Bezirksgericht Kirchberg am Wagram – Tätigkeiten

 

Berichte aus Zeitungen, veröffentlicht auf ANNO
 
 
Bearbeitung von Konkurs- und Ausgleichsverfahren
Konkurs.
Eheleute Joseph und Anna Zottleder, Lederermeister und Hausbesitzer in Grafenwörth, Bezirksgericht Kirchberg am Wagram, Adv. Dr. Weczerek in Krems. Anm: Term. 15. März 1866
(Die Debatte vom 31.1.1866)
 
Josef Schreder.
Die Ausgleichstagsatzung Josef Schreder, Schneidermeister in Absdorf, wird gemäß § 45 A.O. auf den 30. März 1926 vormittags 9 Uhr erstreckt.
Bezirksgericht Kirchberg am Wagram, Abt. 1, am 16. März 1926.
 
 
Einberufung, Ladung von Erben
Convocation.
Theresia Sampl, gew. Krämerin zu Oberstockstall, Anmeldung binnen Jahresfrist
Bezirksbericht Kirchberg am Wagram
(Das Vaterland vom 6.9.1876)
 
Katharina Bayer.
Dienstmagd in Zaussenberg Nr. 8, gestorben am 18.September 1880 ohne Hinterlassung einer letztwilligen Anordnung. Erbserklärungen bis 1. August 1882 an das k.k. Bezirksbericht Kirchberg am Wagram.
((Neuigkeits) Welt Blatt vom 25.8.1881)
 
Grafenwörth. Gesucht.
Am 12. Mai 1914 verschied die Hauerswitwe Frau Barbara Leonhard ohne Hinterlassung eines Testamentes. Alois Stoiber, Maschinschlosser, dessen Aufenthalt dem Gericht unbekannt ist, wird aufgefordert, sich binnen Jahresfrist beim Bezirksgericht Kirchberg am Wagram zu melden. Nach Ablauf dieser Frist wird die Verlassenschaft mit den übrigen Erben und dem für den Abwesenden bestellten Kurator Herrn Johann Oppeker, Kanzleioberoffiziant in Kirchberg abgehandelt.
(Österreichische Land-Zeitung vom 5.9.1914)
 
 
Abhandlung von Versteigerungen
Hippersdorf
Mühle sammt Specerei- und Mehlhandlungsverkauf
Mit Bewilligung des löbl. k.k. Bezirksgerichtes Kirchberg am Wagram wird die Mahlmühle Nr. 2 zu Hippersdorf, worauf die Specerei- sammt Mehlhandlung und Tabaktrafik, im besten Betriebe ist, um den Ausrufpreis pr. 7000 fl, ferner circa 35 Joch der besten Grundstücke, als: Obstgärten, Weingärten, Wiesen und Aecker, parzellenweise im Licitationswege unter sehr günstigen Zahlungsbedingnissen verkauft.
(Kremser Wochenblatt vom 4.8.1877)
 
Versteigerungsedikt.
Am 8. Juli 1914 gelangen die Liegenschaften der Realität Nr. 42 in Baumgarten bei Groß-Weikersdorf, bestehend aus Mühle samt Wirtschaftsgebäude mit 14 Joch Grundstücken, großem Obstgarten, Weinkeller und Presse, beim Bezirksgericht Kirchberg am Wagram um 9 Uhr vormittags zur Versteigerung.
(Österreichische Land-Zeitung vom 27.6.1914)
 

Diese Nachricht wurde in der Kremser Zeitung vom 26.1.1901 veröffentlicht.
 
 
Entmündigungsverfahren
Mit Beschluß des gefertigten Gerichtes vom 2. September 1921, Geschäftszahl L 2/121/15, wurde Josef Popp, Wirtschaftsbesitzer, wohnhaft in Oberseebarn Nr. 20, wegen Geistesschwäche beschränkt entmündigt.
Zum Beistand wurde Herr Michael Danzer, Wirtschaftsbesitzer in Unterseebarn Nr. 29, bestellt.
Bezirksgericht Kirchberg am Wagram, Abt. 1, am 7. September 1921.
(Wiener Zeitung vom 13.9.1921)
 
 
Streitsachen
Franz Mann, Unterstockstall 17, bringt 1877 gegen seinen Nachbarn, Ferdinand Mann, eine Klage wegen des Regenwasserabflusses ein. Siehe hier:
 
Zufahrt zur Schule Bierbaum
Im Jahr 1889 kam es zwischen dem Pfarrer von Bierbaum, Josef Kaltenegger, und dem Schullehrer bzw. der Gemeinde zu einem Streit, da der Pfarrer verbot, über den Kirchenplatz zur Schule zu fahren. In die Angelegenheit war auch das Bezirksgericht involviert.  
Näheres siehe hier:
 
 
Strafsachen
Ungestempelte Grundbuchsauszüge.
Eine Verhandlung, welche die ganze Kaufmannswelt, sowie die Advocaten und Notare interessieren wird, fand gestern vor dem Appellgerichte statt. Der Beamte des Wiener Spar- und Vorschußvereines „Mercur“ Herr Rudolf Sklensky verlangte vom Grundbuchsführer des Bezirksgerichtes Kirchberg am Wagram einen ungestempelten Auszug in Briefform und legte seinem Schreiben 2 fl. bei. Er wurde angeklagt, einen Beamten durch ein Geschenk zur Verletzung der Amtspflicht verleitet zu haben und das Bezirksgericht Alsergrund verurtheilte ihn, trotzdem er vorbrachte, er habe oft schon solche Auszüge bestellt und erhalten und es sei im kaufmännischen Leben überhaupt so üblich, zu 30 fl, eventuell sechs Tagen Arrest….
(Neues Wiener Journal, 9.5.1896)
 
Falsche Anschuldigung
Im Jahre 1892 wurde im sogenannten Glockengießergraben der Einwohner Diwald aus Oberstockstall ermordet und beraubt. Zwei Jahre später wurde von dem Weingartenbesitzer Anton Seidl gelegentlich einer Grundaushebung nächst dem sogenannten Franzosenkreuz das Skelett eines Menschen ausgegraben, welches dieser dem hiesigen Todtengräber zur Beerdigung übergab. Kurze Zeit nach diesem Morde im Jahre 1892 kauften sich die beiden Taglöhner Johann Müller und Josef Grammer aus Stockstall gemeinsam ein Haus um dreitausend Kronen und verließen ihre Beschäftigung als Oberbauarbeiter bei der Bahn. Kürzlich wurde durch den Wagnermeister Karl Lutzmeier in Kreisbach das Gerücht lautbar, daß Grammer und Müller die Mörder des Diwald seien. Das hiesige Bezirksgericht welches davon Kenntnis erlangte, ließ sofort den Lutzmeier, sowie den Müller und Grammer verhaften und wurden am 22. v. M. dem hiesigen Bezirksgerichte eingeliefert. An jener Stelle, wo Seidl das Skelett gefunden hatte, wurde weiter nachgegraben. Das Resultat war, daß noch weitere drei Skelette gefunden wurden. Der Lage nach war zu schließen, daß hier eine Begräbnisstätte bestand und zwar dürften dies entweder gefallene Soldaten oder an Pest verstorbene Personen gewesen sein. Weiteres wurde festgestellt, daß Müller und Grammer im Jahre 1892 von der Sparcasse in Kirchberg dreitausend Kronen entliehen und um dieses Geld das Haus kauften. Seit dieser Zeit haben die beiden Männer, die auch einige Weingärten besitzen und in den letzten Jahren gute Weinernten gehabt hatten, der Sparkasse eintausend Kronen zurückgezahlt. Da weiter die Untersuchung keine gravierenden Momente gegen Müller und Grammer ergaben, stellte die Staatsanwaltschaft Korneuburg das Verfahren ein. Am 28.v.M. wurden sie aus der Haft entlassen. Gegen Lutzmeier wird die Verleumdungsklage erstattet.
(Mödlinger Zeitung vom 2.11.1901)
 
Der 25 Jahre alte Taglöhner Franz Schwarz, vom Bezirksgericht Kirchberg am Wagram wegen Diebstahls verfolgt, wurde beim Betreten der hiesigen Verpflegsstation verhaftet und dem Gerichte eingeliefert.
(Kremser Zeitung vom 8.11.1902)
 
Unterstockstall.
Seit längerer Zeit war hier das Leben der Gänse sehr gefährdet. So manche, die am Morgen frisch und gesund auszogen, kehrten am Abend nicht mehr zurück. Die Taglöhnersgattin B. hatte nämlich eine besondere Vorliebe für einen delikaten Gänsebraten. Das k.k. Bezirksgericht Kirchberg am Wagram bot ihr jetzt Gelegenheit, durch 4 Wochen in stiller Zurückgezogenheit über das 7. Gebot nachzudenken und sich wieder an einfache Kost zu gewöhnen. Der Frau A., die sich ebenfalls an fremdem Gut vergriffen hatte, genüge eine sechstägige stille Betrachtung über den Spruch: Was nicht dein ist, das rühr nicht an.
(Kremser Volksblatt vom 12.7.1902)
 
Feuersbrunn. Ein Irrtum.
In den Zeitungen wurde vorige Woche berichtete, daß die Magd Theresia Röhrl aus Lichtenau, welche beim hiesigen Gastwirt Bauer bedienstet war, Sonntag den 23. September nachts ein Kind geboren, dasselbe getötet und die Leiche im Gemüsegarten ihres Dienstgebers verscharrt habe. Die gerichtliche Kommission bestehende aus dem Herrn Untersuchungsrichter Dr. Schwarz, einem Gerichtsarzte aus Kirchberg, dem hiesigen Gemeindearzte Dr. Göttersdorfer und dem Bürgermeister Ignaz Zehetmaier stellte fest, daß das Kind vollkommen entwickelt zur Welt gekommen war und den Tod durch Ersticken gefunden hat, was dadurch herbeigeführt worden sei, „daß die Röhrl das Kind mit einem Poster zudeckte und es so einige Stunden liegen ließ“. Wegen „Verbrechen des Kindesmordes“ wurde die Magd sodann dem Kreisgerichte Korneuburg eingeliefert, wo sich aber herausstellte, daß das Kind gar nicht lebend zu Welt kam, weshalb die weitere Untersuchung in dieser Richtung eingestellt und der Fall an das Bezirksgericht Kirchberg am Wagram zurückgeleitet wurde, welches die Theresia Röhrl bloß wegen Geburtsverheimlichung zu einer Woche Arrest verurteilte.
(Kremser Volksblatt vom 6.10.1906)
 
Groß-Riedenthal. Ausgetauschte Subventionsreben.
In der Gemeinde wird viel herumgesprochen, daß bei dem Bürgermeisteramte die Subventionsreben im Frühjahr ausgetauscht worden sein sollen. Das k.k. Bezirksgericht Kirchberg am Wagram hat bereits durch die k.k. Gendarmerie Erhebungen pflegen lassen. Auf den Ausgang dieser Sache ist alles höchst neugierig.
(Österreichische Land-Zeitung vom 13.9.1913)
 
Feuersbrunn. Vom Hunde- und Katzenjäger.
Am 22. Juli fand beim Bezirksgericht Kirchberg am Wagram die Verhandlung gegen den Jagdaufseher des Baron Beck, eines Vettern des Ministerpräsidenten statt. Kläger war der Wirtschaftsbesitzerssohn Heinrich Schober, der seinerseits auch vom Jagdaufseher geklagt war. Anlaß war ein Zusammenstoß beider. Der Jagdaufseher, der es so trefflich versteht, Hunde und Katzen totzuschießen, ging frei aus, wogegen Herr Schober zu 48 Stunden Arrest verurteilt wurde. Hierüber aufs höchste empört, äußerte sich Schober noch im Gerichtszimmer: Ich bekomme 48 Stunden Arrest, weil ich ihm einige Hiebe mit der Peitsche gab, als er mich mit dem Erschießen bedrohte. Ich habe aus Notwehr gehandelt, er aber geht frei aus!“ Uebrigens hat noch das Kreisgericht ein Wörtchen mitzureden.
Eben solches Glück hatte der Jagdaufseher bei den vier anderen Klagen, die wider ihn vorlagen. So bei der Klage des Herrn Schmidt, und der Klage des Herrn Pichl, welch letzterem der sonderbare Jagdaufseher mit dem Erschießen gedroht hatte. Den Klägern Waldhauser und Zehetmaier waren vor kurzem Schrote um die Beine geflogen; er, der Jagdaufseher, hatte eben wieder einmal einer Katze das Lebenslicht ausgeblasen. Die Kläger gingen leer aus….
(Österreichische Land-Zeitung vom 27.7.1907)
Ein Wiener Gastwirt als Totschläger. (gekürzt)
Ein Wiener Gastwirt, der in Groß-Weikersdorf zum Weinhandel unterwegs war, erschoss im Streit einen Wirtschaftsbesitzer. Er wurde ins Bezirksgericht Kirchberg eingeliefert.
(Die Verhandlung fand aber nicht hier statt, da in Kirchberg nur minder schwere Fälle abgehandelt wurden.)
(Salzburger Wacht vom 29.7.1914)
 
Im Namen Seiner Majestät des Kaisers
Das k.k. Bezirksgericht Kirchberg am Wagram und das k.k. Kreisgericht Krems als Berufungsgericht haben mit Erkenntnis vom 19.6.1918 bzw. vom 17.7.1918 zu Recht erkannt:
(gekürzt) Ein Wirtschaftsbesitzer aus Kollersdorf hat in Ausnützung der durch den Kriegszustand verursachten außerordentlichen Verhältnisse für Bedarfsgegenstände offenbar übermäßige Preise gefordert, nämlich für ein Frischlingsschwein im Lebendgewichte von 30 bis 35 Kilo 1000 K und für Spanferkel per Paar 930 K und 900 K verlangt….
Er wurde wegen dieser und anderer Übertretungen zu 5 Tagen Arrest und zu einer Geldstrafe im Betrage von 500 K, im Nichteinbringungsfalle zu weiteren 10 Tagen Arrest und gemäß § 389 St.P.O. zum Ersatze der Kosten des Strafverfahrens und Strafvollzuges verurteilt.
K.k. Bezirksgericht Kirchberg am Wagram,
Abt. III, am 20.7.1918
Dr. Johann Broinger
Für die Richtigkeit der Ausfertigung der Kanzleileiter: Oppeker.
(Österreichische Land-Zeitung vom 3.8.1918)
 
Kirchendieb und Einbrecher.
In der zweiten Hälfte v.M. wurde im Hause 9. Bezirk, Augasse 13, ein Diebstahl von Fenstereinsteigern verübt. Durch ein offenes Fenster im Erdgeschosse schlichen sie in eine Wohnung und stahlen aus dem versperrten Kasten Kleider im Werte von 7000 K. Als Täter wurden die Brüder Johann und August Frühauf verhaftet. Nun wurde ihr Diebsgenosse, der Eisenbahner Franz Braun, verhaftet. Braun, der auch vom Bezirksgericht Kirchberg am Wagram wegen Kircheneinbruchs verfolgt wird, wurde gestern dem Landesgerichte eingeliefert.
(Die neue Zeitung vom 4.8.1920)
 

Wie man zu billigem Wein kommt.
Seit Mitte Dezember wurden in der Umgebung von Kirchberg am Wagram fast jeden zweiten oder dritten Tag Weinkellereinbrüche verübt und Wein in kleineren Gebinden wie auch Kartoffeln entwendet. Um Mitternacht zum 11. d. M. hielt die Gendarmerie von Kirchberg in der Gemeinde Mitterstockstall die Hamsterer Adolf Veit, Silvester Hannesschläger, Rudolf Huber und Alexander Voiger, alle aus Wien-Hernals, auf, als sie mit Fässern, Korb- und anderen Flaschen, mit Milchkannen und Einbruchswerkzeugen ausgerüstet daherkamen. Sie hatten den Wein bei ihren früheren Fahrten mit den Frühzügen nach Wien gebracht, wo am Bahnhof schon die Abnehmer harrten. Um die Flaschen, die vorher als Petroleumflaschen gedient hatten, gebrauchsfähig zu machen, haben sie diese vor Weihnachten bei einem Besuche im Weinkeller des Anton Ecker in Unterstockstall mit Wein ausgewaschen, wodurch dem Ecker ein Eimer Wein ungenießbar gemacht wurde. Die Angehaltenen wurden dem Bezirksgerichte Kirchberg am Wagram eingeliefert.
(Neues Wiener Journal vom 15.1.1922)

 
 
 
Dezember 2020
Maria Knapp