Weinbau

 

Letzte Änderung. 13.12.2014

 

In den Eintragungen der Matrikenbücher früherer Jahrhunderte wird in unserer Gegend wesentlich öfter der „vinitoris“ oder „Hauer“ erwähnt, als der "rusticus" - Bauer, wie in diesem Beispiel bei der Heirat von Josephus Pheer 1774

 

 

Schautafeln auf dem Sandberg bei Roseldorf, die die Landwirtschaft in der Antike beschreiben, berichten bezüglich des Weinbaues:

„Hinweise auf vorrömischen Weinbau?
Schon in der Hallstattzeit war Wein ein wichtiges Getränk der Reichen und Mächtigen. Zusammen mit anderen Luxusgütern wurde er in großen Mengen aus dem Mittelmeerraum importiert. Auch die keltische Oberschicht der Latènezeit hielt am Weinimport aus dem Süden fest.

Vereinzelt gibt es aber auch Hinweise auf einen frühen mitteleuropäischen Weinbau. Hier auf dem Sandberg wurde im Umfassungsgraben des Heiligtums ein verkohlter Weinkern gefunden, der eindeutig als Kulturwein anzusprechen ist. Dieser Weinfund passt gut zu anderen frühen Nachweisen: Latène- und hallstattzeitliche Kulturweinkerne traten auch in Sopron (Westungarn) und in Zagersdorf (Burgenland) zutage. Der bislang älteste österreichische Kulturweinkern stammt aus der spätbronzezeitlichen Wallburg von Stillfrid an der March (Weinviertel).

Qualitätswein war bei der inländischen Oberschicht sehr geschätzt, ja hervorragenden Wein zu kredenzen, war bei Gastmählern eine Sache des Prestiges. Wein war im Mittelalter und am Beginn der Neuzeit aber auch das führende Exportgut Niederösterreichs, das wesentlich zur wirtschaftlichen Bedeutung des Landes beitrug. (Aus diesem Grunde ist auch in der Pfarrmatriken stets über Qualität und Quantität des Weines berichtet worden - Anm. d. Verf.) Niederösterreichische Weine, vor allem aus den Regionen südlich der Donau, dem gesamten Wiener Weinbaugebiet und der Wachau, versorgten weitgehend Oberösterreich und Salzburg sowie Teile Bayerns, aus dem Viertel unter dem Manhartsberg wurde nach Böhmen und Mähren exportiert, wo allerdings der österreichische Wein in Konkurrenz mit dem ungarischen stand. Für die Ausfuhr kamen nur Qualitätsweine in Frage, für minderwertige waren die Transportkosten zu hoch."

Helmuth Feigl, die niederösterreichische Grundherrschaft, St. Pölten 1998:
Weingartenparzellen wurden vielfach zu einer freien Leiheform, dem Bergrecht vergeben. Hierdurch war es auch Bürgern, Adeligen, geistlichen Institutionen bzw. einzelnen Klerikern möglich, derartige Parzellen ohne die Standes- bzw. Rangminderung zu erwerben, wie sie mit einem Gelöbnis zu Treue und Gehorsam gegen einen Grundherrn verbunden war; außerdem wurden für Bergrechtsgründe keine Robot oder ähnlich geartete, das Sozialprestige mindernde Dienstleistungen gefordert."

"In den Weingebieten Niederösterreichs hatten in alter Zeit viele, oft weit entlegene weltliche und geistliche Herrschaften Besitzungen zu erwerben gesucht und wirklich erworben, da der Österreicher-Wein von jeher sehr geschätzt war. Diese bezogen daraus aber nicht nur Wein und andere Produkte, besonders den teuren Safran, sondern erhielten auch stets genaue Nachrichten wie über die wirtschaftliche Lage ihres Besitzes und des ganzen Landes so auch über seine Geschicke." Quelle:Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, 1903: Einige Nachrichten über die Zustände im Tullnerfelde zur Zeit des zweiten Türkeneinfalles von Dr. Laurenz Pröll 

 

Die Hinterlassenschaft des Johann Andre, Weingarthauer,
betrug laut Inventar aus dem Jahr 1772:
  

Hauerbehausung                              190 fl
Grundstück, 2/4 Weingarten             204 fl
Bargeld                                                11 fl
Vieh                                                     26 fl
Wein, 29 Eimer                                   65 fl   5 xr
6 Maß Branntwein                                 2 fl 24 xr
Hausrat                                             108 fl 56 xr
                                                          607 fl 25 xr
ab Passiva                                          76 fl 12 xr
                                                          531 fl 13 xr  

Vieh: 1 Kuh, 1 Kalb, 1 Frischling  

Quelle: Dissertation von Dr. Franz Eiselt: „Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraumes 1650 – 1806“, Wien 1973

 

Bearbeitung der Weingärten

Über Jahrhunderte hinweg war das wichtigste Gerät der Weinhauer die Haue, von der sich auch der Name ableitet. Jedes Jahr wurden die Weingärten 4mal mit der Haue bearbeitet, das waren: Fastenhauen, das Bandhauen, das Weichweinhauen und das Anhäufeln im Herbst.

„Mit dieser Haue wurde viele Jahrhunderte lang gearbeitet, bis im 19. Jahrhundert der Kremser Zeugschmied Johann Keusch eine neue Form kreierte. Der Stiel wurde gebogen und an das Hauenblatt ein längerer Hals angefügt. Sie wurde 1856 in den Handel gebracht und „Dampfhaue“ genannt, weil sie schnelleres Arbeiten erlaubte. Allerdings war die Haltung der Hauer nun eine gebücktere.“ Quelle: Bauernbund 2009, Erich Broidl

Auszug aus der Heimats-Kunde der Schulgemeinde Neustift, Lehrer Marzani, 1894:Die Hauer besitzen ihre Weingärten und Keller zerstreut in Entfernungen von ½ bis 2 Stunden – in Fels, Gösing, Ruppersthal, Riedenthal, Neudeck, Ottenthal, Ober-, Mitter- und Unterstockstall und Kirchberg und müssen öfter im Jahr, wenn ihre Lieblinge, die Reben ihrer Pflege bedürfen, um 3 Uhr früh aufbrechen, kommen um 5 Uhr zur Stelle um nur von einer kurzen, kargen Mahlzeit /:meistens nur aus Brot und Wasser oder Wein bestehend:/ ununterbrochen bis 8 Uhr abends zu arbeiten und dann erschöpft den Heimweg anzutreten, wobei, wenn möglich – oft auf großen Umwegen - der Keller aufgesucht wird. Es gibt Zeiten, wo der Hauer sich kaum 4 Stunden Ruhe gönnt. ... Bei all seiner Mühe und Plage hört man den Landmann darüber nicht klagen, solange er noch auf eine gute Ernte hoffen kann.“

In der Schulchronik Neustift, 1933, beschreibt Lehrer Adalbert Hirsch die Arbeit im Weingarten genau: „Die hierortige Bewohnerschaft befaßt sich aber viel mit dem Weinbau. Der Weinbau war um 1403 viel ausgebreiteter denn jetzt). Die von Neustift nach Kirchberg ziehende Straße, hätte ehedem Weingärten links und rechts benachbart gehabt. irgend eine Ursache, vielleicht eine damals noch nicht bekannte Boronospora, vernichtete diese. Der Bauer machte aus diesen Gebieten Ackerland, wahrscheinlich erst nach einigen vergeblichen Versuchen, die Weingärten wieder aufzurichten. Der Neustifter hat aber ansehnlichen Besitz im Wagramer Weinbaugebiet. Diese Weine sind als Heurige und zum Verschnitt ausgezeichnet zu verwenden. Als alte Weine (Lagerweine) sind sie nicht zu empfehlen. Im Frühjahr und im Sommer hat nun der Hauer schwere Arbeit zu leisten. Ackerbau, Viehzucht, Weinbau liegen ja doch in einer Hand! Oft heißt es da von 4 Uhr früh bis 9 Uhr abends fleißig arbeiten. Liegen doch die nächsten Weingärten ¾, die weitesten 2 bis 2 ½ Stunden vom Ort entfernt. Die Arbeit für den Hauer beginnt im April. Sie beginnt mit dem 'Gruben'. Da werden die alten Stöcke ausgehöhlt, von je 2 Stöcken die Reben hineingelegt, das Ganze zugedeckt, 1 bis 2 Triebe läßt man herausschauen. Es ist dies eine Art Verjüngung. Die Stöcke, welche im Oktober angehäufelt wurden, werden nun von den Häufchen befreit (Ausräumen). Dann wird der Stock auf 6 bis 7 Augen geschnitten. Das Keil-hauen, welches die nächste Arbeit darstellt, besteht im einfachen Lockern des Bodens und im Entfernen der höheren Wurzeln. In den Monaten Mai und Juni beginnt der Hauer mit dem Jäten. Es besteht im Entfernen gewisser Reben, daß der Stock mehr am Boden bleibt. Dann folgt das Steckenschlagen, das Binden, das Spritzen, das Hauen. Der Juli beginnt mit dem Aufbinden der Reben, dann wird gespritzt, gehauen, wieder gespritzt, und im August wird das Abschneiden der Reben vorgenommen (Wipfelabschneiden). Im Oktober ist gewöhnlich die Weinlese. Nach der Weinlese werden die Stecken ausgezogen und die Stöcke angehäufelt (anziehen). Damit ist die Arbeit im Weingarten beendet.

Wie oft, kommt es vor, daß der Hauer für seine Arbeit nichts hat, als schwielige Hände! Ist aber Aussicht, eine schöne Weinernte zu bekommen, beginnen zu dieser voll Freude die vorbereitenden Arbeiten. Bottiche und Fässer werden mit Wasser gefüllt um 'dicht' zu werden. Am Tag der Weinlese zieht jung und alt in den Weingarten. Die Trauben werden abgeschnitten. Die Kinder arbeiten geschäftig mehr für den Mund als für die Butte. Der Knecht führt die Trauben ins Preßhaus. Zu Maische zerstampft durch‘s Schußkar geworfen, gelangen Saft und Beeren in das Mostgitter. Das Pressen beginnt. Preßt der Hauer die schwarzen Trauben mit den Trebern, entsteht Rotwein. Die bereits ausgepreßten Trauben übergießt der Hauer mit Wasser, preßt die Masse noch einmal durch und erhält so den Arbeitswein, den 'Haustrunk”'(Zuckerzusatz).

An Sonntagen geht der Hauer fast regelmäßig in den Keller. Nach der Weinlese beginnt die Kellerarbeit. Alle Monate muß der Hauer den durch Gärung verursachten Verlust nachfüllen. Leeren Fässern gibt er einen Schwefeleinschlag. Zirka 14 Tage darf er wegen der Gärung den Keller nicht betreten. Hauptgärung 2-3 Tage. Nach St. Martin spricht man vom 'Heurigen'".

 

In den 1960er Jahren begann die Umstellung der Stockkulturen auf „Hochkultur“ um die Bearbeitung mit dem Traktor bewerkstelligen zu können. Danach wurde die Kellerwirtschaft von vielen Hauern aufgelassen und die Trauben zur Winzergenossenschaft gebracht, da die Vermarktung des Weines zu arbeitsaufwändig geworden war (filtrieren, Flaschen füllen etc.). Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Reberziehung

Stockkultur
Foto: Monika Riedl, Winkl   


 

 

Die Lese erfolgte über Jahrhunderte mit einem Rebmesser, bis die Rebscheren aufkamen. Die Trauben wurden zuerst in Holzgefäße, später in Plastikkübel geschnitten und mit Holz- und später Plastikbutten zur Presse getragen. Dies war eine mühevolle Arbeit, wenn man bedenkt, dass man dabei ständig vier bis fünf Stellen hinauf- und hinabgehen musste. Bei der Weinlese halfen Nachbarn, Verwandte und Taglöhner und es wurde immer groß aufgekocht. 

Lese in der Stockkultur
Foto: Familie Knapp, St. Johann  

 


 

 

 

 

 

Weinlese am Wagram um 1985  

 

 

 

 

Einen interessanten Artikel über den Weinhandel zu Zeiten der Herren von Winkel finden Sie hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/die-herren-von-winkl/wein 

 

Unkraut und Schädlinge bekämpfen

   

Das erste Mittel, das zum Spritzen verwendet wurde, war Kupfer. Man hatte eine „Spritzload“ – ein konisch zulaufendes Holzfass, das auf den Leiterwagen und später auf den Anhänger gelegt wurde , und aus dem man hinten mit einer „Pipe“ das Spritzmittel herausrinnen ließ. Man kaufte das pulverförmige Mittel im Lagerhaus und rührte daheim die Brühe an oder man fuhr zur Spritzbrühanlage – eine war damals in der Nähe des Gasthauses Heiß in Kirchberg, eine in Engelmannsbrunn – um sich das Fass füllen zu lassen. Gespritzt wurde anfangs mit einer händisch zu bedienenden Spritze, die man am Rücken trug, später mit einer Motorspritze. Um die Spritze neu zu füllen, ging derjenige der spitzte, in die Knie, ein zweiter füllte nach. Da konnte es schon vorkommen, dass etwas von der Brühe ins Genick floss, was mit lautem Schimpfen einherging. Da es früher ja viele Stellen (Terrassen) – vor allem am Wagram - gab, musste die Brühe nachgetragen werden, was eine sehr schwere Arbeit war.

 

Schautafel aus dem ehemaligen Heimatmuseum Seebarn      

 

 

 

 

 

 
Mechanische Buckelspritzen 

  
Kanne zum Spritzmittel eingießen - Reblausspritze 

  
Unkrautspritze 

 

 

 

 

Eine Spritzload: Ein Fass mit der Spritzflüssigkeit für den Weingarten am Truhenwagen.
Foto: Bauernmuseum Bamberger Land, Frensdorf
   
 

Bei der Weinlese

Fast alle Fotos, die von Arbeiten im Weingarten aufzutreiben sind, wurden bei der Lese angefertigt, da dies eine freudige, gesellige Arbeit war, die man gerne im Bild festhielt.

 

 

Zu beachten sind die eng gesetzten Weinstöcke. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links neben der Butte steht ein Viertelschaff aus Holz, in das die Weintrauben gelesen wurden – erst später nahm man Blech- und dann Plastikkübel.   

 

 

 

 

 

 

 

Hier sieht man allerlei Lesegeschirr –
von Butten bis zu Bottichen. 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rast beim Lesen. Hier wurde mit geflochtenen Körberln gelesen. Im Hintergrund sieht man einen Lesewagen. Oben war eine Öffnung, in die die Trauben geleert wurden.
Alle Fotos: Familie Grausenburger, Winkl
 

 

 

 

 

 


 

Fuhrwerk mit Lesgeschirr. Auf dem Bottich ist die Traubenpresse, mit der die Weintrauben zerkleinert wurden. So hatte man mehr Platz im Geschirr.
Foto: Familie Riedl, Winkl

 

 

 

 

 

Lese in späterer Zeit: Man fuhr schon mit dem Auto in den Weingarten.
Gegessen wurde rustikal auf einem kleinen, umgedrehten Bottich.
Foto: Familie Birochs, Winkl    

 

 

 

 

 

 

 

Mit der vollen Butte auf den Stellen des Wagram, 1984
Foto: Familie Knapp, Winkl

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gepresst wurden die Trauben mit oft jahrhunderte alten Weinpressen 

Um 1980: Der Stein drückt auf das Chor, Most wird für zuhause in Flaschen gefüllt.
Foto: Familie Knapp, Winkl
 

 

 

 

    

 

 

 

 

  

Kunstvoll geschnitzte Brustriegel
Foto: MuseumKrems

 

 

 

Pressstein
Foto: MuseumKrems  

 

 

 

 

 

 

Der fertige Wein   

 

 

 

   Bei der Weinkost im Keller Waltner, Engelmannsbrunn
Foto: Familie Grausenburger, Winkl

 

  
Zwei alte Genießer (links Anton Halmer)
Foto: Anton Halmer, Mitterstockstall

 
Vor dem Keller: Der Wein wurde mit dem Heber frisch vom Fass geholt.
Foto: Anton Halmer, Mitterstockstall 

 
Vor dem Weinkeller, Foto: Anton Halmer, Mitterstockstall
 

 
Vor dem Keller der Familie Bauer in Engelmannsbrunn um 1937
Foto: Familie Josef Bauer, Mallon

 
Weinlesefest in Mallon im Jahr 1947
Foto: Familie Josef Bauer, Mallon
 

 
Arbeit am Presshaus
Foto: Franz Weiss, Neustift    

 
Heute dienen die ehemaligen Weinpressen nur noch als Dekoration in den Kellergassen, wie hier in Niederschleinz

 

Allerlei Werkzeug

 

 

Mit diesem Holz bohrte man die Löcher für die Weinstecken vor.
Foto: MuseumKrems  

 

 

 

 

 

 

 

Die Hauen, von denen der Beruf den Namen hat. Im Hintergrund ein altes Modell ohne geschwungenen Schaft, vorne ein jüngeres Modell, das ein schnelleres Arbeiten ermöglichte.
Foto: Maria Knapp, Winkl  

  

 

 

 

Nach dem Binden mit Riedln  wurden solche Schnüre zum Anbinden der Reben verwendet.
Foto: ehemaliges Heimatmuseum Seebarn.
 

 

  

 

 

 

Stoppelmaschine - Hauermesser  

 

 

 

 

  

 

 

 

Weintragerl oder Kölla-Zega -  Fasspipe   

 

 

 

 

 

 

  
Kellerkerze-  Weinwaage
 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Weinkolbenpumpe 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dieser Dunstwinde versuchte man, die giftigen Gärgase aus dem Keller zu befördern.
Foto: MuseumKrems

 

  

 

 

 

 

Der Weinstock und dessen Bedeutung in früheren Zeiten meiner Kindheit. 

Autorin: Frau Anna Schabl, geb. Zehetner, 1916 in  Neustift, wohnhaft in Königsbrunn 

 

Vorwort: Jahrtausende wird der Weinstock in vielen Ländern unseres Kontinents in verschiedenen Arten hochgezogen, wie es das Klima zulässt. Sogar in Australien ist Wein gepflanzt. 

Vor fast 2 Jahrtausenden hat Jesus mit Wein sein erstes Wunder zu Kanaan vollbracht. 

Auch zu seinen Jüngern sprach er: „Geht auch ihr in meinen Weinberg!“ Mit den Gestalten Brot und Wein setzte er das erste Messopfer ein. 

Wein in Maßen getrunken, führt zur Geselligkeit und Freude. Wehe aber dem, der sich unterkriegen lässt, für den kann der Alkoholgenuss für sich und seine Familie den Ruin bedeuten.

Um die Jahrhundertwende genügte eine kleine Landwirtschaft und 1 ½ ha Weingärten, um 1 Familie zu ernähren. Um die 50iger Jahre benötigte man schon 2 ha Weingärten, um lebensfähig zu sein. 

 

Die Weinreben wurden ursprünglich unveredelt 40 – 45 cm lang geschnitten, außer dem oberen Auge geblendet und in abgebrühte Sägespäne oder Moos in Kisten geschlichtet und an einen warmen Ort zum Vortreiben gegeben. Sobald die Reblinge im Frühjahr 5 – 6 cm austrieben, kamen sie in eine regolde Rebschule wo sie zu richtigen Stockerln heranwuchsen. Meist an Hängen wurden die Weingärten gepflanzt. Der Boden wurde regold, das ist: 2 Schaufelstich tief umgraben. Hier eng aneinandergesetzt um ja keinen Platz zu vergeuden. Wenn Stockerl fehlten, hat man gegrubt: Vom Mutterstock bog man ein paar Reben in die Grube, als dann in der Grube Stockerl heranwuchsen, trennte man sie vom Mutterstock. 

Hans Moser besingt im Lied die Reblaus. Freiherr von Baba schleppte 1868 die Reblaus ein. Um 1880 begann die Reblaus bei uns ihr Unwesen in den Weingärten, wo dann die ganze Altkultur von Jahr zu Jahr der Hacke weichen musste. Als Gegenmittel zur Reblausbekämpfung benützte man Schwefelkohlenstoff flüssig als Injektionen. So eine Spritze sieht wie folgt aus:
Mit dem Fuß trat man auf b und stieß c unter die Erde während man auf a drückte. Die Löcher musste man verstoßen, damit die Gase nicht entweichen konnten.   

 

Das ganze Jahr hindurch wurde ausschließlich mit einer Haue gearbeitet. Gespritzt wurde mit einer Holzspritze oder „Felserspritze“. Gebunden hat man mit Stroh, man nahm einen „Strohriedl“, von 3 Halmen und mit dem hat man die Stockkultur gebunden. Bei dieser Arbeit hat man auch gerne gesungen. Bei der Lese zog man einen Stecken und legte ihn quer über ein paar Stöcke, damit man wusste, wie weit man mit der Lese ist. Da ja nichts in Reihen war.   

Auch Weingartenhüter durften nicht fehlen. Die mussten beobachten, dass es keine Diebe gibt, sie mussten Dieb und Star verjagen.

Das Düngen geschah, indem man den speckigen Stalldünger mit Butten in die 2 Schaufelstich tiefen Gräben schüttete, auseinander räumte, vertrat und mit der Erde des nächsten Grabens zuschüttete. 

Das Anhäufeln im Herbst geschah, in dem man alle Stecken zog und so über Winter aufbewahrte:
Im Frühjahr wurden alle Stecken in den tiefgehauenen Boden und den eben von unnötigen Wurzeln befreiten Stöcken mit einem extra Steckenhammer geschlagen. 

Bei der Lese wurde alles in „Holzbüttel“ gelesen, und mit Holzbutten weggetragen. Pro Butte machte man ins „Büttl“ eine Kerbe, da wusste man, wieviel jeder Weingarten trug. 

  

Lesegeschirr 

Die Weintrauben wurden mit Butten ins Mostschaff geschüttet, mit Moststampfer gestampft und in den Bottich gegeben. Wenn der Bottich voll war, kam die Maische in das Maischefass oder „Load“ mit dem Schöpfer, wobei man der „Load“ den „Loadhut“ aufsetzte. Sobald das Fass voll war, kam Weinlaub zur Zierde um das Maischetürl. 

So mancher putzte sein Fuhrwerk besonders heraus, in dem Pferdegeschirr, Zierriemen = „Flausenriem“ im vollen Glanz strahlen, auch Pferdemähne und Schwänze wurden geflochten und am Halfter bimmelte eine Glocke.    

Auch die Frauen ließen sich’s nicht nehmen und hängten an den Pressbaum einen Eichenlaubkranz mit den schönsten Trauben. Mit dem Lesewagen „Baumwagen“ wurde die Maische zum Presshaus gefahren, wo man das Fass über das Schusskar kippte und den Inhalt entleerte, indem man das Schusskar vorher ins Schusskartürl schob, wo die Maische im Presshaus auf den Seihbürde landete. Von dort wurde die Maische in den Presskorb geschaufelt, wo dann der schwere Pressbaum von ein paar Männern, welche die Spindel drehten, gepresst wurde. Der von einem versenkten Bottich oder dgl. gewonnene Most wurde mit Viertel-Schaffeln in den Keller über eine Gießkanne oder Chor ins Fass geleert. Das Mosttragen sowie das Weinladen geschahen, indem einer dem anderen wie bei einer Kette das Schaffel reichte.  

Sobald der Wein umgezogen wurde, stellte man das Holzwandl unter das Fasstürl, damit man Geleger entfernen und das Fass reinigen konnte. 

Wie schon erwähnt, geschah das Weinladen mit den ¼-Schaffeln in den bereitgestellten Halbladungen, das waren ca. pro Fass 800 Liter auf den Weinwagen oder man walzte die Fässer zur gewünschten Stelle und walzte sie auf Weinhacken auf den Weinwagen, der damit zum Wirt fuhr. 

 


Die Fässer am Fuhrwerk waren mit Planen überdacht, vorne war eine Flechte, wo der Kutscher sein Quartier hatte und rückwärts Heu und Hafer mitführte für die Pferde.  

In jedem Weinkeller wurde Tresterwein erzeugt als  Durstlöscher bei der Arbeit. Man benötigte zum Heimtragen vom „Haustrunk“, wie man den Tresterwein nannte, das Lagl = 6L.Fasserl oder Kellerkörberl „Zeger“, wie man es auch nannte.

  

Somit hat der alte Weinstock ausgedient. Bis man die Reben veredelte. Das ist: An den Mutterreben ein Auge von einer bestimmte Sorte aufsetzen. Nun wurde in Reihen gepflanzt. Man nannte sie anfangs „Amerikaner“. Dann durften die ersten Pferdeschritte in den Weingarten. Bis sie neuerdings von der Hochkultur um 1950 abgelöst wurden. Der Vater der Hochkultur war Lenz Moser aus Rohrendorf an der Donau. So wie alles andere hat auch im Weinbau die Mechanisierung Fuß gefasst. 

November 1992, Anna Schabl

 

Alle Abbildungen sind Originalzeichnungen von Frau Schabl. 

 

Jänner 2014
Maria Knapp