Kapelle zum Hl. Josef

 

Letzte Änderung: 15.11.2014

 

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wollten die Engelmannsbrunner eine eigene Kapelle errichten. Aus Furcht, Opfergelder und Stolgebühren, also wesentliche Pfarreinnahmen für Kirchberg, zu verlieren, wurde dies der Gemeinde im Jahr 1755 auf „ewige Zeiten“ verboten. Ausschließlich der Bau eines Glockenturms zum Gebetläuten wurde, trotz Protest des Pfarrvikars von Kirchberg, erlaubt. Es wurde jeweils zum Ave Maria und an Samstagen zum Rosenkranzgebet geläutet, ebenso beim Versehen eines Sterbenden. Das Wetterläuten war dagegen ausdrücklich verboten, um dem Schulmeister von Kirchberg sein Einkommen nicht zu schmälern.
Siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/engelmannsbrunn/der-glockenturm-von-engelmannsbrunn
 

 

Anstelle des verfallenen Glockenturms wurde endlich im Jahr 1880 unter Pfarrer Ignaz Hohmann, der sich sehr um alle Kirchen und Kapellen in seiner Pfarre bemühte, eine Kapelle errichtet, die dem Heiligen Joseph geweiht ist und etwa 100 Menschen Platz bietet. 

Es handelt sich um einen schlichten Bau mit eingezogener Rundapsis und Flachdecke. Bei der Renovierung im Jahr 1886 wurde anstelle des früheren, bereits ziemlich verfallenen Zwiebelturmes der jetzige Pyramidenhelm aufgesetzt. 1919 bekam die Kapelle eine gusseiserne Glocke für die im Krieg entfernte. 

Pfarrer Josef Pelzmann regte 1936 eine Renovierung durch die Dorfgemeinschaft an, die nach seinem Dafürhalten aber nur „notdürftig“ ausgeführt wurde. 1949 wurde die Kapelle dann zur Gänze renoviert, wobei sich Kaplan Ludwig Loidolt (1949 – 1954) besonders verdient gemacht hat. Die Kirche wurde nicht nur neu gestrichen, sondern auch die gesamte Inneneinrichtung restauriert.

Im März 1951 visitierte  Kardinal Dr. Theodor  Innitzer die neu renovierte Kapelle. Kaplan Loidolt wurde vom Kardinal wegen seiner Rührigkeit scherzhafter Weise zum Propst von Engelmannsbrunn ernannt. Der Kardinal hielt in der Kapelle eine Ansprache, weihte den neuen Kreuzweg ein und fuhr dann in die Schule, um die Kinder zu prüfen. 

Im Jahr 1953 kam durch Sammlung durch Kaplan Loidolt so viel Geld zusammen, dass ein Kelch, Messgewänder (nicht alle neu, aber gut erhalten), eine Versehgarnitur  und auch ein Ziborium (Trinkbecher) beschafft werden konnten. Der Altar konnte vom restlichen Betrag auch noch verschönert  werden:  Es wurde ein Podium errichtet und der Tabernakel eingebaut, den der Malermeister Klug sehr schön marmorierte und vergoldete. Kaplan Loidolt baute noch einen Scheinwerfer in der Apsis ein und montierte das ewige – elektrische - Licht. Am 6. Mai konnte der verdiente  Kaplan die erste hl. Messe feiern und das Allerheiligste, das nun ständig hier bleiben durfte, in den Tabernakel stellen, da von nun an wöchentlich Messen gelesen wurden. 

Durch die Anhebung des Straßenniveaus war die Westmauer immer feucht geworden und ein Pilz erfasste nahezu das gesamte Gemäuer. 1979 wurde durch großzügige Spenden und mit Hilfe der Gemeinde Kirchberg darangegangen, die Kapelle völlig zu restaurieren. Die Engelmannsbrunner leisteten über 1000 freiwillige Arbeitsstunden für Hilfsarbeiten. Trockenlegungsarbeiten, Außenputzerneuerungen und Dachreparaturen wurden von einheimischen Fachfirmen durchgeführt. Am 8.7.1979 wurde die Kapelle von Pfarrer  Morgenbesser gesegnet. 

Die Gedenktafel in der Kapelle hat folgende Inschrift:

DIE RENOVIERUNG DER KAPELLE
WURDE ERMÖGLICHT DURCH
SPENDEN DER ORTSBEWOHNER
UND DER GEMEINDE IM JAHRE
1949 UNTER BÜRGERMEISTER
KARL BAUER,
VICE-BÜRGERMEISTER
ANTON BAUER
UND
JOSEF SCHUSTER
SOWIE DEN GEMEINDRÄTEN:
THERESIA KRONABETER
FRANZ BAUER
MICH. BLAUENSTEINER
FRANZ STUPPAN
RUDOLF UNBEKANNT
JOHANN NIMMERVOLL
FRANZ LILL
ANTON GEYER.
KIRCHENDIENER
ALOIS WIESBÖCK.

 

Die Einrichtung

Das frühbarocke  Knorpelwerkaltärchen aus der Zeit  um 1680 zeigt den hl. Josef. Links und rechts vom Altar befinden sich fast lebensgroße Statuen der Pestheiligen  Rochus und Sebastian, an der linken Seite im  Kirchenschiff hängt ein Kruzifix aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, auf der rechten Seite eine  Pietà, datiert aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.   

 

 

 

 

 

 

An den beiden Längsseiten des Raumes ist der Kreuzweg in Form von Gipsreliefbildern dargestellt. 

 

 

Durch die Apsis läuft ein Gesimsband, das im Übergangsbereich zum Hauptraum verkröpft ist.  

Das Deckenmedaillon zeigt die vier Evangelisten mit ihren Symbolen:

Matthäus, Attribut Mensch: Mensch, fälschlich oft auch ein Engel, als Symbol für die Menschwerdung Christi. Im ersten Abschnitt seines Evangeliums wird der Stammbaum Christi beschrieben.

Markus, Attribut Löwe: Löwe, da die Bußpredigt Johannes des Täufers im ersten Abschnitt des Markusevangeliums mit dem Brüllen eines Löwen in der Wüste verglichen wird. Der Löwe ist jedoch auch Symbol für die Auferstehung Christi.

Lukas, Attribut Stier: Stier, da sein Evangelium mit dem Opfer des Priesters Zacharias beginnt. Der Stier ist ein uraltes Symbol für den Opfertod, hier für den Opfertod Christi.

Johannes, Attribut Adler: Adler, da der Johannes-Prolog zeigt, dass der Evangelist "höher fliegt als die anderen". Der Adler ist somit jener Vogel, der am höchsten fliegen kann und Gott am nächsten kommt – er bedeutet die Himmelfahrt Christi.

Umrahmt wird das Medaillon von den Worten Jesu: 
Ich aber werde, wenn ich von der Erde erhöht bin. alle an mich ziehen. (Joh. 12, 32) 

 

Am Donnerstag, dem 15.3.1990  wurde das erstemal das Patrozinium von Engelmannsbrunn, der hl. Josef, in der Kapelle gebührend gefeiert. Alle Namenstagskinder wurden zum Festgottesdienst eingeladen. Die Kirche war zum Bersten voll. Anschließend gab es im Gemeindehaus eine Agape. Dieses Fest hat nun im Kalender von Engelmannsbrunn einen festen Platz. 

Noch vor 5 Jahren fand in der Ortskapelle, die etwa 100 Leuten Platz bietet, einmal wöchentlich eine Messe statt. Seit 2005 nur mehr einmal im Monat, weil es in Kirchberg keinen Kaplan mehr gibt. Dafür wird jede Woche eine Andacht gehalten. 

Die Glocke wurde dreimal täglich von der Frau des „Halters“, zuletzt von Cäcilia Geigenberger händisch geläutet, seit ihrem Ableben 2000 wird automatisch geläutet. Mesnerin ist zurzeit Frau Christine Zeitlinger.

 
Ansichtskarte aus dem Jahr 1910

 

Der Kirchenpatron

Josef, der Ziehvater Jesu, stammte aus dem Geschlecht des Königs David. Er lebte als Zimmermann in Nazareth und war der Verlobte Marias, der Mutter Jesu. Als er erfuhr, dass Maria schwanger war, zweifelte er an ihrer Treue und wollte sich von ihr trennen; doch ein Engel erklärte ihm in einem Traum, dass Maria vom heiligen Geist schwanger sei. So blieb Josef bei ihr (Mt 1,18-25). Zum letzten Mal wird Josef in den Evangelien erwähnt, als er und Maria den zwölfjährigen Jesus im Tempel diskutierend mit den Schriftgelehrten vorfanden (Lk 2,41-51).

Vorerst wurde er von der Kirche stiefmütterlich behandelt, zumal es keine Reliquien von ihm gab. Erst im 15. Jahrhundert wurde ihm zu Ehren ein „festum simplex“ – ein einfacher Feiertag abgehalten, 1621 wurde daraus ein gebotener Feiertag, seit 1870 ist er der Patron der Gesamtkirche. Sein Gedenktag ist der 19. März.

Seine Attribute sind Zimmermannskleidung und Zimmermannswerkzeug. Oft trägt er das Jesuskind auf dem Arm, eine Lilie als Zeichen der Jungfräulichkeit oder einen blühenden Stab.

Er ist der Landespatron von Kärnten, Steiermark und Tirol, weiters ist er der Beschützer des Handwerks, vor allem von Berufen, die mit Holz arbeiten, der Liebes- und Eheleute, der Familien und Kinder. Er wird bei Wohnungsnot angerufen, da er bei der Volkszählung mit seiner Familie keine Bleibe fand.

Der Josefitag ist ein wichtiger Lostag im Frühling:
Zu Josefi ist auch der faulste Bauer am Acker.
Ist’s am Josefitag klar, folgt ein fruchtbar‘ Jahr. 

 

Quellen:
Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
DEHIO-HANDBUCH, Die Kunstdenkmäler Österreichs; Niederösterreich nördlich der Donau, 1990
Diözesanarchiv Wien   Landpfarren / Pfarrarchiv Kirchberg am Wagram, Kassette 3, Faszikel 10/Kirche in Engelmannsbrunn 

Alle Fotos: Marianne Eckart

 

Jänner 2014
Marianne Eckart
Maria Knapp