Der Sparherd

 

Herde wie der nebenstehende wirken auf uns altmodisch. Doch zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren sie eine Sensation,  gab es doch vorher nur Feuerstellen mit einem Rauchabzug, wo man über offenem Feuer Kessel aufhängte oder große Pfannen aufstellen konnte.

„Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gibt es echte Kochherde mit vollständig geschlossenem Feuerraum und eisernen oder kupfernen Herdplatten mit Öffnungen über dem Feuer, in die Töpfe und Kessel eingesetzt wurden. Sie entwickelten sich durch das Hinzukommen von Rosten für die Befeuerung und Klappen zum Schließen des Brennraums zu Sparherden, die das Brennmaterial, in der Regel Steinkohle, wesentlich besser ausnutzten. Für verschiedene Topfgrößen konnten die Löcher der Herdplatte mit verschiedenen Ofenringen angepasst werden. Sparherde verfügten meist auch über einen Backofen, einen Wasserkasten und einen Wärmeschrank. Die Entwicklung des Sparherds geht maßgeblich auf den Physiker Benjamin Thompson zurück, der mehrere Modelle nach seinen Anleitungen bauen ließ. Diese Herde wurden zunächst vorwiegend in Volksküchen eingesetzt.“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Herd
Foto: Museumsdorf Niedersulz
 

 

   
Wasserschiff eines gemauerten Herdes - Details eines gemauerten Herdes
Foto: Josef Leuthner, Kollersdorf  
 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die an Ort und Stelle gemauerten Herde durch metallene ersetzt und noch heute sind sie vor allem in  Wirtschaftsküchen und älteren Häusern in Verwendung.

 
ein älteres und ein neueres Modell

Pfarrer Ignaz Scheiger 
erwähnt diese Art von Herd in seinem 1831 veröffentlichten Gedichtband in dem Werk „Die Sparkunst“: 

„…Ein Sparherd ist sehr zu beloben,
Weil er nur wenig Feuer braucht;
Doch als noch besser wird erproben
Sich, der das ganze Jahr nie raucht.
Man kann sehr knapp und sparsam leben,
Wo Schlemmern bald der Mangel droht:
Die schnell sich zu bereichern streben,
Die nähren sich von Käs‘ und Brot. 

Nur Weichlinge sind gleich verlegen,
Wenn’s nicht beim Frost im Ofen kracht:
Man hat der Holzersparniß wegen,
Drum auch Sparöfen ausgedacht;
Die werden, jenen abzuwehren,
Auch oft nur bloß mit Torf erhitzt;
Doch aller Heitzung kann entbehren,
Wer einen guten Pelz besitzt.“

Foto: Evelyn Erlinger, Horn 

 

Pfarrer Karl Grössinger aus Altenwörth
hat ein Problem mit dem Beheizen seiner Öfen, was sich 1863 in einem Eintrag in der Pfarrchronik niederschlägt:

„…Das Hinausragen des Backofens  auf den Kirchenplatz gleich einer Pforte des Hauses - der im ganzen Hause sich verbreitende Rauch, sooft gleichzeitig der Waschkessel und der Sparherd beheizt worden…“

 Also suchte er um die Bewilligung zum Bau eines neuen Sparherdes an, was ihm 1872 auch gewilligt wurde: 

„Herstellung eines neuen Sparherdes
Nachdem der alte Sparherd durch Anlage und Ausführung nicht nur die Küche  verunstaltete, son­dern auch mehr Holz absorbirte als ein Herd mit offenem Feuer, so wurde mir über wiederholtes Ein­schreiten die Herstellung eines neuen bewilliget und selbe im Jahre 1872 ausgeführt.

Um mehr Gewissheit zu haben, dass der Herd gefällig und zweckentsprechend gebaut werde, über­trug ich dessen Herstellung und die Besorgung aller Bestandtheile einem Maschinisten in Wien Jo­hann Bertlerbauer um den accordirten Betrag Sa: 186 f 45 xr   und bin in meiner Erwartung in jeder Beziehung vollkommen zufriedengestellt.“

  

Maria Knapp
Oktober 2012