Perlmuttdrechsler

 

Letzte Änderung: 28.11.2014 

 

In der Antike wurden die Kleider mit Fibeln zusammengehalten, die man immer wieder in Museen findet. Man kannte auch schon Knöpfe, aber nur als Zierde.  Später schloss man die Kleider mit Knöpfen und Schlaufen. Im 13. Jahrhundert wurden in Deutschland die Knopflöcher erfunden, das führte dazu, dass man enger anliegende Kleider schneidern konnte.

Die Knöpfe wurden aus verschiedenen Materialien hergestellt: Holz, Stoff, Zwirn, Horn – und auch aus den Schalen von bestimmten  Muscheln und Wasserschneckenhäuschen.

Mit Hilfe eines speziellen Bohrers wurden die Rohknöpfe aus der Muschel herausgebohrt und in  mehreren Arbeitsgängen, die wegen des feinen Staubes teilweise unter Wasser durchgeführt wurden, verarbeitet. Aus Perlmutt fertigt man auch andere Gegenstände, wie etwa Halsketten, Besteckgriffe, Rosenkränze, Tabatieren, Gemmen und Kameen.

Die Arbeit des Perlmuttdrechslers war keine gesunde. Die Muscheln enthalten Chonchiolin, ein Protein, das der Muschel eine gewisse Elastizität verleiht. Mit dem  feinen Staub beim Bearbeiten der Muscheln, dringt es in Lungen und Knochenmark ein und führt zu Tuberkulose und Knochenentzündungen. 

Perlmuttdrechsler in Winkl

In Winkl sind Anfang des 20. Jahrhunderts Perlmuttdrechsler dokumentiert:

Georg Fellner, geboren 1834 in Gigging, später Inwohner in Absdorf, hatte die beiden Söhne Anton (1867) und Josef (1869). Anton wird im Jahr 1903 als Trauzeuge bei der Hochzeit seines Bruders  Josef bereits als Perlmuttdrechsler angeführt. 

Anton heiratet 1900 Rosalia geb. Hutter aus Goldgeben, Josef heiratet 1903 Maria Belky aus Winkl 37, die Tochter des Schustermeisters Josef Belky und der Katharina, geb. Deimel. Beide Söhne sind als wohnhaft im Haus Winkl Nr. 4 angegeben. Anton wird als Drechslergehilfe aus Absdorf bezeichnet, Josef als Perlmutt-Drechsler. 

Das Handwerk wurde nicht im Wohnhaus, sondern in einem ärmlichen Nebengebäude ausgeübt. 

Nach dem Tod von Josefs erster Ehefrau heiratet er 1913 Theresia John.
Josef Fellner stirbt 1920, Anton 1924.

    
Herr Liebl vor dem Haus der Familie Fellner, die Familie in späteren Jahren im Innenhof - rechts Frau Theresia Fellner. 

Wie lange die Perlmuttdrechslerei in Winkl bestand, konnte nicht festgestellt werden. Auf dem Acker hinter dem Haus konnte man noch vor einigen Jahren bei Feldarbeiten die Reste der Muscheln mit Stanzlöchern finden.

 

 Einrichtung einer Perlmuttdrechslerei 

 
Werkbank des Perlmuttdrechslers


Die Reste der Muscheln
Fotos: Museumsdorf Niedersulz

       
Perlmuttknöpfe: Vorder- und nicht so fein berarbeitete Rückseite

 

In Neustift wohnte um 1903 der Perlmutterdrechslergehilfe Albert Chronstovsky, gebürtig aus Wien. Ob er in der Winkler Perlmuttdrechslerei gearbeitet hat, ist nicht bekannt.

 

November 2012
Maria Knapp