Safranbau

 

Letzte Änderung: 1.12.2014

 

Beilage zum Fragebogen „Heimatkundliche Stoffsammlung“ Botanik
Lehrer Karl Kohlhauser, Bierbaum, um 1950

„Ein heute wohl nur mehr den älteren Jahrgängen bekannter Erwerbszweig in unserer Gegend war der Safranbau. Mit unendlich vieler Mühe und Geduld, aber wenn das Jahr günstig war, mit sehr schönem Gewinn, wurde diese Arbeit vollbracht. Bekam man doch für 1 Pfund, d.s. 56 dkg trockenem Safran 100 – 120 Gulden und das war zu dieser Zeit (1890) ein sehr ansehnlicher Geldbetrag. Wie stolz war doch der Bauer, wenn er mit einer Schachtel voll der kostbaren Safranernte nach Krems zum Simonimarkt gehen konnte. Aber auch voll Gefahren war dieser Weg, denn es gab Wegelagerer, die sich den so sauer verdienten Lohn gerne durch einen Überfall aneignen wollten.

Die Safranfelder, die hier angelegt wurden, mussten mit viel Sorgfalt vorbereitet werden, die Erde musste wie bei den Hausgärten fein durchgearbeitet sein, Schrollen u. dgl. durfte es keine geben. Auch musste das Safranfeld rundherum mit einem Zaun versehen sein. Dieser Zaun war dann im Herbst bei der Jagd ein willkommenes Versteck für die Jäger.

Die Safranpflanze ist ein rotblühendes Knollengewächs und sieht aus, wie der im Frühjahr in den Gärten blühende Krokus oder die Herbstzeitlose. Die Kulturen wurden im August gereinigt und im September die Neupflanzungen reihenweise in ca. 30 cm Tiefe eingelegt. Erst im 2. Jahr der Pflanzung wurde geerntet. Nach der 3. Ernte wurden im Mai die Zwiebeln aus der Erde genommen, an sogenannten „Kün“, das sind gebundene Stäbe, ähnlich den Kückenfutterglocken, unter Wasser durchgewaschen, bis sich die Aussenschalen lösten, dann aufgelegt, getrocknet und sortiert. Die schönen Knollen kamen dann im September neuerlich in die Erde. Die Blütezeit resp. die Ernte des Safrans ist in der Zeit der Weinlese und muss vor Sonnenaufgang vorgenommen werden. Mit Körben ausgerüstet geht Alt und Jung hinaus in die Safrangärten und rasch, damit kein Sonnenstrahl zu früh die Blütenkelche öffnet, wird Blüte um Blüte gebrockt. Daheim angekommen werden die Blüten einzeln von einem Aussenblatt befreit, das sogenannte „Bloamalesen“ und die im Innern der Blüte befindlichen bitterlich schmeckenden Blütennarben herausgerissen. Diese werden auf Safransiebe gelegt und über der heissen Herdplatte getrocknet.

Ein ganz kleines Stückerl solchen trockenen Safrans haben unsere Vorfahren genommen und damit der Rindsuppe oder dem Semmelkren eine schöne, gelbe Färbung gegeben. Auch Stoffe und Spitzen wurden damit gefärbt. In der Medizin wurde Safran als schmerzstillendes Mittel verwendet. Mit der Erzeugung von künstlichen Farbstoffen begannen die Preise für Safran immer mehr zu fallen, so dass sich die Wirtschaft gezwungen sah, den Safranbau aufzugeben.

Ein Feind der Safrangärten war der sogenannte „Ausstand“ ein Unkraut, welches die Kulturen überwucherte.

Seit dem Jahre 1900 wird hier kein Safran mehr gebaut. Dies ist auch auf die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückzuführen.“

Schautafel im NÖ Landesmuseum, St. Pölten

"Der Safrankrokus ist eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Wahrscheinlich brachten ihn die Kreuzritter zu uns. Der Anbau von Safran in NÖ ist von 1200 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts für Krems, Stein, Loosdorf, Maissau, Melk, Burgschleinitz und Ravelsbach belegt und seine Qualität wurde gerühmt.“ 

Foto: Safranpflücker, Heimatbuch
von Seebarn, 1986

 

Stainerische Casten-Ambts-Beschreibung
Bayerische Staatsbibliothek München, 1708

Bereits im Jahr 1708 wird der Anbau des Safrans gesondert angeführt und auch Zehent dafür eingefordert. Der wichtigste Anbauort in unserer Gegend war Neustift, wo es schon im Jahre 1697 106 Safrangärten gab. Der Safran-Zehent in den anderen Orten wurde „wie in Neustift“ eingehoben.  

 

Vaterländische Blätter, 30. Juni 1813

"Safran, der schätzbare Überrest aus den Menschen verheerenden Kreuzzügen, wird zwischen St. Pölten und Melk, bey Ravelsbach nächst Meissau, um Neustift bey Kirchberg am Wagram ec. gebaut, und behauptet den Vorzug vor dem besten französischen Safran von Gatinois; nur den orientalischen Safran  konnte er an Güte noch nicht einholen."  

 

 Franz Xaver Schweickhardt, um 1835 

 

 

Protocoll der Catastralvermessung der Gemeinde Winkl, um 1830

„Beim Ackerlande erscheinen Korn, Hafer, Erdäpfel als Haupterzeugnisse, Safran, Weizen, Gerste, Kukuruz, Kraut, gelbe Burgunder und Stoppelrüben, dann Steirerklee als Nebenfrucht, welche ausnahmsweise von einzelnen Grundbesitzern für den Hausbedarf erzeugt werden."   Auf der Karte der Franziszeischen Landesaufnahme (1830) sind die Safranfelder blau/lila eingezeichnet. Die Äcker waren extra ausgewiesen, da es sich um keine einjährige Frucht handelte, so gehörte z.B. die Fläche mit der Nr. 560 dem Schabenböck Michael, Bauer aus Bierbaum.

Karte: © Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Katastralmappenarchiv, Wien
http://www.bev.gv.at/portal/page?_pageid=713,1604790&_dad=portal&_schema=PORTAL

 

Franziszeische Operate für Winkl, ca. 1830

Der Safran und die Erdäpfel werden durch Spekulanten in der Gemeinde aufgekauft und auf dem Donaustrome nach Wien verführt.“ 

 

Aus dem Heimatbuch von Königsbrunn
Zeitung aus dem Jahr 1902 

"Eine aussterbende Kulturpflanze. 
Es ist eine bekannte Erscheinung, daß ganze Völkerschaften, daß ganze Thierklassen und auch Pflanzenarten aussterben. Andere verschwinden blos aus der Kultur in Himmelsstrichen, wohin sie einst verpflanzt wurden. Zu den Kulturpflanzen, die bei uns langsam zu verschwinden drohen, gehört der Safran (Crocus sativus)…. Erhalten hat sich bis heute Safran im Tullnerbecken am linken Ufer der Donau von Neu-Aigen bis Kollersdorf, welcher eben als Maissauer Safran in die Welt geht. Das Centrum bildet Bierbaum und Frauendorf und Utzenlaa; hier dürften noch bei 50 Safrangärtner vorhanden sein, während vor nicht langer Zeit am Wagram noch Safrangärten vorhanden waren.... 
Der Safran stammt aus dem Morgenlande und ist durch die Kreuzfahrer nach Europa gekommen. Nach Oesterreich brachte ihn ein Ritter von Rauheneck im Jahre 1189. Seit dem wird er zumeist noch in Spanien, in Frankreich, in bester Qualität jedoch in Nieder-Oesterreich gebaut." 

 

Pfarrchronik Altenwörth

Pfarrer Dedelbacher fügt 1930 beim Jahr 1858 folgenden Eintrag ein: „Eine Spezialität bildete früher der Safranbau. Die Safrankultur war besonders in der Gegend von Maissau heimisch, aber auch bei uns bildete er eine wichtige Einnahmequelle. Das Zentrum des Safranhandels war Krems; dort kostete ein Lot Safran 5 fl. - Vide: 1 kg waren 60 Lot, kostete demnach 300 fl.- 300 fl. wären heute ungefähr 840 Schillinge."

Safran war eine kälteempfindliche Pflanze und so schreibt 1849 Pfarrer Christian Liermberger: „Die große Kälte des Winters schadete den Safrangärten derart, daß nicht nur an kein Gedeihen des Safrans zu denken war, so wie auch wirklich solcher gar nicht gedieh, sondern daß sehr viele Safrangärten als erfroren ausgenommen werden mußten.“

Pfarrer Karl Grössinger schrieb 1864: „Obschon dieses Jahr ein fruchtbares genannt zu werden verdient, so war es doch ein allgemeines wahres Jammerjahr. Denn der in den letzten Tagen des Mai eintretende intensive Frost ruinierte sämmtliche Saffrangärten total und ebenso den Weinstock auf Jahre hindurch. Daher keine Saffran-Ernte und keine Weinlese.“

 

Topgraphie von Niederösterreich
Verein für Landeskunde von Niederösterreich, erster Band, 1877:

"Safran. Derselbe hatte sich in früherer Zeit wegen seiner Qualität einen europäischen Ruf erworben, wird aber gegenwärtig nur in sehr geringen Maßen gebaut; früher wurde er bei Melk, Krems und am Wagram, besonders aber in der Gegend von Maissau kultiviert."

 

Heimats-Kunde der Gemeinde Neustift im Felde,
Lehrer L. Marzani, 1894 

„Über die drei Dorflacken: …Diese Gewässer sollen ein Wasservorrath für Schadenfeuer sein, als Pferdeschwemme und zum Waschen der Safranzwiebeln und landwirtschaftlichen Geräthe dienen;….“

Anbau: „… bauen Wein, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Erdäpfel, Futterrüben, Krautpflanzen, Bohnen, Linsen, Klee und Safran nach der Wechselmethode an und düngen mit Kunst- und Stalldünger.“ .... Der Safranbau geht ganz darnieder. Die Ursache dürfte wohl darin liegen, daß die Nachfrage nach echtfarbigen Stoffen immer seltener wird und in der Billigkeit des französischen Safrans. Den hiesigen Landwirten ist der mühsame Safranbau bei den heutigen minderen Preisen nicht mehr ertraglich genug worden.“ Dieser Absatz war durchgestrichen und wurde durch folgenden ersetzt: „Vor 30 Jahren trugen hiesige Safranhändler den von Haus zu Haus gesammelten Safran nach Wien, Prag, Brünn, Budapest u.s.w. Seit vielen Jahren ist die Witterung dem Safranbau nicht günstig und ein Garten nach dem anderen verschwindet.“ 
 


Was sagen uns die Flurnamen im Bezirk Kirchberg am Wagram?
Ing. Franz Mann, 
1956

"Safran wurde im lehmigen, warmen Sandboden angebaut. Wenn daneben Lein (=Har) angebaut wurde, so denkt man unwillkürlich an Grillparzers Worte in König Ottokars Glück und Ende: "Von Lein und Safran gelb und blau gestickt"..... Der Safrananbau muss sehr verbreitet und einträglich gewesen sein: denn in der Mappe (Franziszeischer Kataster, Anm.d.Verf.) war dem Safran ein eigenes Kulturzeichen gewidmet und außerdem gab es sogar einen eigenen Safranzehent. Um das Jahr 1896 aber kam die Reblaus über die Weingärten, die eine bedeutende Mehrarbeit verursachte. sodass die Weinhauer sich gezwungen sahen, die mühsame, aber weniger ertragreich gewordene Safrankultur aufzugeben."

 

Heimat-Kalender des Tullner Bezirkes
Josef Bruckner, Sieghartskirchen, 1960
„Safran wurde vor 100 Jahren noch in vielen Orten des Tullner Bezirkes gebaut, heute ist er gänzlich unbekannt. Er dürfte schon im Mittelalter bei uns gebaut worden sein. Nur Flurnamen erinnern heute noch an seine einstige Kultivierung wie z. B. 'Safrigartl' bei Ponsee." ....  „Safran war einst stark verbreitet. Die einen meinen, das Klima hätte sich geändert, andre sagen, die neu aufgekommenen Färbemittel hätten ihn unrentabel gemacht.“ ... "In Bierbaum am Kleebigl ist der Safran 1890 – 1900 noch gebaut worden, aber infolge Überschwemmungen und Hochwasser sind die Kulturen aufgelassen worden. In Absdorf wurden die Felder gegen Bierbaum mit Safran bis 1875 bepflanzt, …. in Königsbrunn bis 1880.“

 

In einem Haus in Winkl gab es noch um 1970 eine alte Schachtel am Kasten, wo das Rasierzeug aufbewahrt wurde. Mit dieser Schachtel hatte der Vater der Hausbesitzerin den Safran nach Wien gebracht.

 

Derzeit wird in einigen Regionen Niederösterreichs wieder damit begonnen, Safran anzubauen. Auch für den kleinen Garten gibt es in den Gartencentern Zwiebeln zu kaufen. Informationen dazu finden Sie hier: http://www.crocus-austriacus.at/

 

Jänner 2014
Maria Knapp