Schäfer

 

Letzte Änderung: 28.6.2016

 

Das Weiderecht ermöglichte es der Dorfobrigkeit, gemeinsam mit den Bauern ihr Vieh auf die Gemeindeweide, das Brachfeld und abgemähte Wiesen zu treiben. Ab dem 16. Jahrhundert errichteten viele Herrschaften in den Orten Schäfereien. Da Schafe sehr genügsam sind und das Gras und Unkräuter so tief abfressen, dass für andere Tier nichts mehr bleibt, hatten die Bauern wenig Freude damit.
 
In Altenwörth dürfte die Herrschaft Grafenegg einen Schafstall betrieben haben. Ein Dokument über die Herstellung des Stalles befindet sich in den Unterlagen der Herrschaft im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien.
 
„Panzettel.
Altenwerdter Schafstall.
1590sten.
 
Anno 1590 dem 19 Tag Augusti Ist Zwischen dem Herrl. Bernhardten Thurzo von Bettlehsnsdorf Graffen zu Zipß Und Freyherrn zu Wögnitz, auf Graffenekh Aines und des Brüedern Thomas Schnell und Matheuß Praunfuchs, Albes Zimerleuth zue Schärkhowiz Anderstails. Ain aufrichtige Berednuß und gedinge beschehen und beschloßen worden von wegen eines Tachwerchs auf den Schafstal und Schäferhauß zu Altenwerdt wie volgt
 
Die Leng dises Paus ist zway hundert und sibenzig schuch, weitt neun und zwainzig Schuch,    Zu disem Paw sollen die Zimerleuth das Holz aus harkhen, demnach die Wanndrueten zu baiden seütten nach der Leng auflegen, auf die Wanndrueten die träm sovil vonnöten sein.
Under die träm ein Durchzug mit Laisten und Seüllen soviel vonnöten ist, Auch die gespen abbinden und aufsezen, unnd unden umb und umb zwo Schar mit schindlen aufdekhen, desgleichen fünf thür gestell ins tach machen sambt den thüren darfür, auch die Laisten umb und umb aufmachen, den Poden sollen sie auf diese … mit Runden stangen durchaus auflegen.
Item fünff thor mit Seüllen Anglen und Spangen machen. Ins Schäfferhauß vier thür gestell sambt den thüren darzue machen und zwo stiegen von Laden machen das man von ainem Boden auf den andern gehen khan.
Item in ein Khüestall hundert Schuch land zu beden Seütten die Pärn von Laden machen sambt den Seüllen darunder darauf die Bärn ligen und den Küestall mit Laden zu baiden Seütten Böden Schwöller legen und mit Aißernen neglen aufnaglen,    Auch zu baiden Seuütten künnen hinder den Küen machen, und das Bodenholz sollen die Zimmerleuth im Waldt aussuchen und umbhakhen.
Item ins Schafferhauß Ain Tisch und die Benkh in die Stuben.
Ein Thür gestell und ein Thür für den Keller Auch die Fenster ins Tach soviel Je vonnöten sein, die Latten aufschlagen und mit schindlen deckhen, des gleichen auf dem Kottsaz … aufsezen, Latten und mit schindlen dekhen.
Item ein Pruekh über ein Gräben mit fünf Jochen .. iedes Joch drei stekhen Schlagen, und in ides Veldt vier Aimßbaum und Sträholz auf die Aimßbaum legen, darnach kans der her mit Peüsch überlegen lassen, und mit Ruß uberschütten.
Die Zimerleüth sollen auch den Stadel spreitzen./.
Item zwo Kamern under dem Tach machen mit Schwöller Seüllen Riglen und Wanndruetten darauf, mit Laden verschlagen und in ieder Kamer ein Thürgestell sambt der Thür darzue.
Zu solcher Arbeit solle der Her den Zimerleüthen allen Zeug auf den Plaz stellen und füren lassen Wo man mit Schindel runden herumb dekht soll der Her geschnittene Latten darzue stellen lassen deßgleichen zum Schäfferhauß. Und innen hilf gnueg lassen zum aufsezen . Was hierinen nit gemelt ist sein die Zimerleüth nit schuldig in diß geding zumachen.
Von solcher Arbeit gibt der Herr den Zimerleüthen zu Lohn wie volgt
Korn                           Zwainzig mezen
Waiz                            Vier mezen
Gersten                       Zwey metzen
Schmalz                      Vier Achtel
Salz                             Acht Khüeffel
Guett Rindfleisch        Zwey Cennter
Guet Pier wie man Auf den Khauf
iedes Faß zu Vier Emer          Vier Faß
Wein                           Zwey Emer
Par gelt                      Hundert und Zwainzig gulden
Der Her soll inen solches Traidt und Mautfrey mallen lassen und Innen solches gelt und zue gehör geben lassen wenn sies fordern, Wenn der Thoman oder sein mitgehilf zur arbeit Schauen, soll Innen der Herr die notdurfft habern auf iro Roß und ihr under haltung geben lassen, Auch die Herbrig sambt dem abgehaltenen Schuz Gartten füetterung auf die Küe, In Suma soll Mit allen sachen gehalten werden Wie in der Müll Panzettel vermeldt ist.
Deß zu Urkhundt und Sicherhait solches steiff zuhalten sein solchen Zetteln zwo gleichlautend mit ainer hand geschrieben derl. ieder tail ains zuhaden angenumen Im stal ains verloren oder verlegt wurde soll doch die ander C… gelten.
 
Es ist auch sunderlich beredt worden, das der her das gepaüd auf seinen Costen will latten und mit stro dekhen lassen.
Bernhadt Turzo                      Thoman Schnell
Herrschaft …
 
Den 6 Octobris in .. davon göben      73 fl
Denselben Tag Schmalz …                4
Khorn 2 Metzen
Waiz    11/2 Metzen“
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Einige Jahre später:
 
"Der Herrschaft Hof daselbst in welchen 100 Joch Ackher und 106 Tagwerk Wißmath gehören, wird järlich an von 85 Joch Ackher so die Herrschaft selbst bebaut,
ain Schäfferambt 600 Tragschoffen so sindt jarlich und wider
ainhundert Vierzig Stuckh Melkkhue und ainen Stier im Bestande,
verlassen umb sibenhundert Gulden Reinisch
die werden auf zwen Trenn als Ostern und Michaeli bezalt.
dient . . . . . 700 f
und Viertzig Schaffen zu Michel"
 
Quelle: AT-OeStA /HHStA SB HA Grafenegg Handschriften 73 Engabrunn, Grundbuch 1604:
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In einem weiteren Dokument sind die Äcker des Frauendorfer Schafmeisters aufgezählt:
 
„Actum Gravenegg beÿ Verfassung der Dominical Fassion
den 1. und 2. Maÿ 1751
Ackher, welche nachfolgende bestand Leüth genüssen
 
Schaffmaister zu Fraundorf welcher ob ieder Joch 1 f Bestand reicht.
 
1 Joch Krauth Acker gleich beÿ dem Hof, Zehent und bestand freÿ. 10 f
2 kleine Joche in Gründl Feld Fraundorffer Freÿheit. à 10 f
1 Joch gleich am Hof-Stadl in obigen Feld und Freÿheit. 8 f
1 Joch beÿ des Michael Mann sein Gartten zu Pierbaum obiger Freÿheit. 10 f
4 Joch in Güssfeld gemelter Freÿheit. à 20 f
2 Joch in Großen Feld auf die Landstrass stossend gedachter Freÿheit. à 16 f
3 Joch beÿ der Landstraß Freÿheit wie oben à 20 f
9/3 Joch in Kürchberger Weeg Neistüfter Freÿheit. 20 f, 60 f, 12 f
1 Joch in Parzer Feld obiger Freÿheit. 12 f
4 Joch widerumben in Parzer Feld obiger Freÿheit. à 12 f
1 Joch im Donau Feld Fraundorfer Freÿheit. 8 f
2 Joch in diesem Feld und Freÿheit. à 8 f
1 Joch in Kaa obgedachter Freÿheit Bestand-freÿ. 12 f
1 Joch beÿ der Land-Strass Fraundorfer Freÿheit. à 20 f
1/8 Joch zum Krauth in Pointen, bestand-freÿ à 2 f“
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Schäfer in den Pfarrmatriken

Engelmannsbrunn
1867: Der Schafhirt Franz Wakersreiter stirbt mit 42 Jahren in Engelmannsbrunn 15.
 
Mitterstockstall
1655: Christophours Pusch ist Schafhirt auf Schloss Winkelberg, Gattin ist Veronica.
Um 1793: Joann Karl Reinagl ist Schaafmeister in Mitterstockstall 6.
Um 1818: Karl Reinagl ist Schafmeister in Nr. 1.
1825: Regina, das Ehweib des Schafmeisters Karl Reinagl, stirbt mit 85 Jahren in Mitterstockstall 6.
 
Neustift
1797: Der Schafhirt Johann Holzer stirbt mit 38 Jahren in Neustift 60.
 
In Winkl betrug der Schaftbestand der Bauern:
Topografische Tabelle 1817: 80 Schafe
Franz Xaver Schweickhardt, um 1830: 77 Schafe
Franziszeische Operate, um 1830: 100 Schafe
In der heimatkundlichen Stoffsammlung aus dem Jahr 1948 werden keine Schafe mehr genannt.
In den anderen Orten dürften die Bestände ähnlich gewesen sein. 
 
 
Juni 2016
Maria Knapp