Schlosser (faber claustrarius)

 

               Schul-Wandbild der Schule Niederschleinz, Verlag F. Tempsky, Prag
zur Verfügung gestellt von Herrn Herbert Pauritsch sen.

 

Letzte Änderung:  31.12.2016

 

Der Schlosser, der sich schon vor einigen Jahrhunderten vom Schmied abgesondert hat, beschäftigt sich auch mit Metall, spezialisierte sich allerdings auf Bereiche, die nicht nur die Landwirtschaft betrafen: Er fertigte vor allem Türbeschläge und Schlösser an, die immer raffinierter wurden. Auch heute noch eröffnet sich diesem Berufszweig ein vielfältiges Arbeitsgebiet, wie etwa die Anfertigung von Zäunen, Toren, Geländern und anderen Werkstücken rund ums Haus.

 

Abbildungen von Werkzeugen und Texte
aus dem Büchlein „Schlosserarbeit für den Hausgebrauch“ von Prof. Julius Hoch, aus der Lehrmeister-Bibliothek, ca. 1930: 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Amboss und Gesenke 

Bankambosse sind mit einem oder mit zwei Hörnern oder mit einer Stauchplatte versehen. Zur Herstellung kleinerer sorgfältiger Arbeiten dienen die verschieden geformten Stöckel (Abb. 24), welche mit ihrer unteren pyramidalen Angel in das Loch der Ambossbahn gesteckt werden. Sollen Arbeitsstücke eine ganz bestimmte Form erhalten, was allerdings meistens nur bei genügender Erwärmung möglich ist, so bedient man sich der sogenannten Gesenke, welche meistens aus zwei Teilen bestehen. Das Untergesenk (Abb.25), wird mit seiner Angel in das Loch der Ambossbahn gesteckt; seine obere Aushöhlung entspricht dem unteren Teil jener Form, die hergestellt werden soll. Das Obergesenk (Abb. 26) ist meistens wie ein Hammer an einem Stiel befestigt und zeigt eine dem anderen Teil des herzustellenden Gegenstandes entsprechende Aushöhlung. Die eine ganze Reihe von Untergesenken vereinigende Gesenkplatte findet naturgemäß nur in größeren Werkstätten Verwendung. 

 

 

 

 

Die wichtigsten Teile eines Schlosses

Schlüssel

Der Schlüssel ist jener Teil des Schlosses, der von den übrigen Teilen vollständig getrennt ist, der dazu bestimmt ist, die befugte planmäßige Verschiebung des Riegels zu bewirken, oder der die die Bewegung des Riegels hindernden Schloßteile, Zuhaltungen genannt, so einzustellen, daß eine Verschiebung des Riegels durch die Einwirkung eines besonderen Drehgriffes ungehindert erfolgen kann.

Die wichtigsten Teile eines Schlüssel sind der Bart mit dem Zäpfchen, welches den Zweck hat, dem Schlüssel in einem Loche des Schloßbleches als Führung zu dienen, das Rohr mit dem Gesenke und der Ring oder die Räute oder die Raute. Früher wurden möglichst große und kräftige Schlüssel angefertigt, während man in der neueren Zeit sich immer mehr bemüht, möglichst kleine Schlüssel zur Verwendung zu bringen, schon deshalb, weil infolge des neuzeitlichen wirtschaftlichen Lebens fast jeder Mensch genötigt ist, mehrere Schlüssel stets bei sich zu führen.  

 

Federn

Fast alle im täglichen Gebrauch vorkommenden Schlösser bedürfen zu ihrer planmäßigen Betätigung der Federn. Versagt eine solche Feder, so kann unter Umständen der Zweck eines Schlosses ganz in Frage gestellt werden. Deshalb wird bei besseren Schlössern die Verwendung der Federn möglichst eingeschränkt, wodurch allerdings auch auf eine gewisse Einfachheit der Bauweise verzichtet werden muß.  Die am meisten zur Verwendung kommende Federform ist die sogenannte Blatt- oder Spiralfeder (Abb. 87), welche aus einem bandförmigen Stück Stahlblech gewunden wird. Weil die Wirkung einer jeden Feder um so besser ist, je weiter deren Ende von dem Mittelpunkt entfernt ist, werden manchmal sogenannte Stangenfedern (Abb. 88) benützt, bei welchen die Stange unter 90° gegen die aufgerollte Feder abgebogen erscheint. 

 

  

Die einfachen Schlösser

Das einfachste, nur für untergeordnete Räumlichkeiten zur Verwendung kommende Schloß ist das Kasten-Riegelschloß (Abb.89), mit nur einem Riegel. Dieser wird durch einen Schlüssel bewegt, der durch ein Schlüsselrohr geführt wird. Der das Schloß nach allen Seiten umschließende Kasten liegt auf dem Türrahmenschloß auf, während das Schlüsselrohr durch ein entsprechendes Bohrloch in dem Rahmenholz hindurch bis nach der anderen Türseite reicht. Hierher gehören auch die Knopfriegelschlösser, welche einen Riegel erhalten, dessen Schaft mit seinem Ende aus dem Kasten hervorragt und hier einen Knopf erhält, so daß mit dessen Hilfe der Riegel betätigt werden kann, ohne daß ein Schlüssel gebraucht wird

  

Ein aufwändigeres Schloss und ein Vorhängeschloss 

 

 

Schlossmodelle und Schlüssel aus dem Handwerksmuseum Augsburg   

  

  

Schlösser und Schlüssel aus dem Schlossereimuseum in Traismauer

 

 

Verschiedene Schlösser und Bänder 

  

 

 

Schlosser in den Pfarrmatriken 

Engelmannsbrunn 

1655: Ursula Röschin, Schlosserin

 

Kirchberg

1663: Hans Resch

1663: Jakob Hierndl

1728: Thomas Nagl, Schlosser im Haus Nr. 27, Gattin Regina

1762: Johann Georg Nagl, Gattin Magdalena

1769: Thomas Nagl hinterließ hinterließ laut Inventar:

Wohnhaus                             200 fl
Grundstücke                          600 fl
Hausrat                                    61 fl 15 xr
Aktiva                                       38 fl
                                               899 fl 15 xr
ab Passiva                             157 fl 25 xr
                                               741 fl 50 xr

Um 1789: Georg Nagl Schlosser
1791: Der bürgerl. Schlossermeister Georg Nagl stirbt mit 58 Jahren in Kirchberg 27.

1793 übernimmt Johann Höcht Haus und Betrieb. er stirbt 1795.

1801: Der ledige Schlossergesell Franz Steinbacher stirbt in Kirchberg 27 mit 20 Jahren.

Um 1822/40:  Friedrich Kronemann ist Schlossermeister in Kirchberg 35. Gattin ist Johanna geb. Weigel.

Um 1865: Ludwig Dewisch ist Schlossermeister in Kirchberg 35, Gattin Katharina geb. Metzger. Er stirbt 1870 mit 43 Jahren

Um 1875: Michael Karlchhauser ist Schlossermeister in Kirchberg 53.

Um 1916: Oskar Josef Klimt ist Schlossergeselle in Kirchberg 17, seine Gattin Katharina, Tochter des Spenglermeisters Hieronymus Mikschl.

1938 stirbt der Schlossermeister in Ruhe Friedrich Dewisch mit 76 Jahren in Kirchberg 88.
1938 stirbt er Maschinenschlossermeister Ludwig Dewisch mit 43 Jahren.

1953 meldet Johann Holzschuh das Schlossergewerbe in Kirchberg 72 an.

1961: Kitzler Josef, Landmaschinenhandwerk, Schlossergewerbe, Bahnhofstr. 133 

Um 1940: Johann Holzschuh ist Schlossermeister in Kirchberg 72.

 

Oberstockstall

Um 1776 ist Theophilus, vulgo Gottlieb Pachner Schlosser in Oberstockstall

 

Unterstockstall

Um 1842/47: Michael Kalchhauser ist Schlossermeister in Unterstockstall 42, Gattin Rosina geb. Mühlberger. Er stirbt 1876 mit 69 Jahren.

1811: Der bürgerl. Schlossermeister Johann Hecht stirbt mit 54 Jahren in Unterstockstall 20. Er dürfte der Sohn des in Kirchberg erwähnten Schlossers gleichen Namens gewesen sein.

 

 


Quellen:
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
 
Bay.HStA, HL Passau, Rep. 51, Verz. 1 Fasz. 5/101

 

Februar 2013
Maria Knapp