Die Glocken der Pfarrkirche Kirchberg am Wagram

 

Letzte Änderung: 1.11.2014 

 

Die Glocken unserer Pfarrkirche haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es soll hier ihre Geschichte anhand der Pfarrchroniken nachgezeichnet werden. 

 

1754
Die erste Meldung über die Glocken stammt aus der Pfarrchronik Altenwörth und betrifft den Brand der Kirche:
"In der Nacht vom 19. Mai 1754 ist infolge eines Blitzschlages die Kirche in Kirchberg vollständig niedergebrannt. Auch die Glocken schmolzen." 

1836
Pfarrer Dr. Aloys Edler von Neuhauser gibt in seinem Artikel „Über den Ursprung der Pfarre“ unter anderem über die Glocken der Kirche Auskunft:
„Die Kirche hat einen Thurm mit 5 Glocken, wovon die 1te30, die 2te  12, die 3te 4, die 4te 2, und die letzte 1 Centner wiegt.  Die 2te   ist vor einigen Jahren zersprungen und ihre Neugießung kostete 70 fl. C.M.“ 

1861
Diese zweite Glocke zersprang abermals. Unter Dechant Franz Xaver Pany wurde sie nochmals neu gegossen:
„Nachdem im Jahre 1861 die 12 Zentner schwere Kirchenglocke zersprungen und unbrauchbar geworden ist, wurde der Neuguß derselben, lt. Verordnung des F.E.B. Consistoriums dd 4Juny 1862 Zl. 6066 bewilliget und dem Herrn Ludwig Korrotesch, Glocken- und Metall Gießer in Wien Wieden große Neugaße um Fl 555 Ö.W. der Umguß der alten Glocke zuerkannt.
Demselben wurden für Material und Profeßionistenarbeiten, dann für das Herabnehmen der alten  und das Hinaufziehen der neuen 105 Centner  49 fl schweren Kirchenglocke aus der Kirchenkassa zu Kirchberg am Wagram bezahlt fl 710,-.
Von den eingepfarrten Gemeinden zum Schluße für das Hinabführen der alten und das Hinaufführen der neuen Glocke von Wien 746 Fl. Öst.W bezahlt. - Die neue Glocke führt den Namen des Heiligen Stephan des ersten Blutzeugen unseres heiligen Glaubens.“ 

1862
Das feierliche Aufziehen der neuen Glocke  geschah in Gegenwart des hochwürdigen Herr Dominicus Sochor, Dechant und Pfarrer zu Etsdorf am 22.  August 1862. 

1917
Im ersten Weltkrieg wurden unter Provisor Wenzel Steiner alle Glocken bis auf eine aus der Kirche entfernt:
„In der Pfarrkirche war eine einzige Glocke geblieben: Die von Josef Scheichel im Jahre 1782 gegossene, 282 kg schwere Glocke, mit einem Durchmesser von 75 cm. wie beigeheftete Zuschrift des Dekanatsamtes Hadersdorf bezeugt. 

Hochw. Pfarramt!
Das gefertigte Dekanatsamt beehrt sich mitzuteilen, daß lt. Zuschrift des Staatsdenkmalamtes in Wien Z. 2167 es 1917 d.d. 14. Juli 1917 in Kirchberg a. Wagram folgende Glocke: Dm 75 cm, Gew. 282 kg, Jahr 1782 - von der Inanspruchnahme befreit wurde und ohne Zustimmung des Staatsdenkmalamtes bzw. in zweifelhaften Fällen des k.k. Ministeriums f. Cultus u. Unterricht nicht entfernt werden darf. Sollte der mit der Glockenabnahme betraute Unternehmer diese Glocke abzunehmen versuchen, so hat das Pfarramt das Recht dies verweigern u. wolle es in einem solchen Falle sofort an das Staatdenkmalamt Wien I. Am Hof 4 (event. telegrafisch berichten.
F.e. Dekanatsamt Hadersdorf zu Fels, am 15. Juli 1917. 
Frz. Zeibert  Dechant“ 

1923
Erst im Jahr 1923 gab es eine weitere Glocke für die Pfarrkirche. Pfarrer war damals Karl Rasberger.
„Freitag 28. Dezember kam von der Firma Kutter in Wien eine neue Glocke mit 43 Kilo an, eine Widmung des Pfarrers und kostete bei 2200000 K. Der Pfarrer weihte dieselbe und wurde Samstag den 29. Dezember zum ersten Male geläutet. Hoffentlich wird die Glockenaktion jetzt in allen Dörfern betrieben, so daß die Pfarrkirche im Frühjahr alle seine Glocken wieder besitzt.“ 

1925
Pfarrer Karl Rasberger beschreibt die feierliche Weihung drei weiterer Glocken für Kirchberg:

„Glockenweihe.  
Am Donnerstag den 13. August kamen von der Glockengießerei Karl Kutter in Wien XII. per Bahn für die Pfarrkirche Kirchberg 2 Glocken und für das Spital 1 Glocke an. Die Freude der Bevölkerung war groß. Im Hause des Gastwirtes Bernhard wurden die Wägen und die Glocken geschmückt. Am Vorabende des Maria Himmelfahrts­festes kam der hochwürdigste Herr Prälat und Generalabt von Klosterneuburg Dr. Josef Kluger in Begleitung des hochw. Herrn Ceremoniers Dr. Leo Schober. Am 15. August in den Morgenstunden versammelten sich die Gemeindevertretungen der Pfarre mit den Feuerwehren, Kriegerverein und Burschenvereinen am Marktplatze und in schöner Ordnung mit den Musikkapellen begleitet, ging der Zug zur Restaura­tion Bernhard beim Bahnhofe wo die Glocken abgeholt wurden und die beiden Glockenpatinnen Frau Maria Zwickl und Frau Anna Bernhard. Bei der Dreifaltigkeitssäule erwartete den Zug die Geistlichkeit mit hochwürdigsten Herrn Prälaten und es folgte gleich das feierliche Pontifikalamt (Messe von Griesbacher). Nach demselben wurde am Kirchenplatze bei der Mariensäule die Glockenweihe vorgenommen. Außer der Pfarrgeistlichkeit waren anwesend noch der hochw. H. P Markus Hölzl, Stiftshofmeister von Wilhering in Krems, H. Josef Dedelbacher, Pfarrer in Altenwörth, Josef Bauer, Kooperator von der Pfarre Wien XX St. Brigitta. Der hochwürdigste Herr Prälat hielt eine ergreifende Ansprache und der Pfarrer sprach die Dankesworte.  Nachmittags begann der Aufzug der Glocken nach einem Prolog des Zöglings des Kirchenseminars von Oberhollabrunn, A. Wiesböck. Die Glocken konnten aber erst ertönen am 16. August 4 Uhr früh. Nachmittags war hl. Segen und Belustigung des Volkes. Abends kehrte der hochwürdigste Prälat wieder nach Klosterneuburg zurück.“ 
 

1945
Im Zweiten Weltkrieg dasselbe Spiel: Wieder bleibt nur eine Glocke in der Kirche.  Pfarrer Josef Pelzmann schreibt dazu:
„In der Pfarrkirche war während des 2. Weltkrieges nur eine einzige Glocke geblieben: Die von Josef Scheichel im Jahre 1782 gegossene, 282 kg schwere Glocke, mit einem Durchmesser von 75 cm. Diese Glocke war schon im 1. Weltkriege verschont worden." 

Und später im Jahr:
Rückkehr von 4 Glocken in die Pfarrgemeinde. Eine besondere Freude erlebte die Pfarrgemeinde durch die Rückgabe von 4 Glocken, die im Jahre 1942 abgeliefert worden waren. Zwei kleine Glocken für die Pfarrkirche, eine Glocke nach Unterstockstall und eine Glocke nach Oberstockstall.“ 

1946
Die zwei Glocken für die Pfarrkirche wurden am 8. Februar 1946 aufgezogen. Ihre Maße:

1.)  23/6/Tü/504, Durchmesser 42 cm, 42 kg schwer, Fa. Els Lager No. 371
2.)  23/6/Tü/503, Durchmesser 48 cm, 60 kg schwer, Fa. Els Lager No. 373,

Sie wurden von der Firma Rudolf Els, Wien XX, Innstraße 20 ausgefolgt. 

Pfarrer Pelzmann: „Auch diese Glocken wurden feierlich aufgezogen, so daß die Pfarrkirche 3 Glocken hatte. Mit der Nachschaffung der noch fehlenden drei größeren Glocken mußte freilich noch gewartet werden, da kein Zinn zu bekommen war.“ 

1947
Zur Beschaffung neuer Glocken griff man unter Pfarrer Pelzmann auf ein Mittel zurück, das früher öfters anstatt Geldspenden angewandt wurde, um Mittel für die Kirche zu requirieren:

„Weinmostsammlung für Glocken
Da auch eine Weinmostsammlung für neue Glocken angeregt wurde, so wurde diese auch durchgeführt und 20 hl Weinmost gesammelt. Der Winzerkeller an der Spitze, Obmann der Winzergenossenschaft Greil, übernahm die Betreuung. Diese Weinmostsammlung bildet den Grundstock für neue Glocken.“ 

1949
Pfarrer Pelzmann:

„Sammlung für die Glocken  
Inzwischen waren auch Glocken angeschafft worden. Jedoch sollte der Betrag hiefür durch Sammlung aufgebracht werden. Schon gegen Ende 1948 war in der durch die Bürgermeister der einzelnen Gemeinden Kirchenratssitzung diese Sammlung beschlossen worden. Eingeleitet wurde sie durch schon erwähnte Mostsammlung (20 Hl), die im Herbst 1947 durchgeführt wurde. Auf Antrag Bgm. Heiß von Kirchberg sollte außerdem jeder Grundbesitzer pro ha und pro ¼ Weingarten 20 Schilling spenden. Der Voranschlag der Kosten für die Glocken war

1.Große Glocke,        ca. 2300 kg               53.000
2.Glocke                    ca. 1100 kg  und
3.Glocke                    ca.  600 kg    zus.     40.000
                                            Sa.                  93.000

In der Sitzung am 23. Jänner 1949 wurde bekanntgegeben, dass die Sammlung für die Glocken mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden ist. Es sollte also von der Anschaffung einer großen Glocke abgesehen werden. Aber es war besonders die Bürgermeister Heiß (Kirchberg) und  Halmer (Mitterstockstall), die trotzdem darauf bestanden, die große Glocke zu bestellen. Die zwei vorgenannten drangen auch mit ihrem Antrage durch und es war ganz besonders Bürgermeister Heiß, der nicht bloß eine namhafte Summe spendete, sondern auch sich die Mühe gab, persönlich zu sammeln. Der Betrag, den Kirchberg allein aufbrachte waren S 15.000. 

Die große Glocke wird geweiht 
So konnte schon am Ostermontag, 18. April 1949, die große Glocke, der Gottesmutter Maria geweiht und aufgezogen werden. Die Weihe nahm See.Gnaden, der hochwürdige Herr Domdechant von St. Stephan Wien vor. Die Ansprache, die Se. Gnaden hielt, war ein Meisterstück der Rhetorik und hat bei allen tiefen Eindruck gemacht. Glockenpatinnen waren Frau Patronin Edith Salomon und Frau Bürgermeister Heiß.
Einige Monate später, am 11.Sept. 1949, wurden neuerdings drei Glocken geweiht, eine im Gewichte von kg 1008, Ton c1, Durchmesser 120 cm, die zweite kg 555, Ton g1 100 Durchmesser für die Kirche, eine 54 kg Ton b2, 45 cm Durchmesser für die Paul von Czernitz Kapelle, die dem hl. Paulus geweiht ist, während die 1. Glocke dem hl. Stephanus, die zweite dem Herzen Jesu gewidmet ist. Abermals weihte Se Gnaden, der hochwürdigste Herr Domdechant Prälat Wagner in einer eindruckerweckenden Feier diese drei Glocken. Glockenpatroninnen waren Frau Kettinger, Frau Moosbauer und Frau Zwickl.
Da die Glocken teilweise noch nicht bezahlt waren, ging der Pfarrer in Engelmannsbrunn persönlich sammeln und brachte einen namhaften Betrag zusammen. In Neustift und Winkl sammelte Herr Kaplan Buchta. Ebenfalls mit gutem Erfolg. So konnte bis auf einen Schuldenrest von S 6000 alles bezahlt werden.“ 

1958
Unter Pfarrer Rudolf Koriska wurde am 26. November das Glockengeläute der Pfarkirche durch den Rundfunk aufgenommen. 

1959
Am 31. Jänner 1959 erklangen erstmalig die Glocken von Kirchberg im Radio. „Es ist unser Geläute wirklich harmonisch und mächtig.“ 

1963
Am 31. 12. 1963 zur Jahreswende erklangen erstmalig alle Glocken. 

1964
„Die größte Glocke wird ab nun bei der Spendung der hl. Taufe erklingen. Erstmalig war dies der Fall am 18. Jänner 1964."  

1970
Unter Pfarrer Rudolf Koriska montierte die Firma Perner einen neuen Klöppel für die „Zwölferin“

    
Die vier Glocken der Pfarrkirche

 

März 2013
Maria Knapp