Bauernhochzeiten

 

 

Die Bauernhochzeit im Tullnerfelde

Leopold Bergolth

Der Bursch und das Mädel sind meist immer schon längst einig, denn gewöhnlich „gehn s“ schon lang miteinander. Manchmal aber bedient man sich auch eines „Kupplers“, der dann nach erfolgreicher Bemühung einen „Kuppelpelz“ erhält. 

Wird nun einem Burschen „eine verraten“, so geht dessen Vater (manchmal auch mit seinem Sohne) in das Haus der Erwählten, um eine Kuh oder Kraut zu kaufen. Das ist natürlich nur ein Vorwand, um das Mädel zu sehen und alles auszukundschaften. Er möchte ja doch wissen, ob sein Bub „eine gute oder eine schlechte Partie“ macht. Später schickt der Bub den Kuppler hin und läßt fragen, ob er kommen darf. Nun gehen der Bursch und der Kuppler „Kalm kaufen“, worüber aber alle lachen, da ja der wahre Grund des Kommens schon bekannt ist. 

Der Bursch hält dann ohne jede Form bei den Eltern des Mädels um die Hand der Tochter an. Gibt sie da „Jawort“, so wird meist gleich der Tag bestimmt, an dem die „Heirat“ ausgemacht wird, bei der die Väter oft mit echter Bauernzähigkeit feilschen. 

Abb.: Hochzeit Joseph und Josefa Sieberer, Absdorf, 1922

Erhält der Bursch ein Haus und sind noch Eltern da, so bekommen die den „Ausnahm“. Man sagt dann: „Die Braut heiratet auf ein Haus“. Oft sind auch Geschwister da, die „auszahlt“ werden müssen. Der Ausnahm wird beim Notar haarklein fixiert. Gewöhnlich verschreibt bei der Heirat ein Brautteil dem anderen das halbe Haus. 

Sind also die Verhandlungen endlich glücklich abgeschlossen, so erhält die Braut vom Bräutigam ein „Drangeld“, welches früher meist in einem Golddukaten bestand. Als Gegengabe erhielt der Bräutigam ein Hemd oder einen Schmuckgegenstand. Reute das Mädchen die Verlobung, so sendet sie das „Drangeld“ zurück und die ganze Sache ist aus.  

Bevor der Bursch heiratet, muß er zum Abschied vom „ledigen Stand“ den Ortsburschen ein Faß Bier bezahlen. 

Werden dann die Brautleute an drei aufeinanderfolgenden Sonn- oder Feiertagen in der Kirche verkündet, so witzeln die Leute und raten, die Brautleute mögen sich eine Tuchent mitnehmen, damit sie nicht hart fallen, wenn sie „von der Kanzel herunter geschmissen“ werden. 

Nun ladet das Brautpaar die engeren Verwandten ohne besondere Form zur Hochzeit ein. Wohnt der Bräutigam in einem anderen Orte als die Braut, so wird er einige Stunden vor der Hochzeit von der Kranzeljungfrau in das Haus der Braut abgeholt, in dem sich auch alle anderen Gäste versammeln. 

Jeder hat das Beste an. Die Männer tragen schwarze Anzüge, blankgeputzte Schuhe und weiche, schwarze Hüte. Im Knopfloche steckt ein künstliches, weißes Myrthensträußchen, welches beim Bräutigam zwei weiße und zwei rote Bänder trägt. Die Braut trägt gewöhnlich ein graues Lüsterkleid (Seide), schwarze Schuhe, Myrthenkranz, Schleier und ein Bukett aus künstlichen Blumen. Ist die Braut eine Witwe oder hat sie ein „lediges“ Kind, so darf sie keine Myrthe tragen. 

Nun knien die Brautleute vor den Eltern auf einem zurechtgestellten Schemel nieder, danken und bitten um Verzeihung für alles, worauf die Eltern schlichte Abschiedsworte sprechen und sie mit dem Weihbrunnen segnen. 

Die alten wissen es noch, wie nun der „Brautführer“ oder der Heiratsmann in gebundener, überlieferter Rede die Braut von den Eltern „ausbitten“ mußte, ehe sich der Hochzeitszug formieren konnte. 

Seit jeher wird folgende Ordnung strengst eingehalten: Vorne fährt der Bräutigam mit der „Kranzljungfrau“ und seinem „Beistand“. 

Dann fahren die Hochzeitsgäste nach Alter und Verwandtschaftsgrad geordnet und zuletzt die Braut mit dem Brautführer. Ehe sich der Zug in Bewegung setzt, nehmen alle umstehenden Nachbarinnen mit einem Kuß von der Braut Abschied und wünschen ihr Glück und Segen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde bei wohlhabenden Bauern der Brautzug zu und von der Kirche von einer Musikkapelle begleitet. 

 Abb.: Hochzeit  Klein, Absdorf, 1934


Während der kirchlichen Handlung schauen die Leute, trotz aller Andacht und Rührung, ob auch die Kerzen ruhig brennen, denn das bedeutet eine glückliche Ehe. Wenn sich die Braut während der Trauung zufällig einmal umsieht, so sagt man gleich „Die hat mit einem nicht genug“, d. h. sie wird noch einmal heiraten.
 

Nach der Trauung wünschen die Brautleute einander mit einem Kuß Glück und Segen im Ehestande, machen mit den Hochzeitsgästen einen Opfergang um den Altar und nehmen dann die Glückwünsche der Hochzeitsgäste entgegen. 

Während der nun folgenden Heimfahrt wirft die Braut allerhand süßes Backwerk und auch Geld zum Wagen hinaus. Vor dem Haus haben die Ortsburschen einen Schwibogen mit der Aufschrift „Hoch das edle Brautpaar!“ errichtet und „verziehen“ mit einem Seidenbande. Die Burschen wünschen dem Brautpaar „Glück und Segen im heiligen Ehestande“ und warten mit Wein und Backwerk auf, wofür sie ansehnliches Trinkgeld erhalten und zur „Mahlzeit“ eingeladen werden.

An der Türschwelle werden die Brautleute von den Eltern mit Weihwasser besprengt und gesegnet. 

Nun begeben sich alle zur festlich gedeckten Hochzeitstafel. Das Brautpaar hat den Ehrensitz. Ihm zur Seite nehmen die „Brauteltern“ und besonders geschätzte Ehrengäste Platz, während alle übrigen wahllos durcheinander sitzen. Später kommen auch vermummte ungeladene Gäste und machen „Maskerade“ um die Gäste zu belustigen. 

Die Speisen sind einfach, aber gut zubereitet und werden reichlich verabreicht. Es ist auch üblich, daß man Speisen, die man nicht mehr essen kann, mit nach Hause nimmt, was man „Bschoadessen“ nennt. Die Zeit zwischen den einzelnen Gängen wird mit „Hochlebenlassen“, Gratulieren und allerhand dummen Streichen und mehrdeutigen Reden ausgefüllt. Der Bräutigam muß nun besonders wach sein, damit ihm die Braut nicht „gestohlen“ wird, denn dann müßte er sie in den Dorfgasthäusern auslösen, wohin sie ihre Entführer verschleppt haben. 

Nach der Mahlzeit wird getanzt (Ziehharmonika oder etliche Musikanten). Das Brautpaar eröffnet mit dem „Hochzeitstanz“ die „Tanzerei“, an der sich besonders die „Alten“ beteiligen. Anläßlich der Hochzeit meiner Eltern wurde noch der leider schon fast ganz vergessene „Kranzeltanz“ gehalten, welcher den Höhepunkt der Feier darstellt..... 

Abb.: Hochzeit Johann und Maria Riedl, Winkl, 1939

Unter allerlei weiteren Sprüchen wird der Braut der Brautkranz abgenommen. (verkürzt, Anm.d.Verf.)

Darauf führt der Brautführer die Braut dem Bräutigam zu und alle Tanzen durcheinander. Die Braut aber eilt währenddessen in ein Nebenzimmer und erscheint dann – das Haupt mit einem Kopftuch bedeckt, denn jetzt ist sie eine Frau! 

Erst wenn der Morgen graut, entfernen sich die Gäste. Wohnen die jungen Eheleute in einem anderen Hause, dann wird die Braut von den restlichen Hochzeitsgästen in das neue Heim begleitet („Brauteinstellen“), wo die junge Hausfrau alle mit kalten Speisen bewirtet. Hier geht es noch einige Stunden lustig her, bis sich endlich die ganze Gesellschaft zerstreut. 

Quelle:
Heimatkalender des Tullner Bezirkes, 1949  

 

 

Frau Anna Schabl, Königsbrunn

Aus ihrer Schrift „Frau und Mutter“, verfasst 1994
 

… Und nun: Ich selbst 31jährig, hätte mehrere Angebote bekommen um mich für einen Partner zu entscheiden. Doch ich pflegte keine Bekanntschaft zu halten und dachte mir, komme es wie es kommt.

Es war Oktober 1946, als Schachinger Leopold mit Schabl Rudolf zu uns nach Neustift kam. Schachinger brachte hausgemachte Wurst, was damals eine Rarität war.

Ich kannte meinen Gatten schon früher als strammen Reichsbündler, aber ohne mit ihm gesprochen zu haben. Er hatte ein gepflegtes Aussehen und einen tadellosen Charakter, den man auch gern haben konnte.

So begann es, er hat mich des Öfteren besucht, so etwa alle 14 Tage einmal. Es gab weder Auto noch Traktor, daher war das Fortbewegungsmittel Fahrrad oder Pferdekutsche. Es war ein strenger Schneewinter dazwischen und Rudolf machte mir einen Heiratsantrag. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, da ja Mutter dann alleine und Bruder Josef noch nicht verheiratet war. Die Mutter hatte nichts dagegen.

Da vom ersten Besuch bis zur Heirat nur ½ Jahr dazwischen lag, so war es an der Zeit, Vorbereitungen zur Hochzeit zu treffen. Es war ja Nachkriegszeit, wo man nichts ohne Lebensmittelkarten bekam.

Der Ringkauf in Wien: Ich fuhr mit dem Fahrrad nach Königsbrunn und übernachtete im heutigen Wohnzimmer. Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Kleinwagen mit Plane von Hübl nach Wien. Dort kauften wir unsere Eheringe gegen Umtausch von Goldmünzen. Wir übernachteten bei den Verwandten Eiböck. Ich ersuchte, alleine übernachten zu können. Tags darauf ging die gleiche Tour wieder heim.

Beim Kaufhaus Gutscher von Kirchberg ließ ich mir Seide zum Brautkleid besorgen. Frau Hofer, eine Wienerin, nähte mir zu Hause das Kleid. Wo ich die weißen Leinenschuhe her hatte, weiß ich nicht mehr. Rudolf, mein Bräutigam, hatte von seinem Bruder Johann den schwarzen Anzug, als Kopfbedeckung trug er einen Halbzylinder. Somit war die Kleidung einigermaßen geregelt.

Wegen einem Hochzeitsauto musste Rudolf bei der Bezirkshauptmannschaft ansuchen und denen vormachen, dass die Braut schwanger sei, was in Wahrheit nicht zutraf.

Es waren ja Lebensmittelkarten und so musste man sich den Zucker im wahrsten Sinn des Wortes vom Mund absparen. Wir haben den Würfelzucker mit der Bröselmaschine gerieben, damit wir Staubzucker bekamen und so konnten wir 22 Torten machen. Etwas Kakao und Schokolade vom Schweizer Roten Kreuz zum Verbessern der Torten und Bäckerei.

Butterkrapfen vom eigenen Butter verfertigten wir. Fleisch besorgten wir uns selber, indem ich einem Kalb einen Knebel ins Maul steckte, damit es nicht schreien konnte, als ich die Kehle durchschnitt. Die Haut habe ich abgezogen und in den Laufgraben geschüttet, der vom Krieg noch vorhanden war.

So war auch für das leibliche Wohl gesorgt. Das Hochzeitsmahl fand bei uns in Neustift statt. Die Hochzeit war an einem Sonntag, 27. April 1947. Es war ein sonniger Frühlingstag. Herr Köhrer von Königsbrunn führte uns mit seinem Auto zum Standesamt nach Kirchberg. Schwager Josef  Wunderer und Cousin Leopold Schachinger waren Trauzeugen.

Bei der kirchlichen Trauung nachmittags in der Neustifter Kirche waren 3 Priester und viel Volk. Der katholische Mädchenbund, dem ich lange angehörte, sang im Chor.

Den darauffolgenden Donnerstag holte mich mein Gatte ab, und so fuhren wir mit den Pferden übers Feld nach Königsbrunn in meine Heimat….

Auch in der Schulchronik Neustift wird diese Hochzeit, die wahrscheinlich die erste nach dem Krieg war, erwähnt: 
1947: Hochzeit. Am Ostermontag war nach langem wieder eine Hochzeit in der Ortskirche. Frl. Zehetner Anna verehelichte sich mit einem Bauernsohn aus Königsbrunn. Der Neustifter Kirchenchor trug besonders zum Gelingen dieser Feierlichkeit bei. Die vorgetragenen Lieder unter Leitung des Oberlehrers Alexander Popek fanden allgemeine Anerkennung.

 

Maria Knapp
Oktober 2012