Damm bei Bierbaum, 1821

 

1821 bedurfte der Damm südlich von Bierbaum einer Reparatur. An den Kosten sollten sich die Herrschaften Stockerau, Neuaigen, Stetteldorf, Thürnthal und Grafenegg, die hier Gründe oder Lehen hatten, sowie die umliegenden Ortschaften beteiligen. Unter- und Oberabsdorf und Mollersdorf lehnten eine Kostenübernahme aber ab, mussten sich auf einen Regierungsbeschluss hin aber fügen.
 
 
KrA VUMB
Weg-, Straßen-, Wasser- u. Schulakten
Fasz. XI, 1821, Karton 212
NÖ Landesarchiv St. Pölten
____________
 
6500/11 d.1/ß.8. Jun. 1821
 
Kreisingenieur Tomann berichtet über die Ausbesserung des Bierbaumer Dammes.
 
Currental Decret
  1. An die Staatshft Stockerau.
  2. An die Hft Neuaigen.
  3. An die Hft Stetteldorf.
  4. An die Hft Thürnthal.
  5. An die Hft Grafenegg.
 
Nachdem die am 26ten März d.J. zwischen den unten genannten Herrschaften und den betreffenden Gemeinden zur Ausmittlung eines billigern Concurrenz-Schlüssels für die Erhaltungskosten des Bierbaumer Dammes abgehaltene Zusammentretung durchaus zu keinem Resultate geführt hat, die ordentliche Aufnahme und Nivellirung des Inundations Terrains aber, welche einem im Entscheidungswege festzusetzenden Maßstabe nothwendig zur Grundlage dienen müßte, für die interessirten Gemeinden mit zu großen Kosten verbunden seyn würde, so erübrigt vor der Hand nichts Anderes, als den gegenwärtigen durch die Gewohnheit sanctionirten, und wenn auch nicht vollkommen mit dem relativen Vortheil, doch wenigstens mit der Beytragsfähigkeit übereinstimmenden Concurrenz Maßstab beyzubehalten, und nach demselben die Ausbesserung der hier am Bierbaumer Damme geschehenen Einrisse unverzüglich zu bewirken, wobey sich an folgende technische Bemerkungen zu halten ist:
Die beym vierten Bruche angefangene Faschinenlage ist wieder wegzunehmen, und die Öffnung bloß mit Erde und Schotter auszufüllen. Der Faschinendamm muß so breit angelegt werden, daß am Fuße des darüber aufgeschütteten Erddammes zu beyden Seiten eine wenigstens zwey Fuß breite Berme oder Absatz bestehe; die einzelnen Faschinenlagen sollen tüchtig mit Schotter beschwert, alle neu aufgeführte Dammstücke durchaus aber nur einen Fuß höher gehalten werden, als der alte Damm, an welchen sie sich anschließen, u.s.w. wie im Berichte des Kreisingenieurs, bis haben müßten.
Die unten genannten Dominien haben nun den in Frage stehenden Bau, dessen Leitung der Hft. Grafenegg zugewiesen bleibt, unverweilt beginnen zu lassen, und Sorge zu tragen, daß er baldigst und wo möglich noch vor der Ernte vollendet werde. Die beytragspflichtigen Gemeinden sind, wenn sich eine derselben ihrer Schuldigkeit entschlagen sollte, mit Berufung auf das Unterthanspatent zu Gehorsam aufzufordern, und es ist ihnen zugleich zu bedeuten, daß im Falle der Unterlassung der ihnen zugewiesenen Arbeiten dieselben durch Teichgräber auf ihre Kosten ausgeführt werden würden, was auch unnachsichtlich zu geschehen hat.
Für den genauen Vollzug dieser Verordnung sind die genannten Dominien verantwortlich, und es müßte denjenigen, von dessen Seite ein Verschulden eintreten sollte, ein Pönfall von 50 f W.W. auferlegt werden.
Das Coons-Protocoll vom 26. März folgt an die Hft. Grafenegg zurück.
Kbg am 16. Junius 1821
Waldheim
Sehr dringend
_________________________________________________
 
 
KrA VUMB
Weg-, Straßen-, Wasser- u. Schulakten
Fasz. XI, 1821, Karton 212
9095/11/1821
__________
 
Herrschaft Grafenegg reprocuciert das Commissions-Protocoll hinsichtlich der Erhaltungskosten des Bierbaumer Dammes
 
Bericht an Regierung
Über den Recurs der Gemeinden Unter- und Ober-Absdorf, dann Mollersdorf gegen die ihnen aufgetragene Beytragsleistung zur Erhaltung des Bierbaumer Dammes.
 
Regierung!
Schon im Jahre 1816 haben die Gemeinden Ober- und Unterabsdorf gegen die kreisämtliche Entscheidung, daß sie, und zwar Erstere mit der Hälfte, die Zweyte aber mit einem Drittheile des im Verhältnisse der anderen Gemeinden auf sie entfallenden Beytrages zu den Erhaltungskosten des Bierbaumer Donaudammes zu concurrieren schuldig seyen, den Recurs an die hohe Landesstelle ergriffen, hochwelche nach gepflogenen mehrfachen Verhandlungen – die im Anschlusse gehorsamst reproducirt werden – unterm 21ten Aprill 1819 Z 14697 erkannte, daß die recurrirenden Gemeinden sich entweder in das kreisämtliche Erkenntniß zu fügen, oder aber zu der zum Behufe der Festsetzung eines genauen Concurrenz Maßstabes nothwendigen Aufnahme der Umgegend des Bierbaumer Dammes einen Vorschuß von 200 f  W.W. unter der Verpflichtung zu erlegen haben, die allenfalls weiter erforderlichen Kostenbeträge auf Verlangen ebenfalls zu bestreiten.
Diese Hohe Verordnung wurde den gedachten Gemeinden unterm 2ten May 1819 bekannt gemacht, und dieselben unterm 3ten des darauf folgenden Monathes über eine angebrachte Gegenvorstellung wiederholt auf jenen hohen Erlaß verwiesen. Die ganze Angelegenheit beruhte sodann auf sich, bis sie durch die im December 1819 erfolgten Beschädigungen des in der Beylage angezeigten Bierbaumer Dammes neuerdings in Anregung gebracht wurde. Die hohe Landesstelle wird aus den weiter angeschlossenen Verhandlungsacten die von dem Kreisamte getroffenen Verfügungen, so wie die Hindernisse zu ersehen geruhen, welche sich der Absicht des Kreisamtes zur Beleuchtung dieses Gegenstandtes die wasserbauamtliche Stromkarte zu benützen, entgegengestellt, und die Abhaltung einer Localcommission notwendig gemacht haben.
Das ehrerbietlichst angebogene Protocoll derselben enthält sowohl eine genaue Darstellung der erhobenen Beschädigungen, als den Beweis, daß es durchaus unmöglich ist, die sich kreuzenden Interessen der erschienenen Gemeinden zu vereinigen: und das Kreisamt mußte sich daher Zeuge des anliegenen Erlasses darauf beschränken, die Ausbesserung der entdeckten Gebrechen nach den technischen Andeutungen des Kreisingenieurs zu veranlassen, und zugleich zu verordnen, daß der bisherige Reparationsmaßstab so lange beybehalten werden müße, bis die Concurrenten eine billigere Vertheilung und Wege des freywilligen Übereinkommens unter sich ausgemittelt haben werden.
Allein eine von der Hft Stetteldorf in der Anlage einbegleitete Vorstellung der beyden Absdorfer Gemeinden, verbunden mit der eigenen Überzeugung, daß der bisherige Concurrenzschlüssel wohl in mancher Hinsicht unbillig seyn möge, bestimmten das Kreisamt über Vernehmung der Hften Neuaigen, Thürntahl und Grafenegg, mittelst der beygeschlossenen Currende eine von allen interessierten Gemeinden und Dominien vorzunehmende Localisierung zum Behufe der Erörterung anzuordnen, welche Grundstücke und Häuser wirklich der Wassergefahr ausgesetzt seyen.
Allein die Hoffnung eines befriedigenden Resultates dieser Erhebung scheiterte, Zeuge der Beylage, an dem blinden Eigennutze der Interessenten, und da die Gemeinde Utzenlaa den bey der Commission gemachen Antrag die Aufnahmskosten vorzuschießen wegen der ihr bekannt gewordenen Beträchtlichkeit der dießfälligen Kosten wieder zurücknahm, der einvernommene Kreisingenieur aber vor Allem auf die Herstellung der vorhandenen Beschädigungen drang, so erübrigte dem Kreisamte nichts anderes, als mittelst der abschriftlich beyliegenden Verwendung die unverzügliche Vornahme der Reparaturen unter einer gehörigen Strafstanction anzuwenden, zugleich aber festzusetzen, daß beym Abgange der Mittel zur Festsetzung eines vollkommen angemessenen Concurrenzmaßstabes, der gegenwärtige, welcher wenigstens den Kräften der Concurrenten entspricht, beyzubehalten seye.
Hingegen haben nun die Gemeinden Ober- und Unter-Absdorf, dann Mollersdorf, den mit hohem Regierungs-Erlasse vom 25 v.M. Z 34278 zur Berichtserstattung herabgelangten Recurs ergriffen, mit welchem sie jedoch aus den angeführten Gründen ab- und auf die hohe Verordnung vom 21. Aprill 1819 zurückgewiesen werden dürften.
Korneuburg am 20. August 1821
Waldheim
____________________________________________________
 
 
KrA VUMB
Weg-, Straßen-, Wasser- u. Schulakten
Fasz. XI, 1821, Karton 212
10261/11 ex 1827
______________
 
Die Regierung hatte bereits bei früheren Beschädigungen des Bierbaumer Schutzdammes unt. 21. April 1819 Z. 14693 /:  erstl. Z. 4605:/  entschieden daß die anliegenden Gemeinden sich hinsichtlich der Herstellungskosten entweder den vom KAmte aufgestellten Beitragsmaßstabs der Konkurrenz nach der Häuserzahl fügen, oder daß sie die Kosten der, einer jeden vollkommen genauen Repartition nothwendig vorangehenden Aufnahme der dortigen Gegend übernehmen müßten.
Beiden gegenwärtigen Beschädigungen haben die Gemeinden sich geweigert das Letztere zu thun, so wie eine solche Vermessung sich auch wirklich als dem Gegenstande nicht angemessen darstellt, da sie nach der Äußerung des KreisIngenieurs wenigsten 4mal so viel kosten würde, als die gesammten Herstellungsauslagen betragen.
Das Kreisamt hat daher in seinem Erkenntnisse vom 16. Juni d.J. Z.6500 ganz richtig und dem Geiste der erwähnten Regierungsentscheidung entsprechend entschieden, daß die Gemeinden in so lange sie nicht über einen anderen Konkurrenzmaßstab untereinander gütlich übereinkommen, auf die bisherige Weise bei eintrettenden Beschädigungen des Bierbaumer Dammes beizutragen haben.
Die gegen diesen kr.ä. Ausspruch Beschwerdeführenden Gemeinden Ober- und Unterabsdorf, dann Mollersdorf sind daher mit ihren an die Regierung ergriffenen Rekrese zurückzuweisen. Die Beilgagen des Berichts vom 20. v.M. Z. 9195 folgen zurück.
Wien d. 7. Sept. 1821
Reichmann
________________________________________
 
10261
Currende
 
Ueber den Recurs der Gemeinden Ober- und Unter-Absdorf, dann Mollersdorf gegen die kreisämtliche Entscheidung, wodurch der bisherige Koncurrenzmaßstab  zu den Erhaltungskosten des Bierbaumer Dammes bestättiget wurde, ist unterm 7n d. M. nachstehende hohe Regierungs-Entscheidung herabgelangt.
Die Regierung hat bereits bey früheren Beschädigungen des Bierbaumer Schutzdammes unterm 21. Aprill 1829 Z. 14697. K.ämt. Z. 4605 entschieden, daß die anliegenden Gemeinden sich hinsichtlich der Herstellungskosten entweder dem vom K.amte aufgestellten Beytragsmaßstabe der Concurrenz nach der Häuserzahl fügen, oder daß sie die Kosten der einer jeden vollkommen genauen Repartition nothwenig vorangehenden Aufnahme der dortigen Gegend übernehmen müßten.
Bey den gegenwärtigen Beschädigungen haben die Gemeinden sich geweigert, das Letztere zu thun, so wie eine solche Vermeßung sich auch wirklich als dem Gegenstand nicht angemeßen darstellt, da sie nach der Äußerung des Kreisingenieurs wenigstens 4 mal so viel kosten würde, als die gesammten Herstellungs-Auslagen betragen.
Das Kreisamt hat daher in seinem Erkenntisse vom 16. Juni v.J. Z. 6500 ganz richtig und im Geiste des erwähnten Rggsentscheidung entsprechend, entschieden, daß die Gemeinden in so lange sie nicht über einen anderen Concurrenzmaßstab untereinander gütlich übereinkommen, auf die bisherige Weise bey eintrettenden Beschädigungen des Bierbaumer Dammes beyzutragen haben.
Die gegen diesen Kreisämtlichen Ausspruch beschwerdeführenden Gemeinden Ober- und Unter-Absdorf, dann Mollersdorf sind daher mit ihren an die Rgg ergriffenen Recurse zurückzuweisen.
Welches sämmtlichen unten benannten Dominien zur Wissenschaft, insbesonders aber der Herrschaft Stetteldorf zur Verständigung der Recurenten und weiteren Amtshandlung bedeutet wird.
Kreisamt Korneuburg am 19. Sept. 1821
Unterschrift
 
An die Staatsherrschaft Stockerau… den 18n Sept 1821
            Unterschrift
Herrschaft Neuaigen …. den 19. 7ber 1821
            Unterschrift
Herrschaft Stetteldorf …. den 20 7ber 1821
            Unterschrift
Herrschaft Thürnthal  ………..den 2. 8ber 1821
            Unterschrift
Herrschaft Grafenegg …. am 3 Okt 1821
            Breuner
_______________________
­­­
 
10261/11 7. Sept 1821
 
Regierungsdecret Z. 40834 bestätigt das kreisämtliche Erkenntnis, wodurch der bisherige Concurrenzmaßstab zu den Erhaltungskosten des Bierbaumer Dammes bestätigt wurde.
 
Currental-Decret
  1. An die Staatshft Stockerau.
  2. An die Hft Neuaigen.
  3. An die Hft Stetteldorf.
  4. An die Hft Thürnthal.
  5. An die Hft Grafenegg.
 
Über den Recurs der Gemeinden Ober- und Unter-Absdorf, dann Mollersdorf, gegen die kreisämtliche Entscheidung, wodurch der bisherige Concurrenzmaßstab zu den Erhaltungskosten des Bierbaumer Dammes bestätigt wurde, ist unterm 7. d.M. nachstehende hohe Regierungs-Entscheidung herabgelangt.
Die Regierung u.s.w. wie im Regierungsdecrete bis: zurückzuweisen. Welches sämmtlichen untenbenannten Dominien zur Wissenschaft, insbesondere aber der Hft Stetteldorf zur Verständigung der Recurrenten und weitern Amtshandlungen bedeutet wird.
Kbg am 19. Septbr 1871
Waldheim
________________________________________
 
 
September 2017
Maria Knapp