Die Pfarrhöfe von Kirchberg am Wagram

 

Letzte Änderung: 30.11.2014

 

Die Mehrzahl in der Überschrift ist kein Zufall: Die Pfarre Kirchberg hat in ihrer langen Geschichte zwei Pfarrhöfe besessen.  In den Anfängen war der Pfarrhof und die Verwaltung des großen Grundbesitzes im Schloss in Oberstockstall untergebracht, später wurde der Pfarrhof in das Gebäude neben der Kirche verlegt, wo vorher die Vikare und Kooperatoren gewohnt hatten.

 

 
Schlosskapelle und Wirtschaftsgebäude in Oberstockstall von Westen gesehen
Ferdinand Dorner, 1977, © NÖ Landesbibliothek St. Pölten, Topographische Abteilung 

 

Der Pfarrhof in Oberstockstall 

Die Herren von Stokstale

Im Jahr 1147 werden  die Herren von Stokstale erstmalig erwähnt. Der um die Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisbare Edelfreie Sieghardus de Stokstale hatte seinen namengebenden Sitz höchstwahrscheinlich in Oberstockstall. 

Sieghards gleichnamiger Sohn war Kanoniker in Passau und Stifter des außerhalb der Altstadt gelegenen Leprosenspitals St. Ägid, für das er gemeinsam mit seinem Vater umfangreichen Besitz in Oberstockstall zur Verfügung stellte. Die Vergabe von Gütern in Oberstockstall sowie das offensichtliche Fehlen weiterer Nachkommen geben zur Vermutung Anlass, dass Sieghard von Stockstall nicht nur die Stiftung seines Sohnes unterstützte, sondern zu dessen Versorgung im Passauer Domkapitel noch weitere, urkundlich nicht belegbare, Beiträge aus seinem Besitz leistete. Dazu zog er wohl auch den namengebenden Sitz heran, der wahrscheinlich nach seinem Tod in die Hände des Domkapitels überging und so zu dessen Wirtschaftshof in Oberstockstall wurde.

Neben der Dorfherrlichkeit über das Anger-Straßendorf Oberstockstall, welcher Ort von den Gründern, dem Geschlecht der Herren von Stochestale beherrscht wurde, entwickelte sich nach Gründung der Pfarre St. Stephan am Wagram die dem Domkapitel des  Reichsfürstlichen Hochstift Passau angehörige Herrschaft Oberstockstall.

Mit zunehmendem Umfang des Gutsbesitzes wurden mehrere Höfe der besseren Verwaltung wegen zu einem Amt (Officium) als größerem Verwaltungsbezirk vereinigt. Der Verwalter hieß dann Präpositus, Official, oder Amtmann. Meiereien (villicationes) bildeten dann die Untereinheiten des Officiums mit dem Meier (villicus) als Vorstand. Letzterer besorgte die Bewirtschaftung und Verwaltung des Grundbesitzes.

Für die Untertanen und Domkapitelgüter war für die Herrschaftsverwaltung in Oberstockstall ein Wirtschaftsamt, der Meierhof, eingerichtet. Da die Domherren, denen die Pfarrherrenstelle St. Stephan am Wagram vom Bischof verliehen wurde, bzw. später die Pfarre als Pfründe vom Domkapitel zur Administration erhielten, als Pfarrer ihren Wohnsitz im Gutshof-Meierhof hatten, war dieser gleichzeitig der Pfarrhof.

Der vom Gutshof Oberstockstall bewirtschaftete Grundbesitzkomplex des Passauischen Domkapitels erstreckte sich vom Gießgraben in Oberstockstall nach Süden über den Ort Kirchberg am Wagram, den Abfall des Wagrams hinab ungefähr bis zur heutigen Bahnanlage. Der Besitz umfasste auch Untertanen der Dörfer Mallon, Amonsthal sowie zahlreiche kleinere Stiftungen, die weit und breit verstreut lagen. Die Verwaltung der Erträgnisse der Pfarre Ruppersthal oblag ebenfalls der Gutsverwaltung Oberstockstall.

Pfarrer Rudger

Das Gut Oberstockstall wurde 1303 erstmals erwähnt und zwar im Testament des Pfarrers von St. Stephan am Wagram, Rudger, worin sich dieser als Bauherr zu erkennen gibt. Das zu dieser Zeit noch immer bestehende Naheverhältnis zu St. Ägid in Passau geben verschiedene Urkunden wieder. 

Auf Grund der großen Bedeutung der Pfarre Kirchberg finden sich bis ins 17. Jahrhundert unter den Pfarrherren  zahlreiche Mitglieder des Passauer Domkapitels vor allem Domherren und Kellermeister, die ihren Pfarrsitz in Oberstockstall hatten, wo sich auch die geistliche Grundherrschaft des Passauer Domkapitels befand. Ihre persönliche Anwesenheit in Oberstockstall war auf Grund ihrer hohen Ämter in Passau nicht immer gegeben. Denn für die Seelsorge war der Vikar zuständig, für die Grundherrschaft der Meier.  

Pfarrherr Christoph von Trenbach

Er wurde 1538 zum Pfarrer von Kirchberg ernannt. Dieser  Domherr ließ in den 1540er Jahren das heutige Hauptgebäude des Schlosses als Wohntrakt im Renaissance-Stil neu erbauen, „was ihme 1900 fl kostete“. Das Trenbach-Wappen mit Jahreszahl und Schriftband ist über der Eingangstür zum Treppenaufgang erhalten. Bemerkenswert ist, dass die Inschrift des Wappens nicht "PLEBANUS DE ST. STEPHAN AM WAGRAM", sondern "PLEBANUS DE KIRCHBERG SUPRA WAGRAM" lautet. 

Als 1590 das Bereitungsbuch erstellt wurde, umfasste die Herrschaft Oberstockstall 13 Orte, 101 untertänige Häuser, davon 30 in Kirchberg und 11 in Oberstockstall selbst. Die Ortsobrigkeit hatte sie in Kirchberg, Oberstockstall, Mallon und Ameistal.  Bis zum Jahr 1751 erhöhte sich die Anzahl der Häuser nur wenig auf 114.

 Bild: Das Wappen über der Tür

 

 

 

Pfarrherr Dr. Paul Zscherniz

Dass der Pfarrhof nicht so pompös ausgestattet war, wie man sich das vorstellen würde, zeigt eine Inventarliste des Pfarrhofes Oberstockstall in den Akten des Kreisamtes des Viertels unter dem Manhartsberg aus dem Jahr 1656 anlässlich des Amtsantrittes von Pfarrer Paul Zschernitz, wozu auch ein hundert Jahre alter Kasten aus der Zeit von Pfarrer Christoph Trenbach gehörte:

„Nach diesen ist dem Herrn Dr. das inventarium sambt den darin begriffenen Sachen, Büchern und Schriften, eingeantwortet worden wie volgt etc.

Inventarium deß Neüen Herrn Doctoris.
Waß dem Ehrwürdig Edl und Hochgelöhrten Herrn Paul Zherniz. SS-Theologie Doctoris Prothonotario Apostolius und Pfarrherr zue Kirchberg am Wagramb, Alß Er installirt, zugleich auch eingehendigt worden.

Erstlich ain Lateinische Bibel
Ein Buch Marcantius genannt.
Ein großes Buch in folio zur Pfarr gehörig so Ao. 1627 aufgericht worden.
ein Pargament eingebunden geschriebenes Prothocol in folio
Isimilj ain solches großes Zinsbuch auf Ackher, Wissen und Weingartten
eine Beschreibung der Unterthannen jährliche Steür, allen Wein, und Getraidt Zehendts, dan die liegenden Grundstückhe in Weingartten, Äckher und Wissen, so in den Pfarrhof gefexnet werden, auch was jährlich von der Pfarr an Landtsteür und Grunddiensten, andern Herrn abzurichten betreffen.
zwölf Getraid Zehent hinlaß Register, von denen jüngsten Jahren her.
sieben und sechzig allerley Wein Zehent Register
sieben Traidt Zehent Register von den jüngeren Jahren
drey und fünfzig allerley Wein Zehent Register, alß von denen jüngeren Jahren
acht Kirchen Raittungen von denen jüngeren Jahren, St. Stephans Pfarrkirchen zue Kirchberg am Wagramb betreffend.
sechs Kirchen Raittungen St. Egidy Pfarrkirch zue Rupperstall, von den jüngeren Jahren

Im Pfarrhof in Vahrnüssen
in der Stuben befindet sich ain Eggichter Tisch
drey schlechte Leinstühl
ain Lähre Bettstatt

In Vorhaus
ain alter Tisch

In den obern Zimmer.
 Ein Rundt Taffel
ein Schrankhtisch oder trisur
ein lange zerbrochene Taffel
ein Claider Casten, worinen hiervor die Schrüften gelegen.
Ein Zelt, und ain andere Pettstatt
Drey alte Sessel

Mehr in den undern Zimmer
der alte Hundert jährige Trenparkische Casten.
Ain Meel Casten, oder Truhen, wie mans nennen khan
Ein messinge Schlauch Pixen

In der Preß.
drey Podingen

Auf den Casten.
ein Getraidt Metzen                                                           

Paul Leidtner von Leidenau   Ober-Khellner.“

 

Die Einkünfte der Pfarre bestanden unter Pfarrer Christoph von Trenbach in Pfennigdiensten von behausten Gütern (11 Pfund, 7 Schilling, 2 Pfennig), in Überländdiensten und halben Teil „des zols am Oxenmarkt“ (10 Pfund, 6 Schilling, 5 Pfennige), Getreidezehent: „baiderley“ 24 Muth, 20 Metzen, Weinzehent: 6 Dreiling 12 Eimer, dann an kleinem Zehent von 17 Viertel Weingärten, von 96 Joch Äcker in „alle feldt“, von sechs Tagwerk Wiesen und einem kleinen „Grasgärtl“, endlich in sieben Gänsen, 28 Hühnern und 29 Käsen. 

Auf diesem Plan aus dem Jahr 1672, skizziert von Dr. Delapina, erkennt man nordwestlich der Kirche, das Haus, in dem zu dieser Zeit die Kooperatoren wohnten und das als Schulgebäude genutzt wurde.

 

Der Pfarrhof in Kirchberg

Pfarrer Ignaz Scheiger 
(1799 – 1835)

stand der Pfarre während der Napoleonischen Kriege vor und verlor durch den Reichsdeputations-Hauptschluss von 1803 den Oberstockstaller Pfarrgutshof mit allen Pfarrgründen. Das Gut Oberstockstall wurde Eigentum der Hofkammer und kam danach für kurze Zeit im Besitz der Nationalbank. 

Pfarrer Scheiger übersiedelte in das Gebäude gegenüber der Kirche. Er ließ gleich im Ersten Jahr seiner Anwesenheit die Kirche und den Pfarrhof mit Schindeln eindecken. „Es wurde auch der 8 Klafter tiefe Brunnen im Pfarrhof gegraben, wozu das Domkapitel zu Passau 500 fl bewilligte. Da vor dem Pfarrgebäude nichts als Hügelwerk war, Überreste des damaligen Friedhofes, so ließ er auf eigene Kosten den Platz ebnen, ein Gärtchen von Zwergbäumen und in der Mitte derselben eine Laube errichten“. 

Dr. Aloys Edler von Neubauer

Bereits 30 Jahre später, im Jahr 1836,  war das Dach wieder sanierungsbedürftig: Dr. Aloys Edler von Neubauer beklagt sich bei seinem Amtsantritt über den schlechten Zustand des Pfarrhofes: „…. Nicht das Selbe läßt sich von dem Pfarrgebäude anführen, in dem sich an  demselben bedeutende Gebrechen vorfanden. Das Schindeldach war in schlechtestem Zustande und bereits einige Jahre früher um es noch auf einige Zeit zu erhalten mit einem Sattel unterzogen. Eine hölzerne Stiege, die mitten im unteren Gange angebracht war, und sich schon in schlechtem Zustande befand, führte auf den oberen Hauptgang, den sie verengte, so daß man um hinauf und herabzukommen hart an der Mauer durchschlupfen mußte. Sämtliche Zimmer des Pfarrhofes bis auf die untern  Zimmer und beiden Kooperatoren Zimmer waren ohne Winterfenster, die innern Fenster großtheils  abgefault,  die Böden sehr schlecht, die Thüren niedrig und durch langen Gebrauch abgenützt, die Küche sehr niedrig und sehr mit Rauch angefüllt, die dem Hof und Küchengarten umgebenden Planken eingestürzt ect.“ Er ließ mit Bewilligung des erzbischöflichen Konsistoriums alle notwenigen Reparaturen durchführen.

„Die Arbeiten kamen auf  2817 fl. 44 x C.M. zu stehen, so dass der Pfarrer auf die bewilligten 1196 fl. 28 x C.M. aus Eigenem 1621 fl. 16 x C.M. aufzahlen mußte. Die Hand- und Zugroboth wurde von den eingestammten Gemeinden geleistet.  Zur Erhöhung dieser Summe  trug  viel unter anderem die Ungeschicklichkeit einiger Arbeitsleute, die ein- und dieselbe Arbeit oft 2 bis zu 3 mal machen mußten. Die Herstellung des Daches wurde daher auf eine spätere Zeit verschoben.“

 
Das Kirchenareal um 1830
© Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Katastralmappenarchiv, Wien 

In der Karte der Franziszeischen Landesaufnahme sieht man die Gebäude, die zum Kirchenkomplex gehörten, wobei die erste Zahl die Einlagezahl im Grundbuch ist (auf der Karte ersichtlich) und die zweite die Hausnummer:

31. Schulhaus, Wohn- und Wirtschaftsgebäude      
32. Pfarrhof, Wohn- und Wirtschaftsgebäude          
33. Schulgebäude           
34. Kirche, Kirchenplatz 
3
5. Totengräberbehausung
36. Scheune          

Vor dem Pfarrhof ist bereits die von Pfarrer Scheiger angelegte Grünfläche eingezeichnet. Die in der Josephinischen Landesaufnahme eingezeichnete Umfassungsmauer um Friedhof und Kirche sieht man nicht mehr. 

Die Kirche blieb aber trotzdem mehr oder weniger mit Oberstockstall verbunden, der jeweilige Besitzer vom Gut Oberstockstall war (und ist) der Patron der Kirchberger Kirche.  Laut Aufstellung von  Pfarrer Franz Pany im Jahr 1844 anlässlich seines Antritts als Pfarrer in Kirchberg hatte das Gut Oberstockstall dem Pfarrer jährlich eine Dotation von 600 Gulden und 27 Eimer Weinmost zu zahlen. Mitunterschrieben ist diese Aufstellung von „Ungerthaler, Verwalter der  k.k. Patronatsherrschaft Oberstockstall“. 

Pfarrer Vinzenz Willim

Während ständig kleinere Arbeiten in der Kirche und am Pfarrhof notwendig waren, ließ Pfarrer Vinzenz Willim im Jahr 1866 wieder größere Reparaturen am und im Pfarrhof durchführen. Sein Nachfolger Ignaz Hohmann ließ1877, bevor er die  Pfarre antrat, sämtliche Zimmer des Pfarrhofes malen, was ihm eine Auslage von 95 fl verursachte. Im Frühjahr 1910 wurden alle Gänge sowie die parterregelegenen Wohn- und  Küchenräume des Pfarrhofes neu und modern ausgemalt. Die Außenmauern des Pfarrhofes wurden ausgebessert und das Dach gründlich ausgebessert. 

Familie Salomon

Nach der Revolution im Jahr 1848 wurde 1857 der Besitz Oberstockstall durch die Staatsgüteradministration versteigert und ging in private Hände über. Ersteher war der Schiffmeister, Weingut- und Gutsbesitzer Franz Salomon aus Stein an der Donau. Dessen Nachfolger haben ihn auch heute noch inne.

Die jetzigen Eigentümer des ehemaligen domkapitlischen Besitzes sind durch die Übernahme des Besitzes auch Patronatsherren der Kirche St. Stephan am Wagram und haben als solche gewisse Lasten zu tragen haben aber auch ein Vorschlagsrecht bei der Ernennung eines neuen Pfarrers. Das Patronatsrecht ist an den Grundbesitz des Gutes Oberstockstall gebunden, daher ist Fritz Salomon derzeit der Patron der Kirchberger Kirche. Dies äußert sich heute in der unentgeltlichen Zurverfügungstellung des Messweines und von Zuschüssen zu Renovierungen der Kirche.  

So waren im Laufe der Jahre auch immer wieder Mitglieder der Familie Salomon als Paten und Patinnen bei verschiedenen Anlässen zugegen, wie in der  Pfarrchronik vermerkt ist: Frau Elisa Salomon wird 1877 erwähnt, als sie Pfarrer Ignaz Hohmann sein Amt verleiht. 1929 wird Patron Franz Salomon als Mitzahler bei der Renovierung des Kirchenturmes erwähnt. 1949 war Frau Edith Salomon Glockenpatin. 1954 konnte der Patronatsherr Fritz Salomon den neuen Pfarrer Rudolf Koriska vorstellen. Die Kirchenrenovierung im Jahr 1962 war dank der Mithilfe desselben möglich geworden.

 

Der Pfarrhof im 20. Jahrhundert

Die Einleitung des elektrischen Lichtes wurde 1921 von der Firma Zettel u. Comp. sowohl im Pfarrhof  als auch in der Kirche durchgeführt. Am 18. März 1922 brannte das elektrische Licht im Pfarrhof zum ersten Mal in allen Zimmern, nachdem zu diesem Zweck 30.000 Kronen gesammelt worden waren.

1936 führte Pfarrer Pelzmann eine Teilrenovierung des Pfarrhofes aus den Einnahmen der Kirche durch. Die Zimmer wurden frisch gemalt, ebenso die Gänge, die Fußböden gestrichen, alle Fenster ausgebessert und gestrichen. Vor allem das obere Stockwerk wurde saniert, während der ebenerdige Teil im alten Zustand verbleiben musste, da die Mittel nicht reichten. Die Teppiche wurden teilweise erneuert und die Klosettanlage ebenerdig durch Aufstellung eines Klappenklosetts mit Wasserspülung modernisiert. Im Stiegenhaus, in den Zimmern und an der Hofmauer wurden Maurerarbeiten ausgeführt. 

Während des 2. Weltkrieges konnten keine Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden. Allerdings hatte gerade in dieser harten Zeit der Pfarrhof zum Schutz der Bevölkerung eine wichtige Aufgabe, siehe hier: http://www.hf-kirchberg.at/index.php/kirchberg-am-wagram/die-kirche-von-kirchberg/geschichte-der-pfarre

Da die Kirche wegen ihrer exponierten Lage ständig von Bombenangriffe bedroht war, wurde „das allerheiligste Sakrament gemäß Vorschrift stets bei steigender Gefahr in den Luftschutzkeller des Pfarrhofes übertragen.“ 

Nach dem Krieg konnte man wieder darangehen, an Kirche und Pfarrhof notwenige Reparaturen vorzunehmen. Im Jahr 1948 wurde der Pfarrhof modernisiert: Eine Scheune wurde verkauft und mit dem Erlös und mit Mitteln der kirchlichen Obrigkeit wurden eine Wasserleitung und ein Badezimmer installiert. 1949 wurde wieder einmal das Dach gründlich ausgebessert. 

Bei einer Unwetterkatastrophe im Jahr 1953 wurden durch Hagelschlag alleine im Pfarrhof über 80 Fensterscheiben zertrümmert. Bereits am nächsten Tag wurden vom erzbischöflichen Ordinariat Hilfsmaßnahmen getroffen, ja selbst der Herr Kardinal und sein Generalvikar kamen, um Lokalaugenschein zu nehmen und der Bevölkerung ihre Anteilnahme zu bezeigen. 

Der Pfarrhof vor der Renovierung
Foto: Hermann Pistracher

Das schon lange baufällige „Lusthaus"  im Vorgarten des Pfarrhofes wurde 1959 von Pfarrer Rudolf Koriska beseitigt und eine schöne Gartenanlage angelegt. 

Im Jahr 1962 entstanden durch Sturm- und Hagelschäden wieder Schäden am Kirchen- und Pfarrhofdach. In diesem Jahr  wurde der Pfarrhof komplett umgebaut. Am 2. August 1962 begannen die Handwerker mit der Arbeit: Neue Fenster, neue Türen, Erweiterung der sanitären Anlagen, Zentralheizung vom Küchenherd aus, neue Fußböden und einiges mehr. Dank der Mithilfe des Patrons Fritz Salomon und des großzügigen Zuschusses des erzbischöflichen Bauamtes der Erzdiözese Wien war dieses Vorhaben möglich geworden. Pfarrer Rudolf Koriska, Kaplan Josef Morgenbesser und Frau Gretl Taglieber,  Hausgehilfin im Pfarrhof, haben persönlich viel mitgearbeitet, sonst hätten die Geldmittel nicht gereicht. Am 16. August begann die Installation der Heizungsanlage – die Stemmarbeiten hat zum Großteil der Pfarrer selbst als "Freizeitgestaltung" übernommen. Am 27.9.1963 begann Baumeister Damböck mit der neuen Fassade des Pfarrhofes. Beim Abschlagen des alten Putzes kam man auf eine alte Sonnenuhr aus dem Jahr 1554.  Um der modernen Zeit gerecht zu werden, wurde der alte Brunnen im Pfarrhofgarten abgetragen und über der Brunnenöffnung die neue Garage für zwei Autos erbaut. 

Im Zuge der Restaurierung des Pfarrhofes wurde mit dem  Caterpillar der Fa. Schauerhuber der Vorgarten des Pfarrhofes abgeschoben, es kam zu riesigen Erdbewegungen. Sechs Lastkraftwagen brachten einen Tag lang das Erdreich fort. Die Weinlaube, die zur Pforte des Pfarrhofes führte, mußte geopfert werden. Vor dem Pfarrhof wurde anfangs September eine Rasenfläche angelegt, die das äußere Bild des Kirchenplatzes bis heute verschönert. 1966 wurden zu beiden Seiten des Eingangs zum Pfarrhof je 50 Stück Rosen gepflanzt. 

Der Pfarrhof 1964
Foto: Maria Schachamayr, Tulln

Noch einmal fanden Hilfesuchende Zuflucht im Pfarrhof: Im Jahr 1979/80 wurden zwei Flüchtlingsfamilien im Nordtrakt des Pfarrhofes untergebracht. Sie stammten aus Laos, die Familienväter fanden Arbeit, die Kinder gingen hier zur Schule. Durch immense freiwillige Arbeitsleistung einiger Familien und spontanen Spenden von 30.000,- S konnten diese zwei Wohnungen bereitgestellt werden.                       

Im Jahr 1979 wurden im älteren Teil des Pfarrhofes Sanierungsarbeiten durchgeführt,  die WC-Anlagen  im 1. Stock und im Parterre erneuert und das Untergeschoß neu angeworfen. Eine größere Zentralheizung mit Anschluß des alten Hauses an das neue wurde installiert.  Diese Arbeiten kamen auf über 500.000,- S. 

Ab 2. Februar 1991 beherbergte der Pfarrhof wieder eine Flüchtlingsfamilie, diesmal aus Bulgarien.  

Da die Fenster neuerlich sanierungsbedürftig waren, entschied man im Pfarrgemeinderat, diese komplett auszutauschen, und zwar gegen vom Bundesdenkmalamt vorgeschriebene Holzfenster. Für die Bewohner des Pfarrhofes waren es Wochen des Kampfes gegen den Schmutz in allen Räumen. Mit dem Sonnenschutz kam das Projekt auf 40.000,- Euro. Die Erzdiözese Wien hat dafür einen Zuschuss von 20.000,-  Euro dazugegeben. 

 

  Der Pfarrhof heute 

 

Quellen

Gedruckte Quellen
Günter Marian: Stadt und Adel. Zur Stadtministerialität von Tulln im 12. und 13. Jahrhundert und zu den Anfängen des Gutes Oberstockstall 

Sonstige Quellen
Pfarrchronik  Kirchberg am Wagram 
Rudolf Delapina, Schriften über das Gut Oberstockstall, Handschrift, undatiert
NÖLA-178. Staatsherrschaft Oberstockstall-K.G. Stockerau, Sig. Buch 16-Heirats-Kauf-Inventurprotokoll d. Pfarre Kirchberg/Wagram, recherchiert und übertragen von Herrn Ludwig Leuthner-Fels
Stainerische Casten-Ambts-Beschreibung: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Signatur HL- 528 Hochstift Passau-Buch – Auszug

 

Dezember 2013
Maria Knapp