Sattler (ephipiarius, lorarius)

 

Letzte Änderung: 28.12.2016

 

 
Abb.: K.k.Hoflith. Haase, Prag, zur Verfügung gestellt von Herrn Herbert Pauritsch sen., Niederschleinz

 

Der Sattler stellte Gegenstände aus Leder oder Stoffen her, die im Umgang mit Nutztieren Verwendung fanden, vor allem Sättel, Zaumzeug, Kummet, aber auch Taschen und er führte Reparaturen an verschlissenen Teilen aus.  Manche haben sich auch auf die Ausstattung von Kutschen spezialisiert, was in unserer ländlichen Umgebung aber sicher weniger der Fall war. Die Sattler übten meist auch das Riemergewerbe aus, da sie das dafür nötige Werkzeug und die Fertigkeit dazu ohnehin besaßen – sehr zum Leidwesen der hauptberuflichen Riemer.

Als gewerbliches Zentrum der Umgebung beherbergte der Markt Kirchberg von jeher einen Sattler. Der Berufsstand  zählte im Gegensatz  z.B. zu den Lederern und Gerbern zu den ärmeren Gewerben

 

Werkzeuge des Sattlers

Nadeln und Ahlen

Sattlerzange

Sattlermonde (Wiegemesser zum Schneiden)

Locheisen

Reifelhölzer zum Einprägen von Verzierungen

Kummetstöcke aus Model für Pferdehälse 

 

Der Sattler und seine Arbeitsgeräte

    
Kummetstock und Sattlernähmaschine - verschiedene Werkzeuge: Schwäbisches Handwerkermuseum Augsburg


      
verschiedene Werkzeuge - Sattlerbank, Heimatmuseum Absdorf



Sattlerwerkstatt, Museumsdorf Niedersulz 

 

Werkstücke 

     

Sättel: Museumsdorf Niedersulz - Heimatmuseum Absdorf - Josef Leuthner, Kollersdorf  

    

Kuhkummet und Stirnjoch, Bauernmuseum Bamberg, Frensdorf - Kuhkummet, Josef Leuthner, Kollersdorf - Pferdeschmuck, Heimatmuseum Absdorf (Leihgabe von Herrn Franz Weiß aus Neustift)

   
Pferdezubehör, Dorfmuseum Mönchhof www.dorfmuseum.at/ - Sattlererzeugnisse, Heimatmuseum Absdorf


Auch Blasbälge für Schmieden und Schlossereien wurden vom Sattler erzeugt.

Hammerschmiede des Josef Pehn in Aggsbach Dorf 

 

Sattler in den Pfarrmatriken 

Engelmannsbrunn

1945: Der Sattler und Landwirt Karl Riepl stirbt mit 53 Jahren in Engelmannsbrunn 45.

 

Kirchberg

1635:  Georg Rug

1655: Caspar Werner oder Weiner mit Gattin Justina

1663:  Adam Schrämbl

1728: Johann Amon wird im Oberstockstaller Grundbuch auf Haus Nr. 26 genannt, Gattin ist Theresia, nach deren Tod ab 1750 Clara. 1760 stirbt Johann Amon, Clara ist Erbin.
Er hinterließ laut Inventar aus dem Jahr 1760:
Wohnhaus                             243 fl 30 xr
Grundstücke                            46 fl 54 xr
Vieh, 1 Kuh                              10 fl
Hausrat                                    19 fl 30 xr
                                              319 fl 54 xr
ab Passiva                             205 fl 25 xr
                                              114 fl 29 xr
Grundstücke: 1 ½ Joch Acker, 1 Obstgarten 

1774:  stirbt Clara Pistldorfer, die Witwe des Sattlers  

um 1775:  Leopold  Graf, Kirchberg 37, er stirbt 1781 mit 63 Jahren

1785/1789/:  Jakob Langer, Sattlermeister auf Nr. 9. Er stirbt vor 1788. Sein Sohn gleichen Namens wird 1789 und 1817 erwähnt.

1818:  Dominicus Bockl? in Kirchberg Nr. 9

1826: Der bürgerliche Sattlermeister Dominikus Leckel stirbt mit 62 Jahren in Kirchberg 9.

1859: Ignaz Dreher, lediger Sattlergeselle, stirbt mit 52 Jahren in Kirchberg 45.

1826/1830: Anton Dworschak, bürgerlicher Sattlermeister
1857: Er stirbt mit 57 Jahren in Kirchberg 44. Gattin war Theresia geb. Beutl.

1886   Der Sattlermeister Franz Steinschneider von Kirchberg 16 heiratet die Schmiedstochter Theresia Herzog aus Neustift. Er stirbt 1924 an Herzlähmung, er war zuletzt in Kbg. 19 wohnhaft.

Um 1930: Leopold Kronister ist Sattler in Kirchberg 22, Gattin ist Hedwig Brauneis.

1954:  Leopold Bohdalovsky beendet seinen Tapezierer- und Lackiererbetrieb, Sattler und Riemer in Kirchberg 34.

 

Kollersdorf

Um 1818: Iganz Hellmer ist Sattlermeister in Kollersdorf.

1807/1817: Ignaz Streller, Sattlermeister in Kollersdorf 18 

 

Neustift

Um 1910 wohnt in Neustift 23 der Sattler Leopold Grausenburger mit seiner Gattin Leopoldine.

 

Oberstockstall

Um 1869: Michael Schallerböck ist Sattler in Oberstockstall 5.

Um 1873: Ferdinand Kokoska ist Sattlermeister in Oberstockstall 10. Er stirbt 1874 mit 33 Jahren in Oberstockstall 21. Es kann sein, dass er seinen Betrieb in Kirchberg hatte. 

1876: Der Sattlermeister August Sklenarsch stirbt mit 33 Jahren in Oberstockstall 49.

Um 1930: Leopold Mempör ist Sattlergehilfe, wohnhaft in Oberstockstall 70.

 

Ottenthal

1954: Johann Ronalter, Nr. 28, beendet das Sattlergewerbe 

 

Unterstockstall

Um 1865: Anton Klauczeck ist Sattlermeister in Unterstockstall 41, Gattin ist Maria geb. Waltenberger.

1945: Der Sattlermeister Leopold Grausenburger stirbt in Unterstockstall 18 mit 61 Jahren.

 

Winkl

1954 beendet Rudolf Ebentheuer (1907-1968)das Sattlergewerbe

 

 

Quellen

Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram

Dissertation von Dr. Franz Eiselt: „Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraumes 1650 – 1806“, Wien 1973

Rudi Palla: Verschwundene Arbeit, Wien-München 2010

 

September 2014
Maria Knapp