Der Sparherd

 

Herde wie der nebenstehende wirken auf uns altmodisch. Doch zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren sie eine Sensation,  gab es doch vorher nur Feuerstellen mit einem Rauchabzug, wo man über offenem Feuer Kessel aufhängte oder große Pfannen aufstellen konnte.

„Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gibt es echte Kochherde mit vollständig geschlossenem Feuerraum und eisernen oder kupfernen Herdplatten mit Öffnungen über dem Feuer, in die Töpfe und Kessel eingesetzt wurden. Sie entwickelten sich durch das Hinzukommen von Rosten für die Befeuerung und Klappen zum Schließen des Brennraums zu Sparherden, die das Brennmaterial, in der Regel Steinkohle, wesentlich besser ausnutzten. Für verschiedene Topfgrößen konnten die Löcher der Herdplatte mit verschiedenen Ofenringen angepasst werden. Sparherde verfügten meist auch über einen Backofen, einen Wasserkasten und einen Wärmeschrank. Die Entwicklung des Sparherds geht maßgeblich auf den Physiker Benjamin Thompson zurück, der mehrere Modelle nach seinen Anleitungen bauen ließ. Diese Herde wurden zunächst vorwiegend in Volksküchen eingesetzt.“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Herd
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Der Schwechater Gebhart Knaipp beschäftigte sich mit dem Bau solcher Herde und gab dazu eine Anleitung heraus:
 
Vollständige Beschreibung eines holzsparenden Koch- und Heitz-Herdes
mit einer genauen Anleitung zur Benützung desselben.
Von Gebhardt Knaipp,
k.k. Tabak-, Stempel- und Salz-Hauptverleger im Markt Schwechat.
Mit einer Kupfertafel
Wien, 1817.
Gedruckt und in Commission bei Carl Gerold.
                     
Schon seit vollen 18 Jahren, das ist von dem Zeitpunkte an, in welchem das Brennholz immer seltener, und daher einer der theuersten Artikel jeder Haushaltung zu werden begann, hat der Unterzeichnete seine vorzügliche Aufmerksamkeit und Nachsinnen der Erfindung einer ganz entsprechenden holzsparenden Kochmaschine gewidmet.
Durch viele kostbare Versuche, durch Benützung eigener und fremder Erfahrungen ist es dem Unterzeichneten gelungen, einen solchen holzsparenden Kochherd zu erfinden, der gewiß allen billigen Forderungen vollkommen entspricht.
Dieser Kochherd vereiniget in sich die folgenden sehr empfehlenden Eigenschaften: er ist nämlich
1tens äußerst wirthschaftlich, da mittelst desselben mit 12 bis 13 lb Holz, also mit der Hälfte des sonst erforderlichen Brennstoffes 5 bis 6 Speisen für sechs Personen gekocht werden können; wobey noch ein Kessel mit 12 bis 16 Maß Wasser nebenbey erhitzet wird. Auch kann zu dieser Beheizung das schlechteste Brennholz verwendet werden.
2tens werden auf selbem die Speisen durchaus mürber und schmackhafter, die Braten und das Backwerk schöner als es bey freyem Herdfeuer der Fall ist, sie sind vor der Verunreinigung durch Kohlen, Asche u.s.w. vollkommen geschützt.
3tens ist dieser Kochherd in seinem Baue so einfach, daß er von jedem gewöhnlichen Schlosser, Töpfer oder Maurer sehr leicht verfertiget und aufgestellet werden kann, je nachdem er entweder ganz von Eisen, oder zum Theile von Eisen, zum Theile aber von Töpfer- und Maurerarbeit verfertiget wird, in welchen letzten beyden Fällen er noch überdieß
4tens so wenig kostspielig ist, daß die verschiedenen Bestandtheile desselben von jedem unbemittelten Familienvater aus der ersten Hand selbst leicht angeschafft werden können, die Zusammensetzung und Aufstellung aber von jedem Maurer oder Hafner um einen geringen Preis nach dem vorliegenden Plan geschehen kann.
5tens nimmt dieser Kochherd sehr wenig Raum ein, und kann daher in jedes Zimmer statt des gewöhnlichen Ofens gesetzt werden, in welchem Falle er überdieß dieses Zimmer unentgeldlich, mit einer anhaltenden Wärme von 16-18 Graden heitzet; wird er aber in die Küche gestellt, so genießt diese den Nebenvortheil der Beheitzung; sie kann, wenn ein Herd dieser Art aufgestellt wird, sehr reinlich gehalten, gebödnet, und ganz sowie ein Zimmer verwendet werden; wobey noch zu bemerken ist, daß diese Kochherde nie rauchen, und daß Küchen, die sonst dem so lästigen Rauche bey widrigen Winden vorzüglich unterworfen waren, durch Aufstellung solcher Kochherde von diesem Uebel ganz befreyet wurden.
6tens sind diese Kochherde durch die daran angebrachte Vorrichtung so leicht zu reinigen, daß diese Reinigung von Jedermann ohne alle Schwierigkeiten vorgenommen werden kann. Ferner wird man
7tens bey dem Gebrauche dieses Kochherdes, eine sehr wesentliche Ersparung an Kochgeschirren bemerken, indem dieselben viel länger als bey freyem Feuer ausdauern, nebstdem, daß sie nie vom Rauch beschmutzet werden, also viel leichter rein gehalten werden können.
Endlich
8tens sind diese Herde sehr leicht, und mit höchst unbedeutenden Kosten aus einer Wohnung in die andere zu übertragen.
Alle diese Vortheile sind als vollkommen wahr seit Jahren praktisch erprobet; denn der Unterzeichnete hat bloß aus Liebe zur guten Sache, diese Zeit her, außer dem in den Provinzen und das Ausland, selbst bis Odessa versendeten, für mehr als 30 Familien in und um Wien, solche Kochherde theils selbst aufgestellet, theils die Aufstellung angegeben und geleitet.
Auch sind diese neuen Kochherde von der hiesigen Löblichen k.k. Stadthauptmannschaft, mit Zuziehung Wirkverständiger untersucht, und ihre Zweckmäßigkeit vollkommen bewährt gefunden worden.
Um nun aber diese, bey der dermahligen Theuerung des Brennholzes so wichtige Erfindung noch gemeinnütziger zu machen, hat der Unterzeichnete diesen verbesserten Kochherd nach seinen einzelnen Bestandtheilen, dann im Aufriß, Grundriß und Durchschnitt genau zeichnen, in Kupfer stechen lassen, und mit einer genauen Beschreibung versehen, die sowohl über die Verfertigung der einzelnen Bestandtheile, den Bau, und die Aufstellung die deutlichste Belehrung gibt, so daß jeder Schlosser, Töpfer oder Maurer denselben sehr leicht verfertigen kann; auch ist über den Gebrauch bey dem Kochen selbst eine umständliche Belehrung beygefügt.
Diese Beschreibung, Belehrung, und die dazu gehörigen Kupfer, letztere nach der Zeichnung des Unterschriebenen bey Hrn. Mansfeld gestochen, sind bey Hrn. Karl Gerold in Wien am Dominikaner-Platze um den Preis von 1 fl 15 kr, illuminirte zu 2 fl zu haben, und der Unterzeichnete fordert Jeden auf, der Lust hat, einen solchen Kochherd sich anzuschaffen, sich früher bey einer der in der erwähnten Beschreibung genannten 30 Familien durch mündliche Nachfrage und eigene Ansicht die Ueberzeugung von der Wahrheit der oben auseinander gesetzten Vortheile zu verschaffen.
Gebhardt Knaipp
k.k. Tabak-, Stempel- und Salz-Hauptverleger im Markt Schwechat.
 
  • Die Bestandteile des Herds,
  • Belehrungen für diejenige, welche auf diesem Kochofen oder Herde kochen, wie sie nämlich dabey vorzugehen haben,
  • Parteien, bei denen solche Öfen aufgestellt wurden,
  • Eine genaue Zeichnung des Herdes:
    Siehe alle hier!
 
Bereits 1811 wurden Sparherde in Zeitungen zum Verkauf angeboten:
Sparherd zu verkaufen.
Ein eiserner Sparhard mit 6 Löcher zu Töpfe oder Kaserolle zu stellen, und mit 4 Brat- oder Backröhren, ist in der kleinen Schulerstraße… zu verkaufen.
(Wiener Zeitung vom 14.12.1811)
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Werbungen von Ofenbaufirmen
 
Tagespost Graz, 1875, veröffentlicht in ANNO
 
 
Neuigkeits-Weltblatt, 1891, veröffentlicht in ANNO
 
Wiener Montags-Journal, 1910, veröffentlicht in ANNO
 
 
Einige Ofenmodelle
 


Foto: Museumsdorf Niedersulz 
 

   
Wasserschiff eines gemauerten Herdes - Details eines gemauerten Herdes
Foto: Josef Leuthner, Kollersdorf  
 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die an Ort und Stelle gemauerten Herde durch metallene ersetzt und noch heute sind sie vor allem in  Wirtschaftsküchen und älteren Häusern in Verwendung.

 
ein älteres und ein neueres Modell

Pfarrer Ignaz Scheiger 
erwähnt diese Art von Herd in seinem 1831 veröffentlichten Gedichtband in dem Werk „Die Sparkunst“:  

„…Ein Sparherd ist sehr zu beloben,
Weil er nur wenig Feuer braucht;
Doch als noch besser wird erproben
Sich, der das ganze Jahr nie raucht.
Man kann sehr knapp und sparsam leben,
Wo Schlemmern bald der Mangel droht:
Die schnell sich zu bereichern streben,
Die nähren sich von Käs‘ und Brot. 

Nur Weichlinge sind gleich verlegen,
Wenn’s nicht beim Frost im Ofen kracht:
Man hat der Holzersparniß wegen,
Drum auch Sparöfen ausgedacht;
Die werden, jenen abzuwehren,
Auch oft nur bloß mit Torf erhitzt;
Doch aller Heitzung kann entbehren,
Wer einen guten Pelz besitzt.“

Foto: Evelyn Erlinger, Horn 

 

Pfarrer Karl Grössinger aus Altenwörth
hat ein Problem mit dem Beheizen seiner Öfen, was sich 1863 in einem Eintrag in der Pfarrchronik niederschlägt:

„…Das Hinausragen des Backofens  auf den Kirchenplatz gleich einer Pforte des Hauses - der im ganzen Hause sich verbreitende Rauch, sooft gleichzeitig der Waschkessel und der Sparherd beheizt worden…“

 Also suchte er um die Bewilligung zum Bau eines neuen Sparherdes an, was ihm 1872 auch gewilligt wurde: 

„Herstellung eines neuen Sparherdes
Nachdem der alte Sparherd durch Anlage und Ausführung nicht nur die Küche  verunstaltete, son­dern auch mehr Holz absorbirte als ein Herd mit offenem Feuer, so wurde mir über wiederholtes Ein­schreiten die Herstellung eines neuen bewilliget und selbe im Jahre 1872 ausgeführt.

Um mehr Gewissheit zu haben, dass der Herd gefällig und zweckentsprechend gebaut werde, über­trug ich dessen Herstellung und die Besorgung aller Bestandtheile einem Maschinisten in Wien Jo­hann Bertlerbauer um den accordirten Betrag Sa: 186 f 45 xr   und bin in meiner Erwartung in jeder Beziehung vollkommen zufriedengestellt.“

 

Quelle:
Österreichische Nationalbibliothek

  

Maria Knapp
Oktober 2020