Lebzelter (lebetharius), Kerzenzieher

 

Letzte Änderung: 31.12.2016

 

Lebzelter beschäftigten sich mit dem Handel und der Verarbeitung von Honig. Sie kauften Honig und Bienenwachs bei Bauern auf, um Lebkuchen und Wachskerzen herzustellen. Manche verfügten über ein Geschäftslokal und das Schankrecht für Met, das sie ebenfalls herstellten.

Aufgrund des hohen Handelswertes des Honig war die Lebzelterei ein einträgliches Gewerbe, wie man am Vermögen der Katharina Heimin weiter unten sieht.

Als das Met durch Bier, Wachs durch Paraffin und Honig durch den Rübenzucker ersetzt wurde und die Bauern ihren Honig selbst auf Märkten verkauften, kam den Lebzeltern die wirtschaftliche Grundlage abhanden.

 

"Die gewerbliche und zünftische Tradition der Lebzelter und Wachszieher – meist wurden die beiden Bienenprodukte Honig und Wachs von Meistern mit doppelter Ausbildung verarbeitet – ist sehr alt. Das durch die Erzeugung von Kerzen und Wachsvotiven in die Nähe der Kirche gerückte Gewerbe wurde von dieser in der Bildung von starken Zünften mit vorbildlichen Ordnungen unterstützt. So sind allein in Niederösterreich zwischen 1650 und 1850 in 69 Städten und Märkten 600 Meister nachweisbar.

Dem Lebzelterbetrieb Holzapfel in Kirchberg, der die Votivkerze herstellte, war es sicher nicht unangenehm, zur Weihnachtszeit in einem verlesenen Mirakelbericht, der sogar die Schwere der Kerze kundtat, vorzukommen. Unterstützte man doch auch seinerseits die Kirche, wie aus zwei Testamenten 1747 und 1772 hervorgeht. Zudem war ein Familienmitglied Pfarrvikar im nahen Etsdorf und bezeugt in einem Mirakel die Erzählung seines verstorbenen Bruders, der eine weiße Person in der beleuchteten Kapelle Maria Trost gesehen hatte. (49/20)" 

Quelle: Ursprung und Entstehung des Gnadenbildes Maria Trost nebst einem Anhang von Gebeten, Verlag Karl Burgstaller, Kirchberg

 

Lebzelter in Kirchberg 

1663: Wolf Scheer

1682: Eva Sibenhartin macht am 29.4. ihr Testament und stirbt am 2.5.

Vor 1684: Balthasar Sibenhart, bürgerl. Lebzelter

1684: Der Lebzelter Gesöll Elias Holzapfl aus Oberröhberg heiratet Elisabeth, die Witwe des Balthasar Sibenhart, gewester burgerl. Lebzelter in Kirchberg.

1728: Elias Holzapfel und Elisabeth im Haus Nr. 11, ab 1733 nur Elisabeth.

1747: Elisabeth Holzapfl macht im Juli ihr Testament und stirbt am 16.8.1748.

1734 übernimmt Johann Michael Holzapfel mit Gattin Rosalia Regina Haus und Betrieb. Ab 1755 führt sie nach dem Tod ihres Mannes den Betrieb alleine.

1757 ist Joseph Heim mit Gattin Katharina im Grundbuch verzeichnet.
1772: Katharina Heimin, die Gattin des Joseph,  macht am 8.6. ihr Testament und stirbt am 15.6. im Alter von nur 37 Jahren im Haus Nr. 11 (heute Apotheke).
Aus dem Inventar, das nach dem Tod der Lebzelterin Katharina Heimin im Jahr 1772 erstellt wurde, geht deren Besitz hervor:
Wohnhaus                             2000 fl.
Grundstücke                          3350 fl.
Bargeld                                    600 fl.
Warenlager                            1486 fl.
Wein, 568 Eimer                    2341 fl.
Vieh                                         160 fl.
Hausrat                                  2079 fl. 53 xr.
Aktiva                                    9967 fl.   6 xr.
                                            22084 fl. 29 xr.
Ab Passiva                              162 fl. 15 xr.
                                           21922 fl. 14 xr.
An Grundstücken besaß sie 26 ¼ Joch Acker, 4 Tagwerk Wiese, 2 Obstgärten, ¼ Weingarten, 5 Joch Wald, an Vieh 2 Pferde, 4 Kühe, 1 Kalb, 4 Frischlinge, 2 Spanferkel und 2 Schafe.
Ihr Warenlager umfasste 16 Zentner an ungefertigtem gelben und weißen Wachs, fertige Lebzelten und 3 Zentner vorrätiges teil bearbeitetes, teils unbearbeitetes gelbes Wachs
Der Getreidevorrat bestand aus:
166 mezen Korn a 2 fl.        332 fl.
 27 mezen deto a 3 fl.            81 fl.
 36 schöber schaab a 3 fl.   108 fl.
247 mezen haaber              209 fl. 57 xr.
Geschäftsverbindungen hatte sie  nach Mödling, Zwentendorf, Ottenthal und Neusiedl.  

Am 27 Dezember 1751 bezeugt der Kirchberger Bürger und Lebzelter Johann Michael Holzapfel im Mirakelbuch der Kapelle Maria-Trost, dass sein Lebzelter-Geselle durch Anrufung der Mutter Gottes von seinem Bruch befreit worden sei. Dieses Zeugnis hatte wahrscheinlich einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund, denn der Lebzelter und Kerzengießer machte mit der Wallfahrt sicherlich ein gutes Geschäft.

1701: Franz Heim ist bürgerl. Lebzelter in Kirchberg 11 mit Gattin Elisabeth. Er stirbt 1801 mit 31 Jahren. 1801 wird im Grundbuch noch Barbara Haim genannt.

1795: Der Lebzelterjung Joseph Forster stirbt mit 16 Jahren in Kirchberg 11.

1813: Anton Zwickl ist lt. Grundbuch bürgerlicher Lebzelter und Wachszieher in Kirchberg 11, Gattin Marianna geb. Vöglhuber. 

1838: Anton Zwickl jun. übernimmt Haus und Betrieb, Gattin ist Anna geb. Nödl aus Gaindorf. Er stirbt 1861 mit 55 Jahren.

Um 1874: Anton Neugebauer ist Lebzelter in Kirchberg 11.

 

Quellen:
Pfarrmatriken Kirchberg
Bay. HStA, HL Passau, Rep. 51, Verz. 1 Fasz. 5/101
Dissertation von Dr. Franz Eiselt: „Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraumes 1650 – 1806“, Wien 1973
http://de.wikipedia.org/wiki/Lebzelter

 

Februar 2015
Maria Knapp