Kapelle zum Hl. Josef

 

Letzte Änderung: 16.11.2014

 

Die Ortskapelle an der Hauptstraße, die dem Heiligen Josef dem Nährvater geweiht ist, wurde von den Geschwistern Josef (geb. 1815), Theresia (1826 – 1893) und Franziska (1822 – 1895) Wagner, alle wohnhaft in Dörfl Nr. 5, im Jahr 1893 gestiftet. Den Baugrund dafür stellte die Gemeinde zur Verfügung. Außerdem stiftete Franziska Wagner in ihrem Testament einen größeren Betrag zur Erhaltung der Kapelle. 

Der späthistoristische Bau wurde von der Firma Österreicher aus Königsbrunn geplant und ausgeführt.  Es handelt sich um einen schlichten Bau mit Satteldach und Halbsäulenportikus. Innen ist die Kapelle platzlgewölbt.

Das Altarbild zeigt die Heiligen Maria und Joseph und entstand um 1900. Neben dem Altar stehen eine Jesus- und eine Marienstatue. Daneben befindet sich jeweils ein Heiligenbild. An der linken Seite befindet sich ein Fenster, an der rechten ein Gemälde.

An der Westseite ist ein eisernes Glockengerüst angebracht. 

Eine Renovierung erfuhr die Kapelle im Jahr 1949. 

Seit  1969 ist die Marktgemeinde Kirchberg am Wagram die Eigentümerin der Kapelle. 

Im September 2011 wurde der Glockenturm renoviert. Nach der Segnung lud der Dörfler Gönnerverein zu einer Agape. 

  

Der Kirchenpatron

Josef, der Ziehvater Jesu, stammte aus dem Geschlecht des Königs David. Er lebte als Zimmermann in Nazareth und war der Verlobte Marias, der Mutter Jesu. Als er erfuhr, dass Maria schwanger war, zweifelte er an ihrer Treue und wollte sich von ihr trennen; doch ein Engel erklärte ihm in einem Traum, dass Maria vom heiligen Geist schwanger sei. So blieb Josef bei ihr (Mt 1,18-25). Zum letzten Mal wird Josef  in den Evangelien erwähnt, als er und Maria den zwölfjährigen Jesus im Tempel diskutierend mit den Schriftgelehrten vorfanden (Lk 2,41-51).

Vorerst wurde er von der Kirche stiefmütterlich behandelt, zumal es keine Reliquien von ihm gab. Erst im 15. Jh. wurde ihm zu Ehren ein „festum simplex“, ein einfacher Feiertag abgehalten, 1621 wurde daraus ein gebotener Feiertag, seit 1870 ist er der Patron der Gesamtkirche. Sein Gedenktag ist der 19. März.

Seine Attribute sind Zimmermannskleidung und Zimmermannswerkzeug. Oft trägt er das Jesuskind auf dem Arm, eine Lilie als Zeichen der Jungfräulichkeit oder einen blühenden Stab.

Er ist der Landespatron von Kärnten, Steiermark und Tirol, weiters ist er der Beschützer des Handwerks, vor allem von Berufen, die mit Holz arbeiten, der Liebes- und Eheleute, der Familie und Kinder. Er wird bei Wohnungsnot angerufen, da er bei der Volkszählung mit seiner Familie keine Bleibe fand.

Der Josefitag ist ein wichtiger Lostag im Frühling:
Zu Josefi  ist auch der faulste Bauer am Acker.
Ist’s am Josefitag klar, folgt ein fruchtbar‘ Jahr.

 
Früher standen zwei Tannen vor der Kapelle, wie auf dem Foto aus der "Dörfl-Chronik" von Otto Fandl ersichtlich.
 

 

 

 
Kapellenfest mit Bürgermeister Johann Benedikt und Ortsvorsteher Franz Scharl, 1996
Fotos: Karl Gang, Dörfl

 

Quellen:
Otto Fandl: Eine Dörfl-Chronik
DEHIO-HANDBUCH, Die Kunstdenkmäler Österreichs; Niederösterreich nördlich der Donau, 1990

 

Jänner 2014
Maria Knapp