Brauchtum im Jahreslauf

in früherer Zeit und heute im Raum Kirchberg am Wagram

 

Letzte Änderung: 21.10.2016

 

1. Jänner
Erst Papst Innozenz XII. legte 1691 den Neujahrstag mit dem 1. Jänner fest. An diesem Tage erhielten die Kinder in früheren Jahrhunderten Geschenke. Erst seit dem 19. Jahrhundert ging dieser Brauch auf Weihnachten über.  Bereits seit den Römern ist es üblich, sich zum Jahreswechsel Glück zu wünschen. Oft geschieht dies mit sogenannten „Glücksbringern“, Figuren von Rauchfangkehrern, vierblättrigem Klee, Schweinchen, Münzen oder Fliegenpilzen etc. 

Gerne wird das Neue Jahr mit dem Donauwalzer begrüßt, den man nach dem Jahreswechsel in Radio und Fernsehen hört. 

Die Kinder gehen zu den Großeltern, Onkeln und Tanten und wünschen ein gutes Neues Jahr und bekommen dafür ein kleines Geldgeschenk. Früher sagte man dazu auch lustige Sprüche auf, etwa: „I bin a kloans Binckerl und stell mi ins Winkerl, und weu i nix kon, fong i nix on.“ 

In Winkl  geht die Feuerwehr „Neujahrwünschen“, um Spenden zu sammeln (woanders geschieht das vor dem Feuerwehrfest). Es wird in zwei Partien gegangen – die eine im Ober-, die andere im Unterort. Obwohl Winkl nicht groß ist,  kommt es immer wieder vor, dass die Sammler nicht vor dem Abend nach Hause kommen – und sehr zum Ärger der Ehefrauen auch nicht mehr ganz nüchtern sind.

 

6. Jänner, Heilige Drei Könige

 

Die Verehrung dieser Heiligen geht bei uns bis ins 12. Jahrhundert zurück, man sah in den drei Personen die Vertreter der damals bekannten Erteile Europa, Asien und Afrika. Nach einer Legende sollen die Gebeine der Hl. Drei Könige von der Hl. Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin I., im 4. Jahrhundert in Palästina gefunden worden sein. Die Verehrung ging von der Stadt Köln aus, wohin ihre angeblichen Reliquien von Mailand überbracht wurden.

Kaspar bedeutet der Schatzmeister, Melchior – Lichtkönig und Balthasar – Fürst des Glanzes. Sie sind u.a. Schutzpatrone der Reisenden, Gastwirte und Kürschner. Sie halten das Böse von Häusern und Ställen fern.

float: left;Bild: Aus der alten Schule von Niederschleinz, Verlag von Herder in Freiburg, Baden, D

Dieser Tag ist der letzte der Raunächte und früher wurden an diesem Tag das Haus und der Stall gesegnet:  „Heilige Drei König war auch nicht mehr weit entfernt. Zum hl. Drei Königssegen kauften wir uns in Kirchberg Weihrauch und Kreide und ließen es weihen. Zuhause ging Vater mit Glut und Weihrauch und uns Kindern mit Weihwasser und Kreide durch alle Räume und Stallungen und segnete das Haus.“
Quelle: Frau Anna Schabl, Königsbrunn 
 

Von jeher gehen an diesem Tag die Kinder – oft in Begleitung eines Erwachsenen – als Hl. Drei Könige verkleidet, um für Projekte in der Dritten Welt Spenden zu sammeln. Sie schreiben die Zeichen der Hl. Drei Könige – „ C + M + B“ an die Türen, was man sowohl mit "Caspar, Melchior und Balthasar", als auch mit  "Christus Mansionem
Benedicat - Christust segne dieses Haus" - übersetzen kann. Sie segnen das Haus mit Weihrauch, von dem man auch einige Körner haben kann, wenn man mag. Da es meist genug Kinder gibt, die mitgehen wollen, trägt eines den Stern voran, eines die Kasse etc. Es hat sich eingebürgert, dass nur jene Kinder beim Ratschen in der Karwoche mitgehen dürfen, die auch beim Sternsingen dabei waren, denn das Ratschen ist – im Gegensatz zum Sternsingen - weitaus einträglicher. Allerdings ist in manchen Orten der Brauch entstanden, den Kindern auch beim Sternsingen Naschereien oder Extra-Geld zuzustecken.
 

     
Sternsinger in Winkl, um 1995 - Sternsinger in Kirchberg, Foto: Christine Dreschkai, Kirchberg

 

20. Jänner, Sebastian

Der Hl. Sebastian starb als Märtyrer unter dem römischen Kaiser Diokletian.  Seit dem 7. Jahrhundert ist er der wichtigste Pest- und Seuchenheilige für Mensch und Tier.  Er ist der Kirchenpatron von Kollersdorf und Neustift. Früher war der Tag ein Bauernfeiertag, an dem nicht gearbeitet werden durfte. Besonders in Neustift wurde dieser Tag von alters her als Feiertag gehalten. Die Verwandtschaft wurde eingeladen, es wurde aufgekocht und gebacken.

Um 7:00 Uhr gab es die erste Hl. Messe und um 10:00 Uhr ein Hochamt, das von einem Gastpriester gehalten wurde. Abends fand im Gasthaus Wagensonner der Feuerwehrball statt. Dabei spielte meist die Hoazl-Banda (Heinzl-Musik) aus Mallon auf.
Quelle: Frau Hedwig Gerner, 

„Fest des hl. Sebastian
Nach fast 8 jähriger Unterbrechung wurde heuer wieder der größte Festtag des Ortes (Fest des hl. Sebastian) in würdiger Weise begangen. Zum ersten Mal führten die Neustifter selbstständig unter Führung des Leiters der Schule ein lateinisches Hochamt auf. Die Festpredigt hielt Hochw. Zachorsky aus Wien.“ 
Quelle: Schulchronik Neustift, 1946

Foto: Statue des heiligen Sebastian in der Neustifter Kirche

 

2. Februar, Maria Lichtmess 

Dieses Fest gedenkt des Besuches Marias mit dem Jesuskind im Tempel von Jerusalem. Die ursprüngliche Bezeichnung lautete „Mariä Reinigung“. Beide Namen wurden 1960 von der Kirche zugunsten „Fest der Darstellung des Herrn“ abgeschafft.

„Früher wurde an Mariä Lichtmess der Kerzenbedarf für das ganze Kirchenjahr geweiht. Neben Wachsstöcken und Pfennigkerzen wurden auch Altarkerzen und schwarze Wetterkerzen zur Weihe in die Kirche gebracht. Auch heute noch findet in vielen katholischen Kirchen an Mariä Lichtmess die Kerzenweihe statt.“
Quelle: Weltbild Bauernkalender 2012
 

Dieser Tag war einst ein hoher Feiertag. Hier eine Textstelle aus der Kirchberger Pfarrchronik von 1866, wo er unter den wichtigsten Festtagen aufscheint:
"An den hohen Festtagen als: Weihnachtsfest – St. Stefan – Lichtmeßtag – Ostersonntag – Pfingstsonntag – Frohnleichnahmsfest – Maria Himmelfahrtsfest – Allerheiligen – Allerseelentag – Maria unbefleckte Empfängnißfest hat der jeweilige Pfarrer das Hl Hochamt mit Assistenz zu zelebrieren.“ 

Dieser hohe Kirchenfeiertag wurde 1925 abgeschafft.  Wie man anhand der Kirchberger Pfarrchronik sieht, waren Volk und Klerus mit der Abschaffung nicht einverstanden:
„1926: Es kam am 31. Jänner vom Landeschulamt ein Erlaß, daß am Maria Lichtmeßtage Schul-Unterricht sei. Darüber war große Empörung unter dem Volke, in den eingepfarrten Schulen war kein Unterricht, in Kirchberg fehlte die Hälfte der Kinder. Das Volk läßt sich die Feiertage nicht nehmen.
Auch 1928, 1929 und 1931 gab es Eintragungen in dieser Art.
„1934:  Maria Lichtmeß. Dieser abgeschaffte Feiertag wurde noch so wie in der Friedenszeit begangen. Damit die Schulkinder noch frei haben, wurde für diesen Tag die Hl. Kommunion angesetzt.“  
1934 war der letzte Eintrag dieser Art – man hat sich also an die Abschaffung gewöhnt. 

Maria Lichtmess war und ist ein wichtiger Lostag:
Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.
Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.

Maria Lichtmess war der Dienstbotenfeiertag. An diesem Tag konnten Knechte und Mägde den Dienstplatz wechseln oder sie blieben weiter nach beiderseitigem Einverständnis an ihren Platz:
„Knechte und Mägde verdingten sich gewöhnlich auf ein Jahr, während dieser Zeit durfte der Dienstbote nicht ohne schwerwiegenden Grund aus dem Dienst treten, der Dienstgeber ihn nicht entlassen, sofern er sich nichts zu Schulden kommen ließ. Für den Knecht- und Mentscherwechsel war das Fest Mariä Lichtmeß der übliche Termin.“
Quelle: Helmuth Feigl, Die niederösterreichische Grundherrschaft, St. Pölten 1998
 

Zu Lichtmess entsorgte man früher erst den Christbaum. Da in den Stuben wenig geheizt wurde, hielt er sich lange, ohne die Nadeln zu verlieren.

 

3. Februar,  Blasius

„Blasius ist ein Heiliger der Ostkirche, er war Arzt und später Bischof. Er zählt zu den 14 Nothelfern. Er ist der Patron der Ärzte, Hutmacher, Wachszieher, Bäcker und Musikanten. Er wird vor allem bei Halsleiden und Zahnschmerzen angerufen.“
Quelle: Weltbild Bauernkalender 2012
 

„Zu Blasius begannen die „Schlankeltage“ oder Urlaub (für das Dienstpersonal, Anm. d. Verf). Wenn sie Stallarbeiten verrichteten, waren 14 Tage, ansonsten 8 Tage. Monatslohn waren vor dem 2. Weltkrieg Mägde 30,-- S, Knechte 40,-- S. Zu Weihnachten gab es größere Geschenke,  z. Bsp. Bettzeug, Leintücher u. dgl.“  Quelle: Frau Schabl, Königsbrunn 

In der kirchlichen Liturgie wurden Maria Lichtmess und der Blasiustag oft zusammengelegt. Man kam mit zwei langen Kerzen zur Messe. Diese wurden über Kreuz vor dem Hals gehalten und der Priester erteilte den sogenannten Blasius-Segen.

 

14. Februar, Valentin

Valentin war ursprünglich der Patron, der gegen die Fraisen bzw. Epilepsie half. Sich am Valentinstag Blumen, Süßigkeiten oder gar Schmuck zu schenken, ist ein neuerer Brauch.  Im „Fest- und Brauchtumskalender“ von Gustav Gugitz aus dem Jahre 1954 wird dieser Brauch noch nicht erwähnt.

 

1. April

Mehr als heute wurde man früher "in den April geschickt". Neben anderen - einfallsreicheren Späßen – wurden die Kinder, die das noch nicht kannten, zum Greißler um Oxdradium (Ochs dreh dich um), Ibidum (Ich bin dumm) und um Spennadelsamen (Stecknadelsamen) geschickt.

"Dieser Brauch ist bereits im 17. Jahrhundert belegt und geht vermutlich auf ein römisches Narrenfest zurück, das an diesem Termin gefeiert wurde."
Quelle: Margit Adam, Bauernregeln für jeden Tag, Seehamer Verlag 

 

30. April, Walpurgisnacht

Von alters her glaubte man, dass an diesem Tag die Hexen los sind. Was sich bei uns eingebürgert hat, ist der Brauch des Maistrichmalens. Einige Jugendliche gehen in der Nacht durchs Dorf und schreiben mit Kalkfarbe (wenn sie gemein sind, mit besser haftenden Flüssigkeiten) mehr oder weniger lustige kurze Texte vor die Häuser. 

Foto:Maibaumaufstellen in Winkl mit Frontlader, um 1970

An diesem Tag findet auch das Maibaumaufstellen statt.
Dies war und ist in vielen Ortschaften ein festlicher Anlass, bei dem auch die Musik aufspielt. Wurde früher der Maibaum von Hand aufgestellt, werden nun Frontlader eingesetzt. Bei der nachfolgenden Feier ging es immer lustig zu. Gleichzeitig musste man aber darauf achten, dass vor dem Haus dem Maibaum nichts passierte. Es kam vor, dass Burschen aus den Nachbardörfern den Maibaum umschneiden wollten. Auch sonst kam Schabernack vor: einmal wurde – während die Männer beim Ortsvorsteher in Winkl feierten – das Fahrrad eines Feuerwehrkameraden auf den Lichtmast gehängt.
Dieses Maibaumumschneiden, das es auch heute noch gibt ist Brauchtum und angeblich in dieser Nacht nicht strafbar.

 „'Ein donnerndes Hoch unserem Herrn Bürgermeister und seiner Familie', steht auf der Tafel die den schlanken Stamm ziert. Die Sitte, einen Maibaum zu setzen, ist im ganzen Tullnerfelde üblich. In Orten, die nahe am Walde liegen, setzen die Burschen ihre Ehre darein, einen hohen schönen Fichtenbaum zu stehlen.
Steht vor der Haustür ein Maibaum, ist es eine Ehrung für den Bewohner. Dem so Geehrten kostet aber das Setzen und am letzten Mai das 'Umwerfen' des Baumes eine Menge Geld, da er den Burschen Bier und Wein zahlen muß. Arme Leute erhalten daher nie einen Maibaum.
Manchmal wird auch versucht, in einem fremden Ort heimlich in der Nacht den Maibaum umzuschneiden. Werden die Burschen auf frischer Tat ertappt, setzt es eine derbe Rauferei.
Quelle: Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke (Erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)

Maibaumaufstellen in den 70er Jahren in Winkl    
Foto: Monika Riedl, Winkl

1939 beschreibt  Schulleiter Peter Pircher das Aufstellen eines herrlichen Maibaumes auf dem Platz der Adolf-Hitler-Eiche in Winkl, bei der er selbst die Festrede hielt. Während des Aufstellens des Maibaumes kam es zu einem Unwetter mit Sturm und Regengüssen, was die ohnehin äußerst schwere Arbeit noch schwieriger machte.

 

Mai

Der Mai ist traditionell als Marienmonat bekannt.  Der Heiligen Maria sind viele Kirchen, Kapellen und Säuen geweiht. Der Mai ist auch der Monat der

 

Maiandachten

Maria zu Ehren wurden und werden Sonntag nachmittags Andachten gehalten, in größeren Kirchen sogar täglich, wie man in der Kirchberger Pfarrchronik im Jahr 1919 liest:  Wie im Vorjahr wurde auch heuer die Maiandacht täglich gehalten. Während der Wochentage ist eine geistl. Vorlesung aus ‚Maria vom guten Rat‘ (von Kerschbaumer), jeden Sonntag ist Predigt.“  


Zur Maiandacht kamen die Altenwörther früher zu Fuß nach Winkl.
Foto: Monika Jöchl, Winkl, um 1970 

„Zu den Maiandachten gingen wir Kinder gerne, denn wir durften die weißen Kleider anziehen. Wir durften vorne rund um den Altar stehen. In den Orten stand wohl das kirchliche Geschehen im Mittelpunkt.“  Quelle: Frau Anna Schabl, Neustift/Königsbrunn

 

1.Mai, Tag der Arbeit

Obwohl „Tag der Arbeit“, ist dieser Tag seit 1919 ein staatlicher Feiertag, an dem seit den 70er Jahren Maiaufmärsche mit Ansprachen der SPÖ stattfinden.

 

4. Mai, Florian

Der Hl. Florian, der in Zeiselmauer geboren wurde und als Märtyrer in Lorch, OÖ starb, ist u.a. der Schutzpatron der Feuerwehr. An diesem Tag finden in den Pfarren Feuerwehrmessen statt.

Foto: Hl. Florian, Kirche Neustift

„Ein böses Volkssprüchlein, das von Nächstenliebe nichts weiß, sagt: 'Heiliger Florian, beschütz unsere Häuser vor Feuergefahr, zünd andere an!' Am Feste des hl. Florian, es ist der 4. Mai, ziehen viele kirchliche Prozessionen nach Zeiselmauer, da dieser Ort noch immer als Geburtsort des Feuerheiligen gilt. 
In der Nacht zum 4. Mai wird Mädchen, die durch ihren Lebenswandel keinen guten Ruf genießen, und Männern die es mit ihrer ehelichen Treue nicht genau nehmen, der „Florl“, eine Strohpuppe, vor das Haus oder auf das Dach gesetzt. (Feuersbrunn, Fels)“ 
Quelle: Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke (Erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)

 

2. Sonntag am Mai, Muttertag

Der Muttertag hat seinen Ursprung in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung. In Österreich wird er seit 1924 gefeiert. Als Kinder kauften wir von unserem Taschengeld in den Kirchberger Geschäften kleine Präsente wie Vasen oder Holzbildchen mit netten Sprüchen. Eine Zeit lang kaufte man der Mutter oder Gattin die neuesten Küchengeräte wie Mixer, Eierkocher, Brotschneidemaschinen. Doch heute, in einer Zeit, wo ohnehin schon jeder alles hat,  haben die wenigsten Frauen mit diesen Arbeitsgeräten eine Freude. In den Kindergärten und Schulen wird fleißig für diesen Tag gebastelt, Gedichte werden gelernt.

 

25. Mai, Urban

Er ist der wichtigste Patron der Weinhauer. In Winkl findet um diese Zeit die Urbanimesse statt.

 

Bitttage

An einem Tag vor Christi Himmelfahrt findet der Bittgang statt. Bei diesem Umzug, der hinter dem Kirchenareal vorbeiführt, bitten die Gläubigen unter Gesang und Litaneibeten um gutes Wetter für die Landwirtschaft.


Foto: Christine Dreschkai, Kirchberg

 

2. Sonntag im Juni, Vatertag

Analog zum Muttertag wurde an diesem Tag der Vatertag geschaffen, der an Bedeutung ersteren aber nicht erreichen kann.

 

Um den 21. Juni,  Sonnwendfeuer

Der Brauch, am Vorabend des Johannistages Sonnwendfeuer zu entzünden, reicht bis in heidnische Zeiten zurück. Im Christentum wurden daraus Johannisfeuer, jetzt nennt man sie sie Sonnwendfeuer.


Foto: Verschönerungsverein Winkl, Anton Karner 

 

24. Juni,  Johannes der Täufer

Dieser Tag ist ein Lostag für allerlei Gemüse: Spargel und Rhabarber sollen nur bis zu diesem Zeitpunkt geerntet werden. Früher wurden ihm zu Ehren Johannisfeuer entzündet, die jetzigen Sonnwendfeuer.

 

25. Juli, Christophorus

„Christophorus ist ein legendärer Heiliger des Christentums. Er wird häufig als Hüne mit Stab dargestellt, der das Jesuskind auf den Schultern über einen Fluss trägt. Er zählt zu den Vierzehn Nothelfern und ist heute besonders als Patron der Autofahrer populär.“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Christophorus 14.10.2012

Allerorten finden an diesem Tag Auto- und Motorradweihen nach der Hl. Messe statt.  

Foto: Hl. Christophorus, Kirche Altenwörth 

 

10. August, Laurentius


Er ist neben dem Hl. Urban ein Patron der Winzer. Es ist also kein Wunder, dass gerade um diesen Tag im Weinort Kirchberg am Wagram ein Markttag gehalten wird. Und zwar wird – so wie im Fasching – am Montag ein Holzmarkt und am Dienstag ein allgemeiner Markt gehalten. Der Holzmarkt verliert aber immer mehr an Bedeutung, da sowohl Käufer als auch Verkäufer von Besen, Fässern, Körben etc. immer weniger werden.

 

29. September, Michael

Michael ist neben Raphael, Gabriel und Uriel einer der vier Erzengel.  An diesem Tag war vielerorts der Zehent und Pacht fällig, Schuldtermine wurden an dem Tag festgelegt (Die Bauern hatten die Ernte eingebracht und daher Barmittel). Auch ging man an dem Tag „mit der Gaß zum Bock“ – mit der Ziege zum Ziegenbock zum begatten. 

 

Oktober

Der Oktober ist ebenfalls ein Marienmonat, welcher aber weniger intensiv als der Mai gefeiert wird.

 

4. Oktober, Franz von Assisi, Welttierschutztag

Anlässlich dieses Tages wurden früher in der Schule den „Tierschutzkalender“ zum Kauf angeboten.

 

26. Oktober, Nationalfeiertag

Für diesen Tag wurde  in den Kindergärten und Schulen eifrig an Fahnen gebastelt und es fanden Feiern zum „Tag der Fahne“ statt.

Vielerorts gab und gibt es an diesen Tag Fuß- oder Radwandertage.

Foto: Kindergarten Altenwörth, 1990

 

1. November, Allerheiligen

Allerheiligen ist ein kirchlicher Feiertag.  Ursprünglich wurde er von Papst Gregor IV. im Jahre 835 als Gedenktag für alle Märtyrer und Heiligen eingeführt, mittlerweile ist er aber ein Gedenktag für alle Heiligen, an dem die Gräber allerorten mit Blumen und Gestecken geschmückt werden. Früher wuchsen in allen Gärten Chrysanthemen, die, da sie nicht besonders frosthart sind, ab den ersten Frösten täglich abends zu- und morgens wieder abgedeckt wurden, damit man zu Allerheiligen die Gräber damit schmücken konnte. Heute kauft man die Blumen beim Gärtner.

Neben der Messe am Vormittag findet ein Nachmittagssegen mit anschließendem Friedhofsgang mit Blasmusikbegleitung statt, zu dem Verwandte aus nah und fern zum Friedhof kommen.

Als besonders Gebäck gibt es für diesen Tag den „Allerheiligenstriezel“, den sich die Männer auch heute noch mancherorts ausschnapsen.

„Zu Allerheiligen bekamen Mädchen einen Strohstriezel auf das Dach des Hauses wo sie wohnten.“ 
Quelle: Frau Anna Schabl
 

 

2. November, Allerseelen

An diesem Tag wird seit jeher aller Verstorbenen gedacht. Es ist kein offizieller Feiertag, die Schulen haben aber geschlossen. Auch an diesem Tag gibt es einen Friedhofsgang.

 

8. November,  Hubertus

Der Heilige Hubertus ist der Patron der Jäger. Aus diesem Grund gab und gibt es an diesem Tage Festmessen, meist bei den Jägerkapellen – z. B. in Bierbaum.

 

11. November,  Martin

Der römische Soldat (später Priester und Einsiedler) Martin hat der Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler geteilt. Er ist einer der ersten Nicht-Märtyrer, die einen eigenen Festtag bekamen. Früher begann zu St. Martin das Neue Wirtschaftsjahr. Löhne wurden ausbezahlt und so wie zu Lichtmess konnten auch an diesem Tag Mägde und Knechte den Dienstherrn wechseln.

Nach ihm benannt ist die Martini-Gans, die zu diesem Zeitpunkt fett und schlachtreif ist. Es werden in vielen Gasthäusern Gansl-Essen veranstaltet. Der neue Wein wird um diese Zeit getauft.

Mit den Kindern werden Martini-Umzüge veranstaltet – und zwar abends mit selbstgebastelten Laternen. Zum Abschluss gibt es Kipferl, die die Kinder zu Hause mit der Familie teilen sollen.

Foto: Laternenfest in Winkl um 1995, Foto Anton Karner

 

 

 

 

15. November, Leopold

Der heilige Leopold III. ist der Patron von Ober- und Niederösterreich. Früher war dieser Tag ein Feiertag. Heute ist es nur mein ein schulfreier Tag. 

Früher fand  in Kirchberg zu „Lepoldi“ die Dienstbotenprämierung statt: Knechte und Mägde, die schon eine Reihe von (runden) Jahren beim selben Arbeitgeber waren, wurden geehrt: Am Feste des hl. Leopold war hier wieder die Prämierung von 24 braven Dienstboten in  Gegenwart des Herrn Bezirkshauptmannes Dr. Schuppler, mit schöner kirchlicher Feier, bei der auch der Pfarrer einige Worte an die Prämierten hielt.“ Quelle: Pfarrchronik Kirchberg, 1926, Pfarrer Karl Rasberger - Danach gab es ein Essen. Die Musikschüler der Familie Schmid aus Absdorf spielten dazu auf. 

Die Männer fahren nach Klosterneuburg zum Fasslrutschen. Aber auch bei uns gab es zeitweilig diesen Brauch, so z. B. 1969: „‘Faßlrutschen‘ im Zwickelkeller am 15. November in Kirchberg – 400 Personen beim Tanz – Organisator wieder Kpl. Spreitzhofer“
Quelle: 
Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Pfarrer Rudolf Koriska
 

Leopoldi-Widmung
Amtsblatt des Tullner Bezirkes 10.11.1960:
„Aus gegebenem Anlaß wird in Erinnerung gebracht, daß die niederösterreichische Landesregierung in ihrer Sitzung vom 17. November 1954 nachstehende Widmung beschlossen hat:
Art. 1: Die Widmung trägt den Namen „Leopoldi-Widmung der niederösterreichischen Landesregierung.
Art. 2: Zweck der Widmung ist es, jedes am 15. November geborene Kind, dessen Eltern, (Mutter) die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und die ihren ordentlichen Wohnsitz in einer Gemeinde des Bundeslandes Niederösterreich haben, mit einem Betrag von S 1000,-- zu bedenken, wenn dem Kinde der Name Leopold oder Leopoldine gegeben wird.
Art. 3: Das Sparbuch über diesen Betrag wird bis zur Großjährigkeit des Kindes gesperrt …….“

 

4. Dezember, Barbara

„Barbarazweige, früher auch oft als Barbarabäume bezeichnet, sind Zweige von Obstbäumen, die nach einem alten Brauch am 4. Dezember, dem Tag der hl. Barbara (Barbaratag) geschnitten und in einer Vase in der Wohnung aufgestellt werden.

Je nach Gegend und Brauchtum werden Kirsch-, Apfel-, Birken-, Haselnuss-, Rosskastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienzweige verwendet. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen und in der kalten und düsteren Winterzeit zum Weihnachtsfest Schmuck in die Wohnung bringen. Der Brauch geht auf eine Überlieferung von der Heiligen zurück, nach der sie auf dem Weg in das Gefängnis mit ihrem Gewand an einem Zweig hängenblieb. Sie stellte den abgebrochenen Zweig in ein Gefäß mit Wasser, und er blühte genau an dem Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde.
Nach regionalem Volksglauben bringt das Aufblühen der Barbarazweige Glück im kommenden Jahr.“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Barbarazweig, 5.7.2012
 

„Am Feste der hl. Barbara, 4. Dezember, werden im Weinland von den Reben Zweige geschnitten und eingewässert. Treiben sie bis zu Weihnachten aus und setzen Blütenknospen an, so betrachtet dies der Hauer als ein gutes Zeichen für das kommende Weinjahr.
Barbarazweige schneiden auch die Mädchen von den Kirschenbäumen, wässern sie ein und stellen sie in die Wärme. Blühen sie, gibt es im kommenden Jahr eine Hochzeit.“
Quelle: Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke (Erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)

 

5. Dezember, Krampus

„Ein ausgesprochenes Fest unserer Kinder ist der 6. Dezember. Schon Tage vorher pocht ihnen das Herzlein. Denn da kommt der Krampus 'anmelden'. Wenn es draußen dunkel wird rasselt auf einmal vor dem Fenster oder der Türe eine Kette und mäuschen still mit großen verschreckten Augen sitzen die Kleinen. Einer von den größeren Buben sagt stolz: 'Wos fürchts euch denn? Morgn, wann er kummt, gschirr i ihn o!' Damit meint er, er werde dem Krampus die Maske und die Verkleidung herunterreißen. Als aber am Abend des 5. Dezember der Krampus im zottigen Fell und feuerroter Larve urplötzlich mitten im Zimmer stand, da war der mutige Bub der erste unter dem Tisch. Kaum aber schloß sich die Türe hinter der Teufelsgestalt, war ihm der Mut auch schon wieder zurückgekehrt. Spottend rief er: 'Vater unser, der du bist, i weiß schon, wer der Krampus ist. Der Krampus ist a schlimma Mann, der alle Kinder wixen kann', ein Sprüchlein, das im ganzen Tullnerfelde bekannt ist.“
Quelle: Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke (Erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)

 

6. Dezember, Nikolaus

Nikolaus war Bischof von Myra und es ranken sich viele Legenden um seine Person, die alle von seiner Mildtätigkeit und Güte handeln. Er ist u. a. der Patron der Schiffer und des Wassers (und allem was damit zusammenhängt) und auch der Kinder.

Der Hl. Nikolaus bringt den Kindern kleine Geschenke und Süßigkeiten, die er in die Stiefel steckt oder aufs Fensterbrett stellt. Früher, als die Zeiten nach schlechter waren, gab es für die Kinder selbst gemachte Zwetschkenkrampusse, Nüsse und Äpfel (Chrysofzker) ins Sackerl.
Oft kommt Nikolaus auch persönlich vorbei, meist begleitet vom Krampus, vor dem die kleineren Kinder etwas Angst haben.

Die Kirche in Winkl ist dem Hl. Nikolaus geweiht, daher gibt es um diese Zeit die „Niklo-Messe“, bei der die Kinder Süßigkeiten erhalten. Vor der Kirche gibt es einen Glühweinstand vom Verschönerungsverein. 

    
Altarbild der Kirche Winkl  -  Bildnis des Bischofs in Myra, Türkei

 

8. Dezember, Maria Empfängnis

Um diesen Tag gab es jahrelang einen Weihnachtsmarkt auf dem Gelände des Heurigen Grill neben dem alten Winzerkeller.

 

Herbergsuchen 

In Anlehnung an das Lukas-Evangelium "Weil kein Platz für sie war..." hat sich der Brauch der Herbergsuche entwickelt. Dabei wird in den letzten neun Tagen vor Weihnachten eine Marienstatue oder ein Marienbild jeden Tag in ein anderes Haus getragen und dort bei Gebet und Liedern verehrt.

   
Fotos: Karl Gangl, Dörfl

 

24. Dezember, Hl. Abend

Der Vormittag des Hl. Abends ist ein Fasttag, der aber nicht mehr sehr streng gehandhabt wird, allerdings gibt es in vielen Häusern nach altem Brauch noch immer Fisch. Nachmittags geht man auf den Friedhof, um an den Gräbern der verstorbenen Angehörigen Kerzen zu entzünden. Am Abend kommt dann das Christkind – heute auch der Weihnachtsmann – und bringt den Christbaum und Geschenke. Die Kinder werden zu den Großeltern gebracht, damit die Eltern in Ruhe alles vorbereiten können. 

Die Christmette fand früher um Mitternacht statt, heutzutage, je nach Pfarre auch früher. Die Leute gingen in der Nacht bei Kälte und Schnee aus den Ortschaften in die Pfarrkirche zur Mette. 

 „Die stillste Zeit im Jahre ist wohl Advent u. Weihnachtszeit. Am hl. Abend erinnere ich mich ans Bleigießen und wir rätselten was diese Figuren darstellen könnten. Auch Bratäpfel machten wir uns. Am hl. Abend hatten wir am Abend in der Kirche eine Andacht zu der wir Wachsstöcke anzündeten, es war sehr beschaulich. Nach dieser Andacht war der Zeitpunkt , da in jedem Haus der Christbaum entzündet wurde. Die Vorhänge wurden zur Seite geschoben und so ging man im ganzen Ort Christbaum „ausschauen“.  
Quelle: Frau Anna Schabl

Bild links: Aus der alten Schule von Niederschleinz, Verlag von Herder in Freiburg, Baden, D
Bild rechts: moderne Weihnachtskrippe im Pavillon am Winkler Spielplatz, 2014


Krippe der Pfarrkirche Kirchberg am Wagram
Foto: Christine Dreschkai, Kirchberg

 

Rauhnächte

In diesen Nächten – besonders am Hl. Abend und zu Silvester – wurden Wohnung und Stallungen mit Weihrauch und Kräutern zur Krankheitsabwehr ausgeräuchert.

 

25. Dezember, Christtag

26. Dezember, Stephanitag

An diesen beiden Tagen besucht man von jeher die Verwandtschaft. 

„Zu Weihnachten war jedes Mal um 6 h früh die hl. Messe mit Weihnachtsliedern u. nachher ging es geschlossen außer einer Person im Hause in den Nachbarort Winkl, wo dann die 2te und 3te Weihnachtsmesse stattfand. Dies war fast das einzige Mal, wo wir nach Winkl gingen u. nicht nach Kirchberg.“
Quelle: Frau Anna Schabl
 

 

31. Dezember, Silvester

Zum Jahreswechsel gab und gibt es seit jeher verschiedene Bräuche wie etwas das Bleigießen, wo man in den erstarrten Figuren Zukünftiges lesen kann.  Neuerdings gibt es in verschiedenen Orten „Silversterpfade“ – Wandertage mit Raststationen zum Laben – vor allem mit Flüssigem.

Als Essen zu Mittag oder zur Jause gab es einen Saurüssel oder einen ganzen Schweinskopf – das Schwein soll ja bekanntlich Glück bringen. 

 

 

Maria Knapp
Oktober 2012