Safranbau

 

Letzte Änderung: 3.1.2019

 

Beilage zum Fragebogen „Heimatkundliche Stoffsammlung“ Botanik
Lehrer Karl Kohlhauser, Bierbaum, um 1950

„Ein heute wohl nur mehr den älteren Jahrgängen bekannter Erwerbszweig in unserer Gegend war der Safranbau. Mit unendlich vieler Mühe und Geduld, aber wenn das Jahr günstig war, mit sehr schönem Gewinn, wurde diese Arbeit vollbracht. Bekam man doch für 1 Pfund, d.s. 56 dkg trockenem Safran 100 – 120 Gulden und das war zu dieser Zeit (1890) ein sehr ansehnlicher Geldbetrag. Wie stolz war doch der Bauer, wenn er mit einer Schachtel voll der kostbaren Safranernte nach Krems zum Simonimarkt gehen konnte. Aber auch voll Gefahren war dieser Weg, denn es gab Wegelagerer, die sich den so sauer verdienten Lohn gerne durch einen Überfall aneignen wollten.

Die Safranfelder, die hier angelegt wurden, mussten mit viel Sorgfalt vorbereitet werden, die Erde musste wie bei den Hausgärten fein durchgearbeitet sein, Schrollen u. dgl. durfte es keine geben. Auch musste das Safranfeld rundherum mit einem Zaun versehen sein. Dieser Zaun war dann im Herbst bei der Jagd ein willkommenes Versteck für die Jäger.

Die Safranpflanze ist ein rotblühendes Knollengewächs und sieht aus, wie der im Frühjahr in den Gärten blühende Krokus oder die Herbstzeitlose. Die Kulturen wurden im August gereinigt und im September die Neupflanzungen reihenweise in ca. 30 cm Tiefe eingelegt. Erst im 2. Jahr der Pflanzung wurde geerntet. Nach der 3. Ernte wurden im Mai die Zwiebeln aus der Erde genommen, an sogenannten „Kün“, das sind gebundene Stäbe, ähnlich den Kückenfutterglocken, unter Wasser durchgewaschen, bis sich die Aussenschalen lösten, dann aufgelegt, getrocknet und sortiert. Die schönen Knollen kamen dann im September neuerlich in die Erde. Die Blütezeit resp. die Ernte des Safrans ist in der Zeit der Weinlese und muss vor Sonnenaufgang vorgenommen werden. Mit Körben ausgerüstet geht Alt und Jung hinaus in die Safrangärten und rasch, damit kein Sonnenstrahl zu früh die Blütenkelche öffnet, wird Blüte um Blüte gebrockt. Daheim angekommen werden die Blüten einzeln von einem Aussenblatt befreit, das sogenannte „Bloamalesen“ und die im Innern der Blüte befindlichen bitterlich schmeckenden Blütennarben herausgerissen. Diese werden auf Safransiebe gelegt und über der heissen Herdplatte getrocknet.

Ein ganz kleines Stückerl solchen trockenen Safrans haben unsere Vorfahren genommen und damit der Rindsuppe oder dem Semmelkren eine schöne, gelbe Färbung gegeben. Auch Stoffe und Spitzen wurden damit gefärbt. In der Medizin wurde Safran als schmerzstillendes Mittel verwendet. Mit der Erzeugung von künstlichen Farbstoffen begannen die Preise für Safran immer mehr zu fallen, so dass sich die Wirtschaft gezwungen sah, den Safranbau aufzugeben.

Ein Feind der Safrangärten war der sogenannte „Ausstand“ ein Unkraut, welches die Kulturen überwucherte.

Seit dem Jahre 1900 wird hier kein Safran mehr gebaut. Dies ist auch auf die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückzuführen.“

Schautafel im NÖ Landesmuseum, St. Pölten

"Der Safrankrokus ist eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Wahrscheinlich brachten ihn die Kreuzritter zu uns. Der Anbau von Safran in NÖ ist von 1200 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts für Krems, Stein, Loosdorf, Maissau, Melk, Burgschleinitz und Ravelsbach belegt und seine Qualität wurde gerühmt.“ 

Foto: Safranpflücker, Heimatbuch
von Seebarn, 1986

 

Stainerische Casten-Ambts-Beschreibung
Bayerische Staatsbibliothek München, 1708

Bereits im Jahr 1708 wird der Anbau des Safrans gesondert angeführt und auch Zehent dafür eingefordert. Der wichtigste Anbauort in unserer Gegend war Neustift, wo es schon im Jahre 1697 106 Safrangärten gab. Der Safran-Zehent in den anderen Orten wurde „wie in Neustift“ eingehoben.  

 

Vaterländische Blätter, 30. Juni 1813

"Safran, der schätzbare Überrest aus den Menschen verheerenden Kreuzzügen, wird zwischen St. Pölten und Melk, bey Ravelsbach nächst Meissau, um Neustift bey Kirchberg am Wagram ec. gebaut, und behauptet den Vorzug vor dem besten französischen Safran von Gatinois; nur den orientalischen Safran  konnte er an Güte noch nicht einholen."  

 

 Franz Xaver Schweickhardt, um 1835 

 

 

Protocoll der Catastralvermessung der Gemeinde Winkl, um 1830

„Beim Ackerlande erscheinen Korn, Hafer, Erdäpfel als Haupterzeugnisse, Safran, Weizen, Gerste, Kukuruz, Kraut, gelbe Burgunder und Stoppelrüben, dann Steirerklee als Nebenfrucht, welche ausnahmsweise von einzelnen Grundbesitzern für den Hausbedarf erzeugt werden."   Auf der Karte der Franziszeischen Landesaufnahme (1830) sind die Safranfelder blau/lila eingezeichnet. Die Äcker waren extra ausgewiesen, da es sich um keine einjährige Frucht handelte, so gehörte z.B. die Fläche mit der Nr. 560 dem Schabenböck Michael, Bauer aus Bierbaum.

Karte: © Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Katastralmappenarchiv, Wien
http://www.bev.gv.at/portal/page?_pageid=713,1604790&_dad=portal&_schema=PORTAL

 

Franziszeische Operate für Winkl, ca. 1830

Der Safran und die Erdäpfel werden durch Spekulanten in der Gemeinde aufgekauft und auf dem Donaustrome nach Wien verführt.“ 

 

Die Safrancultur in Niederösterreich.
Von Wilhelm Sponer, 1896
"Der Safran (Crocus sativus L.), dies Stiefkind unserer Landwirtschaft, droht sich nun bei uns ganz zu verlieren. Um Loosdorf, wo früher die herrlichsten Gärten waren, ist er, sozusagen, ganz verschwunden, beinahe auch schon um Maissau. Am meisten hat sich die Safrancultur noch im Tullner Becken zwischen Neu-Aigen und Kollersdorf erhalten. Das Centrum bildet Bierbaum, in dessen Umgebung sich noch bei sechzig Gärten befinden. Aber auch hier geht dieser Zweig der Wirthschaft zurück.

Es sei nun zuerst über den Safran als solchen einiges berichtet.  Er gehört zu den Schwertlilien-Arten, zu den Irdeäen R. Br., obwohl er in Farbe, Blüthe und Gestalt der Herbstzeitlosen (Colchium autumnale) am ähnlichsten sieht. Er besitzt eine Wurzelzwiebel mit faserigen Häuten, von nußbrauner Farbe, die hierzulande Kiel genannt wird. Die dunkelgrünen, grundständigen, grasartigen Blätter sind auch zur Blütezeit vorhanden und trocknen noch im Hochsommer ein. Die Blüte ist sechsblättrig, sie enthält sechs blaßrote Staubgefäße mit auswärts gewendeten Staubbeuteln; der Fruchtknoten ist unterständig und hat einen in drei scharlachrothe Fasern auslaufenden Stempel. Diese Fasern sind an der Spitze mit feingekerbten Narben versehen. Dieser Stempel allein (hier Züngerl genannt), ist der nutzbare Theil der Pflanze. Er enthält ein ätherisches Öl und einen goldgelben Farbstoff. Beides geht jedoch verloren, wenn es lange dem Sonnenlichte ausgesetzt ist. Als Heilmittel ist er geschätzt wegen seiner aufregenden betäubenden Wirkung und zertheilenden Wirkung. Als Farbstoff dient der Safran als unschädliches Mittel zum Färben von Speisen, zumal von Backwerk und Butter; daher er auch in der Umgebung von Zwittau (Mähren) „Ruth moch gehl“ (roth macht gelb) genannt wird. Die billigeren Anilinfarben verdrängen ihn jedoch vielfach. Der Safran stammt aus dem Morgenlande (Persien und Kleinasien) und ist durch die Kreuzfahrer nach Europa gekommen. Nach Österreich brachte ihn ein Ritter von Rauheneck im Jahre 1189. Seitdem wird er zumeist noch in Bayern, Frankreich, Spanien und um Neapel, in bester Qualität jedoch in Niederösterreich gebaut.

Ganz eigenartig aber ist die Cultur des Safrans. So viel darüber bei den Bauern gesehen wurde, und zu erfahren war, sei hier mitgetheilt. Er bedarf einen lockern, aber gut gedüngten Boden. Die Kiele (Zwiebeln) werden anfangs September je eher, desto besser, bis zu 40 cm tief 2 Finger breit voneinander reihenweise in die Erde gelegt. Kurzer, abgelegener Dünger kommt in der Regel darüber, und dann erst das Erdreich. Diese Art zu düngen soll die Vorteilhaftere sein; denn die Winterfeuchtigkeit, besonders eine tüchtige Hülle Schnee ist Wohlthat für ihn. Nässe kann er nicht gut leiden, aber feucht liegt er gerne. Eine Eigenheit von ihm ist ferner, daß er auf demselben Acker nur einmal gedeihen soll. Die stärkeren Zwiebeln treiben nun anfangs October mit den Blättern auch die Blüthen, die schwächeren nur die Blätter. Zwiebeln, die in Zimmern, ohne in der Erde gelegt zu sein, aufbewahrt werden, blühen auch, gehen aber dann zu Grunde. Die meisten Blüthen sprießen gewöhnlich am Rosenkranzsonntage hervor, weswegen er hier auch der Blumensonntag heißt; einzelne Spätlinge blühen bis Ende October. Die Blüthe kommt des Abends und während der Nacht hervor und wird womöglich vor Sonnenaufgang gepflückt (gebrockt). Langblühende Blumen verlieren an Güte. Dabei sei bemerkt, daß es eine auffallende Erscheinung ist, daß die Safranernte so ausfällt, wie die Weinlese. Geräth der Wein, so auch der Safran und umgekehrt. Abends geht es denn an das Auslesen der Safranfäden. Es ist so ein kleiner Stolz, wenn am Morgen recht viel zerrissene Blüthen vor der Hausthüre gestreut sich finden. Die Safranfäden aber werden langsam getrocknet und für den Händler aufbewahrt. Daß 60.000 Fäden zu einem Pfunde erfordert werden, ist wohl übertrieben, wie sich leicht derjenige überzeugen kann, welcher ein Loth kauft – das ist ein gar kleines Häufchen. Ein altes Loth Safran hat noch immer den Werth von 2 fl. bis 2 fl. 50 kr., ja in letzterer Zeit kostete es öfters 3 fl. Da nun ein größerer Safrangarten in guten Jahren auch ein Pfund trägt, so gibt das immerhin einen Erlös von beinahe 100 fl. Viele Bauern verkaufen ihn übrigens nicht dem Zwischenhändler, sondern bringen ihn zum Simonimarkt nach Krems, wo der „Preis“ gemacht wird. Andere trachten, ihn in Wien direct an den Mann zu bringen. Dem Gefertigten war ein Mann bekannt, welcher durch den Safranbau ein bedeutendes Vermögen sich erworben hatte, an dem heute noch seine zahlreichen Erben zu zehren haben. Als Curiosum sei auch bemerkt, daß zu Neustift im Felde die Predigt am Sebastianstage in der dortigen Filialkirche die Safranpredigt heißt, weil der Cooperator von Kirchberg am Wagram in früherer Zeit dafür mit 2 Loth Safran bedacht wurde.

Die im Herbst eingelegten Zwiebeln bleiben auch das zweite Jahr liegen, in welchem erst die meisten Blüthen hervorkommen. Den Sommer über wird in den Safrangärten, so genannt, weil sie mit einem beweglichen Zaune umgeben sind, nichts angerührt. Die Blätter der Pflanzen werden gelb, verdorren gänzlich und das gewöhnliche Unkraut entfaltet seine Pracht. Sobald aber Laurenz kommt, werden jene Zwiebeln herausgenommen, welche schon das dritte Jahr in der Erde liegen. Diese haben nämlich nach dem zweiten Jahre junge Zwiebeln angesetzt. Die der Erde entnommenen Kiele müssen nun gereinigt werden. Sie werden deshalb in Körben gewaschen, welche aus Weidenruthen geflochten sind und einem umgestürzten Zuckerhute gleichen. Hierauf kommt das Faserputzen, wobei die unnöthigen Fasern entfernt werden. Dies ist auch die Zeit, wo man Kiele zu kaufen bekommt; der halbe Hectoliter kostet durchschnittlich 2 bis 3 fl. Bis zum Einlagern werden dann die Kiele an einem trockenen und kühlen Orte aufbewahrt. Daraus ergibt sich auch, daß jeder Safrangarten drei Abtheilungen haben muß, nämlich die Abtheilung für die frisch eingelegten Zwiebeln, die zweite für die tragenden und die dritte Abtheilung für die im dritten Jahre herauszunehmenden, deshalb rückt auch der Garten auf dem Acker jedes Jahr um ein Stück weiter. Die zweite und dritte Abtheilung wird im Herbst vom Unkraut gesäubert und ganz seicht ausgeackert. Das ist alles und wie ersichtlich, nicht gerade sehr viel Mühe und Arbeit.

Welches sind nun die Feinde der Safrancultur? Da haben wir zuerst den „Ausstand“. Im zweiten Jahre zeigen sich nämlich kreisrunde Scheiben, die immer größer werden und in denen leider auch der Safran verschwindet. Dieser „Ausstand“ vernichtet ganze Gärten und ist zurückzufürhen auf einen der Balgpilze: Rhizoctonia Crocorum C.D. Er bildet erbsengroße Knollen, die durch Fäden zusammenhängen und vom Safte der Safranzwiebeln leben. Sein Fortkommen wird in salpeterhältigem Grunde befördert. Das Umgraben der angegriffenen Stellen im Safrangarten ist wirkungslos. Ob nicht vielleicht, wie gegen die Peronospora, das Einlagern der Zwiebeln in eine Mischung von Kalk und Kupfervitriol helfen könnte, muß erst in zwei Jahren sich zeigen, da es mir heuer erst möglich war, jemanden zu einem Versuche hiezu zu bewegen. Bisher stand und steht man diesem Verderbenbringen gegenüber machtlos da. Ein zweiter Feind sind die Feldmäuse und Hasen. Die Erstern fressen mit Vorliebe die Zwiebeln, die Hasen, sobald es ihnen gelingt, in den Garten einzudringen, die jungen Blätter – solche abgefressenen Pflanzen blühen nimmer. Ein dritter Feind ist das Donauwasser. Wenn bei den leider durch die famose Donauregulierung verursachten häufigen Ueberschwemmungen ein Safrangarten unter Wasser kommt, so ist’s um ihn geschehen. Allzustrenge Winter frieren aber auch die Safrangärten aus. Die größten Schädlinge des Safrans sind die billigen Ersatzmittel. Man will für wenig Geld recht viel Safran kaufen; daher wird er auch gefälscht. Ohne Vergrößerungsglas wir deshalb in großen Geschäften kein Safran verkauft. Mir wurde von einem alten verläßlichen Safranhändler und auch von Bauern erzählt, daß wenn sie mit ihrer Waare nach Wien kamen, sich ihnen Leute näherten, welche ihnen sogenannten französischen Safran zum Vermengen mit dem echten anboten. Alle diese sagten, daß dieser sogenannte französische Safran von Blumen stamme, die einer Distel ähnlich sehen. Ich wandte mich nun an das Pfarramt in Erfurt, um durch dieses den besten und verläßlichsten Samenzüchter alldort zu erfragen. An diesen schrieb ich sodann, allein auch er kannte keine ähnliche Pflanze. Er suchte Auskunft bei seinen französischen Geschäftsfreunden und erhielt nur die Antwort, daß auch in Frankreich der Safran nur aus Zwiebeln gezogen werden. Dieser sogenannte französische Safran ist ein Gemenge von Fälschungen; es sind die werthlosen Stempelfasern anderer Crocusarten, getrocknete Rindfleischfasern, Saflorblüthen (Carthamus tinctorius L.) oder zerschnittenen Granathblüthen. Uebersehen darf freilich nicht werden, daß der echte französische um ein Drittheil, der spanische und neapolitanische um gut die Hälfte billiger, aber auch um das werthloser ist. Diese Sorten sind bedeutend dunkler und greifen sich feucht und ölig an und bilden alle, wenn auch aufgelöst, einen Bodensatz; der österreichische aber nicht. Es ist wirklich schade, daß diese Culturpflanze, welche ohne besondere Mühen einen reichen Ertrag abwirft, ihrem Untergange zueilt. Vielleicht findet auf diese Zeilen sich doch ein Anwalt dieser landwirthschaftlichen Pflanze; wir nehmen ihn dankbar an, ob im Landtage, ob in der landwirthschaftlichen Gesellschaft, ob im Gelehrtenstande. Gibt es denn gar kein Mittel gegen den „Ausstand“? Oder ließe sich nicht durch Beschaffung französischer Zwiebeln die Ertragfähigkeit heben? Allerding müßte unseren armen Bauern hiebei durch Landessubventionen geholfen werden. Ich meine, einige Hunderte für die verschiedenen „Rennrösser“ weniger und hier als Hilfe angewandt, wäre für das ganze Land ersprießlicher. Auch könnten gar wohl die Apotheker verhalten werden, nur österreichischen Safran zu verwenden; hälfe auch etwas. Unsere Safran-Cultur muß eben concurrenzfähig gemacht werden, dann wird sie auch einen immerhin bedeutenden Ertrag abwerfen können. Es wäre sehr bedauerlich, wenn man diesen alten Feldwirthschaftsbetrieb aufgeben und den fremden Markterzeugnissen weichen wollte. Mögen diese Zeilen competentenorts freundliche Beachtung finden!"

Quelle: Reichspost vom 3. und 4. September 1896, veröffentlicht in ANNO
Wilhelm Sponer war von 1890 - 1903 Pfarrer von Bierbaum am Kleebühel

 

Aus dem Heimatbuch von Königsbrunn
Zeitung aus dem Jahr 1902 

"Eine aussterbende Kulturpflanze. 
Es ist eine bekannte Erscheinung, daß ganze Völkerschaften, daß ganze Thierklassen und auch Pflanzenarten aussterben. Andere verschwinden blos aus der Kultur in Himmelsstrichen, wohin sie einst verpflanzt wurden. Zu den Kulturpflanzen, die bei uns langsam zu verschwinden drohen, gehört der Safran (Crocus sativus)…. Erhalten hat sich bis heute Safran im Tullnerbecken am linken Ufer der Donau von Neu-Aigen bis Kollersdorf, welcher eben als Maissauer Safran in die Welt geht. Das Centrum bildet Bierbaum und Frauendorf und Utzenlaa; hier dürften noch bei 50 Safrangärtner vorhanden sein, während vor nicht langer Zeit am Wagram noch Safrangärten vorhanden waren.... 
Der Safran stammt aus dem Morgenlande und ist durch die Kreuzfahrer nach Europa gekommen. Nach Oesterreich brachte ihn ein Ritter von Rauheneck im Jahre 1189. Seit dem wird er zumeist noch in Spanien, in Frankreich, in bester Qualität jedoch in Nieder-Oesterreich gebaut." 

 

Pfarrchronik Altenwörth

Pfarrer Dedelbacher fügt 1930 beim Jahr 1858 folgenden Eintrag ein: „Eine Spezialität bildete früher der Safranbau. Die Safrankultur war besonders in der Gegend von Maissau heimisch, aber auch bei uns bildete er eine wichtige Einnahmequelle. Das Zentrum des Safranhandels war Krems; dort kostete ein Lot Safran 5 fl. - Vide: 1 kg waren 60 Lot, kostete demnach 300 fl.- 300 fl. wären heute ungefähr 840 Schillinge."

Safran war eine kälteempfindliche Pflanze und so schreibt 1849 Pfarrer Christian Liermberger: „Die große Kälte des Winters schadete den Safrangärten derart, daß nicht nur an kein Gedeihen des Safrans zu denken war, so wie auch wirklich solcher gar nicht gedieh, sondern daß sehr viele Safrangärten als erfroren ausgenommen werden mußten.“

Pfarrer Karl Grössinger schrieb 1864: „Obschon dieses Jahr ein fruchtbares genannt zu werden verdient, so war es doch ein allgemeines wahres Jammerjahr. Denn der in den letzten Tagen des Mai eintretende intensive Frost ruinierte sämmtliche Saffrangärten total und ebenso den Weinstock auf Jahre hindurch. Daher keine Saffran-Ernte und keine Weinlese.“

 

Topgraphie von Niederösterreich
Verein für Landeskunde von Niederösterreich, erster Band, 1877:

"Safran. Derselbe hatte sich in früherer Zeit wegen seiner Qualität einen europäischen Ruf erworben, wird aber gegenwärtig nur in sehr geringen Maßen gebaut; früher wurde er bei Melk, Krems und am Wagram, besonders aber in der Gegend von Maissau kultiviert."

 

Heimats-Kunde der Gemeinde Neustift im Felde,
Lehrer L. Marzani, 1894 

„Über die drei Dorflacken: …Diese Gewässer sollen ein Wasservorrath für Schadenfeuer sein, als Pferdeschwemme und zum Waschen der Safranzwiebeln und landwirtschaftlichen Geräthe dienen;….“

Anbau: „… bauen Wein, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Erdäpfel, Futterrüben, Krautpflanzen, Bohnen, Linsen, Klee und Safran nach der Wechselmethode an und düngen mit Kunst- und Stalldünger.“ .... Der Safranbau geht ganz darnieder. Die Ursache dürfte wohl darin liegen, daß die Nachfrage nach echtfarbigen Stoffen immer seltener wird und in der Billigkeit des französischen Safrans. Den hiesigen Landwirten ist der mühsame Safranbau bei den heutigen minderen Preisen nicht mehr ertraglich genug worden.“ Dieser Absatz war durchgestrichen und wurde durch folgenden ersetzt: „Vor 30 Jahren trugen hiesige Safranhändler den von Haus zu Haus gesammelten Safran nach Wien, Prag, Brünn, Budapest u.s.w. Seit vielen Jahren ist die Witterung dem Safranbau nicht günstig und ein Garten nach dem anderen verschwindet.“ 
 


Was sagen uns die Flurnamen im Bezirk Kirchberg am Wagram?
Ing. Franz Mann, 
1956

"Safran wurde im lehmigen, warmen Sandboden angebaut. Wenn daneben Lein (=Har) angebaut wurde, so denkt man unwillkürlich an Grillparzers Worte in König Ottokars Glück und Ende: "Von Lein und Safran gelb und blau gestickt"..... Der Safrananbau muss sehr verbreitet und einträglich gewesen sein: denn in der Mappe (Franziszeischer Kataster, Anm.d.Verf.) war dem Safran ein eigenes Kulturzeichen gewidmet und außerdem gab es sogar einen eigenen Safranzehent. Um das Jahr 1896 aber kam die Reblaus über die Weingärten, die eine bedeutende Mehrarbeit verursachte. sodass die Weinhauer sich gezwungen sahen, die mühsame, aber weniger ertragreich gewordene Safrankultur aufzugeben."

 

Heimat-Kalender des Tullner Bezirkes
Josef Bruckner, Sieghartskirchen, 1960
„Safran wurde vor 100 Jahren noch in vielen Orten des Tullner Bezirkes gebaut, heute ist er gänzlich unbekannt. Er dürfte schon im Mittelalter bei uns gebaut worden sein. Nur Flurnamen erinnern heute noch an seine einstige Kultivierung wie z. B. 'Safrigartl' bei Ponsee." ....  „Safran war einst stark verbreitet. Die einen meinen, das Klima hätte sich geändert, andre sagen, die neu aufgekommenen Färbemittel hätten ihn unrentabel gemacht.“ ... "In Bierbaum am Kleebigl ist der Safran 1890 – 1900 noch gebaut worden, aber infolge Überschwemmungen und Hochwasser sind die Kulturen aufgelassen worden. In Absdorf wurden die Felder gegen Bierbaum mit Safran bis 1875 bepflanzt, …. in Königsbrunn bis 1880.“

 

In einem Haus in Winkl gab es noch um 1970 eine alte Schachtel am Kasten, wo das Rasierzeug aufbewahrt wurde. Mit dieser Schachtel hatte der Vater der Hausbesitzerin den Safran nach Wien gebracht.

 

Derzeit wird in einigen Regionen Niederösterreichs wieder damit begonnen, Safran anzubauen. Auch für den kleinen Garten gibt es in den Gartencentern Zwiebeln zu kaufen. Informationen dazu finden Sie hier: http://www.crocus-austriacus.at/

 

Jänner 2014
Maria Knapp