Ziegelschläger (Tegularius)

 

Letzte Änderung: 14.4.2017

 

Im 19. Jahrhundert nahm die Erzeugung gebrannter Ziegel außerhalb der Städte zu, da man daranging, von den Lehmziegeln auf gebrannte Ziegel umzusteigen.

Dieser Beruf war nicht innungsmäßig organisiert und man konnte den Beruf auch nicht erlernen. Es war eine Saisonarbeit, da bei Frost die Ziegel nicht gebrannt werden konnten. Oft handelte es sich um Wanderarbeiter, die sozialen Verhältnisse waren schlecht.

Der Lehm für die Ziegel wurde gleich vor Ort gewonnen. Man kann diese Stellen heute noch erkennen, da dort häufig noch Vertiefungen in den Ackerflächen vorhanden sind. Nachdem das Material mit Wasser zu einem dicken Brei verarbeitet worden war, goss man diesen in vorbereitete Formen – das war meist Frauenarbeit. Die Model wurden vorher mit Sand bestreut, damit die Ziegel nicht haften blieben, das erledigten die „Sandler“. Dann wurden die Ziegel aus der Form geschlagen und zum Trocknen aufgelegt. Wenn die Ziegel getrocknet waren, wurden sie im Ziegelofen gebrannt.  Jeder Model musste einen eigenen Stempel haben, an dem man den Betrieb feststellen konnte. 

In vielen Ortschaften gab es ein wenig außerhalb des Dorfes einen Ziegelofen.

 

Ziegelschläger in den Pfarrmatriken 

 

Dörfl

1833: Michael Xantner ist Ziegelbrenner am Ziegelofen in Dörfl

 

Kirchberg am Wagram 

1831: Jakob Hofbauer ist Ziegelschläger in Kirchberg 

1876: Der Ziegelschläger Ambros Zemlitzka erhängt sich mit 36 Jahren in Kirchberg 20.

Um 1912: Theodor Mottl war Ziegelschläger in Kirchberg 43. Er stammte aus Onsobi in Böhmen, seine Gattin war Antonia geb. Nerava.

 

Kollersdorf

Der Ziegelofen befand sich  in Richtung Altenwörth am Rand einer kleinen Au. 

1830: Valentin Grüneis/Krenes mit seiner Gattin Johann geb. Friedl. Er war Ziegelbrenner aus Zwittau in Mähren. Sie wohnten vorerst im Freihof. 1840, bei der Geburt von Sohn Franz wird Valentin bereits als Hauer in Kollersdorf 48 bezeichnet.

1863: Wenzel Cerny und Gattin Petronilla, geb. Kabilka, aus dem Brünner Bezirk

1872: Die ledige Katharina Kraupa

1872: Hejzler Josef und Katharina geb. Struzka

1873: Wolschansky Josef aus Misliboviz und Gattin Maria geb. Nemetz

 

Mallon

Um 1821: Jakob Platzer ist Ziegelschläger in Mallon 28, er stammt aus Raabs.

Um 1878: Josef Wuzil, wohnhaft in Mallon 25.

Um 1882: Johann Ulbrich 

Um 1883: Josef Kreska 

 

Neustift

Hier befanden sich gleich drei Ziegelöfen. Einer war bei der "Uhuhütte" im Altendorf, einer in der Ried Burggrund und einer im Teufelsgrund an der Ochsenstraße

Um 1830: Ignaz Scheidel ist Ziegelschlager, wohnhaft in Neustift 27.

1832: Der Ziegelschläger Michael Helmreich stirbt mit 37 Jahren an Fieber in Neustift 58.

Um 1844: Philippina Mockri, ist verwitwete Ziegelschlägerin am Ziegelofen in Neustift.

1847: Am Ziegelofen Neustift stirbt Johanna Haupt aus Waltendorf, Herrschaft Würmla, Ehefrau des Ziegelschlägers Joseph Haupt, mit 48 Jahren am Magenkrampf.

1852: Die ledige Magdalena Kappenberger arbeitet im Neustifter Ziegelofen. 

Um 1863: Josef Hammerl

Um 1865: Andreas Schimon

Um 1873: Anton Böhm

1911 wird der Ziegelschläger Martin Rametsteiner, Haus Nr. 72,  anläßlich der Geburt seines Sohnes in den Pfarrmatiken erwähnt. Sein Vater gleichen Namens wohnte als Ziegelschläger in Königsbrunn. Verheiratet war er mit Juliana Forche aus Ernstbrunn, ebenfalls die Tochter eines Ziegelbrenners dort. Taufpatin war Katharina Berger, Ziegelschlägersgattin, ebenfalls Haus Nr. 72

Um 1918: Aloisia Tripola, wh .in Neustift 42.

 

Sachsendorf

Um 1784: Michael Graf ist Ziegelschlager in Sachsendorf 2.

1858 sind die Eheleute Adalbert und Barbara Struska anlässlich der Geburt ihrer Tochter Barbara in den Taufmatriken Altenwörth eingetragen. Sie stammen aus Wittingau in Böhmen.

 

Unterstockstall

Eine Zeit lang gab es am Mitterberg einen Ziegelofen über den anlässlich eines Rechtsstreites über die Entnahme von Wasser aus dem Ortsbach berichtet wird:  

"Den Ziegelofen am Mitterberg hat Ferdinand List an seinem Acker am Mitterberg errichtet, wo er zugleich mit Mathias Mann von hier Ziegel fabrizirte.  Späterhin wurde von Seite der Gemeinde mit List das Einverständnis getroffen, daß auch die Gemeinde mit auf des List Ackergrund Ziegel schlagen dürfe gegen dem daß sich die Gemeinde herbeiließ ihm durch einen halben Tag länger die Bewässerung mittelst des Baches zu überlassen, als es nach dem Vergleich v. J. 1799 einem Bauer zustand. Nicht lange darauf, da der Grund weniger wurde, ist dem Matias Mann, Vater des Josef  Mann, gegen gleiche Bedingung rücksichtlich der Benützung seines Ackers am Mitterberg das gleiche Recht wie dem List zugestanden worden. Dieß ist schon vor dem Kapellenbau, folglich zwischen den Jahren 1800 – 1803 geschehen, doch weiß ich dieß nicht genau. Es ist aber über diesen Anstand von Seite der löbl. Hft St. Andrä bei dem Müller Josef Krumböck ein Protokoll aufgenommen worden, wobei ich zugegen war. Ich weiß aber nicht mehr genau, was aufgenommen worden ist, nur den Gegenstand, nicht aber die Bedingungen sind mir bekannt.
Johann Krumpöck m/p"

Bis zum Jahr 1823 durften alle Ortsbewohner diesen Ziegelofen und die Erde der beiden Äcker in Anspruch nehmen, bis Mathias Mantler, der das Haus List übernahm, sich dies verbat. 

Ein weiterer Ziegelofen, der ebenfalls zum Besitz der Familie List/Mantler/Mann (jetzt Greil) gehörte,  befand sich in Richtung Frauendorf (das Haus steht noch). Hier wurde auch Gebrauchskeramik produziert.

1863/1870: Stephan Michel in Unterstockstall wird erwähnt, als seine Tochter im Ziegelofen Winkl ein lediges Kind bekommt, bzw. bei der Geburt eines Sohnes.  Er war in Gurschdorf, Kreis Troppau, in Schlesien wohnhaft.

 

 

 

1870: Der Ziegelschlager Ignaz Zimmel stirbt mit 53 Jahren in Unterstockstall 1 Um 1878: Der Ziegelschläger Stefan Michl stirbt in Unterstockstall 3 mit 57 Jahren.

Um 1883: Theresia Michl ist Taglöhnerin

 

1897: Sulzer Leopold war Ziegelbrenner in Unterstockstall und starb  in diesem Jahr.

1921: Josef Versetzky und Barbara geb. Gungal sind Ziegelbrenner im Ziegelofen Unterstockstall, wh. Nr. 50.

In Richtung Kirchberg besaß die Wirtsfamilie Diwald einen Ziegelofen. 

 

Winkl 

Der Ziegelofen befand sich  Richtung Altenwörth in der Ried Enggasse. Ältere Leute können sich noch daran erinnern, dass dort Ziegel gefunden wurden, aber von einem Haus weiß niemand mehr. Bei der Kommassierung kamen dort ebenfalls Ziegel zum Vorschein.  

1863: Theresia Michael, ledige Ziegelschlägerin am Ziegelofen Winkl bekommt ein Kind. Zeuge ist Johanna, Gattin des Stephan Michael, Ziegelschläger in Unterstockstall.  Das Kind stirbt noch im selben Jahr.

1863: Am Ziegelofen Winkl des Anton Maringer wurde ein Kind unbekannten Geschlechtes tot aufgefunden. Es war ein 8-Monatskind, das angeblich von der ledigen Ziegelschlagerin Sophia Hank geboren wurde. Das Kind wurde am Friedhof beerdigt.

1877: Katharina, die sechsjährige Tochter des Ziegelschlägers Anton Rabensteiner stirbt an Rachenbräune (Diphterie).
Anton Schüller ist hier Ziegelbrenner. 

1878: Der verehelichte Ziegelschläger Georg Gruber stirbt mit 63 Jahren im Armenhaus in Winkl.

Bis 1888: Leopold Fantner war Ziegelschläger in Winkl und übersiedelte in diesem Jahr mit seiner Familie nach Absdorf.  

1892 : Katharina Braureich geb. Hemeder, Ziegelschlägersgattin, stirbt mit 53 Jahren an Unterleibsentartung am Ziegelofen Winkl.

1892 – mind. 1895: Leopold Sulzer war Ziegelschläger in Winkl.  

Bis 1896: Josef Joska, er ist danach nach Neustift übersiedelt, die Tochter Theresia ist 1888 in Naglern, Pf. Simonsfeld geboren worden, Tochter Katharina 1890 in Rückersdorf.  

Bis 1897: Franz Cebisch, er übersiedelte danach nach Bierbaum . Sohn Johann war 1889 in Unbaschenau geboren worden.  

Um 1900: Anton Versezky

1931 wird der „Ziegelofen“ in den Protokollen noch  als Ortsangabe erwähnt, und zwar wurde dort Holz geschlagen. 

 

 
Gebrannte Ziegel sind keine Erfindung unserer Zeit. Bereits in Babylonien kannte man diese Technik, die später auch die Römer übernahmen. Die Ziegel waren flacher und größer. Hier wurden sie als Pfeiler für die Fußbodenheizung in einer Villa in Pompeji verwendet. 

 

  
 Ziegelmodel: NÖ Museum für Volkskultur in Groß-Schweinbarth 

  
Die Ziegel der Gemeinde Winkl 

  
 verschiedene Modelle

 

Die bekannteste Ziegelfirma war die von Heinrich Drasche aus Wien mit dem Zeichen HD, aus der sich die Wienerberger Ziegelfabrik entwickelte.

    
      Die Ziegel von Heinrich Drasche                                           Wienerberger Ziegel  

 
Alte Ziegel aus dem museumkrems 
 

 

 
Diese Mauer in einem Schüttkasten ist unten mit gebrannten Ziegeln gemauert, oben, wo keine Feuchtigkeit hinkommt, mit Lehmziegeln.

 

Eigenproduktion

Für die Herstellung von Lehmziegeln benötigte man nicht viel: Selbstgezimmerte Model, Lehm und Getreidespelzen für einen besseren Halt. Diese Ziegel wurden viele Jahrhundert lang verwendet, ihr Nachteil war, dass sie bei Feuchtigkeit ihre Form verloren - für eine hochwassergefährdete Gegend wie die unsere, war das nicht gerade günstig. 

Um die MItte des vorigen Jahrhunderts fertigten noch manche Leute die Ziegel für den Hausbau selbst an. Sie verwendeten dazu Lösch, einen Abfall bei der Kohlenproduktion, Zement und Wasser. Dieses ziemlich trocken gehaltene Gemisch wurde in selbst hergestellte Formen gegossen. Bei größeren Formaten wurde das Gewicht durch konisch geschnittene Stössel verringert, die man die Formen steckte. Die Form konnte man gleich entfernen, die Ziegel trockneten an der Luft. 

 

Quellen
Schulmatriken Winkl
Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram

 

September 2013
Maria Knapp