Schmied (faber ferrarius)

 

Letzte Änderung: 14.4.2017

  
Schul-Wandbild der Schule Niederschleinz, Verlag F. Tempsky, Prag
zur Verfügung gestellt von Herrn Herbert Pauritsch sen.


Zunftzeichen aus der
Hammerschmiede des Josef Pehn 
in Aggsbach Dorf


Mit seinem Bezug zu Wasser und Feuer ist der Hl. Florian einer der Schutzpatrone der Schmiede.
Hammerschmiede des Josef Pehn in Aggsbach Dorf

 

Der Schmied gehört zu den ältesten Berufen. Schon in der Bronzezeit (vor ca. 4000 Jahren, siehe Bericht über die Schmiedin von Geizendorf,  http://www.epoc.de/alias/Oesterreich/die-erste-schmiedin-der-fruehbronzezeit/1166726)  und später in der Eisenzeit (vor ca. 3000 Jahren) war er in den Dörfern anzutreffen. Alles  aus Eisen hergestellte wurde von ihm bearbeitet. Der Schmied befriedigte in erster Linie die Bedürfnisse der Landwirtschaft. Durch den Übergang auf neue Techniken und komplexe Arbeitsgeräte hat er Großteils seinen Arbeitsbereich verloren. 

         
Fotos: Schlossereimuseum in Traismauer, NÖ  

 

Die Hammerschmiede in Aggsbach-Dorf

In der sehenswerten ehemaligen Hammerschmiede in Aggsbach-Dorf kann man einen funktionstüchtigen, wasserbetriebenen Hammer sehen. Blasbalg und Schleifstein sind ebenfalls von je einem Wasserrad betrieben.


Der mit Wasserkraft getriebene Hammer

  
Esse - Blasbalg
  
Grindlbaum - Hammer und Stock

  
Zwei der drei Wasserräder - der wasserbetriebene Schleifstein 

  
Amboss - Winde und Schleifstein

Alle Fotos: Hammerschmiede des Josef Pehn in Aggsbach Dorf 


Sogenannte Feldschmiede, die zu Arbeiten auswärts mitgenommen wurde.
Foto: Erlebnismuseum Schönbach im Waldviertel

 

Geräte des Schmieds:

Das augenfälligste Werkzeug ist der Amboss, auf dem er das heiße Eisen schmiedet.
Dazu braucht er eine Feuerstelle (Esse), die mit Kohle geheizt wurde, um das Eisen zu erhitzen.
Der Blasbalg pumpt Luft in die Kohle, um sie zum Glühen zu bringen.
Schürhaken, Feuerzange und Kohlenkelle liegen bei der Esse bereit.
Mit Vorschlaghammer, Schmiedehammer und weiteren Hämmern bearbeitet er das Eisen vom groben Ausgangsstück bis zum feineren Endstück.
Verschiedene Zangen dienen zum Halten und biegen der Werkstücke.
Im Amboss befindet sich ein Loch, das sogenannte Gesenkloch, in welches verschiedene Gesenke eingefügt werden können, um darauf das Eisen weiter zu bearbeiten. 
Der Vierkantdorn ist ein längeres Eisenstück mit Löchern, durch die man das Werkstück steckt, um es so leichter biegen zu können.

Fotos von Schmiedewerkzeugen finden sie auch unter: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/berufe-von-frueher/schlosser

 

Spezialisierung

Infolge der vielfältigen Materialen, die bearbeitet werden konnten, spezialisierten sich die Schmiede auf einzelne Sparten, wie etwa:

Kesselschmied, Nadelschmied, Kupferschmied, Pflugschmied, Silberschmied, Goldschmied, Messingschmied, Sporenschmied, Messerschmied, Eisenschmied, Hufschmied, Großschmied, Pfannenschmied, Büchsenmacher, Schlosser, Zinngießer. In unserer Gegend wurde in den Pfarrmatriken meist nur zwischen „Schmied“, „Wagenschmied“ und „Hufschmied“ unterschieden.

      
2 Pferdehufeisen, Kuhhufeisen

 
Sporen und Steigbügel, Krahuletz-Museum, Eggenburg

 

Schmiede in den Pfarrmatriken  

Altenwörth

1753: Johann Christoph Reyser

Um 1820: Joseph Steringer ist Schmidmeister in Altenwörth.

1822/1826: Johann Brauneis ist Schmiedemeister in Altenwörth 33.

1828: Franz Wanko, Schmidtmeister in Altenwörth 32

 

Engelmannsbrunn

1686: Thobias Grueber

Um 1790/1799: Schmiedemeister Anton Biebl

Um 1847: Georg Schlosser ist Schmiedmeister in Engelmansnbrunn 6, Gattin Anna geb. Weber.

Um 1867/71: Josef Drach ist Schmidmeister in Engelmannsbrunn 6.

Um 1882: Leopold Schlosser ist Schmiedmeister in Engelmannsbrunn 4.

Um 1920: Johann Schlosser ist Schmied in Engelmannsbrunn 6, ebenso wie sie Vater Leopold. 1954 beendet er sein Wagenschmiedgewerbe.

 

Kirchberg

1663: Christoph Hofsteter

1716: Die Schmiedin Regina Reiser macht am 17.4. ihr Testament und verstirbt am 19.4.

1789 Thomas Salender, Hufschmied. Er stirbt 1796 mit 45 Jahren in Kirchberg 13.

1802: Michael Ametschlöger macht am 20.12. sein Testament und stirbt am 19.2.1803 mit 42 Jahren in Kirchberg 13.

1826 -1832: Der Schmiedmeister Ignaz Schubert stirbt mit 85 Jahren in Kirchberg 26.

Um 1834/1837: Johann Salender ist bürgerlicher Schmiedmeister in Kirchberg 13, Gattin Anna geb. Ehrentraut. Er stirbt 1861 mit 72 Jahren.

1840: Der Schmidmeister Johann Reiterer stirbt mit 43 Jahren in Kirchberg 13.

Um 1853: Anton Frauenhofer, aus Neustift gebürtig, (1821) ist Huf- und Kurschmied in Kirchberg 13.

1859/64: Johann Fiegl ist Schmiedmeister in Kirchberg 13, Gattin Elisabeth Sallender.

Um 1924: Engelbert Zach ist Messerschmied in Kirchberg 23, Gattin Julia Kuba aus Dörfl. Er stirbt 1946 mit 70 Jahren.

 

Kollersdorf

1773, 1776: Christoph Reiser.  Er stirbt 1787 mit 75 Jahren in Kollersdorf 23.

1784: Joseph Hammerer, Schmidemeister in Kollersdorf 7

1788: Johann Christoph Reiser, Schmidmeister in Kollersdorf 23

Um 1796/1801: in Kollersdorf 51 der Hufschmid Ägidius Pesenkopf

1817/19/1853: Michael Ringelhahn, Hufschmied in Kollersdorf 51 

Um 1858: Franz Patzal ist Hufschmidmeister in Kollersdorf 51. Seine Familie stammte aus Böhmen.

 

Mallon

Um 1878/82: Joseph Holly ist Schmiedmeister in Mallon 28.

Ab Anfang 20. Jh.: Georg Schaller, Alfred Schaller - siehe unten 

 

Neustift

1705: Ignaz Schubert Hufschmiedemeister

Um 1773: Georg Aigner 

1774/1783: Georg Reiser

Um 1774/85: Jakob Wanckerl ist Schmidmeister in Neustift 41. Er stirbt 1794 mit 64 Jahren in Neustift 54.

1808: Der Schmiedmeister Jakob Reiser stirbt mit 55 Jahren in Neustift 40.

1808/1826: Anton Biebl, Schmidtmeister zu Neustift 40 

Um 1821: Joseph Schmidt ist Schmiedmeister in Neustift 41, Ehfrau Franziska geb. Osterberger. Er stirbt 1827 in Neustift 29 mit 34 Jahren.

1845: Der Schmiedgeselle Wenzel Rutte aus Böhmen starb in Neustift 40 mit 24 Jahren an Lungensucht und Nervenfieber.

Um 1848/51: Johann Dallinger, Schmiedmeister in Neustift 40.

ca. 1850 - 1950: Georg Herzog, Theodor und Josef Schaller - siehe unten

Um 1852: Leopold Praunböck ist Schmiedmeister in Neustift 40, Gattin Franziska geb. Schneider.

Um 1876: Michael Schmidt ist Schmiedmeister in Neustift 41

In Neustift wohnten zu Anfang des 20. Jh noch zwei Schmiede - sogar nebeneinander - und beide hatten ihr Auskommen.

 

Oberstockstall

1660: Joannes Henricus Schnöller, faber ferrari

Um 1777: Der Schmied Johann Georg Schupert. Seine Tochter heiratet den Johann Christoph Ringlhahn aus Böhmen, der ebenfalls Schmied ist.

1777/1784/1802: Ignaz Schubert, Faber ferrari, Ehwirtin ist Marianna geb. Humel.

1795: Der Schmidtmeister Johann Georg Schuberth stirbt mit 68 Jahren in Oberstockstall 4.

 

1837:  Der Schmidmeister Anton Schubert stirbt mit 73 Jahren in Oberstockstall 4 an der Lungensucht. Gattin war Anna geb. Marchardt

Um 1862: Michael Dibidanzl ist Schmidmeister in Oberstockstall 25.

Um 1870: Pius Berthold ist Schmid in Oberstockstall 10.

Um 1874: Georg Scharda ist Schmidmeister in Oberstockstall 47.

 

1881: Der Schmiedmeister Josef Schubert stirbt mit 74 Jahren in Oberstockstall 4.

Um 1884: Anton Kotzinger ist Schmiedmeister in Oberstockstall 10.

 

Sachsendorf

1789: Johann Albrecht, Schmiedmeister

 

Unterstockstall

Um 1773: Michael Figl

1798: Der Schmiedmeister Leopold Biebl stirbt mit 56 Jahren in Unterstockstall.

Um 1800/1818: Joseph Biebel, Schmidtmeister in Unterstockstall 19, Ehweib ist Anna Maria geb. Huber. Er stirbt 1841 in Unterstockstall 19 mit 66 Jahren.

1948: Der Schmiedmeister Johann Beer stirbt mit 82 Jahren in Unterstockstall 53. Er stammte aus Königswald in Böhmen.

 

Winkl

1659: Maria Kellerin, Schmidin

1661/1679: Mathias Kellner, Schmied, Hufschmied

1684: Der Schmied Georg Kellner stirbt. Der Wert seines Schmiedewerkzeuges betrug 6 Gulden. (Archiv Vizedom 35)

1825: Mathias Glatt, in Winkl 39, Schmiedemeister. Er stammte aus Moosbierbaum, heiratete zuerst Magdalena Rehberger, nach deren Tod Katharina Deimel, die Tochter des Stierhirten aus Bierbaum

Um 1890: Anton Svoboda im Haus Nr. 39.

 

 

Familie Herzog - Schaller

Der aus Theiß stammende Schmiedemeister Georg Herzog dürfte zwischen 1853 und 1855 die Schmiede in Neustift Nr. 40 übernommen haben. 

Die Tochter Franziska heiratete 1895 den aus Pfaffstetten stammenden Schmiedemeister Theodor Schaller, mit dem sie bereits seit 1891 eine Tochter hatte. Als sie 1899 im Alter von 34 Jahren an Lungentuberkulose verstarb, hatte sie noch vier weitere Kinder geboren. Der Witwer heiratete ihre Schwester Amalia. Diese Ehe bleibt kinderlos.

Beide Söhne, Georg und Josef, lernten das Schmiedehandwerk. Josef blieb am elterlichen Betrieb in Neustift. Seine Ehe blieb kinderlos, der Betrieb erlosch mit seinem Tod.

Georg kaufte mit seiner Gattin Barbara das Inleuthaus der Familie Inführ in Mallon 28 und errichtete dort eine Schmiede, die später der unverheiratete Sohn Alfred bis zu seiner Pension weiterführte. 

  
Theodor Schaller (1865 - 1940) und seine zweite Gattin Amalia


Der Innenhof der Schmiede in Neustift, Theodor, Amalia und die Kinder


Theodor Schaller vor der Schmiede


Josef Schaller (1896 - 1956), Schmiedemeister in Neustift

    
Georg  Schaller (1899 - 1951), Schmiedemeister in Mallon, und Gattin Barbara

  
Georg Schaller war im 1. Weltkrieg Hufschmied an der Front  -  Georg Schaller auf Heimaturlaub im 2. Weltkrieg

    
Die Schmiede in Mallon 28, um 1950  - Alfred Schaller
 

   
Schmiede und Wohnhaus, 1981
Fotos: Margarethe Leuthner, Kollersdorf

 

Dokumente der Familie Schaller

Herrn Theodor Schaller
Neustift i. F. No 40
 
Durch die erfolgte Anmeldung des Huf und Wagenschmiedgewerbes bei der k.k. Bezirkshauptmannschaft Tulln und Ausfertigung des Gewerbescheines unterm 24. Mai 1895 Post Nr. 14383 sind Sie Mitglied der Collectiv-Genossenschaft.
Laut § 4 der Statuten werden Sie demnach aufgefordert, die Aufnahmegebühr pr. 1 fl.  und Umlage per 1895 mit 30 kr – Summa 1 fl 30 kr binnen 14 Tagen bei dem gefertigten Vorsteher einzuzahlen.
Schließlich sind Sie gemäß § 7 der Statuten verpflichtet, Ihre Gehilfen und Lehrlinge nach der Aufnahme oder Entlassung binnen 8 Tagen bei der Genossenschaft zur Anzeige zu bringen.
Statuten empfangen Sie bei der Einzahlung hier
am 7. Juni 1895
 
Collectivgenossenschaft Kirchberg am Wagram
Der Vorsteher….

 

Zeugnis
Ich Endesgefertigter Theodor Schaller, Schmiedmeister und Neustift im Felde, Bezirk Tulln, N.Ö. bezeuge hiemit daß mein Sohn Georg Schaller bei mir das Schmiedehandwerk erlernt, und vom 2.2.1916 bis heute in meiner Werkstätte als Schmiedgehilfe treu und fleißig gearbeitet hat, derselbe ist im Hufbeschlag sehr gut ausgebildet.
Neustift im Felde, am 6. Dezember 1921
Theodor Schaller
Schmidmeister
Leop. Bertiller, Bgm.

 

Arbeitsbestätigung 

Gefertigter, Theodor Schaller, gepr. Huf und Wagenschmied, Neustift i. Felde No 40, bestätigt, daß sein Sohn Georg Schaller, Schmiedgehilfe, vom 3. Nov. 1918 bis heute, d.i. den 1. Juni 1929 ununterbrochen in Arbeit gestanden ist und diese jederzeit pflichteifrigst erfüllt hat. 

Neustift i. Felde, am 1. Juni 1929
Theodor Schaller,

gepr. Huf u. Wagenschmied 

Genossenschaft
der Huf- Grob- und Wagenschmiede

in Tulln
für die Bezirke Tulln
Atzenbruck und Kirchberg a/Wagram
Johann Beer, Vorsteher 

Diese Angabe wird von Seiten der Bürgermeisteramtes bestätigt. 

Unterschrift des Bürgermeisters: 
Josef Bertiller 

Siegel: Gemeinde Neustift 

 

Quellen
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram 
Dissertation von Dr. Franz Eiselt: „Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraumes 1650 – 1806“, Wien 1973 
Archiv Vizedom, NÖ Landesarchiv

 

Jänner 2013
Maria Knapp