Schiffmeister, Schiffsknecht

 

Letzte Änderung: 28.12.2016

Auf den Donauschiffen gab es verschiedene Aufgaben, die nur ausführen durfte, wer diesen Beruf auch erlernt hatte. Eine dieser Tätigkeiten war die des „Schiffsknechts“. Während die Fahrt die Donau hinunter zügig vor sich ging, brauchte man zum flussaufwärts fahren kräftige Pferde, die „Hochenauer Rosse“, die von den Schiffreitern geritten wurden und mit Seilen die Schiffe donau-aufwärts zogen. Für kleinere Schiffe reichten fünf Pferde, größere Schiffe benötigten bis zu 30 Pferde, die wegen der Anstrengung auch viel Futter brauchten.

Der Schiffverkehr auf der Donau brachte für die anliegenden Gemeinden Arbeitsplätze: Man brauchte Hufschmiede, Schiffbauer, Seilermeister, die Pferde wurden von Bauern gezüchtet. Die Lastenträger brachten die Waren an den Bestimmungsort. Die Fasszieher bildeten eine eigene Berufsgruppe und zogen die Fässer aus den Schiffrümpfen. Damals wurde alles Mögliche in Fässern befördert – neben Wein auch so ungewöhnliche Dinge wie Sensen, Sicheln oder Bücher.

Der Treidl- oder Treppelweg, wie der Weg entlang der Flüsse bezeichnet wurde, auf dem die Pferde gingen, war oft felsig, morastig oder sonst unwegsam – also für die Pferde mühselig zurückzulegen. Die Schiffreiter waren oft wilde Gesellen, von denen jeder im Zug eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hatte.


Text und Foto: Bauernbündler 1965

 

Im "Handbuch für Orts-Richter" aus dem Jahr 1840 findet man Bestimmungen über die Instandhaltung der Uferbereiche der Donau: "Um die Gefahren bey Wasserfahrten zu beseitigen, ist vor allem dafür zu sorgen, daß alle gefährlichen Hindernisse der Schifffahrt beseitiget werden. Daher ist verordnet, daß diejenigen, welche an den Ufern der Donau Gründe oder Auen besitzen, die in der Nähe befindlichen Stöcke und Bäume hinwegschaffen. Schiffmühlen, Wasserwerke und andere Gebäude innerhalb 10 Klafter an den Ufern der Flüße, dürfen nirgends, ohne kreisämtliche Bewilligung errichtet, oder die bereits errichteten verändert, oder willkührlich versetzt werden."

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Pfarrer Dedelbacher hat in der Pfarrchronik Altenwörth einen Artikel der Schifffahrt gewidmet. Da dieser nicht datiert ist, kann man nur das Datum zwischen 1915 und 1936 annehmen: 

Die Schifffahrt auf der Donau
Da Altenwörth an der wichtigsten Verkehrsader von Österreich-Ungarn, an der Donau liegt, so sei dem Donaustrom ein kurzes Kapitel des Gedenkbuches gewidmet.

In den letzten Jahren schlief selbst das Wasser den Dornröschenschlaf, denn es mutet einen wehmütig an, daß dieser schöne Wasserweg nicht mehr ausgenützt wird. Hoffentlich wird es in Zukunft besser! Wer aber das Einst vor nur 60 Jahren mit heute vergleicht, findet es kaum glaublich, daß in dieser kurzen Zeit von all den Sitten und Gebräuchen und von der mit dem damaligen Leben und Treiben verbundenen Poesie so wenig übrig bleiben konnte, daß ein einst blühendes Handwerk, der Bau von Holzschiffen beinahe völlig verschwunden ist. – Die schweren Holzschiffe /: Kehlheimer, Gams, Plätten :/ waren abwärts mit Schnittholz beladen, die „Trauner“ etwas leichter gebaute Holzschiffe, brachten Kufsteiner hydraulischen Kalk und Zement, auch Bretter, Staffeln, Schindeln und Werkholz, die langgestreckten, vorne und rückwärts scharf zugespitzten, aber dabei noch immer sehr schweren „Simmerin“ genannten Schiffe brachten Granitwürfel für das Wiener Straßenpflaster aus Mauthausen, Bruchsteine aus Mauthausen, Spitz, Dürnstein und Rossatz, die bedeutend kleineren „Trauner und Waidzillen“ waren mit Fragnerwaren (Butter, Eier, Käse, Topfen, Gemüse aller Art u.s.w.) befrachtet, eine besondere Art „Waidzille“, „Öbstlerzille“ genannt, wurde zur Beförderung der in der Wachau massenhaft gewonnenen Marillen, Pfirsiche und Äpfel verwendet und nicht vergessen dürfen werden die „Flöße“ welche in ungeheuren Ausmessungen angefertigt, mächtige Baumstämme als Bauholz, aller Arten von Werkholz (Laden, Pfosten, Staffeln, Fensterlatten u.s.w.) aber auch Schwemmholz von den Holzrechen an der Mündung der Erlauf, Pielach, Traisen u.a., Zement, Gips, Kehlheimerplatten u.s.w. beförderten. Einer sehr beliebten Fahrgelegenheit für Personen nach Wien mag hier auch gedacht werden, d.i. die Fischfuhr, die heute nicht mehr zu sehen ist. Zwei ganz schmale, lange Boote werden aneinander so befestigt, daß zwischen ihnen noch Raum für Fischkörbe bleibt, das sind aus Weidenruten geflochtene , 3 bis 4 m lange, zylindrische Körbe. Diese mit Fischen gefüllten Körbe werden zu beiden Seiten der Kähne befestigt und bilden so ein sehr sicheres Floß. Darum war auch der Hollenburger Fischer nicht wenig stolz, als der Abt des Augustiner Chorherrenstiftes „Herzogenburg“ mitfahren wollte und fragte: „Ist das Fahrzeug aber auch sicher?“ und antwortete ebenso sicher: „Oba Gnoden und Proloden, ich hab schon so viel Fisch noch Wian geführt und ist man no koana dasuffa!“ – In Wien war das nun gänzlich verschwundene „Schanzl“, die heutige „Elisabethpromenade“ der Stappelplatz für das zugeführte Obst, wo es von den „Fassern“ und Fasserinnen“ übernommen und an die Verkaufsstellen, auf den „Naschmarkt“, den „Mehlmarkt“ (=Neuer Markt) u.s.w. gebracht wurde. – Für das Holz war die Brigittenauerlände, für die Steine das dieser gegenüberliegende Ufer in der Leopoldstadt der Hauptablagerungsplatz. – Am Hinterteil dieser Fahrzeuge („Stuja“ genannt) war gewöhnlich eine kleine Hütte mit Schlafstellen, Kochherd, Mundvorrat u.s.w. angebracht, und sowohl vorne als rückwärts war quer über die Scheiter eine Brücke gebaut, bis zu welcher zwei mächtige Ruderbäume reichten, an welchen zwei mächtige Pfosten, die „Laffeln“ festgenagelt waren, und als Steuerruder verwendet wurden.

Spezifische mundartliche Ausdrücke der Schifffahrer:

a) Haufen = kleine Insel

b) Schöfried = Reitweg für die Schiffe (Ried = das Gerodete, weil Bäume und Sträucher unmittelbar am Ufer wegen der notwendigen freien Bahn abgehauen, gerodet werden mußten.

c) Das Treibleinl = war das Seil an dem die Zugpferde angespannt wurden.

d) Reitstock = d.i. ein 50 bis 60 cm im Durchmesser haltender, 2 m. tief eingegrabener Baumstamm, der ungeführ 1 m lang aus dem Boden herausstand und diente zum Befestigen des Treibleinls.

e) Roßplätten = das waren starke, breite Boote, für das Übersetzen der Pferde, und in einem solchen hatten oft bis zu 20 Pferde Platz.

f) Spaholz = das ist ein 4 – 5 m langer Baumstamm mit einem spitzen und einem stumpfen Ende, welche beide mit eisenen Schuhen bekleidet, und mittelst eines kräftigen Taues am Schiffe gestgehalten wurden; es verhinderte das Anprallen eines Schiffes ans Land.

g) Naufärch = Ferge, Führen der nauwärts (abwärts führt, Lotse, … also ein gründlicher Kenner des Fahrwassers.

h) Die verlorenenen Mandln = das ist eine kleine Abteilung der Schiffsmannschaft, deren Aufgabe es war, dafür zu sorgen, daß das Treibleinl immer in der Luft schwebte; diese fuhren daher in einer kleine Zille, dem Seile entlang und hoben dasselbe über Hindernisse, wie Steine und Baumstämme hinweg. Diese Arbeit war mit steter Lebensgefahr verbunden.

i) Sandbank = ein Schotterhaufen. 

Schilderung eines Schiffszuges

Oft bis 60 Pferde lagen „im Geschirr“. Von weither erscholl der Lärm, ein scharf grelles Gewieher der kräftigen Pinzgauer, deren Wildheit durch Beißkörbe gekennzeichnet war. Knechte saßen rittlings mit kurzer Peitsche auf diesen Hengsten , die den Wellsand der Treppelbahn zu einer undurchsichtigen Staubwolke aufwirbelten. So weit das Auge reicht, schloß sich Kehlheimer an Kehlheimer und zwischendurch glitten mit raschen Ruderschlägen die Waidzillen, mit denen der Rapport der Nauführer mit den einzelnen Fahrzeugen vermittelt wurde. Lange Hackenstangen knirschten in den Kieseln.

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Schiffleute und Schiffbestand an der Donau von Passau bis Wien anno 1566…

Auszug aus einem Artikel von Hans-Heinrich Vangerow im „Historischen Jahrbuch der Stadt Linz“, 1985

„Die Schiffmeister gehörten wohl auch schon damals dem Unternehmerstand an, denn sie mussten nach der Beschreibungsvorgabe eigene Rosse für die Stromauffahrt, den sogenannten Gegenzug, sowie eigene Schiffe nebst Ausrüstung besitzen. Da sie am und vom Heimatort aus einen Großteil ihrer Geschäfte abwickelten, dürften sie bei der 1566 durchgeführten Bestandsaufnahme ziemlich vollzählig erfasst worden sein. Anders verhielt es sich dagegen mit ihren Angestellten, den die Schiffe bzw. Schiffzüge als Führer begleitenden Naufergen, und gar erst den Schiffknechten, die das Hauptkontingent der Mannschaften bildeten. Sie waren während der Visitation vielfach mit Ladungen unterwegs und daher nicht 'anheimb' gewesen. Soweit die Letztgenannten zur Untermiete wohnten oder als fremde Knechte auftraten, enthielt sie zudem keine Zunftliste.“

Schiffmeister, Naufergen und Schiffsknechte in der Umgebung im Jahr 1566:
                        Meister            Naufergen        Knechte
Grafenwörth     2                       -                       4
St. Johann        2                      -                     11
Seebarn            -                      3                       -
Altenwörth        -                       -                       8
Winkl                -                       -                       4
Utzenlaa          1                       -                     13
Zwentnedorf    2                       1                     11
Maria Ponsee  -                        -                       4
Neuaigen         1                       -                       4
 
Namentlich genannte Schiffmeister
Utzenlaa           Varsthoffer Hännsl
St. Johann        Feuerer Sigmundt
St. Johann        Gehettinger Hannß
Grafenwörth     Hausher Matheus
Grafenwörth     Otter Michell
 
Namentlich genannte Naufergen
St. Johann        Gehettinger Michell
Grafenwörth     Hausher Matheus
Grafenwörth     Otter Michell
Seebarn           Cittnwaiz Daniell
Seebarn           Löffler Larennz
Seebarn           Waizschuester Georg 
 
Der Schiffmeister Matthäus Hausher aus Grafenwörth besaß 2 Siebnerinnen und 1 Viererin.
Fremden Schiffleuten gehörten in St. Johann 1 Klobzille und 2 alte Siebnerinnen.
Für den Schiffknecht Bartholomäus Pauer aus Altenwörth wurde 1 Siebnerin vorgetragen.
Der Schiffmeister Hans Varsster aus Utzenlaa hatte 2 Siebnerinnen dort liegen.
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Die „Siebnerin“ hatte ihren Namen von der Anzahl der Bodenplanken. Diese erstrecken sich über die gesamte Länge des Rumpfes. Bis zu sieben Fuder Salz konnten mit einem solchen Kahn transportiert werden. Wegen seines hochgezogenen Bug- und Deckbereichs gilt es als eines der erfolgreichsten und schönsten Schiffe der früheren Donauschifffahrt. Das Schiff bestach durch seine besonderen Linien, den hochgezogenen Bug- und Heckbereich, den historischen Ruderstand sowie die beiden 20 Meter langen Ruderbäume.
In Regensburg wurde eine Siebnerin nachgebaut und dient als Ausflugsschiff.
Quelle:
http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/leinen-los-fuer-salzschiff-siebnerin-21179-art1228305.html

Schiffszug, dargestellt im Schifffahrsmuseum Spitz an der Donau mit Originalgeschirr aus dem 19. Jahrhundert.

 

Schiffknechte in  Pfarrmatriken und Dokumenten

Altenwörth

Der Schiffmann Jacob Köberl stirbt vor 1851 in Altenwörth.

1826: Josepha Emerer, Tochter des Schiffmannes Andre Emerer, heiratet den Nachbarn Joseph Fölz in Preuwitz.

1859: Johann Kitzberger ist Schiffmann und Taglöhner in Altenwörth 5, er heiratet Anna Hittinger. 

1863: Der Schiffmann Michael Strandl heiratet mit 31 Jahren die in Wien geboren Maria Artmann.

1866: Der verwitwete Schiffmeister Johann Grötzl von Altenwörth 44heiratet mit 63 Jahren in Krems seine 50jährige Haushälterin Theresia Mühlberger.

Um 1869: Johann Nirnberger ist lediger Schiffmann in Altenwörth, er wohnt aber in Sachsendorf 39.

Um 1891 lebte in Altenwörth 35 der Schiffmann Josef Weidlinger.  

Um 1896: Anton Weidlinger ist Schiffmann in Altenwörth 6.

 

 

St. Johann / Seebarn

Johann Knapp (geb. vor 1695) ist Schiffknecht in Unterseebarn.

Um 1729: Joseph Bartl ist Schiffmeister in St. Johann. 

1773: Antonius Rabenbauer ist Schiffknecht in St. Johann.

1787: Anton Amon ist Schiffknecht in St. Johann.

Andreas Emmer (oder Emerer) war Schiffmann in St. Johann, wo um 1800 auch seine vier Kinder geboren wurden. Tochter Theresia heiratete den Fischermeister Leopold Strappler, Sohn und Enkelsohn waren Viktualien- bzw. Obsthändler.

1847: Franz Eck ist Schiffmeister in St. Johann 21.

1784: Joseph Diedl ist Schiffmeister in St. Johann.

Um 1826: Leopold Böch ist Schiffmann ist St. Johann.

Um 1869: Johann Köhrer ist Schiffmeister in St. Johann 11.

1847 heiratet der Schiffmann Franz Eck aus St. Johann 21.

 

Winkl

1819: Der Wasser-Fuhrmann Leopold Haikel aus OÖ stirbt im Granitzhaus in Winkl an einer Kolik. Er wird in Winkl begraben. 

1822: Der Schubmann Johann Rausch stirbt mit 56 Jahren in Winkl.

 

 
Holzfloßmodel um 1850, MuseumKrems

 

 

Maria Knapp
Februar 2012