Adel in Kirchberg

 

Immer wieder waren Adelige in Kirchberg oder in den benachbarten Orten ansässig. Meist waren sie beruflich hier, wie etwa am Gericht, oder als Angehörige des Heeres. Einige hatten auch ihren Alterssitz hier.

 

Dr. Karl Daniel van der Straß, Ritter von Hohenstraeten

(geb. am 23. 8.1770 in Glogau, gest. am 11.8.1827 in Neutitschein, Mähren)
Daniel van der Straß entstammte einer niederländischen, später in Belgien, Preußen und Österreich ansässigen, in letzterem seit 1875 in den Ritterstand erhobenen Familie.
Er wird am 15.8.1808 bei der Hochzeit des Franz Seßler, Controlleur bei der k.k. Staatsherrschaft Oberstockstall in den Trauungsmatriken Kirchberg als Trauzeuge als Medicino Doctor allhier genannt.
Näheres siehe hier.

 

Joseph Schnekel Edler von Trebersburg und Plankenberg


Er war passauerischer Hofrat und Oberbeamter der Herrschaft Oberstockstall. Er wurde um 1772 geboren und starb am 31.3.1801 mit nur 29 Jahren. Gewohnt hat er in Kirchberg Nr. 7. Sein Tod ist in den Sterbematriken eingetragen.

Die Familie Trebersburg stammte aus Hannover und kam 1570 unter Kaiser Maximilian II. nach Österreich, wo die männlichen Sprossen meist im Militärdienst standen.

Erst 1803 wurde sein Besitz - seine Effekten - versteigert. Dazu gehörten goldene und silberne Sackuhren, Stock- und Reiseuhren, Spiegel, verschiedene Mannskleider und Pelze, Leib-, Tisch- und Hauswäsche, verschiedene Gewehre, als Scheibenrohre, Bürst- und Schrotflinten, dann harte und weiche Kästen, Tische, mehrere Soffen und Sessel, vieles Bettgewand, Porcelain, Zinn-, Kupfer und Eisengeschirr, ein viersitziges Kaleß, 200 Eimer Gebirg- und Rupperstaller weisse und rothe Weine, dann mehrere Bücher, wovon der Katalog bey der Licitation einzusehen ist…
(Wiener Zeitung vom 6.7.1803)

 

A. Graf Maldeghem

1871 erwähnt als k.k. Rittmeister a.D.

In einer Werbung für ein Restitutions-Fluid für Pferde tritt A. Graf Maldeghem, k.k. Rittmeister a.D. aus Kirchberg am Wagram in Erscheinung.
(Süddeutsche Post vom 24.12.1871 und andere Zeitungen)
Es dürfte sich dabei um Arthur Franz Maria Graf von Maldeghem (geb. am 21.6.1835/1836 in Niederstotzingen, verst. am 21.5.1912 Preßburg) gehandelt haben.

 

Louise Freiin von Skal
k.k. Rittmeisterswitwe, geb. am 12. September 1826 als Freiin von Sobek, vermählt mit Karl Freiherr von Skall und Ellguth.)

Sie schien in der Wiener Zeitung vom 14.7.1866 als wohnhaft in Kirchberg am Wagram während des preußisch-österreichischen Krieges als edle Spenderin von 19 Pfund Charpie, 175 Stück Binden, 21 Pfund Compressen, 30 Hemden, 15 Leintüchern, 24 Netzhauben, 18 Brustflecken, 36 Tücherln und 3 Beinkleidern auf.
Sie dürfte 1878 verstorben sein. (Neue Freie Presse vom 2.12.1878, Erbschaftssache)

 

Georg von Webern zu Treuhausen und Postfelden

Bezirksrichter und Bezirksamtsvorsteher in Kirchberg von 1854 bis zu seinem Tod im Jahr 1875.

Wie zwei Nachrufe zeigen, war er in Kirchberg eine beliebte und geachtete Person. Näheres siehe hier.
Seinen Grabstein in Stockerau siehe hier.

 

Graf Ferdinand Laurencin, Baron d’Armond


(Geb. am 15.10.1819 in Kremsier, Mähren, verst. am 4.2.1890 in Wien), Pseudonym Philokales, war ein österreichischer  Musikschriftsteller und Musikkritiker.
Näheres zu seiner Person siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Laurencin
Wie in seinem Nachruf berichtet wird, lebte er im Sommer im Schloss Mitterstockstall und war in Kirchberg als „der kleine Graf“ wohlbekannt. Er und seine Gattin wurden am Kirchberger Friedhof beerdigt.

1884: Samstag, den 27. d. M. ist nach kurzem Krankenlager die Frau Gräfin Antoinette Gräfin Laurencin, Freiin von d‘Armond, geborene von Konenberg, Gattin des Doctor der Philosphie, Ferdinand Grafen Laurencin Freiherrn von d‘Armond, im 74. Lebensjahre, in ihrer Wohnung, Josephstadt, Piaristengasse 48, gestorben. Das Leichenbegängnis findet heute Nachmittag um 2 Uhr durch die „Concordia“ vom Trauerhause aus statt. Nach der in der Piaristenkirche erfolgten Einsegnung wird die Leiche nach Kirchberg am Wagram überführt und auf dem dortigen Ortsfriedhofe morgen (Dienstag) beigesetzt werden.
(Wiener Allgemeine Zeitung vom 29.12.1884)

1890: Die Leiche des am Dienstag in der Nacht hier verstorbenen Musikschriftstellers Grafen Ferdinand Laurencin wurde gestern in der Wohnung, 3. Bezirk, Traungasse 6, aufgebahrt. Das Leichenbegängnis findet morgen nachmittags halb 3 Uhr vom Trauerhause aus statt. Die feierliche Einsegnung erfolgt in der Karlskirche auf der Wieden, worauf die Leiche mittels Franz Josef-Bahn nach Kirchberg am Wagram überführt und daselbst neben dem Grabe seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin beigesetzt wird. Ein Schwager des verstorbenen Grafen Laurencin, Graf Dezasse, und dessen Sohn sind bereits zum Leichenbegängnisse aus Ungarn hier eingetroffen.
(Neues Wiener Tagblatt vom 6.2.1890)

1890, Kirchberg: Samstag den 8. Februar vormittags 11 Uhr wurde auf dem hiesigen Friedhofe die Leiche des in Wien verstorbenen Ferdinand Grafen Laurencin, Baron d’Armond bestattet. Derselbe war eine hier allgemein bekannte und beliebte Persönlichkeit. Man nannte ihn nur den kleinen Grafen. Während der Sommermonate wohnte er im Schlosse zu Mitterstockstall, von wo aus er täglich einige Male das Grab seiner verstorbenen Gemahlin besuchte. Der hiesige Gesangsverein sang vor der Einsegnung einen Trauerchor. Dieser Mann hätte manchen als ein Muster dienen können, welche ob eingebildeter Bildung die Religion beiseite schieben. Er besuchte jeden Sonntag den Gottesdienst und drei Stunden vor seinem Tode ließ er selbst den Priester rufen, mit welchen er sich zwei volle Stunden unterhielt. Er hat auch der Armen in Mitterstockstall nicht vergessen. Er ruhe in Frieden!
(Kremser Zeitung vom 15.2.1890)
Beide Todesfälle sind in den Sterbematriken von Kirchberg eingetragen.

Eduard Hanslick schreibt über ihn in seinen Erinnerungen: Ein Original ganz anderer Art war Graf Ferdinand Laurencin. Im Gegensatz zu dem verstandesscharfen, kritischen Nottebohm war er der musikalische Enthusiast vom reinsten Wasser. Mir ist nie wieder ein Mensch begegnet, den Musik so vollkommen entzücken und beglücken konnte, der so ausschließlich in Musik webte, lebte und - starb. Im Jahre 1889 hatte ich noch die Freude, im engsten Freundeskreise, mit Brahms und Ehrbar den siebzigsten Geburtstag Laurencins zu feiern. Wie erquickte uns seine kindliche Freude, sein dankerfülltes Gemüt! In einem scherzhaften Toast sagte ich, auf seine Hinneigung zur neu-deutschen Schule anspielend, Laurencin habe zwar den übermäßigen und den verminderten Dreiklang verherrlicht, aber seine Seele werde dereinst sicherlich in Gestalt eines reinen Dreiklangs zum Himmel aufsteigen. Wir ahnten nicht, daß dies so bald geschehen werde. Laurencin hat seinen siebzigsten Geburtstag nur um wenige Wochen überlebt.
(Eduard Hanslick: Aus meinem Leben, Wien 1894, Band 2, S. 88–91)

 

Marie von Mühlhauser

1901 wird Marie von Mühlhauser, k.k. Regierungsratswitwe aus Kirchberg am Wagram, Mühlgasse 34, in der Kur- und Fremdenliste von Baden genannt.

 

Dr. Albert Ritter von Mühlwerth

(Geb.am 08.04.1862, in Triest, verst. am 14.10.1934 in Krems)
Dr. von Mühlwerth hat am 16. 9.1890 seine Advokaturskanzlei in Kirchberg eröffnet.
(Freie Stimme vom 1.10.1890). Im Jahr 1900 war er bereits Advokat in Krems.

Er war vom 21.10.1918 bis zum 16.2.1919 Mitglied der Prov. Nationalversammlung, Obmann des Deutschen Vereines in Krems, Reichsratsabgeordneter (1907)

Siehe auch hier.

Bild: https://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_01264/index.shtml

In der Eigenschaft als Anhänger der Deutschnationalen Partei von Georg von Schönerer war er bei der denkwürdigen Wahlveranstaltung im Oktober 1896, bei der es zu Tumulten kam in Kirchberg anwesend. Siehe hier.

 

Pfarrherren und Pfarrer

In Kirchberg gab es im Laufe der Jahrhunderte einige adelige Pfarrherren und Pfarrer. Wie oft und wie lange sie sich im Ort aufgehalten haben, kann nicht gesagt werden, da sie oft sie von Vikaren vertreten wurden. 

Heinrich von Preming: Erwähnt 1299

Mag. Petrus von Rosenberg: 1353 – mind. 1358

Achatz von Tirna: 1417 – 1431

Johann Georg Zenger zu Adlmannstein, D: Erwähnt 1529

Christoph von Trenbach: 1538 – 1552 (geb. 1511 in Riedenburg)

Urban von Trenbach: 1552 – 1561

Balthasar Ottenberger zu Gruhof
: 1564 – 1570

Graf Viktor August Fugger: 1573 - 1586

Sigmund Friedrich Fugger: 1586 – 1595

Johann Jakob von Lamberg: erwähnt um 1600

Freiherr Karl von Kirchberg
, D: 1619 - 1636

Alois Edler von Neubauer: 1836 – 1842

Siehe auch hier.

 

Bezirksgericht

Am Bezirksgericht waren immer wieder Adelige angestellt, sie blieben aber oft nur wenige Jahre im Ort.

 

Jänner 2021
Maria Knapp