Riemer/Gürtler

 

Riemer war ein Beruf des lederverarbeitenden Gewerbes. Im Mittelalter war die Gruppe der Riemer ein eigenes Handwerk. Die Riemer fertigten aus Leder Gürtel und Gurte, Wassereimer zur Brandbekämpfung, Geschirre für die Zugtiere und - wie der Name sagt - Riemen jedweder Art, etwa für Schuhe, Trommeln und Dreschflegel.  Für seine Produkte benötigte er vielfach kleinere Lederstücke und –reste.

Der Beruf wurde manchmal als Doppelberuf mit dem des Sattlers ausgeübt. Der Beruf zählte zu den ärmeren Gewerben, wobei es der unten angeführte Johann Pisteldorfer doch zu Wohlstand gebracht hat.

 

Riemer

Kirchberg

1639: Hannß Lindtner und Gattin Susanna
1664: Christoph Lindtner, Riemer Gesöll

1663: Hans Wuerzer

1675: Bartholomäus Schindler

1728: Mathias Würth und Barbara im Haus Nr. 21.

1730: Jacob Kurzwörter übernimmt den Betrieb.

Verlassenschaft
Der Riemer Johann Pisteldorfer hinterließ laut Inventar aus dem Jahr 1771:

Wohnhaus                 1500 fl
Bargeld                          30 fl
Grundstücke                550 fl
Warenlager                  275 fl
Vorrätige Leder            991 fl 45 xr
Vieh                             135 fl
Wein, 30 Eimer              82 fl 30 xr
Hausrat                        841 fl 27 xr
Aktiva                           139 fl 51 xr
                                   4517 fl 30 xr
Ab Passiva                 1793 fl 30 xr
                                   2724 fl 

Seine Grundstücke: 9 Joch Acker, 1 ½ Viertel Weingarten, Vieh: 3 Kühe, 1 Kalb, 3 Pferde, 3 Frischlinge 

Das Warenlager bestand aus: 12 Paar Seitenblätter, 11 Paar detto kleinere, 2 Paar schwere Übergurte, 17 Stück dtto kleinere, 2 Paar Stränge mit Messingringen, 1 Paar Halfter, 7 Stück ordinäre detto, 5 Stück kleinere, 16 Stück mittlere, 2 Zaumgurten, 7 Stück detto, 15 Stück Zügel, 5 Stück detto kleinere, 5 Stück detto, 4 Stück Übergurte, 2 Stück gefütterte detto mit Messingschalen, 4 Stück dtto ordinäre, 4 Sprenggurte, 1 Reitgurt, 9 Stück detto, 30 Stück mittlere Bänder, 24 Stück detto, 23 Stück Schmißriemen, 6 Stück mittlere Bänder, 24 Stück detto, 15 Stück größere, 23 Stück Schmißriemen, 55 Stück Nähriemen, 1 Reitzügel, 6 Peitschen, 21 Stockriemen, 2 detto mit seidenen Quasten, 15 Stück schwarze Hosenträger, 15 detto rote, 4 Paar Kniebänder, 50 Pfund Alteisen, 7 Stück ordinäre Halfter, 4 Paar Seitenblätter von mittlerer Gattung, 5 Sprenggurte, 8 Stück Riemen, altes Leder, 15 Stück mangelhaftes Riemenleder, 2 detto, 8 Stück schlechte Riemen, einschichtiges Leder, 1 Zentner Alaun, 5 Pfund Unschlitt, 30 Pfund Alteisen.
An Leder hatte er 149 Stück Häute, 71 Stück detto vorrätig. 
Geschäftsverbindungen hatte er nach Oberstockstall, Winkl, Riedenthal, Unterstockstall, Fels, Mallon, Hausleiten.  

1774: Clara Pistelsdorferin macht am 5.1. ihr Testament und stirbt am 7.1.
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Um 1788: Johann Will, Riemer in Kirchberg. 21 
1798: Johann Will, und seine Gattin Mariana wollen ihr Haus Nr. 21 mit dem darauf radizierten Riemergewerbe versteigern lassen: „Dieses Haus ist mit einem obern Stock, mit verschiedenen Zimmern und Kammern, mit 4 Inleutwohnungen, mit Kühe- und grossen Pferdstall, dann dabey befindlichen Stadel und grossen Weinkeller, und einer grossen Hofmark versehen, und liegt auf den schönsten Platz…“ (Wiener Zeitung vom 6.6.1798, veröffentlicht in ANNO)

Johann Will sen. stirbt 1826 mit 80 Jahren in Kirchberg 2.

1834: Johann Will jun. ist Riemer in Kirchberg 26, Gattin Rosalia geb. Rauchbauer.

1834: Der Riemergeselle Georg Will stirbt mit 59 Jahren in Kirchberg 26 durch einen Sturz.

1855: Das Riemergewerbe im Haus Nr. 30 ist zu kaufen oder zu pachten. (Die Presse vom 19.9.1855, veröffentlicht in ANNO)

 

Sachsendorf

Um 1878 war Wenzel Janota  Gürtler in Sachsendorf 33.

 

Quellen:
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
Bay. HStA, HL Passau, Rep. 51, Verz. 1 Fasz. 5/101
Dissertation von Dr. Franz Eiselt: „Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraumes 1650 – 1806“, Wien 1973
http://de.wikipedia.org/wiki/Riemer


 

Februar 2015
Maria Knapp