Schiffmüller in Altenwörth

 

Letzte Änderung: 15.5.2018

 

Die Altenwörther Schiffmühlen befanden sich unterhalb des Ortes im Mühlwasser, in der Nähe der Bergau, teilweise auch direkt im Fluss, wie einige Karten aus der Zeit um 1800 zeigen. Die Müller selbst wohnten im Ort.
Im Jahr 1650 ist erstmals ein Altenwörther Müller in den Pfarrmatriken genannt, und zwar  Hannß Khupfer als Mülner Zue Altenwert mit Gattin Sophia und Sohn Joannes.[1]
1651 verkaufte der Müller Andreas Zeitlberger seine Behausung in Winkl.[2]
Die Mühlen gehörten zum Besitz der Herrschaft Grafenegg und wurden an Pächter vergeben. Im Mühlenbuch aus der Zeit um 1660 sind unter dem damaligen Herrschaftsinhaber Graf Ferdinand von Verdenberg drei Schiffmüller verzeichnet: Stephan Beckh, sowie Hans Wieser und Friederich Sembler in Winkl.[3] Das deutet darauf hin, dass manche Schiffmühlen zeitweise in der Winkler Freiheit standen oder die Müller ihre Wohnhäuser in Winkl hatten.
Johann Jobst wurde von der Herrschaft Grafenegg 1705 eine der drei Mühlen in Bestand (Pacht) überlassen. Er sollte sie nach Handwerksbrauch zu seinem Nutzen führen, nichts verwahrlosen lassen, sich allzeit verständige Müllerjungen halten, damit an der Mühle und den Mühlzillen nichts verwüstet würde. Er und seine Leute sollten auf das feuer und Licht, bey tag und Nacht Embsig Obsicht tragen, auch Keinen verdächtig-bößen-leuthen aufenthalt geben, durch welche dergleichen, oder andrer Ungelegenheiten causirt werden möchte, wie den aller Schaaden von Ihme Bestandtnehmer gesucht werden würde. Der Pacht betrug zwei Mut Korn und fünfzehn Metzen Getreide, die an das Hofkastenamt der Herrschaft abzuführen waren. Im Jahr 1708 wurde der Vertrag verlängert, Zeugen hiebei waren Egidÿ Kÿnpöckh und Egiti Benedict.[4]
1754 betrieb der St. Johanner Schiffmeister Anton Puchrucker zwei Schiffmühlen in Altenwörth. Das geht aus einer Aufforderung hervor, die von ihm verlangte, innerhalb von acht Tagen den bereits im Jahr davor von der Obrigkeit geforderten ordentlichen Steg zu den Mühlen anzulegen. Als weiterer Schiffmüller wird 1755 Mathias Würdt genannt.[5]
 
 
Im Plan der Donauregulirungs-Commission für Niederösterreich,
Strecke Krems-Tulln, sind im Mühlwasser  zwei Schiffmühlen eingezeichnet. 
 
 
Das Schiffmüllerhandwerk war mit viel Arbeit und auch materiellem Einsatz verbunden. Es kam daher oft zu Lizitationen, wenn die Betreiber ihre Schulden nicht mehr begleichen konnten. Im Jahr 1777 wurde eine Schiffmühle zur Versteigerung ausgeschrieben, die nach dem Abgang des Besitzers Anton Nußbaumer mitsamt dem vorhandenen Werkzeug bereits im Jahr davor erfolglos angeboten worden war.[6]
1785 verkauften Stephan Gruber und seine Ehefrau Magdalena ihre neu erbaute Behausung und die ihnen gehörige Schiffmühle mit allem Zubehör. Der Käufer sicherte ihnen noch ein Jahr Wohnrecht in einer Kammer des Hauses zu.[7]
Der Müller Joseph Bauer starb 1794 mit nur 35 Jahren. Seine Mühle wurde daraufhin versteigert.[8] Sie dürfte aber doch in der Familie geblieben sein, denn die Witwe Franziska heiratete Leopold Gabler, gewester behaußter Müllermeister aus Walperstorf in Arbeit stehend. Doch auch dieser Ehe war keine lange Dauer beschieden, denn bereits 1797 ehelichte sie den Mühljungen Franz Lades. Jakob Bauer (geb.1788), Sohn des Joseph, heiratete 1814
Katharina Kleindienst aus Utzenlaa.
1795 wurden drei Schiffmühlen, die den Schiffzügen ganz besonders hinderlich waren, entfernt.[9]
1814 scheint in den Pfarrmatriken die Müllerswitwe Anna Maria Eder als Taufpatin auf.
1824 ließ die Herrschaft die dem Georg Müller und seiner Frau Mag-dalena gehörige Mühle samt allem Inventar versteigern, ebenso ihr Haus Nr. 28 (heute Sigmarstraße 33).[10]
Theresia Scheuch, Tochter des 1815 verstorbenen Müllermeisters Mathias Scheuch, heiratete 1824 Karl Haidvogel, Sohn des Ottendorfer Schiffmüllers.
1828 heiratete der Schiffmüller Michael Korner die Hauerstochter Katharina Hof aus Altenwörth. 1844 ist er noch als Müllermeister in Nr. 38 (heute Austraße 3) genannt, 1846 starb er als Armenhauspfründler in Nr. 29. Das Ehepaar dürfte keine Kinder gehabt haben.
Im Franziszeischen Kataster sind  1832 folgende Müller genannt:
Michl Bsteh, Nr. 37 (heute Donaustraße 4)
Michl Korner, Nr. 38 (heute Austraße 3)
Karl Haidvogl, Nr. 39 (heute Austraße 5) [11]
Die Statistische Commission führte 1865 unter den Schifffahrtshindernissen bei Altenwörth 8(!) für die Schifffahrt ungünstig situirte Schiffmühlen an.[12]
Der Schiffmüller Anton Weiß, Hauerssohn aus Kollersdorf, wohnhaft in Nr. 10 (heute Sigmarstraße 12), heiratete 1845 Anna Maria Linninger.  Er starb 1868. 1877 stand die Mühle zum Verkauf. [13]
Während des Preußisch-Österreichischen Krieges im Jahr 1866 ließ man alle Schiffmühlen, Schiffe, Plätten, Zillen sowie alles Lang- und Bauholz auf das jenseitige Ufer nach Zwentendorf oder nach Wien bringen, um dem Feind kein Material zum Brückenbau zu lassen.[14] 
In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1875 brannten alle drei zu den Mühlen gehörigen Hütten am Ufer aus ungeklärter Ursache ab.[15] 
1876 wurde eine Mühle vom Eigentümer im Haus Nr. 4 (heute Schwemmgasse 2) zum Kauf angeboten,[16] die Karl Handbüchler erworben haben dürfte. Sein Vater Ignaz, geboren vor 1825, wird als Schiffmüller in Drösing bei Hohenau an der March, in Tulln und in Altenwörth genannt.
Am 24. Februar 1882, um 2 Uhr morgens, brannte die dem Paul Lindner gehörige Schiffmühle ab, ohne sonstigen Schaden anzurichten. Die Brandursache war wieder unbekannt.[17]
Der aus Niederrana (OÖ) stammende Anton Haslinger ist in den Pfarrmatriken erstmals 1889 bei der Geburt des Sohnes Franz auf Nr. 21 erwähnt.
Am 22. März 1896, um ½ 5 Uhr früh brannte das am Land beim Mühlwasser befindliche, dem Anton Haslinger gehörige Mühlhaus ab.[18]
Laut Aufzeichnungen in den Pfarrmatriken waren die letzten Mühlenbesitzer wahrscheinlich Paul Lindner, Karl Handbüchler und Anton Haslinger.
Die Donaukarte der DDSG aus dem Jahr 1918 zeigt nur mehr eine Schiffmühle am rechten Ufer oberhalb von Zwentendorf, eine Schiffmühle am linken Ufer zwischen Zwentendorf und Tulln und zwei Schiffmühlen unterhalb von Tulln.[19]
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges betrieb Anton Altmann neben dem Sägewerk eine Schrotmühle. Er legte das Gewerbe mit 1.1.1946 still.[20]
 
Familie Bsteh
Die Mühlen sind oft in der Familie weitergegeben worden. Angehörige der Familie Bsteh werden über drei Generationen als Müller in Altenwörth genannt.
Joseph wird 1779 bei der Heirat seines Sohnes Johann Michael in den Kirchberger Pfarrmatriken als Müller genannt. Woher die Familie ursprünglich stammte, geht aus den Einträgen nicht hervor, aber auch in der ehemaligen Feiertagmühle zwischen Grafenwörth und Kamp sind Müller dieses Namens genannt. Johann Michael (vor 1759-1829) wird bereits als Schiffmüller bezeichnet. Dessen Sohn Michael (1788-1849) übernahm die Mühle. Keiner der Nachfahren aus zwei Ehen führte den Betrieb weiter (einige der Kinder starben früh). Nach seinem Tod ehelichte seine Witwe Barbara den um 20 Jahre jüngeren, aus Stetteldorf stammenden Müllerjungen Ignaz Janisch (1829-1906). Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor.[21]
Anton, ein Bruder von Johann Michael Bsteh war Viktualienhändler in Altenwörth, Johannes war Obsthändler. Wie bei vielen Berufsgruppen üblich, heiratete man gerne unter seinesgleichen. Michaels Schwester Anna Maria heiratete den Zwentendorfer Müller, Tochter Carolina den Müller der Krottenmühle bei Bösendürnbach.[22]
 
[1] Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram, TOM I, 1632- 1652, S.194.
[2] Archiv Vizedom 31, ab 1651, NÖ Landesarchiv, S.35f.
[3] Mühlenbuch, HHStA 1005/2,  Bl.12.
[4] AT-OeStA/HHStA SB HA Grafenegg Akten 449, Mühlen, Wehre, Wasserbau.
[5] Ebenda.
[6] Wiener Zeitung vom 22. 3. 1777, S.18, veröffentlicht in ANNO.
[7] NÖLA, Kreisgericht Krems, Herrschaft Grafenegg, 82/63 Kaufprotokoll VII 1785-1798,
Fol. 17 Schiffmühle.
[8] Wiener Zeitung vom 9. 7. 1794, S.2038, veröffentlicht in ANNO.
[9] C. SCHRAML, Salinenwesen 2 S. 292, in: NEWEKLOWSKY. Die Schiffahrt und Flößerei, Linz 1954, S.210.
[10] Wiener Zeitung vom 19.1.1824, S.112, veröffentlicht in ANNO.
[11] Anhang zu den Bauparzellen-Protokollen in den Franziszeischen Operaten der Gemeinde Altenwörth, NÖ Landesarchiv St. Pölten, 1832.
[12] Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Herausgegeben von der k.k. Statistischen
Central-Commission.  IV. Heft. Wien, 1867. Schiffahrt und Verkehr auf der Donau und ihren Nebenflüssen im Jahre 1865, S.23.
[13] (Neuigkeits) Welt Blatt vom 13.7.1877 S.6, veröffentlicht in ANNO.
[14] Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Karl GRÖSSINGER (1859-1873), S.111.
[15] Ebenda, Pfarrer Peter OTTEPP (1873-1889), S.135.
[16] (Neuigkeits) Welt Blatt vom 23.4.1876, S.12, veröffentlicht in ANNO.
[17] Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Peter OTTEPP (1873-1889), S.139.
[18] Ebenda, Pfarrer Karl SEDLMAYER (1890-1897), S.150.
[19] NEWEKLOWSKY. Die Schiffahrt und Flößerei, Linz 1954, S.210.
[20] Unterlagen der Gemeinde Altenwörth, 6.11.1947.
[21] Pfarrmatriken Altenwörth.
[22] Ebenda.

 

Mai 2018
Maria Knapp