldern kam es zu Frostschäden, die teils zu größeren Ernteausfällen führten. Umso mehr als von Mitte Mai – Juni sommerliche Hitze und Trockenheit herrschten – dagegen der Sommer 1841extreme Trockenheit."

Im Jahr 1856 Pfarrer Anton Berger ebenda: "So z.B.: als Trockenheit wegen hat es in hiesiger Gegend durch vier Monathe während des Frühjahres gar nicht geregnet, am Ende May ist an vielen Feldern erst die Gerste aufgegangen, - im Allgemeinen war Stroh und Frucht deßhalb wenig,…"

Und 1908 Pfarrer Franz Frank: "Im Winter 1908 – 1909 herrschte im Orte Altenwörth eine große Wassernot in den Brunnen, wohl eine Folge der großen Trockenheit im Sommer 1908 und der tiefe Wasserstand der Donau, sodaß fast alle Brunnen ihr Wasser in die Donau abgegeben hatten. Auch in beiden Brunnen des Pfarrhofes kein Wasser, um dieser Calamitaet abzuhelfen, wurde im Pfarrgarten ein sogenannter 'Schlagbrunner' hergestellt; doch das Wasser war trübe und zudem fror der Schlagbrunner, trotzdem derselbe gut gegen Kälte geschützt wurde, fast jeden Tag ein, so es an jedem Tage notwendig war, denselben mit heißem Wasser wieder lebendfähig zu machen.

Heute gibt es auf vielen Äckern Brunnen, aus denen man bei Bedarf die Felder beregnen kann – was aber derzeit, aufgrund der hohen Treibstoffpreise gut überlegt sein will und wieder etwas in den Hintergrund getreten ist.

 

2 Hagel

Hagel vernichtete nicht selten einen Teil oder die ganze Ernte – und es gab keine Versicherung dagegen.  
Berichte über weitere Hagelunwetter siehe hier: 
http://www.hf-kirchberg.at/index.php/katastrophen/katastrohpen

Schulchronik Engelmannsbrunn
"Am 20. April 1934 um ½ 7 Uhr abends wurde unsere Ortsgemeinde wieder schwer vom Hagel betroffen. Während der Wagram und das Kirchenfeld völlig verschont blieben, wurde das Gebiet nördlich des Dorfes bis Gösing fast vollständig vernichtet (hauptsächlich Weingärten und Getreidefelder). Letztere mußten vielfach umgeackert werden, und es wurde noch Gerste angebaut. Für die Leute war dieser Schlag besonders hart, da nun schon das 3. Jahr Hagelschlag zu verzeichnen ist (1932, 1933 und 1934) und viele fast gar kein 'Lesen' hatten.

Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
"27. Juli 1953. UnwetterKatastrophe
Dieser Tag wird allen lange in Erinnerung bleiben. Ca. 15 Uhr zog aus der Richtung NW ein schweres Gewitter auf, das schon kommendes Unheil ahnen ließ. Mit unheimlicher Schnelligkeit wälzten sich die Wolken heran, ein Sturm brach los, der starke Bäume wie Streichhölzer knickte und sehr viele Dächer – vor allem auch das Kirchendach – schwer beschädigte. Ein ungefähr 20 Minuten andauernder Hagelschlag verwandelte die ganze Gegend in eine trostlose Winterlandschaft. Die ganze Obst- und Weinernte war mit einem Schlag vernichtet. Im Pfarrhof allein waren auf der Hofseite über 80 Fensterscheiben zertrümmert. Bereits am nächsten Tag wurden vom e.b. Ordinariat Hilfsmaßnahmen getroffen, ja selbst der Herr Kardinal, sein Generalvikar Dr. Streidt, Dr. Pennal vom Bauamt und Baumeister Ing. Rohringer kamen, um Lokalaugenschein zu nehmen und der Bevölkerung ihre Anteilnahme zu bezeigen. Die Reparatur des Kirchendaches allein kam schon auf rund 35 000,- Schilling."

Der Hagel zog eine Schneise der Verwüstung von Langenlois bis Niederrußbach und von Rupperstal bis zur Bahntrasse in Kirchberg.

Es wurde versucht, mittels Hagelraketen die Gefahr zu vermindern, Schulchronik Engelmannsbrunn: "Bei Hagelgefahr werden von den Weinhängen des Wagrams in der Kirchberger Umgebung Hagelraketen abgeschossen. Leider fand sich im Bereiche der Katastralgemeinde Engelmannsbrunn bis jetzt niemand, der den Abschuß dieser Raketen übernehmen würde." 

"Als Folge dieser Katastrophe überlegte man, eine Hagelabwehr, wie sie schon in Südtirol gebräuchlich war, zu organisieren. Anfänglich verwendete man Raketen zu Abwehr, seit 1976 setzt man auf die Abwehr mittels Kleinflugzeugen, die Silberjodid in die Hagelwolken bringen.
Quelle:
http://www.hagelabwehr.com/hagelabwehr/wer-sind-wir/historisches.html

Heute kann man sich mit einer Hagelversicherung gut absichern.

Bild aus der Zeitung "Das kleine Volksblatt"

 

3 Kälteeinbrüche

Im Frühjahr kam es – öfter als heutzutage – zu späten Frösten, die viel Schaden anrichteten:

1864 schreibt Pfarrer Größinger in der Altenwörther Pfarrchronik: Denn der in den letzten Tagen des Mai eintretende intensive Frost ruinierte sämmtliche Saffrangärten total und ebenso den Weinstock auf Jahre hindurch. Daher keine Saffran-Ernte und keine Weinlese. Dazu kam, daß der Mais zum allergrößten Theile nicht zur Reife gelangte, und bei alledem auch die übrigen Früchte keinen Preis hatten."

1867 dasselbe: "Alles gedieh gut und mehr als hinreichend. Nur der Weinstock und das Korn hat strichweise Schaden gelitten. Vermutlich das früher gebaute, denn dieses war gerade im Blühen begriffen, als es vom späten Frost in einer Nacht ereilt wurde. Die Ähren blieben leer und die Halme wurden vor der Zeit weiß. So kam es, daß also Einzelne kaum den Samen ernteten."

Unter Pfarrer Frank 1914: "Das Weinjahr 1912 hat für den niederösterr. Hauer sehr traurig abgeschnitten; es war das schlechteste Weinjahr der letzten Jahrzehnte: ungünstige Frühjahrswitterung und der nasse Sommer und vor allem dann der am 5. Oktober plötzlich auftretende Frühfrost waren Schuld daran."

1928, Pfarrer Dedelbacher: "In der Nacht vom 11. auf 12. Mai sank das Thermometer auf 4 Grad unter dem Gefrierpunkte. Die Kornfelder, die ganze Obstfläche und alle Weinkulturen des Wagram wurden hiedurch ruiniert. Wider Erwarten trieben die Weinstöcke bald wieder frisch an. Auch von 2. bis 3. Juni gab es eine Frostnacht, diesmal erlitten die Kartoffel- und Bohnentriebe Schaden."

Aus neuerer Zeit, Pfarrer Grubmüller: 1980: "Die Ernte hat sich in diesem Jahr um 4 Wochen verzögert. Marillen, z.B. reiften erst ab Mitte August. Der Erntertrag beim Getreide war aber trotz ungünstiger Witterung sehr zufriedenstellend. Nur Mais und Wein waren benachteiligt. (Zu wenig Sonne!) wegen frühen Wintereinbruch. (Frost ab 3. Oktober). Viele mußten die Trauben aus Schnee u. Eis auslesen. In Langenois kam lt. Zeitungsbericht ein Mann zum Arzt mit gefrorenen Fingern – weil er keine Handschuhe anziehen wollte beim 'Lesen'".

Räuchern:
So wie man heute die Obstkulturen mit Beregnung schützt, um die Pflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung am Morgen zu schützen, so versuchte man das früher mit Rauch. Wenn Nachtfrost drohte, ging der Nachtwächter mit der Trompete durch den Ort und blies Alarm. Die Leute machten sich in der Nacht in den Weingarten auf, um die dort aufgehäuften Reben, die mit Gras vermischt waren, anzuzünden. Durch die Grasbeigabe entwickelte sich viel Rauch, die Weinstöcke wurden eingenebelt, sodass die Sonne am Morgen die Rebstöcke nicht so schnell erwärmen und ihnen Schaden zufügen konnte. Diese Methode wirkte bei starkem Wind allerdings nicht, da dieser den Rauch verblies. Überhaupt dürfte der Erfolg nicht so groß gewesen sein, da diese Vorbeugemaßnahme wieder abkam.

Dazu Andreas Nowotny, Neustift: "In der Mundart hieß diese Arbeit 'Rauka mocha' und wurde noch in meiner Jugend, (um 1955) wenn Hr. Söllner, bzw. davor Hr. Mader Alarm bliesen, von dem Spruch: 'renn Sepperl, renn Sepperl, Rauka mocha gehn' begleitet, der mit der Melodie des Alarms mitgesungen wurde."

In Kollersdorf verkündete der Nachtwächter Magerl den bevorstehenden Kälteeinbuch.
Herr Gnan in Frauendorf, der einen Pfirsichgarten besaß, grub bei jedem Baum zwei Behälter ein, die er bei Bedarf mit Öl füllte und anzündete, um Wärme zu verbreiten. Er war dann die restliche Nacht damit beschäftigt, Öl nachzufüllen - um welche Art von Öl es sich handelte, ist nicht bekannt.
In Altenwörth gab es einen Gemeindegarten mit Obstbäumen, die verlizitiert wurden. In diesem Garten wurden ebenfalls beizeiten Hügel aus Gras und Laub angelegt, die dann im Bedarfsfall zum Räuchern entzündet wurden.

In der Schulchronik Engelmannsbrunn wird eine andere Technik des Frostschutzes beschrieben: "Gemeinde im Frühjahr Strohflechtmaschine angekauft, es wurden  die Strohschirme, für die Reben bei Frostgefahr, zu tausenden erzeugt, kamen jedoch dieses Frühjahr nicht zur Anwendung."

Aber auch im Herbst konnte es vorzeitig "zumachen", wie ein Bericht aus der Schulchronik Kollersdorf zeigt:
"Winter 1961/62

Der Winter mit Schnee, Eis und Kälte stellte sich heuer schon anfangs November ein. Er wird allgemein mit dem Jahre 1929 verglichen. Die Donau fror bis jetzt nicht zu. Ein großer Teil der Äcker war zu Beginn der ersten Schneefälle noch nicht gepflügt. Viel Bauern hatten die Zuckerrüben noch nicht geerntet, weil es in den letzten Jahren immer möglich war, die Arbeit bis weit in den Dezember hinein fortzusetzen. Als sich der Frost etwas milderte, hoben die Traktoren weiße, schneebedeckte Schollen auf und kehrten sie zu braunen Furchen, es wurde bei beißender Kälte geackert. Einigen gelang es noch, die Zuckerrübenernte fertigzubringen. Mancher Rübenacker blieb stehen.
Der Winter dauerte bis in die Mitte des März. Er brachte oft Temperaturen unter 20°. Berge von Schnee türmten sich an den Straßenrändern und in den Höfen. Der Winter brachte viel Leid.
Das Schmelzwasser richtete besonders am Wagram viel Sachschaden an. Besonders litt die Ortschaft Thürnthal. Die Feuerwehr von Kollersdorf versuchte zu helfen. Viele Kollersdorfer haben dort ihren Weinkeller. Es entstand zum Glück bei den Fässern nicht viel Schaden."

Ende April 2016 kam es zu Frösten, die den Obstbäumen und Weinkulturen sehr schadeten. Zum Schutz der Weingärten griff man wieder auf die alte Methode des Raucherzeugens zurück. Eine andere Methode ist, die kalten Luftschichten am Boden mit wärmeren vermischen. Das besorgte ein Dutzend Hubschrauber mit ihren Rotoren.

 

4 Hochwasser

Alleine zwischen 1850 und 1900 gab es in unserer Umgebung 10 große Überschwemmungen, von denen in der Pfarrchronik Altenwörth berichtet wird. Oftmals kamen die Hochwässer im Frühjahr durch einen Eisstoß zustande, das machte den Bauern weniger aus, als wenn das Hochwasser im Sommer eintrat, wie etwa im August 1855: „Es wurden zwar viele Wasser-Laufgräben überfüllt, so daß die angränzenden Felder überschwemmt wurden, jedoch, weil die Körnerfruchtungen schon eingebracht waren, hat das Wasser nur an den Kartoffeläckern geschadet, welche niedrig gelegen waren."

1897: "Am 3. August fiel das Wasser sehr langsam und der 4. August brachte ein starkes Fallen. Durch dieses Hochwasser erlitt die Pfarrgemeinde einen großen Schaden an den Früchten, die noch am Felde waren und an den Gebäuden. In Kollersdorf betrug der Schaden 28000 fl und in Altenwörth & Gigging 29000 fl. In Altenwörth wurden 18 Häuser und in Gigging 8 Häuser beschädigt."

"Am 9. Juni 1892 wurde Altenwörth von einer fürchterlichen Überschwemmung heimgesucht. Das Wasser war höher als im Jahre 1890 und richtete auf den Feldern und in den Gärten großen Schaden an."

1918: „Am 9. September trat die Donau aus ihrem Bette und überschwemmte viele Felder, wodurch der größte Teil der Kartoffelernte vernichtet wurde. Den Höchststand erreichte das Hochwasser am 10. September."

Auch beim noch nicht so lange zurückliegenden Hochwasser Mitte Juli 1954, an das sich ältere Bewohner noch gut erinnern können, gingen viele Feldfrüchte verloren: Aus der Schulchronik Neustift: "In dieser Not trafen die großen Schwimmwagen der Sovjetischen Besatzungsmacht ein. Mit diesen gelang es, Menschen und Tiere zu retten. Ohne ihre Hilfe wäre manches Vieh zugrunde gegangen. Menschen und Tiere wurden aus Winkl nach Neustift gebracht. Nun sind die Fluten zurückgegangen und die Leute in ihre durchnäßten und verschlemmten Häuser zurückgekehrt. Die Not ist groß, denn die Kartoffeläcker sind vollkommen und die Zuckerrübenfelder zum Teil zugrund gegangen. Das Getreide, das aus den verschlemmten Äckern geerntet wurde, ist sehr schlecht. Viel Bauern, die betroffen worden sind, bedürfen einer Hilfe. Sammlungen haben schon stattgefunden."

Foto: Schulchronik Neustift

 

5 Kriege

Eine weitere „Plage“ waren Kriege. Nicht nur, dass die Ehemänner und Söhne als Soldaten rekrutiert wurden und viele nicht mehr nach Hause kamen, musste für durchziehende oder in der Nähe stationierte Truppen Essen, Kleidung und Futter für die Tiere zur Verfügung gestellt werden – im günstigsten Fall. Im schlechteren Fall richteten die Soldaten große Verwüstungen durch Plünderung an.

Pfarrer Dedelbacher in der Pfarrchronik Altenwörth über Zwangsablieferungen von Sachsendorf während der Franzosenkriege (Auszug): „In Grafenegg hatte der französische Korpskommandant Marschall Marmant sein Quartier und am 8. September 1809 übernachtete dort auch Kaiser Napoleon. Das Hauptheer lagerte bei Rohrendorf-Theiß, aber auch östlich Grafeneggs war eine große Armee und so erklären sich die drückenden Zwangslieferungen der einzelnen Gemeinden.....Die Gemeinde Sachsendorf hat zu Folge des k.k. Kreisämtl. Auftrages für das Armeekorps des Herrn Feldmarschallintentant Kollwrath auf der Stelle und also noch in der heutigen Nacht nach Weikersdorf abzuliefern und diesen Auftrag noch in der heutigen Nacht zu vollziehen: 34 Laib Brot, 3 Zentner Heu, 5 Metzen Hafer."
Ähnliches galt auch für die anderen Orte, die Lieferungen zogen sich viele Monate hin.

Beim Preussisch-Österreichischen Krieg 1866 kam es zu Plünderungen in unserer Gegend.

Im 2. Weltkrieg mussten die Bauern zeitweise Vieh abliefern und die Hausschlachtungen waren streng reglementiert und deren Anzahl pro Jahr nach Hausbewohnern festgelegt. Schwarzschlachtungen, die bekannt wurden, wurden streng geahndet. Schmalz, Grammeln und Fleisch der schwarz geschlachteten Schweine wurden oft bei „Hamsterern“ aus Wien gegen Waren eingetauscht, die man am Land nicht hatte.

Der Obrigkeit war das Hamstern ein Dorn im Auge und sie versuchte, dieses Übel unterbinden, was aber nicht gelang, wie der folgende Text aus dem Jahr 1943 zeigt: "Das Hamsterunwesen hat nicht nachgelassen. Die Schleichhandelspreise sind vielmehr im steten Wachsen begriffen. Mangelware ist überhaupt nur mehr im Tauschwege erhältlich. Dabei sind die Gehalts- und Lohnempfänger erheblich benachteiligt, da sie über keine Tauschobjekte verfügen. Leider konnte kein einziger Fall aufgegriffen werden. Seitens der Bevölkerung fehlt hiezu auch jede Unterstützung. Der Angelegenheit wird nach wie vor größtes Augenmerk zugewendet. (Sicherheitsberichte 1941- 45, NÖ. Landesarchiv, St. Pölten)

 

6 Kartoffelfäule und Kartoffelkäfer

Nachdem sich der Kartoffelanbau schön langsam etabliert hatte, kam es zwischen 1846 und 1854 in unserer Gegend jahrweise zu Missernten wegen der Kartoffelfäule, die durch einen Pilz ausgelöst wurde, der sich von Nordamerika aus auch über Europa ausbreitete, und die einigen Sorten stark zu schaffen machte.

Kartoffelkäfer
Foto: Jürgen Schwarz, Windpassing

1846: "Auch hierorts herrschte im Herbste 1846 allgemein die Kartoffelkrankeit bestehend in der außerordentlichen Fäulniß derselben , daher der Ertrag an Erdäpfeln sehr geringe war und der Preis derselben sehr hoch war, so zwar, daß die runden von 5 bis 6 fl W.W. per Metzen gekauft wurden."

1851: "Die Erdäpfel Fäulniß hatte in diesem Jahre noch stärker überhand genommen, und die runden Erdäpfel kosteten zwey Gulden Conv Münze."

1854: "Das Korn ist leider anno 1854 wieder wenig und in schlechter Qualität gerathen, so auch Saffran, Obst, die Erdäpfelfäulniß war anhaltend, deßhalb Theuerung und Noth drückend. Das Korn Metzen kostete 16 bis 20 fl W:W:"


Nach einem Wechsel der Sorten normalisierte sich der Ertrag wieder.

Die Kartoffelkäfer kamen ebenfalls aus Nordamerika. In Europa wurde der Kartoffelkäfer erstmals 1877 in England gesichtet. Allmählich breitete er sich über ganz Europa aus. In unserer Gegend hat er vor allem nach dem zweiten Weltkrieg verheerende Schäden angerichtet. Aus den Sitzungsprotokollen der Gemeinde Winklsieht man, dass man vom anfänglichen Abklauben der Käfer, an der auch die Schulkinder teilnahmen, zu chemischen Maßnahmen überging:

  • "25.6.1950 Kartoffelkäferbekämpfung: Suchkollonnen werden vom Gemeindeamt zusammengestellt und öffentlich zum Anschlag gebracht.
  • 6.4.1952: Kartoffelkäferbekämpfung: Der Ortsbeauftragte Birochs Josef hat alle notwendigen Veranlassungen zu treffen (Spritze holen usw.)
  • 12.6.1952: Der Ankauf einer Kartoffelspritze wurde beschlossen. Der Kartoffelkäfersuchtag wird in Zukunft am amtlich festgesetzten Tag durchgeführt. Wer nicht teilnimmt, wird der BH gemeldet.
  • 29.6.1952: Für den Ankauf einer Spritze wurden die entsprechenden Mittel im Voranschlag bereitgestellt.
    In einer öffentlichen Kundmachung sind die Bewohner des Ortes aufzufordern, jedes Vorkommen des Käfers zu melden und sofort zu spritzen. Im Nichtbeachtungsfall wird von Amtswegen die Entseuchung auf Kosten des Besitzers vorgenommen."

Bild: Warnung der Bundesanstalt für Pflanzenschutz, Wien 
Herr Hellmut Minar, Wien

Zahlung der Gemeinde Winkl  an den Viehhirten für die Kartoffelkäferbekämpfung

 

7 Heuschreckeneinfälle

"Eine ganze Reihe von Arten aus der Familie der Feldheuschrecken bildet neben einzeln lebenden Formen unter bestimmten Umständen auch Wanderformen aus, die sich zu großen Schwärmen zusammenschließen, ihren ursprünglichen Lebensraum verlassen und auf diesen Wanderungen ganze Landstriche kahl fressen.
In Afrika, Asien und Australien verursachen Heuschreckenschwärme auch gegenwärtig fast alljährlich immense Schäden. Auch Mitteleuropa wurde bis ins frühe 20. Jahrhundert immer wieder von großen Heuschreckenschwärmen heimgesucht."
Quelle: NÖ Landesmuseum, Ausstellung "Katastrophen", 2017

"Wanderheuschrecken haben im Mittelalter mehrfach auch Mitteleuropa heimgesucht. Aufgrund von Futtermangel, Einengung des Lebensraumes, etc. verließen sie ihre Brutgebiete um das Schwarze und Kaspische Meer und kamen – begünstigt durch südöstliche Windströmungen – über Galizien und Polen bis nach Frankreich und England. Nachdem sie während der Sommermonate unermessliche Schäden an der Flora – besonders an den Feldfrüchten, nicht aber an den Rebstöcken – angerichtet hatten, erlagen die Schwärme jeweils der anbrechenden Winterkälte. Folgen der Plage waren Verluste an Feldfrüchten und Viehfutter sowie Teuerung und Hunger. Zur Abwehr der Insekten rief man die Heiligen Hermolaos, Hermippus und Hermokrates sowie St. Pantaleon an, veranstaltete Bittprozessionen, belegte die Schädlinge mit dem Kirchenbann, läutete die Glocken und lärmte auch anderweitig." Quelle: mittelalter-lexikon.de

"Für den Menschen im Mittelalter bedeuteten Heuschreckeneinfälle nicht nur Zerstörung der Ernte, Teuerung der Nahrungsmittel und Hungersnut, sondern sie galten auch als Heimsuchung Gottes - als apokalyptische Vorboten des Weltuntergangs und Sendboten der Hölle. Da Beten meist nicht unmittelbar half, versuchte man der Tiere mit Glockengeläut, Lärmschlagen, Feuer oder Gewehrschüssen Herr zu werden." Quelle: NÖ Landesmuseum, Ausstellung "Katastrophen", 2017

"In der Lebensgeschichte des Heiligen Severin von Noricum (um 410-482) wird von einer lokal begrenzten Heuschreckenplage im Raum Salzburg berichtet.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts häuften sich Plagen die sich oft über mehrere Jahre dahinzogen. Im Jahr 1310 richteten Heuschreckenschwärme in Niederösterreich große Schäden an.
Zwischen 1338 und 1341 wüteten Heuschreckenschwärme in Österreich, Böhmen und dem Rheingebiet.
1473 erreichte eine Invasion aus Moldavien und Siebenürgen Österreich. Weitere Schwärme bis 1480 folgten, die auch die Steiermark, Kärnten und Südtirol verwüsteten. Die Heuschrecken bedeckten den Boden in Wadenhöhe.
Von 1540 bis 1567 fielen immer wieder Schwärme aus Osteuropa ein. Tiere, die Heuschrecken gefressen hatten, durften nicht verkauft werden, da man der Meinung war, die Insekten würden aus Exkrementen und verwesenden Mensch- und Tierkörpern entstehen.
Im August 1749 zog ein gewaltiger Heuschreckenschwarm, der die "Sonne verfinster und den Tag zur Nacht werden lässt", aus Rumänien und Ungarn üer das östliche Niederösterreich, das Waldviertel und Böhmen bis Deutschland.
Vom 25. Juni bis 3. Juli 1930 verheerten Heuschreckenschwärme große Teile Österreichs, teilweise war sogar der Eisenbahnverkehr gestört."
Quelle: NÖ Landesmuseum, Ausstellung "Katastrophen", 2017

Laut Pfarrchronik Altenwörth soll es in folgenden Jahren Heuschreckeninvasionen gegeben haben: 1338, 1339, 1341, 1342, 1393, 1547; auch im Jahr 1444 ist eine dokumentiert: "Es gibt eine Heuschreckeninvasion. Im darauffolgenden, furchtbar strengen Winter herrscht ein derartiger Futtermangel, dass die Leute die Strohdächer ihrer Häuser abdecken, um ihr fast verhungerndes Vieh zu retten."  (Nachtrag von Pfarrer Dedelbacher)

 

 

8 Maikäfer

Um die Mitte des letzten Jahrhunderts gab es in vielen Jahren eine wahre Maikäferplage. In den Orten wurden diese gesammelt. Teilweise wurden sie den Hühnern verfüttert.

Frau Schabl, Königsbrunn (Jg. 1916), schreibt in ihren Erinnerungen: "War ein Maikäferjahr, so ging der Lehrer mit uns Schülern Maikäfer klauben. Die älteren Buben mussten die Äste der Bäume schütteln, alle anderen die Käfer in Kübel klauben. Der Gemeindediener übergoß sie mit kochendem Wasser und entsorgte sie."

Auszüge aus denSitzungsprotokollen des Winkler Gemeinderates:

  • "27.4.1930: Die Maikäfersammlung übernimmt Herr Schulleiter mit den Kindern und übernimmt selbe zur Auszahlung
  • 30.4.1933. Die Maikäfersammlung wird Herr Oberlehrer ersucht, diese mit den Schulkindern zu sammeln und zu übernehmen, pro Kilo Sammelpreis 10 g auszuzahlen.
  • 23.4.1939. Die Maikäfersammlung wird von den Schülern durchgeführt und ein Preis von 7 RPF pro Kilo festgesetzt." 

Auch dem Krieg wurden die Käfer noch händisch von den Schülern eingesammelt und abgegeben,
wie man aus obiger Rechnung der Gemeinde Winkl sieht.

In der Schulchronik Engelmannsbrunn wird folgendes berichtet:
"8.5.1942: Im Gemeinschaftseinsatz der Schuljugend wurde der Maikäferplage tatkräftigst gesteuert. Sämtliche Schüler, auch die der 1. Klasse wurden in kleinere Gruppen geteilt und unter Führung von größeren Schülern in den frühen Morgenstunden beim Maikäfersammeln eingesetzt. An den Sammeltagen wurde der Unterrichtsbeginn um 1 Stunde verschoben. Ergebnis: An 11 Sammeltagen wurden 11 Kannen á 15 l, d.i. 165 l Maikäfer gesammelt und vernichtet!"

"Mai 1951: Da die Maikäfer zu einer wahren Landplage wurden, mußten die Schüler Maikäfer sammeln gehen. 7 Tage hindurch rückten wir täglich um 6 Uhr aus und brachten immer 30 bis 40 kg Maikäfer zur Schule, die im Schulgarten vernichtet wurden. Von einem Baum schüttelten die Kinder einmal 18 kg Maikäfer. Gesammelt wurden 230 kg Maikäfer. Der Erlös von 115 Schilling wurde zum Ankauf eine Handballes verwendet."

31.5.1942: 
Die Donauwacht, das Mitteilungsblatt des Kreises Tulln der NSDAP brachte folgende Mitteilung:
"Von der Lehrerschaft in anerkennenswerter Weise hiezu angeleitet und geführt, hat die Schuljugend des Kreises Tulln von den Kleinsten bis zum Hauptschüler der obersten Stufe einen mehrere Tage währenden Großkampf gegen die Maikäfer geführt und hiebei 11.280 kg dieser Schädlinge gesammelt und vernichtet. Obst- und Weinkulturen im ganzen Landkreis Tulln sind somit vor großem Schaden bewahrt und die Versorgung unserer Bevölkerung, dank dem strammen Einsatz unserer Schuljugend, auf einem wesentlichen Gebiet gesichert worden."

Schulchronik Neustift, 1948 bzw. 1950: 
"Ein überaus starker Maikäferflug zwang zu eifriger Sammeltätigkeit der Schüler und Ortsbewohner. Die Kastanienbäume und Eichenbäume waren kahl gefressen. Heuer machten sich auch die Maikäfer in den Weingärten an die Weinstöcke und verursachten große Schäden. Die Schulkinder sammelten insgesamt 165 kg Maikäfer.<
Im Mai gab es heuer einen großen Maikäferanflug. Die Kinder sammelten fleißig und brachten 183 kg zusammen, wofür die Gemeinde und die Bezirksbauernkammer je 45,75 S an Prämie zahlten. Das Geld wird bei den Schulausflügen verwendet werden."

Schulchronik Kirchberg am WagramMai 1927:
"Infolge des überaus starken Auftretens des Maikäfers in diesem Jahre beteiligte sich über Ersuchen der Gemeinde die Schuljugend sehr eifrig am Sammeln. Im Ganzen wurden bis zum 10. Mai über 400 kg gesammelt, wofür von der Gemeinde der Betrag von 44S 10g gezahlt wurde, der an die Schüler zur Verteilung gelangt."

"Über Ersuchen der Gemeinde wurde in der Zeit vom 18.4. – 3. Mai 1939 von der hiesigen Schule eine Maikäfer-Sammelaktion durchgeführt. Es wurden von den Schulkindern unter Aufsicht der Lehrpersonen 304 kg Maikäfer gesammelt, wofür die hiesige Gemeinde RM 30,40 bezahlte. Dieses Maikäfergeld wurde den 6 Klassen für Schulausflüge übergeben.

Vom 7. bis einschließlich 21. Mai 1942 wurden täglich von den Schülern der Hauptschule und der 2. Volksschulklasse (3. u. 4. Schulj.) unter Aufsicht von Lehrpersonen Maikäfer gesammelt. Das Sammelergebnis betrug 1692 kg. Das Gemeindeamt Kirchberg bezahlte pro kg. – 5 Rpf.

Das Jahr 1948 ist ein Maikäferjahr. Täglich von ½ 7h – ½ 9 h wurde Jagd auf die Maikäfer gemacht, der Unterricht begann erst um 9 Uhr. Diese Einteilung begann am 21.4. und endete am 30.4.1948.

Das Jahr 1951 zeigte diesmal wieder ein starkes Auftreten der Maikäfer. Ende April und in der ersten Maihälfte wurden zk. 700,- kg Maikäfer in den Schulsammlungen gesammelt und vernichtet."

Schulchronik Utzenlaa
"1.5.1927: In diesem Jahre waren besonders viele Maikäfer; in allen Nachbarorten wurden gegen Entlohnung von Seite der Gemeinde und der Landwirtschaftskammer viele Maikäfer gesammelt und getötet; in Utzenlaa machte der Bürgermeister nicht einmal dem Gemeinderate Mitteilung davon, daß die Landwirtschaftskammer etwas zahlt und ebensowenig wurden Maikäfer gesammelt.  

1933: Vom 3.5. - 9.5. wurden durch die Schulkinder Maikäfer gesammelt. (über 200 kg)." 

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts rückte man den Maikäfern mit dem Insektizid „Aldrin“ (welches wegen seiner Umweltschädlichkeit 1981 verboten wurde) zu Leibe, das in den Boden eingebracht wurde und die Engerlinge abtötete. Dadurch gab es in den letzten Jahrzehnten kaum Probleme mit den Maikäfern, allerdings traten sie 2011 gebietsweise wieder in Massen auf. 

 

9 Reblaus

"Um 1860 wurde die Blattlaus-Verwandte mit Weinstöcken aus Nordamerika zunächst nach England und dann nach Frankreich eingeschleppt. Von dort breitete sich das Insekt in alle Weinbaugebiete Europas aus. In einem komplizierten Entwicklungszyklus befallen die Tiere sowohl die Blätter als auch die Wurzel. Der Wurzelbefall kann zum Absterben der Rebe führen.
In Österreich wurde die Reblaus erstmals 1867 in Klosterneuburg und im Weinbaugebiet Wagram festgestellt. Da chemische Bekämpfungsmethoden nicht den gewünschten Erfolg brachten, wurden in Europa Hunderttausende Hektar Weinbauflächen vernichtet. Erst durch den Einsatz von reblausresistenten amerikanischen Rebsorten, die als Unterlage für europäische Edelreben verwendet wurden, konnte die Krise überwunden werden."
Quelle: NÖ Landesmuseum, Ausstellung "Katastrophen", 2017

 

Heimat-Kalender des Tullner Bezirkes, 1960, Josef Bruckner, Sieghartskirchen:
"Großen Schaden richteten der „Echte Mehltau“ oder „Oidium“, die „Peronospora“ und vor allem die „Reblaus“ an unseren Weinkulturen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an, so daß in manchen Orten der Weinbau fast aufgegeben wurde…. In Neustift im Felde vernichtete die Reblaus um die Jahrhundertwende sämtliche Weingärten im Wagramgebiet und auch in der Ebene um den Ort."

In den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Weingärten mit Spritzungen in den Boden dagegen behandelt.

Reblausspritze
Foto: Josef Leuthner, Kollersdorf

 

10 Maul- und Klauenseuche, Schweinepest

Holzschild, gelagert am Dachboden der Schule Winkl

Es handelt sie hierbei um eine Viruskrankheit. Erstmals wurde sie 1514 in Italien als eine Krankheit beim Rind beschrieben. Besonders schwere Seuchen gab es 1910 bis 1912, 1919 bis 1921, 1937 bis 1939 und 1950 bis 1952. Quelle: http://www.ages.at/ages/gesundheit/tier/maul-und-klauenseuche

1930/31, Schulchronik Neustift:
"Im nebeligen Herbst brach eine eigene Erkrankung unter den Schweinen aus, die man Schweinepest nannte. Ein richtiges Gegenmittel gab es nicht. Impfen tat gut. Die Bauern erlitten furchtbare Einbußen am Schweinestand. Für spätere Zeiten dürfte von Wichtigkeit sein, daß die Krankheit fast gar nicht von Menschen übertragen werden konnte, sondern vielmehr von den Ratten verschleppt wurden, die bekanntlich die Bazillenträger aller Pesterkrankungen sind. Erst wie man daran ging, durch Rattengift die Tiere zu dezimieren, starb die Krankheit aus. Sie dauerte bis Mitte April. Während dieser Zeit hatte die Ortschaft Ortssperre.Zur selben Zeit trat in manchen Häusern die Maul- und Klauenseuche bei den Rindern auf.- Dieser Winter war ein harter Winter für den Bauernstand."

Immer wieder flammte die Seuche auch bei uns auf, wie die Pfarrchronik Altenwörth belegt, so etwa 1938: "In Kollersdorf ist die Maul- und Klauenseuche stark verbreitet, darum konnte mit dem Unterricht noch nicht begonnen werden.“ (Pfarrchronik Altenwörth)

Laut Amtsblatt des Tullner Bezirkes gab es in den 50er Jahren immer wieder Fälle der Seuche im Tullner Bezirk. Gegen die Seuche wurde eine freiwillige Impfung auf Kosten der Tierbesitzer angeboten

Pfarrchronik Altenwörth:
1973: "Das östliche Nied.Österr. wurde heuer von der Maul- und Klauen-Seuche schwer getroffen. Wo sie auftrat, mußten alle Tiere (auch die gesunden) geschlachtet werden. Zum Glück gab es bei uns keine Seuchenfälle. Aber alle öffentlichen Ansammlungen waren verboten. Selbst die Bittprozession und der Fronleichnamsumzug wurden untersagt. Auch die Firmungen wurden in ganz N.Ö. auf den Herbst verschoben. Vor Kirche und Pfarrhof mußte ein Seuchenteppich liegen."

Schulchronik Engelmannsbrunn:
"7.11. 1942: 
In einzelnen Höfen unseres Ortes und in Mallon trat die Maul- und Klauenseuche auf. Von den Behörden wurden alle sanitären Maßnahmen angeordnet, durch die einer weiteren Verschleppung dieser Tierseuche vorgebeugt werden konnte. Bei allen Ortsein- und Ausfahrten wurden Seuchenteppiche aus Sägespänen, getränkt mit Desinfektionsmitteln ausgelegt, über die man mit dem Auto fahren musste."

 

11 Mäuse

Bei verschiedenen Arbeiten, wie etwa dem Ausackern der Kartoffeln mit dem Pflug zerstörte man die Nester der Tiere und sie stoben davon.

Foto: Wandbild der Schule Winkl

1916: „Entsetzlich ist im heurigen Sommer und Herbste die große Mausplage; die ohnedies so knappe Ernte wurde von den Mäusen furchtbar geschädigt. Die Abwehrversuche, die vom löbl. Landesausschuße gefördert wurden, sind gegenüber diesem Heer von Mäusen, unzureichend. – Was wir uns bevorstehen? Das weiß nur der liebe Gott!“ - Schulchronik Altenwörth

1917 "…gab es noch Ernteausfälle aufgrund der Mäuseplage des Vorjahres." - Pfarrchronik Altenwörth

30.10.1917: "Wegen massenhafter Vorkommen von Feldmäusen wurden durch die Schulkinder unter Aufsicht des Schulleiters an drei Tagen Mauspillen ausgelegt (Guter Erfolg)."  - Schulchronik Utzenlaa

1934: Nach einem Hagel: "Die Getreidefelder werden sich wieder erheben, aber solche, wo die Mäuseplage ihr Zerstörungswerk fortsetzen und die Mäuse nicht vergiftet wurden, mußten einfach umgeackert werden." - Pfarrchronik Kirchberg

1936: "Dieser Herbst brachte eine verheerende Mäuseplage. Korn- und Kleefelder standen ganz kahl. Das Wild war dadurch sehr gefährdet und mußte den ganzen Winter gefüttert werden. Im Frühjahr wurden drei Viertel der Wintersaat umgeackert." - Schulchronik Utzenlaa

1937: "Infolge der vorangegangenen Mäuseplage waren sehr viele Getreidefelder schlecht und mußten umgeackert werden." - Schulchronik Engelmannsbrunn 

 

12 Ziesel und Hamster

Zeitweise nahmen diese Tiere auf den Feldern überhand und verminderten vor allem die Getreideernte. So wurde etwa vom Winkler Gemeinderat beschlossen, Prämien für das Fangen der Tiere zu bezahlen:

  • "1950: Für die Bekämpfung der Erdziesel werden an die Kinder pro Stück 1 S ausbezahlt.
  • 1953: Für Ziesel werden 1,2 S pro Stück von der Gemeinde bezahlt."

Aber noch in den 70er-Jahren wurde von der Gemeinde Kirchberg S 1 für Ziesel und S 2 für Hamsterschwänze bezahlt.

Kinder (etwa ab 10 Jahren) taten sich zusammen, gingen die Äcker ab und steckten Fallen in Ziesel- und Hamsterbauten. Wenn ein Tier gefangen worden war, war es ohnehin meist tot. Der Schwanz wurde als Beweis abgeschnitten und zum Ortsvorsteher gebracht, der das Geld ausbezahlte.

Foto: Wandbild der Schule Winkl

   

Beide Ausgabenbelege aus dem Jahr 1949 zeigen die genaue Aufzeichnung
der Ausgänge für den Zieselfang. Fotos: Rechnungen der Gemeinde Winkl

Heute stehen Ziesel unter Schutz und dürfen nicht verfolgt werden, doch werden durch die heutigen Landmaschinen so viele vernichtet, dass das Ziesel als Schädling nicht mehr ins Gewicht fällt.

 

13 Sonstiges

1937: In diesem Jahr gab es eine Schmetterlings- und Kohlweißlingsplage, wie in der Pfarrchronik Kirchberg berichtet wird: "Außerdem zeigte sich in der ersten Hälfte des Julmonats 1937 eine Schmetterlingsinvasion, die übrigens von vielen Teilen Österreichs z.B. Tirol gemeldet wurde. Die Ursache dieses Massenauftretens ist die günstige Überwinterung des Schmetterlingsnachwuchses während der letzten milden Wintermonate und in der für die Vermehrung günstigen Witterung des heurigen Frühjahres. Da die Raupen der Kohlweißlinge den Kulturen schweren Schaden zufügen, haben die Gemüsegärtner und die Landwirte einen Vernichtungsfeldzug gegen die Schmetterlinge eingeleitet; es sollen auch die Kinder dabei mithelfen. Man will mit großen Rauchfeuern die Schwärme vertreiben, die Blätter der Kohl- und Krautpflanzen von den abgelegten Eiern säubern."

Laut Amtsblattd es Tullner Bezirkes gibt es 1953 in Winkl Fälle der Pferderäude.

20.3. 1954:Kundmachung im Amtsblatt des Bezirkes Tulln über die Bekämpfung des Goldafters: "Das starke Auftreten des Goldafters, dieses gefährlichen Baumschädlings, insbesondere der Obstbäume und Beerensträucher, macht entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich. Die wirksamste Bekämpfung und billigste Art der Bekämpfung besteht im Abschneiden und Verbrennen der Raupennester, bevor die Raupen vor dem Schwelen der Knospen die Nester verlassen….
1. Alle Eigentümer, Pächter, Fruchtnießer und sonstigen Verfügungsberechtigten von landwirtschaftlichen Kulturen, insbesondere Obstkulturen, haben diese frei von den schädlichen Raupen des Goldafters zu halten. Sie sind zur Bekämpfung dieses Schädlings verpflichtet, bei Nichtbefolgung treten die Straffolgen des § 20 des Kulturpflanzenschutzgesetzes ein.
2. Die Bekämpfung hat durch Abschneiden und Vernichten der Raupennester oder durch Abbrennen mit Raupenfackeln zu erfolgen.
3. Die Bekämpfung ist an den in den Gemeinden im März d.J. abzuhaltenden allgemeinen Suchtagen durchzuführen. Die Festsetzung der Suchtage hat durch den Bürgermeister zu erfolgen.
4. Bei Unterlassung der Bekämpfung ist diese auf Kosten des Säumigen von der Gemeinde durchzuführen.
5. Die Gemeinde ist gemäß § 7, Abs. 1 und § 8 des n.-ö. Kulturpflanzenschutzgesetzes verpflichtet, die Bekämpfungsmaßnamen zu unterstützen und zu überwachen sowie bei Nichtbefolgung gemäß vorstehendem Punkt 4 vorzugehen und die Säumigen zur Anzeige zu bringen.
6. Über die Durchführung haben die Herren Bürgermeister bis 15. April 1954 zu berichten.

1955: Im Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Tulln gibt es einen Aufruf zur Krähen- und Elsternvernichtung: "Wie alljährlich richten auch heuer wieder die Krähen und Elstern durch ihr starkes Überhandnehmen beträchtlichen Schaden an landwirtschaftlichen Kulturen und in der Jagdwirtschaft an.
Es werden daher sämtliche Jagdausübungsberechtigte ersucht, der Krähen- und Elsternvernichtung besonderes Augenmerk zu widmen und diese im Einvernehmen mit den Hegeringleitern in ihren Revieren in verstärktem Ausmaß durchzuführen."

1948 wurde für die Katzenvergiftung einer Firma Hain und Co 6,- S bezahlt. Katzen liefen früher viele herum, da sie meist im Freien gefüttert wurden und man sie auch nicht kastrieren ließ. Andererseits waren sie aber die besten Mäusejäger in der näheren Umgebung des Hauses.

 
Foto: Rechnungen der Gemeinde Winkl

Blattläuse wurden immer wieder zur Plage: "2. Juni 36: Es regnet noch immer, sodaß bei empfindlicheren Obstsorten die Blätter an den Bäumen zu verfaulen beginnen. Die Blattläuse nehmen derart überhand, daß die Zwetschkenbäume fast kein einziges, gesundes Blatt besitzen. Infolge des immerwährenden Regens sind aber alle Abwehrmaßnahmen vergebens." Schulchronik Winkl

 

Die Schädlingsbekämpfung war Gemeinde-Angelegenheit. Sie hatte daher auch die nötigen Geräte anzuschaffen und die beauftragten Personen zu bezahlen.

 


Fotos: Rechnungen der Gemeinde Winkl 

 

 

Maria Knapp
Jänner 2012