Seiler (restarius, restio)

 

Letze Änderung: 27.12.2015

 

Schon bei Ausgrabungen aus der Steinzeit sind Seile nachgewiesen worden, erste schriftliche Erwähnungen findet man bei den alten Ägyptern.  Aus den Ausgangsmaterialien Hanf und Flachs wurden Seile, Stricke, Buttenbänder, Wäscheleinen, Glockenseile, Halfter, Gurte, Flecht- und Netzwerke angefertigt. Vor allem für Zugtiere und Wägen brauchte man die verschiedensten Seile. 

Die Seiler zählten zu der ärmeren Gewerben. Die Bauern konnten viele Seile selbst herstellen. Daher war es den Seilern erlaubt, einige andere Produkte zu verkaufen, die in der Landwirtschaft benötigt wurden, wie z.B. Fackeln, Lunten, Pech oder Peitschen.

Auch bei uns wurden in geringen Mengen sowohl Flachs als auch Hanf angebaut.

 

Werkzeuge

Hechelkamm zum Auskämmen des Hanfes 

Seilerrad zum Verspinnen der Fäden – es funktionierte ähnlich dem Spinnrad

Zum Ziehen langer Seile benötigte der Seiler eine gerade Strecke, wie sie der Seilerberg zwischen dem Marktplatz und dem Müllergraben bietet.

 

Seiler in den Pfarrmatriken

Kirchberg

1659: Hannß Weinig, Bürger und Sailler

1664: Adam Hoffman, Sailler

1667/1672: Michael Sedelmaÿr, Gattin Margaretha. Er macht am 11.12.1680  sein Testament und stirbt am 3.7.1681. 

1685 heiratet der aus Wasserburg stammende Sailler Gesöll Sebastian Niderhamer die Appolonia Weidinger aus Mitterstockstall.

1773:Die Hinterlassenschaft des Seilers Heinrich Kolnberger betrug laut Inventar:
Wohnhaus                 400 fl
Warenlager                 37 fl 11 xr
Hausrat                      118 fl 55 xr
Aktiva                           41 fl
                                   597 fl   6 xr
Ab Passiva               316 fl 21 xr
                                   280 fl 45 xr
Er besaß keine Grundstücke und kein Vieh.
Warenlager: neue Buttenbänder
7 vordere Heuseile
3 hintere detto
10 Wurfstränge
55 Stück Leitseil
200 Stück Kreuzstrick
2 Stück Wäschleinl
6 Stückl Pferdespannstrick
1 Pfund abgezogener Hanf
20 Pfund rauher detto
60 Pfund detto Werch

Um 1789/1806: Michel Haan, Sailler
1826: Der bürgerliche Seilermeister Michael Haan stirbt mit 76 Jahren.

1826/43: Mathias Kirchner, bürgerlicher Seilermeister in Kirchberg 20, heiratet Katharina Pfaller aus Schönberg. 

1862: Der Seilermeister Ferdinand Frisch stirbt mit 50 Jahren in Kirchberg 2.

Um 1897: Johann Langer ist Seilermeister in Kirchberg 33, Gattin Maria Daniek. Beide sind gebürtig aus Sternberg in Böhmen.

1929 stirbt in Kirchberg 18 der Seilermeister Johann Langer mit 65 Jahren. Er stammte aus Sternberg in Mähren.

Noch in den 50er Jahren gab es einen Seiler namens Vock, der seinen Betrieb in der späteren Schlosserei Holzschuh hatte, denn noch immer brauchte man Seile für die Landwirtschaft und den Haushalt. Als die Traktoren, andere landwirtschaftliche Maschinen und Kunststoffschnüre aufkamen, hatten die Seiler ausgedient.  

 

Oberstockstall

1927: Johann Langner, Nr. 61 

 

 

Quellen

Dissertation von Dr. Franz Eiselt: „Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraumes 1650 – 1806“, Wien 1973

http://de.wikipedia.org/wiki/Seil

http://www.brandenburg1260.de/seilerei.html

 

März 2015
Maria Knapp