Baugeschichte der Kirche St. Stephan am Wagram

 

Letzte Änderung: 19.12.2015

 

Die erste Kirche

Heute steht die Wallfahrtskirche Maria Trost stolz  und weithin sichtbar an der Kante des Wagram. Doch was wir sehen, ist nicht das Ergebnis eines einzigen Bau-Ereignisses sondern das Resultat der Bautätigkeit mehrerer Epochen, die sich harmonisch zu einem Ganzen verbinden.

Ob die erste Kirche ein Holz- oder schon ein Steinbau war, ist heute nicht mehr festzustellen - manches spricht aber für einen Holzbau: Wie die Klosterkirchen in ihren ersten Anlagen klein und einfach waren, man sich meist mit interimistischen Holzbauten behalf und erst die späteren Um- und Zubauten in größerem und künstlerischen Maße geschaffen wurden, so waren wohl auch die ersten Pfarrkirchen anfangs schmucklose, nur rohe Bedürfnisbauten aus Holz.

Dass der Holzbau in alter Zeit vorherrschend war, davon zeugt, dass selbst Burgen nicht selten aus Holz gebaut waren. In Wien werden gemauerte Häuser erst seit dem 14. Jahrhundert  angeführt. Aus dem 15. Jahrhundert liegen jedoch schon Berichte vor, dass bereits alle Häuser aus Stein gebaut, jedoch noch mit Schindeln bedeckt waren. Nach der Lebensbeschreibung des Bischofs Altmann (um 1015 – 1091) sollen erst zu dessen Zeiten steinerne Kultbauten entstanden sein. Man darf daher vermuten, dass der erste Bau der Kirche in Kirchberg am Wagram ein Holzbau war.



Romanik

Erst um 1090 wurde also wahrscheinlich in Kirchberg mit einem Steinbau begonnen. 

An romanischen Bauteilen sind in der Kirche nur mehr zwei vorhanden:

  • ·  Die heute nicht mehr zugängliche Krypta, die sich unter dem Priesterchor befindet. Solche Unterkirchen wurden mit Vorliebe bei romanischen Kirchen errichtet. 
  • · Bei den Renovierungsarbeiten im Jahr 1958 war die Verkleidung hinter den rechten Ratsstühlen angestemmt und man sah im Hohlraum romanische Säulen.

Abb.: Romanische Säule, Pfarrchronik Kirchberg

Da die Pfarrkirche in Kirchberg, auf beherrschender Hochlage, geschützt durch Seitentäler, bei Gefahr damals nicht seltener Einfälle auch eine sichere Zufluchtsstätte für die Umwohner bieten sollte, wurde sie als Wehrkirche ausgebaut, mit hohem Nordturm neben dem angrenzendem Chor. Am Wappen von Kirchberg erkennt man noch am Turm den Zinnenkranz, der beim Umbau in eine gotische Kirche abhanden gekommen ist.  

Abb.: Marktgemeinde Kirchberg am Wagram 

 

Gotik

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam die Gotik nach Österreich ein. Bereits 1330 wurde in Wien der Grundstein zur Augustinerkirche gelegt, die in dem Typus jener gotischen Hallenkirchen gebaut wurde, die in Österreich vorherrschten. So entstanden zu Beginn des 15. Jahrhunderts, in der Blütezeit der Gotik, in auch in Eggenburg, Stockerau, Horn, Perchtoldsdorf und Krems gotische Stephanskirchen.

Es wurden jedoch nicht immer Neubauten errichtet, sondern vielfach ältere, romanische Kirchen umgestaltet, wodurch sie ein gotisches Gepräge erhielten. Dies gilt auch für die Stephanskirche in Kirchberg. Es ist anzunehmen, dass dieser Umbau im gotischen Stil in jener Zeit geschah, in der unter Albrecht II. († 1358) und dessen Sohn Rudolf dem Stifter († 1365) eine längere Friedensperiode herrschte.

Ob die Kirche in der gotischen Form eine Hallenkirche mit drei gleich hohen Schiffen, wie sie damals fast überall gebaut wurden, oder einschiffig war, ist nicht geklärt. DEHIO spricht von „3-schiffig“, Major Eduard Wettendorfer (ein Kirchberger Heimatforscher) vermeint nach örtlicher Untersuchung und einigen Anhaltspunkten, sie sei einschiffig gewesen. Vielleicht war sie zuerst einschiffig und wurde noch als gotische Kirche dreischiffig ausgebaut.

Merkmale des gotischen Baues finden sich heute noch in der Kirche:

  • Das profilierte Eingangstor an der Westseite unter dem Musikchor der Kirche, das ursprünglich das Haupttor war, ist gotisch. Auch wenn die Kirche versperrt ist, hat man von hier durch das schöne Gitter einen prächtigen Einblick ins Mittelschiff. 
  • An der Wand hinter dem rechten Flügel des St. Anna-Altares hat sich ein lavabo, das wareine Waschnische für den Priester, erhalten, leider ist es vom Altar ganz verdeckt.
  • Die steilen Dächer und die vier Strebepfeiler an der Außenmauer weisen auf die einstige gotische Kirche hin.  
  • An der östlichen Außenseite, also an der Wand hinter dem Hochaltar, wurde seit 1900, als der Mörtel abbröckelte, die Spitzbogenform eines vermauerten hohen und breiten gotischen Fensters sichtbar, durch das zur Zeit der Gotik der Hochaltar Licht empfangen hatte. Heute ist dieses Fenster außenseitig zum Teil restauriert, um dem Beschauer die gotische Form deutlich sichtbar zu machen. 
  • Rechts vom St. Anna-Altar an der Südwand der Kirche zeigten sich bis zur Renovierung im Jahr 2013 an der Außenwand Mauer- und Mörtelsprünge, die die Kontur eines sich darunter befindlichen gotischen Fensters nachzeichneten.
  • Die sechs Tragsäulen des Mittelschiffes sind nur dünn verkleidet. Bei den Umbauarbeiten im Jahr 1958 konnte man die viel schöneren gotischen Profile dahinter erkennen.
  • Auch die Kanzelstiege führt an einer gotischen Säule vorbei. 
  • Nach deutlich erkennbaren Stützpfeilerresten auf dem Dachboden dürfte der ursprüngliche Altarraum beim Umbau der romanischen Kirche in gotischem Stil nach Osten über die Krypta verlängert worden sein.
  • Bei zwei von den 4 Fenstern an der Südwand der Kirche kann man noch die alten, schmalen Sandstein-Fensterstöcke erkennen. Diese Fensterstöcke deuten an, dass die Kirche früher niedriger war, eine Annahme, die durch auf dem Dachboden noch feststellbare ehemalige Tramlager in den Mauern bestätigt wird.
  • Gotisch sind auch die Statue „Maria mit dem Kind“ von 1420 beim Annenaltar und der Grabstein Hippelsdorfers aus dem Jahr 1405 beim Friedhofsausgang. 

Die gotische Kirche hatte bereits die Länge der späteren Barockkirche: 25 Klafter – dies ist auch genau die Höhe des Turmes mit Kugel und Kreuz (25 Klafter à 1,86 m = 46,5 m).

Zur Zeit der Gotik bestanden eine St. Jakobs- und eine Marienkapelle, auch Liebfrauenkapelle genannt, die an der Südseite der Kirche angebaut waren. 

 

Barock

Aber auch die gotische Kirche blieb nicht erhalten. Zur Zeit des Barock, die Anfang des 18. Jahrhunderts, nach der Befreiung aus der Türkengefahr (1683 zweite Türkenbelagerung Wiens) begann, erhielt die Stephanskirche die Form, die sie noch heute aufweist. Der erste Teil des Umbaues wurde bis 1726 fertiggestellt und vom Passauischen Fürstbischof Josef Dominik Graf von Lamberg geweiht.  

Ein Verzeichnis der bischöflichen Funktionen ("Protocollum peractorum functionum episcopaticum"), welches im bischöflichen Ordinariatsarchiv zu Passau aufbewahrt wird und die Jahre 1723 – 1754 umfasst, gewährt Einblick in die Tätigkeit von Kardinals Fürstbischof Graf Josef Dominik Lamberg: Die Reiseliste zeigt, dass der  Bischof alle Pfarren seiner Diözese besucht hat. Genau sind sie Kirchen- und Altarkonsekrationen verzeichnet, die meist den Abschluss von Restaurierungen, Kirchen- und Altarbauten bildeten.

Abb.: Graf Lamberg, Foto Wikipedia
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joseph_Dominikus_von_Lamberg.jpg#filelinks 

Über Kirchberg am Wagram ist vermerkt:
"1726. 11. Mai, Kirchberg am Wagram:
In der Pfarrkirche 8 Altäre.
Hochaltar: St. Stephan, 2: Welterlöser, 3: Maria, 4: Joseph, 5: Sebastian, 6: Antonius, 7: Barbara, 8: Rosalia." 

Bis zur Renovierung im Jahr 1958 befand sich rechts neben dem Hochaltar eine Inschrift über die Kircheneinweihung im Jahr 1726. 

Die enormen Kosten für den Umbau in eine barocke Kirche trug das Passauer Domkapitel, welches auch das hervorragende Künstlerteam stellte.

Es ist bekannt, dass, wenn in späterer Zeit Restaurierungen oder Umbauten vorgenommen wurden, dies nie im Stile des bisherigen Baues geschah, sondern die Kirchen im Geiste der Zeit restauriert wurden. Daher kommt es, dass wir viele Kirchen haben, an denen alle Stilarten zu erkennen sind, oder wenigstens einige Merkmale der früheren Stilarten erhalten sind, so auch bei der Stephanskirche in Kirchberg.

Wer der Architekt der barocken Kirche war, ist nicht eindeutig geklärt. In Frage kommt der aus Scaria bei Como stammende Domenico d’Angeli (1672 – 1738).  Unter ihm arbeiteten die beiden – ebenfalls aus Scaria stammenden -  Brüder Diego Carlone (1674 – 1750) als Bildhauer und Stuckateur und Carlo Innocenzo Carlone(1668 – 1775) als Maler. Die Künstler um den Como-See wurden vom Passauer Bischof Lamberg besonders gefördert. So wirkten alleine aus der Familie Carlone 23 Angehörige  im 17. und 18. Jahrhundert in Österreich.

C. I. Carlone malte 1712 als 26jähriger in Linz ein großes Altarbild „Maria und Anna“ für die Karmeliterkirche. Vom Domkapitel Passau dürfte er daraufhin den Auftrag für das noch im selben Jahr entstandene Hochaltarbild „Steinigung des hl. Stephanus“ für die Pfarrkirche in Kirchberg erhalten haben. 1715 ist Carlone nachweisbar bereits in Wien  tätig. 

     
Abb.: Details des Hochaltarbildes aus der Pfarrchronik 

Die Barockkirche ist dreischiffig, eine 4-jochige, großräumige Tonne deckt das Mittelschiff. Die schmalen Seitenschiffe zeigen Kreuzgewölbe zwischen Gurten. Die Wände sind überall mit flachen Wandpfeilern mit ionischen Kapitellen gegliedert. Im rückwärtigen Teil wurde ein Orgelchor eingezogen. Über dem Mittelschiff befinden sich sechs verglaste Galerien, die man über die Turmtreppe und den Kirchboden erreichen kann. 

Das Presbyterium ist halbrund gewölbt, wie das Kirchenschiff mit Spitzfeldern versehen und die Wölbung auf ionische Säulen gestellt. Dieser Raum ist niedriger gehalten als das Hauptschiff, zum Volksaltar führen zwei Stufen, zum Hochaltar fünf, dadurch ist der Altarraum vom Mittelschiff voll einzusehen. Die Kirche fasst bis zu 2000 Menschen.    

Beim Umbau der Kirche in die barocke Form dürfte sie auch erhöht worden sein. Das Oratorium über der Sakristei, das über die Turmtreppe erreichbar ist,  wurde wahrscheinlich auch im Zuge dieses Umbaues errichtet.

Der Zutritt zur Kirche erfolgt heute durch einen an der Nordseite angebauten Vorbau, wo man linkerhand von der lebensgroßen Holzstatue des hl. Karl Borromäus und rechterhand von der des hl. Markgraf Leopold III. empfangen wird. Im 19. Jahrhundert waren beide noch vollständig vergoldet, heute sind sie naturbelassen. Der hl. Leopold (1073 in Gars am Kamp – 1136 Klosterneuburg) ist der Patron von Niederösterreich und Österreich, Karl Borromäus (1538 bei Arona – 1584 in Mailand) war der Schutzpatron von Kaiser Karl. VI. und wurde aus diesem Grunde damals aufgestellt.

Für Kirchberg am Wagram war der Tag der Einweihung der erneuerten Kirche wohl einer seiner größten Festtage. Das Barock erlebte damals seinen Höhepunkt. Es wusste seine Feste stets in überschwänglicher Pracht zu feiern. Sicherlich waren auch in Kirchberg neben dem Pfarrherrn Peter Anton Nuck (1715 – 1739), der für den Umbau verantwortlich zeigte,  eine größere Zahl kirchlicher Würdenträger, die Pfarrgeistlichkeit der Umgebung, die Amtsträger des Ortes, die verschiedenen Organisationen, die gesamte Bevölkerung des Ortes sowie des damals noch bedeutend umfangreicheren Pfarrsprengels, Jung und Alt, zu dem Festakt versammelt. 

Eine zweite Welle der Barockisierung erfolgte nach 1750, wo unter anderem die Predigtkanzel angebracht wurde. Nach dem Turmbrand von 1754 wurde im Zuge der Reparaturen der Herz-Jesu-Altar geschaffen.  

 

Renovierungen

Pfarrer Ignaz Scheiger ließ etwa 100 Jahre später, im Jahr 1829, eine umfassende Kirchenrenovierung durchführen. Die Kirche ist bei dieser Gelegenheit gefärbt worden, „was jetzt allgemein dem  Ausmahlen vorgezogen wird“. An Haupt- und Nebenaltären wurden Vergoldungen durchgeführt, die Seitenaltäre wurden mit steinernen Stufen versehen, das Kirchenschiff mit neuen Fenstern. Die verbrauchte hohe Summe von über 3500 Gulden wurde teils aus der Kirchenkasse, teils vmit Beiträgen der Gemeinden und  Honoratioren bestritten. Die Kirche zeigte sich damals ganz anders, da die Wände beim Hochaltar blauviolett gestrichen waren und jene in den Seitenschiffen steingrau. 

Da das Schindeldach der Kirche eine „immerwährende Flickerei“ nötig gemacht hatte, wurde 1833 von der „hohen Landesstelle“ die Eindeckung mit Ziegeln bewilligt, welche Arbeit nach abgehaltener „Licitation“ der Oberstockstaller Zimmermeister Anton Diem für 1726 f C.M. erhielt – früher wurden Bauaufträge an den bestbietenden versteigert. 

Unter Pfarrer Vinzenz Willim muss die Kirche neuerlich innen ausgemalen worden sein, da sie sich beim nachfolgenden Pfarrer in einer ganze anderen Farbe zeigte, denn der aus Fulda in Kurhessen stammende Pfarrer Ignaz Hohmann ließ in seiner Amtszeit vor 1900 mit deutscher Gründlichkeit den Innenraum der Kirche umgestalten und gab in der Pfarrchronik dazu nachfolgenden Kommentar ab: „Nun ging es an die Kirche. Ganz aus dem Kirchenvermögen wurde der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre, die Kanzel u der hl. Johannes durch den Maler u Vergolder Pichler renovirt – der Grundthon früher war vor allem ein schmutziges Grün, das schwarz und weiß gesprenkelt war - abscheulich anzusehen. Da der Herr Pfarrer selbst die Gerüste bestieg u fleißig Nachschau hielt, mußte alles gründlich gemacht werden, denn es zeigte sich, daß man bei der Vergoldung unter dem H. Pfarrer Willim einfach mit Goldpapier alles überklebte, was nun bogenweise herunter gerissen ward.“  

Die Fenster erhielten neue Rahmen und wurden mit Milchglas versehen, damit das Licht der Vergoldung nicht schaden konnte, nur das Fenster über dem Chor blieb in seinem „armseligen“ Zustand. 

Erst 1906 – 1908 wurden unter Pfarrer Johann Wiesinger die Wände rosa und gelblich gestrichen: „Die Ausführung der Malerarbeiten durch  den rühmlichst bekannten Kirchenmaler Josef Klenkhart  in Wien bekundet ein richtiges Erfassen des Stiles und die Harmonie der Farben wirkt mit wohlthuender Ruhe auf den Beschauer. Die Gewölbejoche, Wändetheiler sind mit plastisch gemalten Ornamenten, Engelsköpfen u. ganzen Engelfiguren reich geschmückt und halten diese Herstellungen ruhig jede fachmännische Kritik aus.“ 

  
Abb.: Linkes und rechts Seitenschiff um 1940 - zu beachten sind die alten, barocken Beichtstühle.
Fotos aus dem Nachlass von Pfarrer Lorenz Dienbauer, der von 1937 - 1940 in Kirchberg Kaplan war.

Unter Pfarrer Rudolf Koriska erfuhr die Kirche im Jahr 1958 eine vollständige Innenrenovierung. Am 27. Jänner 1958 begann die Firma Weidenauer aus Horn mit der Gerüstung in der Kirche.  Fast zwei Waggons Holz wurden dafür verwendet. 

  Abb.: Das Gerüst in der Kirche,  Pfarrchronik 

Im Zuge dieser Restaurierungsarbeiten wurde die Kirche durch ein  neues Verfahren auf chemischer Grundlage auch horizontal und vertikal trocken gelegt. Die Wände wurden dazu fast bis auf 2 m Höhe und manches Mal auch höher abgeschlagen. Am 20. Mai 1958 wurde sowohl mit dem Anwurf in der Kirche als auch mit den Malerarbeiten an der Decke unter Mitwirkung des akademischen Malers Heinrich Jancek samt Frau aus Wien begonnen. Ursprünglich war geplant nur die schadhaften Stellen auszubessern, was sich aber als unmöglich erwies.

Die Neuvergoldung des Hochaltars samt Marmorierung führte die Firma Weidenauer  durch, die Seitenaltäre und die beiden Kanzeln restaurierte die Firma Kuppelmüller aus Krems. Die Ölgemälde wurden teils vom Bundesdenkmalamt, teils vom akademischen Maler und Restaurator Gustav Krämer restauriert. Die Erweiterung der elektrischen Beleuchtung oblag der Firma Kolar und Sohn aus Kirchberg.

Dankenswerter Weise haben die Wirte die Verköstigung der Maler bei den Hauptmahlzeiten übernommen. Pro Tag und Mann 20,- S: „Reichlich und gut war es, wie alle sagten“. Der Patron Fritz Salomon spendete für die renovierte Kirche schließlich noch einen 37 m langen, roten Kokosläufer in einer Breite von 2 m.

Am 13.Oktober desselben Jahres wurde das Gerüst in der gesamten Kirche wieder beseitigt: „Viel größer und weiter erschien nun das Gotteshaus im neuen Glanz.“

Abb.: Ansichtskarte aus der Zeit nach der Renovierung 

Die Außenrenovierung mit dem Dach erfolgte im Jahr 1963, die des Turmes 1966.

Um den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils Rechnung zu tragen, wurde am 20. März 1968  von der Fa. Wagner aus Langenlois der Volksaltar aufgestellt.

1973/74 wurde die Fußbodenheizung installiert und der Boden im Schachbrettmuster aus italienischem Marmor gelegt. Weiters wurden neue Kirchenstühle angeschafft.

Die barocke Wallfahrtskirche, wie wir sie heute kennen, geht auf die eifrigen Bemühungen von Pfarrer Rudolf Koriska zurück. 

Unter Pfarrer Josef Morgenbesser wurden die Fenster doppelt verglast. Turmkreuz und Kugel holte man  zum dritten Mal – diesmal mittels modernster Technik - vom Turm und restaurierte sie fachgerecht. 

Nachdem die Außenfassade schon etliche Schäden aufwies, wurde sie, nicht zuletzt aufgrund des 1000-Jahrjubiläums im  heurigen Jahr, im Jahr 2013 erneuert. Mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehren der Pfarrgemeinde und weiteren freiwilligen Helfern konnte der Verputz im unteren Bereich kostengünstig abgeschlagen werden. Nach einer Austrocknungsphase wurde die Kirche zuerst an der Nord- und später an der Südseite eingerüstet, stellenweise neu verputzt und in einem etwas helleren gelb als vorher gemalt. Das Dach wurde überstiegen, da es auch hier schon einige Schäden gab. 

Gleichzeitig wurden die Pieta am Kirchenplatz und das Relief der Gottesmutter über dem Haupteingang restauriert und alle Außentüren neu gestrichen.

    

  

Die Innenausstattung

Die Kanzeln

Die Kirche verfügt über zwei Kanzeln. An der linken Seite befindet sich die Predigtkanzel, an deren Brüstung vergoldet das Pfingstereignis, die Ausgießung des Heiligen Geistes, dargestellt ist. An der Tür ist die Bibelstelle von "Daniel in der Löwengrube" abgebildet: Ein Engel trägt den Propheten Habakuk und einen Korb gefüllt mit Essen zu Daniel.

Das Kanzeldach zeigt drei Frauengestalten. Die Figur mit der Säule symbolisiert das Lehramt, die Figur in der Mitte mit Kelch und Hostie das Priesteramt und die dritte Figur sollte einen Hirtenstab in der Hand halten, dieser ist aber nicht vorhanden - sie soll das Hirtenamt symbolisieren. Dazwischen befinden sich kleine Putten, die die drei christlichen Grundtugenden, nämlich Glaube (Figur mit Kreuz), Liebe (zwei Putten, die sich umarmen) und Hoffnung (Figur mit Anker) darstellen.

Wer diese prächtige Kanzel geschaffen hat, ist nicht restlos geklärt. Es existieren aber zwei Mahnungen aus den Jahren 1752 und 1754 vom Großweikersdorfer  Künstler Johann Trimbar, in denen er Pfarrer Franz Xaver Perwein auffordert, die ausstehende Rechnung von 100 fl. für die „neu aufgesetzte Kanzel“ zu zahlen. Das würde auch bedeuten, dass die Barockisierung der Kirche nicht in einem Zug vor der Einweihung im Jahr 1726 durchgeführt wurde.

Pfarrer Ignaz Hohmann ließ an der Kanzel größere Veränderungen durchführen: „Die meiste Veränderung erhielt die Kanzel. Von dem Ende der Herrenstühle auf der Evangelienseite ging nämlich eine hölzerne Treppe mit hölzernem Geländer vorne auf die Kanzel hinauf. Hierdurch wurde der einen Hälfte der Leute der Ausblick auf den Hochaltar verdeckt. Diese Stiege wurde beseitigt u die Säule durchbrochen, wobei es sich zeigte, daß in der Säule an welcher die Kanzel ist, eine schöne gotische steinerne Säule eingemauert ist, die nur zum geringsten Theile durchbrochen wurde. Das rückwärtige Goldrelief wurde zur Thüre erweitert u das durch den früher vom Aufgang fehlende Stück der Kanzelbrüstung durch einen wiener Tischler neu angeschafft. Hiebei wäre noch zu bemerken, daß der damalige Baumeister aus Königsbrunn „Österreicher“, sich weigerte, den Durchbruch der Säule zu übernehmen, aus Angst, es könnte der Thurm einstürzen, daher der H. Pfarrer gezwungen war, diese Arbeit mit Hilfe eines Maurergehilfen selbst zu thun. Dabei kam auch zum Vorschein, daß das Gewölbe des Bogens, der den Pfeiler mit der weiteren Kirchenwand verbindet, hohl war u ein gothisches Gewölbe, das bedeutend höher ist, verdeckt. In dieser Höhlung hat Herr Pfarrer einen Zettel einmauern lassen.“ 

Die zweite Kanzel die sogenannte  Blindkanzel, die sich im Hauptschiff gegenüber der Predigtkanzel befindet, zeigt die Himmelfahrt des hl. Johannes Nepomuk:  Als Generalvikar und rechte Hand des Bischofs von Prag wurde er Opfer einer Intrige und 1348 in die Moldau gestürzt. Der untere Bereich der Blindkanzel zeigt die Bergung seines Leichnams aus der Moldau. Nepomuk bedeutet: geboren in Pomuk.

In manchen Schriften über Kirchberg wird die Vermutung geäußert, dass die beiden Kanzeln aus der abgebrochenen Wallfahrtskapelle stammen sollen. Da sich aber die Predigtkanzel so vollendet in ihre Umgebung einfügt, wird das nicht der Fall gewesen sein. Außerdem ist kaum anzunehmen, dass die barocke Kirche, die schon 1726 geweiht worden war, bis 1785 – dem Jahr des Abbruches der Maria Trost-Kapelle – ohne Kanzel gewesen sein soll, zumal ja oben erwähnte Rechnung anderes aussagt.

Im Gegensatz dazu ist die Blindkanzel für die Stelle, an der sie platziert ist, etwas zu niedrig und wird durch Engeldarstellungen auf die richtige Höhe gebracht. Wie aus einem Brief von Pfarrer Grädinger aus dem Jahr 1787 an das erzbischöfliche Konsistorium hervorgeht, dürfte diese Kanzel aus der abgebrochenen Maria Trost-Kapelle stammen: "Zufolge Konsistorialdekret vom 24. Hornung et 1. Märtz berichte gehorsamst: Daß ich die von hoher Regierung auf mein Bitten bewilligte Kanzl und 2 Altarblätter von der entweihten Maria Trost Kapelle zu dasiger Pfarrkirche übernohmen, noch aber aus Abgang eines Werttsverständigen nicht weggebracht habe. Die Quittung  folget hier ab." Bei der Einweihung der Kirche im Jahr 1726 war sie jedenfalls noch nicht vorhanden, da Johannes Nepomuk erst im Jahr 1729 heiliggesprochen wurde.

 

Der Hochaltar

Er ist derart prächtig gestaltet, dass, wie überhaupt die ganze Kirche, in Niederösterreich nur wenige Kirchen sich solcher Ausstattung rühmen können. Der Altar zeigt in dem von Carlo Carlone im Jahr 1712 in Öl gemalten Altarblatt die Steinigung des hl. Stephanus, des Namenspatrons des Passauer Bistums, und seine Vision: Der Himmel ist offen und Christus steht auf den Wolken, über ihm der Heilige Geist in Gestalt der Taube. Darüber in einem Rundbild sieht man Gott Vater als Mittelpunkt in einer Engelschar. 

Das Altarblatt hat eine Größe von 262/497 cm. Links unten befindet sich die Signatur: „C.J. Carlone F. 1712, darunter N. Schlossareck, renovirt 1868.“ 

  
Abb.:Die von Restaurator Dr. Krämer kopierte Signatur des Künstlers 

Eine Renovierung des Altarbildes wurde 1958 durch Dr. Gustav Krämer, akademischer  Maler, Graphiker und Restaurator aus Wien, durchgeführt. Zu dieser Zeit hatte die Spannung der Leinwand schon sehr nachgelassen, da die schmalen, ausgefransten Ränder teilweise losgerissen waren und der mit Holzdübeln verbundene Blindrahmen wackelte. Außerdem war das Bild beiderseits stark verschmutzt und große Firnispartien „krepiert“ (der durchsichtige Schutzanstrich war trüb und undurchsichtig geworden). Kurze, eng nebeneinander liegende, nur senkrecht verlaufende Sprünge überzogen die ganze Oberfläche, was auf die ungleichen Fäden der Leinwand (schwache Kette, starker Schuss) zurückzuführen war. Das Bild wurde daher neben anderen restauratorischen Maßnahmen (u.a. Reinigung) auf starke Leinwand doubliert und auf einen neuen Keilrahmen gespannt. Durch den Doublierungsvorgang regenerierte sich auch die Farb- und Firnisschicht. Die vielen kleinen Sprünge wurden eingeebnet.

Das Aufsatzbild „Gott Vater mit großen und kleinen Engeln“ hat eine Größe von 200/170 cm, ist unsigniert, aber zweifellos auch von Carlone gemalt.

Das Bildnis fiel ebenfalls durch eine schlechte Spannung der Leinwand auf. Die Ränder waren sehr schmal und bereits losgerissen. Das Bild ist auf derselben Leinwand wie das Hochaltarbild gemalt und hatte daher die gleiche Rissbildung in der Malschicht. Bei der Restaurierung wurden die Räner wieder angebörtelt, der Blindrahmen bekam eine Versteifung. Das Bild wurde gereinigt und die Sprünge wurden durch beiderseitiges Bügeln eingeebnet.

Abb.: Auf der Innenseite des massiven Blindrahmens sind mit Bister (eine Art Tinte) verschiedene Markierungen für das richtige Aufspannen der Leinwand gemacht. Im oberen Bogen ist ein ca. 10 cm hohes Kreuz gezeichnet und links daneben steht „Cima“ (alte italienische Schreibweise für Gipfel) in derselben Handschrift wie die Signaturen, was eindeutig auf die italienische Herkunft des Künstlers hindeutet. 

Der Bruder des Malers Carlo Carlone, Diego Carlone, schuf die Aufbauten des Altares aus marmoriertem Holz.

Auf dem Tabernakelkasten sind die Brotvermehrung und das letzte Abendmahl dargestellt. 

 

Hinter dem Hochaltar steht auf einer Steinsäule die Wallfahrtsstatue der Gottesmutter. Die Steinsäule kann man nur sehen, wenn man hinter den Altar geht. Sie stammt noch aus der ursprünglichen "Maria-Trost-Kirche", die 1787 abgerissen wurde. 

In früheren Jahrhunderten war es der Brauch, die Marien-Statuen mit prachtvollen Mänteln zu bekleiden. Provisor Wenzel Steiner dem dieser Brauch nicht zusagte, änderte das im Jahr 1914: „Die Kleider, mit denen die Gnadenstatue Mariä Trost am Hochaltar umhängt war, entsprachen nicht meinem ästhetischen Gefühle, verpatzten den ganzen Hochaltar. In der Passionszeit verhüllte ich zunächst die Statue mit dem violetten Tuche, u. zu Ostern erstrahlte die Muttergottesstatue in aller Schönheit – ohne Kleider -  Vielen Leuten kamen die Tränen beim Anblicke, viele meinten, es sei eine ganz neue „Maria“, warum man denn nicht früher daran gedacht habe, die Kleider zu entfernen. Und wirklich wirkt die Statue künstlerisch wunderschön. Bevor ich diesen Plan ausgeführt, hatte ich denselben einigen mitgeteilt, u. man sagte mir, wenn ich das tue, entstehe eine Revolution. Diese ist aber nicht gekommen.“

In neuerer Zeit erinnerte man sich wieder an diesen alten Brauch. In den Jahren 2008 und 2009 wurden der Muttergottesstatue  zwei  Mäntel gespendet. Ersterer wurde von  Schwester Imelda Ruf, OSB, die auch die Papst-Kasel und Mitra hergestellt hat, geschneidert. An hohen Festtagen bzw. in den Marienmonaten Mai und Oktober wird die Gottesmutter jetzt wieder festlich bekleidet. 

Die Figuren links und rechts des Altares zeigen Petrus mit Schlüssel und Buch sowie Paulus mit Schwert und Buch.   

 

Die Seitenaltäre

Im Laufe der Jahrhunderte gab es eine wechselnde Anzahl von Seitenaltären.

1726 wurden von Graf Lamberg 7 Seitenaltäre geweiht, wovon aber um 1830, zu Beginn der Aufzeichnungen in der Kirchenchronik, nur mehr fünf übrig waren, nämlich der Frauen-, Antoni-, Rosalia-, Josephi-Altar und der Altar der Schwarzen Muttergottes. Laut Pfarrer Ignaz Scheiger sind das Marienbild beim Frauenaltar und das Bild des Hl. Anton von Padua beim Antoni-Altar im Jahr 1829 vom akademischen Maler Füger junior, dem Sohn des Joseph Füger, Schöpfer der Seitenaltarbilder in der Hofkappelle, gemalt worden und kosteten 60 fl. C.M.

Heute befinden sich in der Kirche sechs Seitenaltäre.

 

Herz Jesu-Altar

Der Herz-Jesu-Altar befindet sich genau unter dem Kirchenturm an der Ostwand des Nordschiffes der Kirche.

Dieser Altar wurde 1754 zusammen mit dem Turm durch einen Blitzschlag zerstört und 1756 renoviert. Ein Hinweis darauf findet sich im Chronogramm über dem Herz Jesu-Altar: „fVlMine De CeCo Lapso renata“, zu Deutsch: „Vom Blitz aus dem Himmel gefällt, wiederhergestellt“. Die Großbuchstaben weisen auf das Jahr der Wiederherstellunghin.

Die lebensgroße Herz-Jesu Statue wurde anstatt eines Bildes, das den hl. Antonius von Padua zeigte, aufgestellt. Vor dem Blitzschlag hielten die beiden Engel links und rechts der Statue dieses Gemälde. Auf der linken Seite des Altares steht eine Statue des hl. Franz von Assisi mit Kreuz und Wundmalen, auf der rechten Seite die Statue der hl. Klara im Ordenskleid mit Stab und Palmzweig.     

 

 

Annen- oder Rosenkranzaltar

Der Annen- oder Rosenkranzaltar befindet sich an der Stirnwand im Südschiff. Er trägt die Inschrift: „altare privilegiatum sanctissimi rosary“ (mit besonderen Rechten der Rosenkranzbruderschaft ausgestattet). Knapp über dem Altartisch befindet sich eine Statue der hl. Anna, die  ihrer kleinen Tochter Maria die Heilige Schrift erklärt. Auf der gewundenen Holzsäule darüber stand bis 1978 eine wertvolle, spätgotische Madonna die um das Jahr 1420 geschaffen wurde, die sich aber heute im Diözesanmuseum in Wien befindet. Nachträglich gesehen war es eine gute Entscheidung, die Plastik in sichere Verwahrung zu geben, denn eine an ihrer Stelle aufgestellte Replik wurde gestohlen.

Das Jesuskind der spätgotischen Madonnenstatue, die jetzt dort thront,  hält einen Vogel in der Hand. Dies geht auf die Legende zurück, nach der Jesus Sand über seine Schultern warf, worauf aus jedem einzelnen Korn ein Vogel entspross.

An der linken Seite des Altares steht der hl. Dominikus, der Gründer des Dominikanerordens. Zu seinen Füßen liegt ein Hund mit einer Fackel im Maul, Symbol für die Verteidigung der katholischen Lehre. An der rechten Seite steht die hl. Katharina von Sienna mit Dornenkrone, Wundmalen und Kreuz.      

 

     
Abb.: Die ursprüngliche gotische und die heute aufgestellte Madonna 

 

Marien-Altar oder Heilige Immaculata

Der Marien-Altar befindet sich im Nordschiff, links vom Eingang. Das prachtvolle Gemälde zeigt Maria Immaculata, oder auch Unbefleckte Empfängnis genannt, es wurde von Martin Johann Schmidt, dem „Kremser Schmidt“, gemalt und 1771 rechts unten signiert. Die Größe beträgt  210/335 cm.

Anlässlich der umfassenden Kirchenrenovierung im Jahr 1958 wurde das Altarblatt ebenfalls von Dr. Krämer restauriert, da die Leinwand schon sehr schlaff  und der Blindrahmen wurmstichig war und nicht einmal ein Kreuz zur Versteifung hatte. Große Partien der Farbschicht waren klein gesprungen und aufgestellt, kleinere Flächen bereits abgeblättert. Neben einem neuen Keilrahmen wurde das Gemälde gereinigt und doubliert, d. h., die Gemäldeleinwand wurde zur Stabilisierung von hinten mit elastischem, textilem Material hinterklebt, und neu gefirnisst.

Auf der linken Seite des Altares steht die hl. Barbara, mit Kelch und Hostie in der einen Hand, die ihr ein Engel in den Kerker brachte und mit dem Schwert in der anderen Hand, mit dem sie enthauptet wurde. Der Engel über ihr hält den Turm, in dem sie eingekerkert war.

Auf der rechten Seite des Altares steht die hl. Katharina von Alexandrien, mit einem Wanderstab in der einen Hand und einem Palmzweig in der anderen. Über ihr hält ein Engel ein zerbrochenes Rad, als Hinweis darauf, dass sie gerädert wurde und dabei das Rad zersprang.  

 

Rosalia - Altar

Dieser Altar, der sich an der Wand des südlichen Seitenschiffes befindet, wurde von den Familien Beer und Damian gestiftet. Letztere bezeichneten ihn schon 1672 als „ihren“ Altar. Im vergoldeten Schrein auf dem Altartisch ist der Leichnam Rosalias nachgebildet.

Das Altarbild, das das Aufwachen der Hl. Rosalia in die ewige Seligkeit zeigt, hat die Ausmaße 220/340 cm, im unteren Bogen wurde bei der Restauration im Jahr 1958  die  Signatur „J.G. Schmidt fecit A. 1725“ freigelegt. Es handelt sich um Johann Georg Schmidt (* um 1685 in Böhmen; † 15. 9.1748 in Krems). Er  war, so wie sein Namensvetter Martin Johann Schmidt, ebenfalls ein Barockmaler und wurde „Wiener Schmidt“ genannt, zur Unterscheidung vom bekannteren „Kremser Schmidt“.

Bei der Restaurierung im Jahr 1958 wurden große Risse, ausgebrochene Leinwandteile, schüsselförmig aufgestellte Farbschichten und eine  nachgedunkelte Firnissschicht, die teilweise „krepiert“ war, ausgebessert und das gesamte Bild gereinigt.  Der wurmstichige und wackelige Blindrahmen, der aus zwei Teilen bestand, wurde ersetzt und das Gemälde abschließend gefirnisst. 

Die beiden Figuren rechts und links des Bildes zeigen die heiligen Cosmas und Damian. Jede Figur hält jeweils ein Apothekergefäß. Die Zwillingsbrüder waren Ärzte, die Kranke unentgeltlich behandelten und viele von diesen zum Christentum bekehrten. Sie erlitten beide das Martyrium. 

 

Josefs-Altar

Dieser Altar befindet sich westlich vom Rosalienaltar an der Südwand der Kirche. 

Das Altarbild zeigt die heilige Familie. Josef verneigt sich im Lederschurz des Zimmermanns und trägt in der Hand einen Wanderstab mit der Lilienblüte als Symbol der Reinheit. Das Bild ist unsigniert und wird der Schule des Franz Anton Maulbertsch zugeschrieben. Die beiden Figuren rechts und links stellen die Eltern der Gottesmutter, Anna und Joachim, dar.

Der Restaurator Dr. Gustav Krämer nennt das Gemälde anlässlich der Restaurierung im Jahr 1958 „Heilige Familie auf der Flucht“.

Bei dieser Erneuerung fand sich der Blindrahmen in sehr gebrechlichem Zustand. Die Leinwandränder waren schmal und ausgefranst, die Farbschicht teilweise aufgestellt und kleine Teile abgeblättert.  Zur Instandsetzung wurde ein neuer Keilrahmen angefertigt, die Ränder wurden angebörtelt. Die Fehlstellen wurden verkittet und der Malerei ergänzt, nach der Reinigung wurde das Gemälde gefirnisst. 

An diesem Altar wurde die Josefs-Novene abgehalten. - Unter Novene versteht man eine Gebetsform, bei der an neun aufeinanderfolgenden Tagen bestimmte Gebete verrichtet werden, in diesem Fall vor dem 19. März, dem Namensfest des Hl. Josef.  Meist bestehen die Gebete aus einem gleichbleibenden und einem täglich wechselnden Teil. So berichtet Pfarrer  Karl Rasberger 1924: Die hl. Josefs Novene wurde auch in diesem Jahre abgehalten und erfreut sich eines großen Besuches. Der Altar war besonders schön geschmückt mit Epheu und Lilien. Trotz großer Winterkälte  – oft am Morgen – 6 ° ebenso am Abend und trotz Schneefälle lassen sich die Leute aus den Nachbardörfern nicht abhalten und kommen zur Andacht.“      

 

Taufaltar

Der Taufaltar steht hinten im Südschiff der Kirche, in der ehemaligen Taufkapelle. Dargestellt ist die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan. Auf dem oberen Schriftband des frühbarocken Holzreliefs steht: "Dieser ist mein Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Math. 3, 17." Auf dem Spruchband am Stab des Johannes befindet sich die Aufschrift: "Agnus Dei" (Lamm Gottes). Johannes war genau sechs Monate älter als Jesus. Die beiden Geburtsfeste werden zur Winter- bzw. Sommersonnenwende gefeiert. 

Seitlich an der Wand befindet sich ein großes, geschnitztes, barockes Kruzifix, bei dem heute Opferkerzen angezündet werden können.  

  
Abb.: Das Heilige Grab, das sich früher hier befunden hat.
Aus dem Nachlass von Pfarrer Lorenz Dienbauer,
der von 1937 - 1940 in Kirchberg Kaplan war.
 

 

Das gotische Taufbecken

Der Taufbrunnen stand ursprünglich in der Taufkapelle im hinteren Teil der Kirche. Heute findet man ihn vorne unter der Kanzel, um zu betonen, dass die Taufe  die Aufnahme in die Gemeinde der Christen ist.

Der prächtige, zwölfeckige Stein aus rotem Untersberger Marmor ist nach DEHIO gotisch, aus dem 15. Jahrhundert. Der Kupferdeckel ist eine schöne Schmiedearbeit aus dem Jahre 1787. Im Jahr 1915 „fand“ Provisor Wenzel Steiner dieses Taufbecken: „Niemand wußte, daß unsere Pfarrkirche einen herrlichen gotischen Taufstein aus Marmor habe. Derselbe stand ganz an der Mauer mit Brettern verschlagen mit dem Taufaltar verbunden. Rings herum war  dann ein häßliches eisernes spitziges Gitter. Neugierig nahm ich einige Bretter weg u. sah nun daß ein gotischer marmorner Taufbrunnen dahinter steckte. – Doch wie sah alles aus. Der Stein verwittert, ganze Stücke (Ecken) abgeschlagen, der Fuß fehlte ganz. Ein einfacher kupferner Deckel v. J. 1787 bedeckte ihn. Das Gitter wurde nun entfernt, ebenso auch der häßliche Kasten, in dem der Taufstein ganz versteckt dahinterstand; der Stein  mußte nach Krems transportiert werden, wurde dort abgeschliffen u. ausgebessert, ich entwarf auch den Fußsockel, der auch aus bereits dem übrigen ähnlichen Marmor gemacht wurde u. so kam der neue alte Taufstein nach Allerheiligen zur Aufstellung. Der Taufstein kam noch auf eine marmorne Stufenplatte zu stehen. Jetzt mußte auch ein würdiger gotischer Deckel entworfen werden. Der Entwurf wurde im ganzen u. großen der Kunstzeitschrift ‚der Pionier‘ entnommen und einem Wiener Fabrikanten zur Ausführung übergeben. Nun steht er da, ein Prachtwerk, ein neues Kunstwerk, würdig unseres schönen Gotteshauses.“ 

Zwei barocke, sich auf dem Taufbecken befindliche weiße Engelköpfe mit goldenen Flügeln auf versilberten Wolken wurden 1971 gestohlen. 

Abb.: Im Westeingang der Kirche befindet sich ein
Taufbecken aus der Renaissance. 

 

Chor und Orgel

Der eingezogene Musikchor zeigt drei Joche und Flachbogenschluss innen, außen ist er gerade geschlossen. Die Orgel wurde von Ignaz Gatto dem Älteren (1708–1786), einem bedeutenden Orgelbaumeister aus Krems, im Jahr 1781 gesetzt und von seinem Sohn Joseph vollendet. Der Topograph Schweickhardt preist um 1830 Chor und Orgel als vorzüglich schön mit Seitenflügeln und einem Positiv ausgestattet, wovon die Kasten grün staffiert und vergoldet sind. 

Es handelt sich hier nicht um irgendeine Orgel für eine – zugegebenermaßen kunsthistorisch wertvolle – Kirche, sondern sie war für den damaligen Schulleiter Ignaz Gegenbauer maßgeschneidert worden und stellte höchste musikalische Ansprüche an den Erbauer. Gegenbauer war ein Virtuose auf dem Instrument und stand mit vielen bekannten Organisten und Musikern seiner Zeit in Verbindung. 

In der Pfarrchronik scheint die Orgel das erste Mal im Jahre 1861 im Zuge von Restaurierungsarbeiten auf, desgleichen in den Jahren 1909 und 1920. In diesem Jahr wurde zugunsten der Renovierung ein Orgelkomitee gegründet, dem viele honorige Bürger des Marktes unter Leitung von Pfarrer Karl Rasberger angehörten. Bei  diversen musikalischen Aufführungen in der Kirche wurde Geld gesammelt, um eventuell sogar eine neue Orgel anschaffen zu können. Doch 1928 trägt Pfarrer Rasberger in die Pfarrchronik ein. „Die alte Orgel, wo so viele Orgelkundige und Pfarrkinder sich aussprachen, daß sie nicht mehr reparierbar ist wurde von dem Orgelbauer Wilhlem Burger u. Sohn in Klosterneuburg vollständig reparirt mit electr. Motor versehen und ertönt wieder in alten Tönen. Die Reparatur kostete 2500 S.“ Auch das elektrische Gebläse stammt von dieser Reparatur.

1958  wurde unter Pfarrer Rudolf Koriska im Zuge der Generalsanierung der Kirche auch eine Restaurierung der Orgel beschlossen und diese der Fa. Hradetzky aus Krems übertragen. Im Zuge der Arbeiten wurde folgende Inschrift gefunden: "Diese Orgel hat gemacht Josef Gatto, Orgelmacher aus Krembs seines Alters mit 37 Jahr. Und ist ausgebessert worden als dem 28. May im Jahr 1787 und verferdigt worden".

   
Abb.: Aus der Broschüre: Orgelweihe in Kirchberg am Wagram,1994           

Die Firma Gregor Hradetzky führte 1976 einen Umbau durch. Die Orgel erhielt neue Spiel- und Registertrakturen, neue Klaviaturen und Retuschen am Klang- bzw. am Pfeifenwerk. 

Im Jahr 1985 beschreibt Dr. Phil. Otto Biba im Zuge der geplanten Renovierungsarbeiten die Orgel: „Die Orgel besitzt 20 Stimmen auf zwei Manualen und Pedal. In der Emporenbrüstung befindet sich das Rückpositiv mit rückseitig angebautem Spieltisch. Die beiden Gehäuseflügel auf der Empore blicken leicht schräg gestellt zueinander; die in das Kirchenschiff gerichtete Seitenfront trägt ein kleines Prospektfeld. Im nördlichen Kasten befindet sich das Pedalwerk, im südlichen das Hauptwerk. Wo sich die ursprüngliche Balganlage befand, kann nicht festgestellt werden. Nun befindet sie sich auf der an die Westempore anschließenden kleinen Empore des südlichen Seitenschiffes. – Die originalen Prospektpfeifen waren der historischen und künstlerischen Bedeutung der Orgel wegen in beiden Weltkriegen von der Zinnablieferung befreit.“

Der Finanzierung des Vorhabens legte man einen Ansparplan zugrunde. Von der Diözese erhielt man ein Darlehen, es wurde in der Pfarre gesammelt, Konzerte und wöchentliche Pfarrcafés veranstaltet, auch das Bundesdenkmalamt hat das Projekt finanziell unterstützt: „Der Pfarrgemeinderat hat nach 3 Ausschreibungen an die Fa. Ferdinand Salomon die Orgelrenovierung vergeben. Die völlige Restaurierung soll im Jahr 1992 geschehen. Dabei muß die ganze Orgel abgetragen werden – und nach Fertigstellung am Ende des Jahres wieder aufgestellt werden. Das Angebot beläuft sich auf 2,500.000,- S. ….  Am Pfingstsonntag, 23. Mai 1994, wurde unsere Orgel nach Abschluß der Restaurierung von Kard. Dr. Hans Hermann Groer in einem Festgottesdienst gesegnet.“

Die Kirchberger Orgel ist die optisch und klanglich ausgereifteste der von Gatto erhaltenen Orgeln, sie besitzt auch kulturgeschichtliche Bedeutung dadurch, dass der Meister zur Zeit der Klassik Werke  zwischen Wien und Melk schuf. Mit ihren 1086 Pfeifen zählt sie sowohl bildhauerisch als auch klanglich zu den prächtigsten und wertvollsten Instrumenten des Landes.   

 

Gemälde

Hl. Florian und Hl. Wendelin

An den Seitenwänden des Presbyteriums, über den Ratsstühlen, hängen zwei ehemalige Altarblätter aus der Maria Trost-Kapelle: Der hl. Florian und der hl. Wendelin  vom „Kremser Schmidt“, signiert 1771. Diese beiden Bilder waren einige Zeit an Pfeilern im Kirchenschiff angebracht und lagen dann lange Zeit unbeachtet ohne Rahmen am Musikchor. Erst Pfarrer Vinzenz Willim erkannte 1866 ihren Wert und suchte bei der zuständigen Stelle um Bewilligung zur Restauration an: In Anbetracht, daß  die Restaurirung dieser  Bilder eine herrliche Zierde des hiesigen Gotteshauses sein würde, jedoch es unverzeihlich wäre, selbe zu Grunde gehen zu lassen, bitten die gehorsamst Gefertigten um die gnädige Erlaubniß selbe restauriren lassen zu dürfen.“

    
Abb.: Pfarrer Koriska vor dem Bild des hl. Florian - der Kremser Schmidt (Pfarrchronik)
 

Die Herkunft der beiden Altarblätter geht aus der Korrespondenz des Wiener Bischöflichen Archivs (Diözesanarchiv), Faszikel „Maria Trost Kapelle“ 1787 klar hervor: „Die zwei 1787 an Pfarrer Grädinger überlassenen Altarblätter wurden in der Pfarrkirche nicht am Altare eingebaut, sondern bis zur Zeit des Pfarrers Willim 1866 im  Kirchenchor ungerahmt aufbewahrt und erst von Willim  mit Rahmen versehen und im Presbyterium an ungünstiger Stelle aufgehängt.“  Die angesprochene Stelle ist die oben erwähnte über den Ratsstühlen. 

Anlässlich einer neuerlichen Restaurierung im Jahr 1926 wurde die Arbeit vom Bundesdenkmalamt dem akademischen Maler Kurt Nickmann übertragen. Für die Kosten kamen je zur Hälfte die Landesregierung und die Gemeinde auf.

 

Kreuzwegbilder

Die Kreuzwegbilder stammen  aus der Schule des Kremser Schmidt.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten an der Kirche wurden auch diese im Jahr 1959 gründlich restauriert und zwar vom akademischen Maler  Gustav Krämer. Dabei kam es zu einem Unfall: Der Maler erlitt Verbrennungen 3. Grades, als er Bienenwachs erwärmen wollte und dabei Feuer fing. Unter dem Einsatz seines Lebens hat er die Kreuzwegbilder gerettet. Vier Monate musste er danach im Wasserbad liegen. 

      

 

Grabplatten

Grabplatte des Pfarrers Ulrich

1915 fand man beim Bau einer Lourdesgrotte im hinteren rechten Seitenschiff, dreißig Zentimeter unter dem Fußboden, die Grabplatte des Pfarrers Ulrich (1326 – 1349) in zwei losen Stücken. Sie ist das älteste Steindenkmal der Kirche. Seit der Innenrenovierung der Kirche im Jahre 1958 ist die Grabplatte am hinteren Ende des linken Seitenschiffes senkrecht in die Wand eingemauert.

Im oberen von zwei Rundbildern ist das Lamm Gottes mit der Kreuzfahne und der Umschrift in Unicalbuchstaben: „AGNUS DEI  MISERERE NOBIS“, im unteren ein vor dem Kreuz kniender Priester ohne Umschrift dargestellt.

Das von Prof. Rupprich vom Germanischen Seminar der Universität Wien entzifferte Schriftband um den Stein ist ein Hexameter, vermutlich vom Verstorbenen selbst verfasst und besagt, dass unter diesem Stein Pfarrer Ulrich von St. Stephan am Wagram mit seinem Vater Gerung und seiner Mutter Eteolda zusammen begraben liegt: Sie lautet: „O(BIIT). ULRICUS. PLE(E)B(AN)S. SUP(ER) WAGRAID. ISTE LAPIS PATREM TEGIT ET PROLEM OVOQ(UE). MATREM. GERUNGUM ETEOLDAM. ANNO. D(OM)INI. MCCC.. (unvollendet).“ Die Jahreszahl wurde nach Ulrichs Tod nicht ergänzt. Sein Todesjahr ist nicht bekannt.   

 

Grabplatte des Pfarrers Hans Hippelsdorfer

Die Flachbildnerei auf rotem Untersberger Marmor zeigt einen in deutscher Tracht gekleideten Mann mit einem Buch in den Händen

Diese dem aus adeligem Geschlecht stammenden Pfarrherrn Hans Hippelsdorfer zugeschriebene Grabplatte lag früher als Fußplatte  im Windfang des Haupteinganges. Nach der Topographie von 1903 ließ der Stein  noch Spuren eines Wappens und einer Inschrift erkennen, diese wurden jedoch durch die darüber Schreitenden bis zur Unkenntlichkeit abgetreten. Prof. Rupprich gelang auch die Entzifferung der Inschrift dieses Steines, dessen Unterteil fehlt. Das Schriftband in gotischen Minuskeln lautet: „an(no) d(o)m(ini) MCCCCV in vigilia s(anc)ti thome ap(osto)li o(biit) honor … fehlender Teil … sepult(us scui) us a(n)i(m)a req(ui)ascat in pace. = „Im Jahre des Herrn 1405 am 24. Dezember starb der ehren … begraben, dessen Seele möge in Frieden ruhen.“

Lange Jahre war die Tafel neben dem Ausgang zum Friedhof an der Mauer des Kirchenvorbaues befestigt. Seit der letzten Außenrenovierung im Jahr 2013  befindet sich die Grabplatte aus konservatorischen Gründen im Vorbau zum Westeingang an der Wand neben dem gotischen Kirchentor.  

 

Gedenktafeln

Im Innern der Kirche treffen wir auf folgende Gedenktafeln: 

Justus Pfaler

Im Durchgang neben der Blindkanzel zum rechten Seitenaltar ist die Grabschrift des Apothekers und Stadthauptmannes von Linz, Justus Pfaler, aus dem Jahre 1702 an der Wand befestigt:

"Hier lieget der Edl u. Gestrenge Herr
Justus Pfaler war sein Nam in Ehr!
In der Rais der Todt Ihn hat erloffen
Doch unbereith nicht angetroffen
Im Herbst da sibnzehnhundertzwey wurd zehlt,
Hat ihn der Todt zum Grab geföhlt,
Dreu und Sibenzig Jahr hat er gegruent
Den Himmel bey Gott zum Lohn verdient
Seiner Kunst er ein Apothecker war
Hat villen geholffen aus Lebens Gefahr
Er war zu Linz in Oberösterreich
Stadt Hauptmann, ältester im Rat zugleich
Ein redlicher und alter Teutscher Mann
Bey dem weder List noch Argewohn
Die Frombheit Gottes Forcht hat er geübt
Sein Hausfrau Kinder herzlich geliebt
Justus war er mit dem Nam und der That
Der Gerechtigkeit nie vergessen hat:
Wer dieses liset, der bette für Ihn
Dass Gott zu sich seine Seel aufnimb
Diß wünschen die Erben durch diesen Stein
Der ihm zur Ehr soll gewidmet sein."

 

Sybill Clara Beer

An der Wand im linken Seitenschiff, neben dem Altar der unbefleckten Empfängnis Mariens, ist ein Gedenkstein angebracht, den Verwalter Franz Adam Beer  seiner Gattin, die am 21. Dezember 1710 im 44. Lebensjahr verstorben ist, 1711 setzen ließ:

"Halt ein mein lieber Wandersmann und schau 
Hier ruht die Wohl Edl gestrenge Frau
Sybill Clara Beer war ihr Nahm
Geboren aus dem Läsztettlischen Stam
An einunzwanzigsten Dezembers Nacht
Viertzig und vier Jahr ihrn Termin vollbracht
In Tausend Siebenhundertzehenden Jahr
Hat man Syo gelögt auf die Totten Bahr
Fünft und zwanzig Jahr wars Verwalterin
Bey Löben hats vier Döchter und Siben Sönn.
Hie lehren wie Mors ein Mars und Jäger sey
Ließ weder Löstett noch Beern in Schuß frey
Nun sötzt zu Ehren ihr gewest treuer Eheherr
Diesen Stein FranCIsCUs ADaMUs Beer
Auf daß ihrer armen Seel hier auf Erd
In unsern Gebött nit vergessen werd (1711)"

 

Bartholomäus Zaller

Links von der Blindkanzel lesen wir auf einem Gedenkstein - übersetzt aus dem Lateinischen:

"Hier liegt und schweigt der ehrwürdige Herr B. Zaller, welcher, nachdem durch 12 ½ Jahre diese Pfarr als Vicar geleitet und in lobenswerter Weise verwaltet hatte, und mit Mächtigem Rufe Ermahnungen des Heils von dieser Kanzel herabgedonnert hatte, nie ermüdet endlich doch der Natur seine Schuld beglich und als Wohltäter fromm im Herrn entschlief, am 8. Mai 1715 in seinem 50sten Lebensjahr. " 

 

 

 

 

 

 

Ignaz Scheiger

Im rechten Seitenschiff, links vom Beichtstuhl und von diesem ein wenig verdeckt, ist der Gedenkstein des Pfarrers Ignaz Scheiger (1799 – 1835) in die Mauer eingebettet:

"Ignaz Scheiger
durch 36 Jahr l. f. Pfarrer alhier
50 Jahr Priester
gestorben den 19. August 1825.
Hat mein Grabstein ein Lobgedicht
Hinweg solch Lob, ich mag es nicht 
Hab ich gethan, was ich gelehret  
Dann schöner Himmel bis Du mein  
Thut ihr, was ihr von mir gehöret  
Dann kommt auch ihr Liebste, hinein  
Und welcher Jubel, welche Freude  
wenn wir uns einstens wiedersehn.
Wenn Hirt und Herd im Unschuldskleide
Verklärt am Throne Gottes stehn!  
Gott lob mich dann beim Wiedersehn
Wenn wir aus unsern Gräbern gehn! 
Wollt ihr Liebe was danken mir 
Ein Vater unser gebt dafür."
 


Vincenz Willim
 

Rechts vom Beichtstuhl erinnert eine Gedenkplatte an Pfarrer Vincenz Willim (1866 – 1877):

"Vincentius Willim
parochus huius ecclesiae
Natus 1801
die 8. Septembris
mortuus 1877 die 11. Martii
Requiescat in pace!
  

 

 

 

Das Beinhaus

Wie bereits erwähnt, befindet sich unter dem Priesterchor eine wahrscheinlich romanische Krypta, die lange Zeit als Beinhaus benutzt wurde.

Dieses war bis 1913 durch eine schmale Öffnung am Fuß der Ostwand der Kirche unter dem gotischen Fenster zugänglich. Der Totengräber brachte dort bei der Neuaushebung von Gräbern aufgefundene oder von aufgelassenen Gräbern herrührende Schädel und Gebeine unter. Es war aber bereits derart angefüllt, dass man nur 1 -2  Schritte gebückt vordringen konnte, daher wurde der Eingang zugemauert.

Zwischen den Ratsstühlen lag bis 1973 ein Gruftdeckel zur Unterkirche. Sie wurde 1954 von Provisor Loidolt geöffnet und vermessen: „Am 5. Juli wurde im Beisein von Ing. Dietmann vom Denkmalamt und Herrn Franz Taglieber das Ossarium im Presbyterium geöffnet. Der Raum ist etwa 7 x 8 m und in der Mitte etwa 3 ½ m hoch. Er ist allerdings ca. 1 ½ m mit Knochen ausgefüllt, es ließe sich eine schöne Krypta daraus machen.“ Dieser Plan wurde jedoch bis jetzt nicht in die Tat umgesetzt.

1999 wurde die Unterkirche endgültig geräumt: „Die Marktgemeinde Kirchberg hat einen neuen Friedhof Richtung Ursprungskapelle errichtet. Die Pfarre hat unentgeltlich eine Grabstätte für alle Gebeine bekommen, die in der Unterkirche gesammelt und aufgestapelt waren. Die FFW hat sich bereit erklärt, die Arbeit zu übernehmen und die Gebeine von der Kirche zum neuen Grab zu bringen und dort beizusetzen.“  Im September 1999 sind in einem gewaltigen Arbeitseinsatz die Pläne in die Tat umgesetzt worden – 3 Tage lang waren viele Helfer am Werk. Die Grabstätte wird jetzt mit Bäumchen umzäunt und zwei Grabsteine erinnern an die hier Bestatteten und laden zum Gebet ein.

   
Beim Abtransport der Gebeine, Fotos: Karl Gangl, Dörfl
 

 
Unterkirche, Ausgang an der Ostseite der Kirche, Josef Srb; Fotos: Christine Dreschkai, Kirchberg

 

Der Kirchturm

Nicht nur die Kirche als Ganzes kann eine wechselvolle Geschichte vorweisen, auch der Kirchturm für sich alleine gesehen,  hat einiges erlebt. 

Der Turmbrand

Im Jahr 1754 ist der bis dahin gotische Kirchturm abgebrannt. Bei der Renovierung wurde folgender – aus dem Lateinischen übersetzte - Text in der Kugel unterhalb des Kreuzes deponiert:

 „Zum ewigen Gedächtnis:
Am 19. Mai 1754 um 10 Uhr nachts, wurde bei einem schrecklichen Gewitter dieser Turm mit den Glocken, der Uhr und dem Dache in Asche verwandelt, im darauffolgenden Jahr mit Hilfe Gottes wieder aufgebaut, während Benedikt Papst war, Franz Stephan Kaiser und der hochwürdigste und durchlauchtigste Fürst Josef Dominik Graf von Lamberg Bischof von Passau war, während ferner Anton Josef Graf von Lamberg Domprobst, Ernst Karl Josef Graf Payersberg L.B.D. Bormund Schwamberg und Wiedernthor Domdechant und Senior war. Johann Richard Wenzel aber, Herr zu Sterzhausen und Ottmaring, Domkustos und Kellermeister war, der hochw. Herr Franz Xaver Perwein, ein Österreicher aus Feyersbrunn, aber hier Pfarrer. Kooperatoren waren damals: der erste, zugleich Senior war hochw. Herrn Johann Paul Kreuzhofer, ein Ungar aus Mattersdorf, der zweite hochw. Herr Johann Streisl, ein Österreicher, der dritte hochw. Herr Kaspar Sagl, ein Österreicher, der vierte hochw. Herr Anton Ringl, ein Österreicher, der fünfte hochw. Herr Dominik Zettl, ein Böhme.
Die weltliche Gewalt über die Untertanen hatte inne der wohledle Herr Amtmann Vogt Theophil Leopold Rohrer, Ortsrichter war der edle Herr Anton Delapina, Kaufmann.
Dass der Allmächtige diesen Turm mit der Kirche, die dem hl. Stephan geweiht ist, auf die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria, unserer Trösterin auf der Säulen und aller Heiligen vor allem Unglück und allen Wetterstürmen durch seine gütige Barmherzigkeit unversehrt und unbeschädigt bis zum Ende der Welt erhalte, bitten wir inständig. Die obenerwähnten mit dem gesamten Pfarrvolke.
Gegeben am 23. Juli 1755.“   

Der Turm hat seither nicht mehr das gotische Spitzdach, sondern den vom Glockenstockwerk über Leitern zugänglichen barocken Bauch aus Weißblech und Kupfer über einer Holzkonstruktion und die darüber befindliche Laterne mit vier offenen Fenstern.

   
Treppe auf den Turm - Aufhängung der Luster

  
Ein halb vermauerte Fenster - ein rundes Fenster, daneben die Stiege

 

Turmrenovierungen

1867 wurde von  Pfarrer Vinzenz Willim ein Ansuchen an das fürsterzbischöfliche Konsistorium gerichtet, die Turmuhr, die er als uralt bezeichnete, reparieren lassen zu dürfen. Zwei Jahre später ließ er die Kirche mitsamt dem Turm außen renovieren. Der Turm erhielt dabei einen neuen Giebel, der „der ganzen Gegend zur wahren Zierde gereicht“.


1872 strich der Mannersdorfer Spenglermeister das Turmdach, worüber ihm Pfarrer Willim folgendes Zeugnis ausstellte: „Herr Spenglermeister von Mannersdorf am Leitha Berge, Anton Freiberger hat die Reparatur und Anstreichung des über 25 Klafter hohen Thurmes bei der Pfarrkirche dahier mit einem beinahe fabelhaften, niedrigen Preis übernommen. Behufs dieser Arbeit bediente er sich einiger Leitern und Seile. Brauchte nirgends ein Gerüst, selbst bei dem Thurmkreuze hat ein Seil und eine Leiter ihm genügt, die nothwendigen Arbeiten zu prästieren. Aus dieser Freude fühlt sich der Gefertigte für verpflichtet demselben das ausgezeichnetste Zeugnis auszustellen für die solide und dauerhafte Herstellung des hierortigen Thurmes. …“

Aber schon im Jahr 1884 musste man wieder reparieren, diesmal durch einen heimischen Handwerker: „Da das Blech am Thurm defekt war, so ließ der Herr Pfarrer den Thurm gleich frisch anstreichen u zwar mit grauer Farbe, früher war er roth. Der Spengler Mikschel von Kirchberg besorgte den Anstrich. Die Thurmkugel u das Thurmkreuz wurden oben vergoldet durch den oben genannten Schedl. Man untersuchte die Kugel, fand aber keine Dokumente drin. Das Thurmkreuz ist 10 ein halb Schuh hoch u 7 Fuß lang ist der Querbalken. Die Kugel hat einen elf Fuß 4 Zoll hohen u einen 10 Fuß Breiten Umfang. Der ganze Thurm ist so hoch, als die Kirche lang – 25 Klafter.“

Unter Pfarrer Karl Rasberger wurde der Kirchturm 1929 renoviert, wobei auch Kreuz und Kugel neu vergoldet wurden: „…Nachdem der Pfarrer die Arbeiten des Turmes vergeben wollte, mischte sich als Mitzahler der Patron, Franz Salomon von Stein in die Vergebung der Arbeiten darein. Es waren langwierige aufregende Verhandlungen mit ihm (3 mehrstündige in einer Woche) bis endlich der Pfarrer die Kupfereindeckung durchsetzte. … die Vergoldungen des Turmkreuzes und der Kugel übernahm Herrn Wilhelm Klug von hier. Bei der Abnahme des Kreuzes, das schwer war und der vergoldeten Kugel fand man folgende Urkunde:..“ - Es handelte sich dabei um die Urkunde, die 1754 verfasst worden war.

„Diese Urkunde wurde unversehrt, leicht leserlich aufgefunden mit dem geweihten Weihrauch dieses Jahres. Sie hat viel Interesse hervorgerufen von Seite der Pfarrangehörigen. Das Turmkreuz wurde unter schwerer Arbeit mit der Kugel vom Turme heruntergenommen. Das Kreuz hat bei 5 Meter Länge, mind. fast 150 kg. Die Kugel hat 110 Durchmesser. Letztere wurde aus Kupfer neu, Kreuz u. Kugel vom Maler Klug vergoldet. Infolge des Sturmes wurde viel Blech u Holz vom Turme heruntergerissen und am Kirchenplatz zerstreut. Die Urkunde wurde fotografiert zur ewigen Erinnerung an die Turmreparierung. Zugleich verfaßte der Pfarrer eine neue Urkunde, die am 25. November bei Aufsteckung des Kreuzes und der Kugel der alten beigelegt wird und folgenden Inhalt hat:“

Der Text:
„Die Zimmermannsarbeiten wurden von der Fa. Franz Schütz, Stadtbaumeister, Säge- und Hobelwerksbetrieb in Stein an der Donau, durchgeführt. Der Turm wurde in 10 Tagen fix und fertig eingerüstet und haben in der 1. Woche 6 Mann, in der zweiten Woche 4 Mann gearbeitet. Beim KREUZVERSETZEN wurde ein weiterer Zimmerer mehr beschäftigt… Die Spenglerarbeiten wurden von Leopold Walaschek, wohnhaft in Stein und Werkstätte in Krems hergestellt.
Franz Schütz, Stadt-Zimmermeister.
Kugel mit dieser Urkunde, der alten Urkunde mit Weihrauch vom Jahre 1755 u. 1929 wurde im Beisein der Gemeinde sowie des schön vergoldeten Turmkreuzes wurde aufgesetzt am Montag den 25. November vormittags. Es gab viele Zuschauer. Es war herrliches Wetter, windstill und sonnig.“ 

1941 wurde von  Pfarrer Josef Pelzmann eine neue Turmuhr bestellt, da die alte irreparabel war. Sie traf 1943 ein: „Trotz wiederholten Andringens war der Lieferant der Turmuhr nicht zu bewegen, diese zu montieren. Immer wieder vertröstete Karl Liebing uns auf später. Und so gingen wir daran, von anderen die fertiggestellte und gelieferte Turmuhr montieren zu lassen. Es kostete wieder Opfer, aber die Gläubigen scheuten diese nicht und dank der Bemühung des Herrn Kirchendirektors Jos. Neumayer gelang es endlich die Turmuhr aufzustellen und zum Gehen zu bringen. Nach Überwindung einiger Kinderkrankheiten geht die Turmuhr nun pünktlich und stetig.“

Im Zuge der Generalsanierung der Kirche wurde1968 unter  Pfarrer Rudolf Koriska der Kirchturm erneut eingerüstet. Die Uhr bekam ein elektrisches Laufwerk, leuchtende Zifferblätter und Zeiger aus Polyester. Weit hinein ins Land leuchtet der Turm seither mittels der in der Nacht leuchtenden Zeiger. 

Nochmals wurden Kreuz und Kugel heruntergenommen und vergoldet, und zwar im Jahr 1999 durch Pfarrer Josef Morgenbesser: „Seit 1929 war am Kirchturm nichts mehr geschehen. Die Zerstörungen und die Beschießung dürfte vom Krieg oder der unmittelbaren Nachkriegszeit stammen. Genau weiß man das nicht. Über den Winter 1999 wurden alle Schäden am Kreuz und an der Kugel des Kirchturmes gründlich beseitigt und am Gründonnerstag nachmittags, 1. April 1999, wieder am Turm montiert. Das Kreuz wurde vergoldet und die Kugel mit den Streben im Inneren wiederhergestellt. Es war eine spektakuläre Aktion: Zum Aufsetzen des schweren Turmkreuzes mußte ein riesiger Kran aufgestellt werden. Er kam aus St. Pölten von der Fa. Prangl. Die Fa. Sepp Mayerl u. Sohn hat die Arbeit ohne Gerüst mit eigenem kleinen Aufzug und freihändig geschafft.


Folgende Inschrift wurde zum Andenken an die Restaurierung des Turmes in der Kugel aufbewahrt:

‚Zum Andenken an die Restaurierung 1999. Nachdem die Kugel viele Einschußlöcher aufwies und das Wasser die Verstrebungen in der Kugel morschen ließ, war eine Sanierung notwendig. Im Herbst 1998 wurden von der Fa. Sepp Mayerl aus Dölsach in Osttirol das Kreuz abgenommen und die Kugel abtransportiert. Am 30. – 31. März wurden sie wieder angebracht. Dabei mußten auch Blechteile in der Umgebung der Kuppel ausgetauscht werden. Die Arbeit wurde ohne Gerüstung, nur mit Seilen, Leitern u. Flaschenzug bewältigt. Folgende junge Männer haben die Arbeit vollbracht: Andreas Mayerl, Thomas Weingartner, und Michael Neumair. Kirchberg am Wagram, 31. März 1999‘  

Bilder von der Renovierung aus der Pfarrchronik:

   
Kugel, Teil des Kreuzes


Das Aufsetzen des Kreuzes 

 
Fotos: Christine Dreschkai, Kirchberg
 

Die Zeit macht auch vor Kirchtürmen nicht Halt:  Im Februar 2009 haben die Bauarbeiten für einen Handymasten begonnen.

 

Die Glocken

Pfarrer Aloys Edler von Neubauer gibt 1836 in der Kirchenchronik im Artikel „Über den Ursprung der Pfarre“ unter anderem über die Glocken der Kirche Auskunft: 

„Die Kirche hat einen Thurm mit 5 Glocken, wovon die 1te30, die 2te 12, die 3te 4, die 4te 2, und die letzte 1 Centner wiegt. Die 2te ist vor einigen Jahren zersprungen und ihre Neugießung kostete 70 fl. C.M.“ Diese zweite Glocke zersprang 1861abermals. Unter Dechant Franz Xaver Pany wurde sie nochmals neu gegossen. 

Im ersten Weltkrieg unter Provisor Wenzel Steiner mussten alle Glocken bis auf eine abgeliefert werden, weil man für die Fußringe der Granaten Kupfer benötigte: „In der Pfarrkirche war eine einzige Glocke geblieben: Die von Josef Scheichel im Jahre 1782 gegossene, 282 kg schwere Glocke, mit einem Durchmesser von 75 cm.“ Diese Glocke stand damals schon unter Denkmalschutz und war von der Requirierung von Altmetall ausgeschlossen.

Erst im Jahr 1923 wurde wieder eine weitere Glocke für die Pfarrkirche geweiht, 1925 noch drei. 

Im Zweiten Weltkrieg dasselbe Spiel: Wieder blieb nur eine Glock  in der Kirche, später kamen zwei kleinere Glocken wieder zurück.

Nach dem Krieg griff Pfarrer Pelzmann zur Beschaffung neuer Glocken  auf ein Mittel zurück, das früher oft anstelle von Geldsammlungen angewandt wurde, um Mittel für die Kirche zu erbitten: „…. da auch eine Weinmostsammlung für neue Glocken angeregt wurde, so wurde diese auch durchgeführt und 20 hl Weinmost gesammelt. Der Winzerkeller an der Spitze, Obmann der Winzergenossenschaft Greil, übernahm die Betreuung. Diese Weinmostsammlung bildet den Grundstock für neue Glocken.“

Im Laufe der nächsten Jahre wurden alle Glocken wiederbeschafft. Ihr Gewicht und Durchmesser: 2300 kg – 150 cm, 1000 kg – 120 cm,  555 kg – 100 cm, 282 kg – 75 cm, 260 kg – 60 cm, 142 kg – 42 cm 

Am 31. Jänner 1959 erklangen erstmalig die Glocken von Kirchberg am Wagram im Rundfunk. „Es ist unser Geläute wirklich harmonisch und mächtig.“ 

    

 

Die Friedhöfe

Der Friedhof umschloss , wie es früher üblich war, die Kirche zur Gänze. Da die Kirche in den ersten Jahrhunderten auch Wehrzwecken diente und bei Feindgefahr als Zufluchtsstätte für die Umwohner diente, wurde der Friedhof mit einer Mauer umgeben. Unter Kaiser Josef II. mussten alle Friedhöfe außerhalb der Städte errichtet werden. In Kirchberg ließ man nur den an der Nordseite der Kirche gelegenen, dem Ort zugekehrten Teil auf.

Um 1815 unter Pfarrer Ignaz Scheiger wurden die letzten Reste des Friedhofs am Kirchenplatz beseitigt, der Platz geebnet und Linden gepflanzt.

Heute liegt der Friedhof in 3 Terrassen an der Südseite der Kirche. Neben zahlreichen Gruften der angesehenen Bürger des Ortes befinden sich an der Südwand auch einige Gedenktafeln und Urnengräber. 

   

Um eine würdige Begräbnisstätte für die Pfarrgeistlichkeit zu haben, wurde im Sommer 1909  die fast verfallene Gruft der hier ausgestorbenen Familie Schuster an der Südwand der Kirche für diesen Zweck adaptiert. Früher lagen die Gruften in diesem Teil des Friedhofes der Länge nach an der Kirchenmauer. Nachdem sich die Besitzer der einzelnen Grabstellen einig waren, drehte man alle Gräber um 90 Grad, was eine bessere Erreichbarkeit der Gräber mit sich brachte.  

Auf Grund der besonderen Lage des Kirchberger Friedhofes kann man diesen nicht vergrößern. Daher errichtete die Marktgemeinde Kirchberg am Wagram im Jahr 1997 einen neuen Friedhof, der sich in Richtung Mitterstockstall  befindet. Dieser Friedhof verfügt über Plätze für Einzel- und Doppelgräber, Gruften und Urnennischen.  

 
Abb: Neuer Friedhof und Priestergruft

Vom alten Friedhof genießt man einen weiten Rundblick über das Kremser Becken. Bei klarer Sicht zeigen sich die Türme der St. Stephanskirche in Tulln, gegen Süden erscheinen der Schneeberg und der Ötscher am Horizont und gegen Westen das vom Passauer Bischof Altmann gestiftete Stift Göttweig, ferner Hollenburg, das Wetterkreuz und der Jauerling. 

 

Der Kirchenplatz

Der Pfarrhof befand sich ursprünglich und noch bis 1803 im Gutshof Oberstockstall. Das Haus für die Vikare und Kooperatoren stand  jedoch schon immer nordwestlich der Kirche. 

Bei Einrichtung des Schulwesens kamen eine Schule, sowie ein Wohnhaus für den Schullehrer hinzu. Der durch diese Bauten abgeschlossene Platz wurde mit Bäumen bepflanzt, in deren linke Reihe die noch heute erhaltene Steinsäule mit der schmerzhaften Muttergottes gestellt wurde, sowie die wohl noch aus der Friedhofszeit stammende und heute nicht mehr bestehende Kapelle mit einem Kruzifix belassen wurde. Pfarrer Scheiger richtete vor dem Pfarrhof einen schönen Ziergarten ein. Als nach Überführung der Gnadensäule Maria-Trost in die Stephanskirche diese die Wallfahrerscharen anzog, wurde der Giebel des Vorbaues am Nordeingang mit einem Relief der hl. Maria mit dem Jesukind geschmückt. Die Kirche wurde nun allgemein „Maria Trost“ genannt. Schließlich errichtete man beim Zugang zum Kirchenplatz einen mit einer steinernen Marienstatue gekrönten Torbogen mit der Inschrift „INTROITUS AD TEMPLUM DEI“ (Eingang zum Gotteshaus). 

Abb:. Das Kirchenareal um 1670
Zeichnung von Dr. Rudolf Delapina

  
Abb.: © NÖ Landesarchiv, Topographische Abteilung 
Eingang zum Kirchenareal, Gemäle von J. Kürmayer, um 1850

Da dieser Torbogen die Zufahrt für die Wirtschaftsfuhren des Pfarrhofes erschwerte, wurde er um 1900 wieder abgetragen. 

Im Zuge der jüngsten Renovierungsarbeiten  wird auch der Pfarrplatz neu gestaltet. Nach einem Plan, der gemeinsam von Dorferneuerungsverein und Ortsbevölkerung ausgearbeitet wurde, sollen die Arbeiten im Frühjahr beginnen, damit Platz und Kirche bei der großen 1000-Jahrfeier im September 2014 in vollem Glanz erstrahlen. 

 

Quellen

DEHIO-HANDBUCH, Die Kunstdenkmäler Österreichs; Niederösterreich nördlich der Donau, 1990
Franz Eiselt: Beiträge zur Geschichte des Marktes Kirchberg am Wagram, Dissertation, 1972
Otto Fandl: Die Wallfahrtskirche von Kirchberg am Wagram, 1980
Johannes Ramharter: Kirchberg am Wagram in der Barockzeit, 2005 
Otto Biba: Bestandsaufnahme und Überprüfung der Orgel In der Pfarrkirche Kirchberg am Wagram, 1985
Rudolf Delapina: Die Pfarrkirche St. Stephan in Kirchberg am Wagram, Handschrift undatiert
Gustav Krämer: Bericht über die Restaurierung der Altarbilder, 1958
Homepage des Pfarrverbandes Kirchberg am Wagram vom 16.5.1013
Homepage der Katholischen Kirchen in Oberösterreich vom 16.5.2013
Pfarrchronik  Kirchberg am Wagram 

 

Jänner 2014
Maria Knapp