Hochwasser 1890

 

Pfarrchronik Altenwörth

Es kam zu einer Überschwemmung ähnlich wie 1883. Die Schule fing einen Tag später an, da die Kinder nicht zur Schule gelangen konnten.

 

Schulchronik Altenwörth

Anfangs September 1890 wurde das Dorf von einer argen Überschwemmung heimgesucht, ähnlich wie im Jahre 1883. Es mußte deshalb auch der 6. September frei gegeben werden, weil die Kinder nicht zur Schule kommen konnten.

 

Pfarrchronik Kirchberg am Wagram

Im September dieses Jahres vom 5. – 9. war eine große Überschwemmung, verursacht durch das Austreten der Donau. Neustift und Winkel litten besonders stark, da alle Grünfrüchte vernichtet waren. Auch der Platz, ganz im oberen Orte, wo in Winkel die Schule gebaut werden sollte, kam unter Wasser. Daher wurde, nachdem auch der Gemeinde viele tausend Patzen in Nichts zerronnen und die Grundaushebungen mit Wasser angefüllt waren, die Schule an jetziger Stelle gebaut.

 

Schulchronik Bierbaum am Kleebühel

6.-9. Sept.: Das Hochwasser zerriß den Donau-Damm an mehreren Stellen, so daß das Wasser bis zum Wirtshause des Herrn Jos. Bauer floß. Das ausgetretene Wasser ging über die Straße durch den ganzen oberen Ort, bis zum Schulhause drang kein Wasser vor.

 

Pfarrchronik Bierbaum am Kleebühel

Hochwasser: Vom 4. September an stand ganz Bierbaum mit Ausnahme der Schule und des unteren Ortes im Wasser; es kam von unten herauf. Vom 4. September an stand ganz Bierbaum, mit Ausnahme des Teiles der Schule u. Kirche und unteren Dorfes im Wasser. Der Damm riß an zwei Stellen. Infolge von Regengüssen war die Donau geschwollen und der Eisenbahndamm staute das Wasser, es kam von unten herauf. Die Gegend gleich einem See. Der Verkehr geschah auf Kähnen. Viele Tausend Metzen Erdäpfel und alles Kraut, Kukuruz, Heu u. Rüben waren vernichtet. Ein 19-jähriger Bursch, der einem Hasen nachlief, ertrank. Erst am 9. September konnte man durch Bierbaum wieder fahren. Der Safran litt viel. In den Tiefen stand das Wasser bis zum Winter.  

 

Kremser Zeitung vom 6.9.1890

Bierbaum am Kleebühel.
Seit Dienstag regnet es – aber erst Donnerstag kamen die Wassermassen. Freitag früh waren die ersten Lehen noch wasserfrei und nachmittags schon ergossen die Fluthen sich über die Dämme. Es herrscht entsetzlicher Jammer, da die ganze Erdäpfelernte vernichtet ist; desgleichen alles Kraut und Heu, sowie der Kukuruz. Den größten Schaden erleiden die armen Leute, da ihre Rodetheile in den Auen gänzlich ruinirt sind.

 

Kremser Zeitung vom 13.9.1890

Bierbaum am Kleebühel
Die Ueberschwemmung forderte bei uns leider auch ein Menschenleben. Der 19jähjrige einzige Sohn des hiesigen Todtengräbers Karl Seidl lief hinter dem Damme einem jungen Hasen nach, den er auch fing. Da gewahrte er einen zweiten, lief ihm nach, haschte nach demselben – und stürzte kopfüber in eine Schottergrube, die schon mit Wasser gefüllt war. Der Durchbruch des Dammes erschwerte das Aufsuchen und wenn nicht die Burschen von Frauendorf sich angenommen hätten, wäre er heute noch nicht gefunden – den Hasen noch in der Hand haltend. Dienstag wurde er beerdigt. Wenn aber Allen es so ergangen wäre, die Hasen, Rebhühner und Fische gefangen haben, wie diesem, wäre die hiesige Jugend schier dezimirt. 

Den hochherzigen Absichten Sr. Majestät unseres Kaisers entsprechend hat unsere Regierung sich beeilt, den Ueberschwemmten rasch zu Hilfe zu kommen, indem sie einen Betrag von 2 Millionen als Staatshilfe für die durch Wasser verunglückten Bewohner von Unter- und Oberösterreich, Böhmen, Schlesien und Vorarlberg mit kaiserlicher Genehmigung anweisen ließ. Sollte sich diese Hilfeleistung als unzureichend erweisen, so wird ein weiterer ausgiebiger Zuschuß aus Staatsmitteln kaum fehlen. Daß durch diese öffentliche Beisteuer die Privatwohlthätigkeit nicht etwa überflüßig wird, versteht sich bei der Größe des Unglücks von selbst.

 

Deutsches Volksblatt 18.9.1890
 
Aufruf:
An die Bewohner Oesterreichs!
Es tritt an uns die traurige Pflicht heran, zur Hilfe für die bedrängten Bewohner der Donauufer in den Gerichtsbezirken Persenbeug, Spitz, Krems, Mautern, Kirchberg am Wagram den allgemeinen Wohltäthigkeitssinn anzurufen.
Die Gemeinden Trübensee, Mollesrdorf, Neu-Aigen mit Fischerzeil, Utzenlaa, Winkl, Neustift im Felde, Altenwörth, Gigging, Kollersdorf mit Sachsendorf, Bierbaum am Kleebühel, Frauendorf an der Au, Ober- und Unterseebarn, Grafenwörth……Gottsdorf u. A. haben von der Ueberschwemmung unendlichen Schaden erlitten und unsägliche Noth und großes Elend steht für den Winter in Aussicht.
Nur schnelle Hilfe kann Erleichterung schaffen, den schwer Bedrängten Trost und Hilfe bringen, das Vertrauen für die Zukunft beleben und die Arbeitskraft der armen Landbewohner wieder aufrichten
Die Unterfertigten bitten daher, milde Gaben jeglicher Art für den Hilfs-Ausschuß an dessen Obmann, den Herrn Franz Roßkopf, Bürgermeister in Kirchberg am Wagram, oder an Herrn Ernst Bergani, Reichsraths-Abgeordneter in Wien, 3. Bezirk, Linke Bahngasse Nr. 5 leiten zu wollen, welche den Empfang derselben in der amtlichen „Wiener Zeitung“ und im „Deutschen Volksblatt“ mit dem besten Danke öffentlich bekanntgeben werden.
Kirchberg am Wagram, 14. September 1890
Der Hilfs-Ausschß:
Franz Roßkopf, Bürgermeister von Kirchberg am Wagram als Obmann
Ernst Bergani, Reichsraths-Abgeordneter
Carl Jedek, Bürgermeister in Spitz
Josef Ott, Bürgermeister von Neu-Aigen
Heinrich Fürnkranz, Reichsraths-Abgeordneter
Josef Haag, Bürgermeister in Haitzendorf
Anton Söllner, Bürgermeister von Altenwörth 

 

Deutsches Volksblatt vom 4.10.1890

Die Sparcasse Kirchberg am Wagram hat, wie von dort berichtet wird, in ihrer Generalversammlung am 24.v. M. den Beschluß gefaßt, den in der letzten Zeit wiederholt von Ueberschwemmungen heimgesuchten Nachbargemeinden Kirchbergs eine Unterstützung von 1000 fl zukommen zu lassen. Dieser wohlthätige Beschluß ist ein Werk des gesammten Ausschusses, vor Allem des Sparcasse-Directors Bürgermeisters Franz Roßkopf.

 

Am 8. Februar des darauffolgenden Jahres erschien in der Kremser Zeitung ein Artikel, über einen Ball, der in dieser schwierigen Zeit abgehalten wurde:
Neustift im Felde. (Das leichtlebige Volk.) In unserem Nachbarorte Bierbaum am Kleebühel wurde am verflossenen Dienstag ein Ball abgehalten. Es wurde dies allgemein übel vermerkt, nachdem dort im Herbst das Wasser so bedeutenden Schaden verursacht hatte, und die Folgen dieser schweren Zeit noch lange nicht geheilt, geschweige denn vergessen sein können. Möglicherweise droht auch durch den Eisstoß Schaden, da die Dämme noch nicht ausgebessert sein sollen. Wie man hört, sind übrigens nur Knechte, Mägde und einige Burschen betheiligt gewesen, die ihre Guldenzettel wohl auch anders angebracht hätten. Dies sind heutzutage ohnehin diejenigen, die Geld haben. Die Eigenthümer und Besitzer können zahlen – die Dienstboten aber jubeln – sie haben ja Geld – Geld auch in schlechten Jahren!
 

August 2020
Maria Knapp