Brände 1868

 

Aus verschiedenen Zeitungen geht hervor, dass es im Jahr 1868 in Engelmannsbrunn vier Brände gegeben haben dürfte. Leider ist dies in keiner hiesigen Chronik erwähnt.

 

Große Feuersbrunst in Engelmannsbrunn

Abermals kommt uns die Nachricht von einem großen Brande zu, der am 21.d. eine Ortschaft Niederösterreichs heimsuchte. Es ist dies das Dorf Engelmannsbrunn bei Kirchberg am Wagram, welches zur Hälfte eingeäschert wurde. Um drei Uhr Morgens begann das Feuer zu wüthen und binnen kurzer Zeit waren sechs Häuer mit Scheuern, Ställen und anderen Nebengebäuden in Asche gelegt und sehr viele Wirthschaftsgeräthe verbrannt. Mit allem Eifer hatten die Nachbarn beim Löschen des Brandes und bei Begrenzung desselben geholfen und in der That auch manches Werthvolle gerettet. Kaum aber glaubte man sich der Hoffnung hingeben zu können, es sei alle Gefahr beseitigt und man könne von den Strapazen ausruhen, da brach das furchtbare Element in einem Nachbarhause von Neuem los und wüthete unaufhaltsam von halb 10 Uhr Vormittag bis 1 Uhr Mittag. – In dieser Zeit wurden nun neuerdings 21 Häuser nebst Scheuern, Wirtschafts- und Hausgeräthe und sehr viel Vieh von den Flammen verzehrt und was bei dem ersten Brand gerettet worden war, ging nun beim zweiten wieder verloren. Der Ort zählt im Ganzen nur vierzig Nummern, es ist somit mehr als die Hälfte niedergebrannt. Das Elend ist groß. Ueber die Entstehungsursache des Brandes erzählt man Folgendes: Ein Bursche aus dem Orte kam betrunken in der Nacht nach Hause und begehrte von seiner Mutter, sie solle ihm eine Eierspeise bereiten. Es war schon nach Mitternacht und die Frau weigerte sich, dies zu thun. Er ging nun selbst zum Herde, war aber in seinem berauschten Zustande so unvorsichtig, das Fett ins Herdfeuer zu gießen. Alsbald prasselten die Flammen auf und griffen so schnell um sich, daß die Bewohner dieses Hauses nur das nackte Leben retten konnten und auch den Nachbarn nichts mehr übrig blieb, als sich so schnell als möglich aus ihren Häusern zu fliehen, da das Feuer sich sofort nach rechts und links über die Nachbargebäude ausgebreitet hatte.“
Gemeinde-Zeitung- unabhängiges politisches Journal vom 24.6.1868

 

Im Kremser Wochenblatt ist von 27 Häusern und vom 18. Juni die Rede.

 

Im Wiener Diözesanblatt ist von vier Bränden ab dem 30. September die Rede:

Sammlung

In der Gemeinde Engelmannsbrunn haben am 30. September, 8., 16. und 19. Oktober d. J. vier Brände stattgefunden, in Folge welcher 22 Häuser mit 20 Scheuern, ein großer Theil der heurigen Fechsung und der Hausgeräthschaften ein Raub der Flammen geworden sind. Der Schaden beträgt nach Abzug der Assekuranz-Vergütungen über 30.000 fl. Durch diese wiederholten Unglücksfälle befindet sich der größte Theil der Bevölkerung in der jetzigen rauhen Jahreszeit ohne Obdach und ohne Brod. Die Noth und das Elend wirkt auf die Beschädigten um so empfindlicher, da die Bevölkerung durch die vorausgegangenen wiederholten Weinmißjahre verarmt ist. Die k.k.n.ö. Statthalterei hat aus diesem Anlasse im Kronlande Niederösterreich ein Sammlung einzuleiten bewilligte.“
Wiener Diözesanblatt, 1868, Heft 33

 

1869 dürfte es wieder gebrannt haben, da sich ein Kirchberger der Untat selbst bezichtigte:

„(Selbstanklage) Der wegen Desertion der Behörde eingelieferte 25jährige aus Kirchberg am Wagram gebürtige Glasergehilfe und Gemeiner des 10. Jägerbataillons Heinrich P. machte gestern Vormittags im Sicherheitsbureau der k.k. Polizeidirektion die Anzeige, daß er am 3. v. M. zu Engelmannsbrunn Feuer gelegt habe, welches sechs Wohngebäude in Asche legte. Er wurde zur weiteren Amtshandlung dem Militärgerichte eingeliefert.“
Morgen-Post vom 20.10.1869 

 

Juli 2020
Maria Knapp