Ausmalen

 

Das Ausmalen im Land früher meist in Eigenregie durchgeführt, egal ob im Haus, im Hof oder an der Außenmauer. Die Autorin erinnert sich an die Malerarbeiten in ihrem Elternhaus.
 
Die Küche, das Vorhaus und die Speis wurden jedes Jahr gestrichen, darauf legte meine Mutter großen Wert. Durch das dauernde Heizen und Kochen mit dem Holzofen waren die Ecken in der Küche bis zum Frühjahr immer schon dunkler verfärbt. Zuerst mussten alle Möbel ausgeräumt oder zumindest in die Mitte des Raumes geschoben werden. Die Gläser, Teller und das Blechgeschirr der Kredenz schlichtete man vorsichtig in Wäschekörbe, um diese in andere Räume zu tragen. Der Boden wurde mit den auseinandergeschnittenen Papiersäcken vom Tierfutter ausgelegt.
Gestrichen wurde mit Kalk. Die gekauften Kalksteine oder der schon pulverisierte Kalk wurden mit Wasser versetzt, was zu einer starken Hitzeentwicklung führte. Es brodelte und dampfte. Die Kinder wurden angehalten, ja nicht in die Nähe zu kommen.  Jedes Haus hatte im Garten seine eigene Kalkgrube, die mit Brettern abgedeckt war. Hier hinein kam der Kalk zum Ablagern. Bei Bedarf wurde der jetzt schön geschmeidige Kalk mit einer Schöpfkelle mit langem Stiel heraus gehoben und in Kübel gegossen. Mit Wasser verdünnt, konnte nun gestrichen werden.
Näheres zur Herstellung von Kalk siehe hier:
 
Die Speis war immer weiß, aber in der Küche und im Vorhaus kam Farbpulver dazu – am besten anders als im Jahr davor, dass man gleich merkte, dass ausgemalt worden war. Alle Räume wurden Rollenmustern versehen. Es gab Muster, die eher für die Küche passten, andere mehr für die Schlafzimmer. Aus dem Sammelsurium an Rollen suchten wir immer welche aus, die schon längere Jahre nicht an der Wand gewesen waren und die uns daher wieder neu vorkamen. Den Vorgang des Walzens siehe hier:
 
Die Farbe zum Rollen wurde auf die Grundfarbe abgestimmt, hinter einem Kasten probierte man die Zusammenstellung aus. 
 
 
Verschiedene Utensilien zum Ausmalen 
Fotos: Dorfmuseum Mönchhof, Burgenland
 
 
 
Es war eine Kunst so zu rollen, dass der Farbauftrag von unten bis oben gleichmäßig gelang. Wenn man geübt war, konnte man auch mit unterschiedlichen Walzen und mehreren Farben verschiedenfarbige Muster schaffen.
 
 
Hier wurden verschiedene Rollen ausprobiert.
Foto: Familie Leuthner, Kollersdorf
 
     
Fotos: Familie Leuthner, Kollersdorf; Familie Engelmann, Winkl 
 
  
Fotos: Dorfmuseum Mönchhof, Burgenland 
 
    
Malereien in verschiedenen Farben, wahrscheinlich vom Maler angefertigt. 
Fotos: Familie Laimer, Kollersdorf
 
War das Bemalen der Wände geglückt, ging es an die Herstellung eines Abschlusses am oberen Rand mittels einer Bordüre. Ein etwa 1 m langer  Streifen aus festem Material, der ein Muster ausgestanzt hatte, wurde von einer Person waagrecht an die Wand gehalten. Eine zweite Person strich mit passender Farbe über die Auslassungen und erzeugte so ein Muster. Oft kam es bei dieser Arbeit zu Streitereien – entweder hielt der eine die Bordüre nicht gerade, oder der andere bemalte im Eifer des Gefechtes die Finger des ersteren.
 
 
Muster von Bordüren und Malereien
 
 
Foto: Dorfmuseum Mönchhof, Burgenland
 
 
Wohnräume
    
Fotos: Evelyn Erlinger, Horn; Dorfmuseum Mönchhof, Burgenland

Foto: Dorfmuseum Mönchhof, Burgenland
 
 
An diesen Maltagen war alles anders als sonst. Der große Küchentisch stand im Vorhaus, dort wurde ein einfaches, schnelles Mahl eingenommen, die Arbeit sollte ja an einem Tag erledigt sein. Mühsam war das Wiedereinräumen der Kredenz. Alle Gegenstände mussten abgewaschen, abgetrocknet und wieder an ihren Platz gestellt werden. Alle waren erschöpft und froh, wenn alles wieder an Ort und Stelle war.
 
An stark beanspruchte Mauerstellen, wie etwa über der Abwasch, Waschschüsseln, hinter Bänken oder über dem Herd, wurden mit Sinnsprüchen bestickte Wandbehänge genagelt.
 
 
Die Schlafzimmer wurden alle paar Jahre gemalt, da bestellte man eventuell einen Maler oder einen Bekannten, der dies unter der Hand erledigte.
 
Wenn man heute die Mauern in unbewohnten, alten Bauernhäusern betrachtet, findet man an abgeplatzten Stellen noch viele Schichten Farbe. Die tieferen Schichten waren oft recht dunkel. Man kann sich vorstellen, dass die Räume, die früher noch dazu kleinere Fenster hatten, oft recht düster waren. An den oberen Schichten erkennt man, dass in neuerer Zeit der Einfachheit halber nur mehr einfarbig geweißt worden war.
 
 
Fotos: Abgeplatzte Putzstellen in den Häusern Leuthner, Kollersdorf und Engelmann, Winkl
 
 
Waren die Räume im Haus geweißt, ließ die Mutter nicht locker, bis auch der Hof gestrichen war. Mit langen Malerbürsten kalkte sie die Hofmauern. Um den Sockel zu streichen, mischte man Ruß oder gekaufte schwarze Farbe in den Kalk. Da konnten wir Kinder schon mithelfen. Die Ställe wurden ebenfalls jedes Jahr gekalkt, da Kalk ja eine gewisse desinfizierende Wirkung besitzt.
 
 
Innenhöfe mit dunklen Sockeln
Fotos: Familie Leuthner, Kollersdorf um 1960
Familie Engelmann, Winkl, um 1965
 
 
Auch die Fassaden wurden selbst gestrichen.
Winkl um 1965
 
 
Mai 2020
Maria Knapp