Kalte Winter 1939 - 1942

 

Letzte Änderung: 15.11.2014

 

Gerade in den ersten Kriegsjahren kam es in unserer Gegend zu besonders strengen Wintern, die lange bis ins Frühjahr hinein dauerten und die Bevölkerung vor große Heiz- und Ernährungsprobleme stellten, zumal auch noch für die Armee Nahrungsmittel abgeliefert werden mussten.

 

Winter 1939/40

Pfarrchronik Altenwörth 
Heuer ist wieder ein sehr strenger Winter. Die große Kälte (bis 20 Grad) begann anfangs Jänner. Hoffentlich läßt sie bald nach, denn Heizmaterial ist auch sehr schwer zu bekommen. Besonders hart empfinden die Soldaten im Felde die Kälte. Wann wird dieser furchtbare Krieg einmal beendet sein?
Der heurige Winter war wie schon erwähnt, sehr streng und auch so lang anhaltend, sodaß heute auf den Feldern und Weingärten noch gar nichts gearbeitet werden konnte. Auf der Donau war wieder der Eisstoß, der gegen Ende März gut abgegangen ist. Wild ist sehr viel zu Grunde gegangen.

Pfarrchronik Kirchberg
Ein außerordentlich strenger Winter brachte viel Drangsal für das durch den Krieg ohnehin schwer geprüfte Volk. Eine dichte Schneedecke schützte zwar die Fluren, trotzdem erfroren bei der abnormalen lang anhaltenden Kälte (15. Dezember 1939 bis Ende März 1940) teilweise die Feldfrüchte, in den Gärten die Bäume und sogar die Weinreben. Bei hellichten Tage kamen die hungrigen Hasen in die Hausgärten und Friedhof. In den Häusern froren die Aborte ein, auch im Pfarrhof der Abort im Erdgeschoss. Zeitweise wurden die Beschwerden durch diese Kälte noch verschärft, weil zeitweise ein großer Brennstoffmangel herrschte. 
Infolge des ungünstigen Wetters und des strengen Winters brachte die Ernte dem Landmann nicht viel Freude. Der Wein war nicht gut geraten, sowohl was Quantität wie Qualität anbelangte. Nur die Hackfrüchte gerieten gut und machten vielfältig den Ausfall der übrigen Ernte wett.

Schulchronik Winkl
Der Winter 1939/40 war sehr streng und schneereich. Im Dezember setzte große Kälte ein, und hielt sich in den Monaten Jänner bis März. Da an manchen Schulen das  Brennmaterial ausging u. Kohlen nicht angeschafft werden konnten, waren in der Zeit vom 19.II. – 4.III 1940 Kälteferien.

Eine Folge der großen Kälte war auch die, daß der Eisstoß in der Donau immer weiter vorbaute. Am 16. Februar erreichte er Altenwörth. In den nächsten Wochen baute er langsam beinahe stillstehend bis Dürnstein vor. Obwohl der Eisstoß hoch eingegangen u. stellenweise eine Dicke von 2,9 erreichte, ist er am Morgen d. 2. III. 1940 ohne Überschwemmung abgegangen.

Schulchronik Altenwörth
Der Winter 1939/40, der schon im Dezember 39 mit großer und anhaltender Kälte einsetzte, hielt auch in den Monaten Jänner – März 1940 an. Jänner u. Februar hatten nur einige Tage, an denen das Thermometer etwas über 0° Grad ging. Die Durchschnittsmorgentemperatur war 10 – 14 °. Die tiefste Temperatur war – 23 °. Der Winter brachte auch viel Schnee mit großen Schneeverwehungen. Zumeist konnten nicht soviel Kohlen nachkommen als gebraucht wurden. Am 16. Februar ging bei uns der Eisstoß ein. Der Eisstoß war sehr hoch, das Eis erreichte Stellenweise eine Dicke von 2,90 m. Er reichte hinauf bis Dürnstein.
Am Nachmittag des 1.III. bildete sich in der Mitte des Donaubettes eine Wasserrinne; das Eis ging immer mehr und mehr ab, die Rinne wurde breiter. Nur in der Bergau staute sich das Eis zeitweise. Am Morgen des 2. III. war das Eis abgegangen und das Wasser um 2,60 m gefallen. Ohne geringsten Schaden anzurichten war die Eisstoßgefahr vorbei.       

Schneehaufen im Schulhof
Der Leiter der Schule, Friedrich Süß, und seine Frau am 24.II.40 


Eisstoß 16.2. – 1.3. 1940. 
Aufnahme vor der Donaulände bei Wastl – Sägewerk. 17.2.40

   
Nach dem Abgang des Eisstoßes am 2.3.1940.
Blick vom Dach bei Strandl Karl

 
Fischerboot d. M. Hammerschmidt aus Traismauer, 2.3.1940
Ausgang des Mühlwassers  
Fotos: Schulchronik Altenwörth 

 

Schulchronik Neustift
Schon nach Mitte Dezember setzte der Winter mit größter Strenge ein. Die Straße nach Kirchberg war verweht und ungangbar. Das Wild litt besonders stark unter der großen Kälte. Die meisten Marillen-, Pfirsich- und Zwetschkenbäume sind eingegangen. Durch die Strenge des Winters ging der Brennstoff aus. Daher Kälteferien: 19. Februar – 5. März 1940. 

Schulchronik Engelmannsbrunn
Der strenge und schneereiche Winter hatte fallweise einen ziemlich schlechten Schulbesuch zur Folge. Die Schüler aus dem 1 km entfernten Mallon mußten, da der Schnee stellenweise  ½ m und höher lag, mittels Schlitten zur Schule gebracht werden. Es muß zur Ehre der Malloner gesagt werden, daß sich die braven Leute in diesem Belange gern in den Dienst der Sache stellten.
Im Lehrzimmer der 2. Klasse war die Temperatur infolge eines schlecht ziehenden Ofens und der schadhaften, nicht schließenden Fenster kaum über 8 ° C zu bringen. Fast täglich waren Tinte und Waschwasser eingefroren, was sich auf den Unterrichtsbetrieb sehr störend auswirkte. Minutenland mußte man die armen Schüler um die Bänke laufen lassen, denn das normale Zimmerturnen brachte nicht die gewünschte Erwärmung. Es ist ein Wunder zu nennen, daß die Kinder nicht erkrankten.

Schulchronik Utzenlaa
Jänner und Februar herrscht sehr große Kälte, es liegt ungewöhnlich viel Schnee; arge Verwehungen sind auf der neuen Straße, die erst im Herbst spät beendet wurde. (Über den vergangenen Sommer wurde der Flugplatz gebaut und dabei die alte Straße verbaut, so daß sie weiter rechts neu gemacht werden mußte). Wochenlang ist unser Dorf in diesem strengen Winter ohne     jede Verbindung. Der Ortsbauernführer ist einige Male zu Fuß nach Tulln gegangen. Autobus und Bahn konnten oft nicht verkehren. Der Briefträger erlitt Erfrierungen und verirrte sich am Flugplatz. Da die Kohlenzufuhr nicht möglich war und der Verbrauch ein größerer als anderen Jahren war, mußten einige Wochen Ferien sein. Die Kinder hatten die seltene Freude, Feldhasen im Hause zu füttern und um die Scheuern herum alle Rebhühner und Fasanen zu sammeln. Die Rebhühner starben diesen Winter aus  oder wanderten ab. Die Obstbäume erlitten schwere Frostschäden. Im Schulgarten verdarben nach dem Antrieb 1 alter und 2 junge Marillenbäume.- Die Donau baute einen Eisstoß auf, der aber ohne Schwierigkeit abging. 

Schulchronik Bierbaum
Von Mitte Dezember bis anfangs Febr. herrschte heuer eine ungewöhnliche Kälte. Im Jänner wurden fast tägl. morgens -10° - -20° C gemessen. Der Schnee blieb die ganze Zeit über liegen. Der Eisstoß der Donau reichte über Tulln hinaus.

 

Winter 1940/41

Pfarrchronik Altenwörth
Anfangs Jänner wurde es sehr kalt; oft hat es über 20° Kälte. Um Heizmaterial zu sparen wurden ab 25.I. sämtliche Schulen gesperrt. Schnee liegt mittelmäßig viel. 

Pfarrchronik Kirchberg
Der zweite Kriegswinter war etwas milder als der erste, aber immerhin noch streng, so daß an den Kulturen wieder Schaden entstand. 

Schulchronik Altenwörth
Der Winter 1940/41 war sehr schneereich und langanhaltend. In den Monaten Jänner und Februar gab es viel Schnee und große Schneeverwehungen. Wie im Vorjahr so war auch der heurige Winter  dem Wild sehr abträglich, so daß das wenige Wild fast alles einging. Das schöne Wetter des Frühlings setzte sehr spät ein. Die allgemeine Blütezeit war erst in den Maitagen. Sie verlief nur teilweise schön. 

Schulchronik Utzenlaa
10.4.:  Nach gut vollzogenem Anbau erfolgt der Einbruch einer Frostperiode. Es fällt sehr viel Schnee, obwohl bereits Marillen und einige Frühlingssträucher  blühen.                

 
Die Schulwaschküche am Ostersonntag, den 13.4.1941.

      
Marillenblüten im Schnee – vorne blühende Phorsythia

 

Schulchronik Engelmannsbrunn
8.4. 1941: In diesen Tagen sind so arge Schneefälle zu verzeichnen, daß selbst die ältesten Leute im Orte sagen: „So etwas haben wir in unserem ganzen, langen Leben noch nicht gesehen!“ Der Schnee liegt 70 – 80 cm hoch. Die Wege sind ungangbar, jeder Fuhrwerksverkehr ist unterbunden. Die Ortsbewohner arbeiten stundenlang, daß sie beim Haustor heraus kommen. Der Schneepflug muß jede Strecke 2 – 3 mal befahren, um wenigstens die wichtigsten Verkehrsstraßen und Gehwege auch nur teilweise von den ungeheuren Schneemassen zu säubern. Zu beiden Seiten der Straße türmt sich der Schnee zu Bergen. Man hat den Eindruck, daß man in einem teif eingeschneiten, schmalen Engtal geht. 

Schulchronik Bierbaum
In der Nacht vom 4. zum 5. Feber 1941 herrschte fürchterliches Schneetreiben mit starkem Schneefall. Am Morgen des 5. Feber lag ungefähr 1 m hoher Schnee, sodaß nur 3 Kinder zur Schule kamen. Mit 5 Pferden mußte der Schneepflug bespannt werden, bis es möglich war, den Pflug durch die hohen Schneemassen durchzubringen. 

 

Winter 1941/42

Pfarrchronik Altenwörth 
Es kommt wieder zu einem strengen Winter, wie es schon viele Jahre keinen gab.

Schulchronik Winkl
Der Winter 1941/42 brachte Schneefälle und Temperaturen wie sie Generationen keine erlebt haben. Die außergewöhnlichen Schneemassen und die Kälte – es gab Temperaturen bis unter 30 ° - wirkten sich auf Lebensführung, Landwirtschaft, Wirtschaftslage, Verkehr u.s.w. verheerend aus, doch hielt die brave Bevölkerung weiter durch. Es zeigte sich kein Erlahmen der Opferfreudigkeit in der schweren Kriegszeit, ja es konnte sogar ein Ansteigen der ersteren festgestellt werden, wie die Wollsammlung besonders,  welche in beispielloser Weise die Verbundenheit der Heimat mit ihren Heldensöhnen an den Fronten dokumentiert. 

Schulchronik Utzenlaa
25.10.: Kälteeinbruch mit -4° und viel Schnee. Kartoffel sind zum Großteil noch nicht geerntet.
1.11.: Beginn der Kartoffelernte. Die Feldarbeiten ziehen sich bis Weihnachten hin und sind auch dann noch nicht beendet.
Das Thermometer sinkt auf -30°. Es fällt sehr viel Schnee. Die Kälte dauert wochenlang an. An vielen Bäumen des Schulgartens zeigen sich Frostrisse, ein Kirschbaum im Schulhof reißt vom Erdboden bis zur Krone einige Zentimeter tief auf. Alle Räume der Schule zeigen Kältegrade, auch der Keller glitzert wie ein Eispalast. Von den Blumen, die sonst jedes Fenster der Schule schmücken, erfrieren alle, kein Raum gewährt Schutz.
Mit strengster Kälte und sehr viel Schnee dauert der Winter bis Ende März, es ist ein wahrer Katastrophenwinter. Im April erfolgt erst der Anbau. 

Schulchronik Altenwörth
Schon seit Anfang Jänner war der Winter in seiner ganzen Strenge eingetreten. Es fiel ziemlich Schnee und der Frost verstärkte sich tagtäglich. Am 24.1. war der kälteste Tag, die Temperatur sank nachts auf -28°C.

Schulchronik Neustift
Der Winter 1941/42 brachte Schneefälle und Temperaturen, wie schon Generationen keine erlitten. Die außergewöhnlichen Schneemassen und die Kälte - es gab Tagestemperaturen bis unter 30°- wirkten sich auf Lebensführung, Landwirtschaft, Wirtschaftslage, Verkehr u.s.w. verheerend aus, doch hielt die Bauernbevölkerung munter durch. Es zeigte sich bei der Opferfreudigkeit in der schweren Kriegszeit, ja, es konnte sogar ein Ansteigen der ersteren festgestellt werden, weiters die Wollsammlung in beispielloser Weise die Verbundenheit der Heimat, mit ihren Heldensöhnen an der Front dokumentierten.
26.1.1942: Vorübergehende Einstellung des Schulbetriebes: Zufolge Verfügung des Reichsstatthalters wurde auch im Reichsgau Niederdonau wegen Kohlemangels die Sperre aller Schulen verfügt. Die Erzieher wurden angehalten, sich in den Dienst der Gemeinden, der Parteien und der Wirtschaftsleitung zu stellen. Freudig folgte die gesamte Lehrerschaft des Kreises dem Rufe ihres Kreiswalters. Der damalige Schulleiter, sonst bei Freude in verschiedenen Gliederungen der Partei beschäftigt, betätigte sich an den Arbeiten in der Kartenstelle von Kirchberg am Wagram und an der Sippenforschung.
Nach Beendigung der “Kohlenferien” wurde am 15. März der Unterricht an der hiesigen Schule wieder aufgenommen. Der “Stand des Unterrichtes” nach dem Lehrplan war, wie vorauszusehen,  aus dem Geleise geraten. Der Ausfall so vieler Schultage zeigte seine schädigenden Folgen besonders in der 1. Schulstufe. 

 

Dezember 2013
Maria Knapp