Die Rosenkranzbruderschaft in Kirchberg

 

Letzte Änderung: 1.12.2014

 

Rosenkranzbruderschaft

Die Rosenkranzbruderschaft ist eine von Dominikanern im 15. Jahrhundert gestiftete Laienbruderschaft. Ihre Aufgabe bestand in der Pflege und Ausgestaltung des katholischen Lebens, wie Messen, kirchlichen Umzügen, Begräbnissen, sowie in der Fürsorge für Kranke und Arme. Das Ziel war außerdem die Vertiefung der Frömmigkeit breiter Volksmassen durch das Rosenkranzgebet.

Der volle Name lautet: „lieben Frauen Erzbruderschaft des heiligen Rosenkranzes“.

Über den Zeitpunkt der Entstehung der Kirchberger Bruderschaft ist nichts genaues bekannt. Aus den Testamenten der Kirchberger Bürger weiß man aber, dass sie um 1650 bereits bestand.

An Grundstücken gehörten zur Bruderschaft 7/4 und 1/8 Weingärten, 53 ¾ Joch Äcker und ein Tagwerk Wiesen, die sie an Mitglieder verpachtete. 1781 besaß die Bruderschaft ein Kapital von 6000 Gulden und jährliche Einkünfte von 377 Gulden.

Im Zuge der josefinischen Reformen wurde die Bruderschaft im Jahr 1781 aufgelöst und in ein Armeninstitut  umgewandelt.

 

Die Bruderschaft stiftete einen eigenen Altar, den jetzigen Annen- oder Rosenkranzaltar. Dieser wurde1868 von Pfarrer Vinzenz Willim restauriert und im Jahr darauf suchte man im fürsterzbischöflichen Konsistorium um Neugründung der Bruderschaft an. Man wies darauf hin, dass ein entsprechender Altar bereits bestünde und wollte die Bruderschaft aus folgendem Grunde wiederbeleben:  Zur Belebung des christkatholischen Glaubens, des Gebetseifers und zur Aneiferung der Sakramente der Buße und des allerheiligsten Altarssakramentes reichlich zu empfangen erscheint dem ehrfurchtsvoll Gefertigten die Errichtung eines Rosenkranz -Vereines, als ein nicht genug zu schätzendes Mittel.“  Bereits kurze Zeit später wurde dieses Ansuchen bewilligt, allerdings: „Zur Ertheilung der Vollmacht, Rosenkränze zur Gewinnung der mit der Rosenkranz-Andacht verbundenen Abläße zu weihen, ist das f.e. Ordinariat nicht berechtigt, und muß diese Vollmacht bei dem Hl. Stuhle erwirkt werden.“

Man wandte sich nun an den Dominikanerorden in Wien, wo man der Bitte grundsätzlich positiv gegenüberstand, es gab allerdings eine Bedingung für die Bewilligung: „…daß eine Vorbedingung zur Errichtung verlangt, daß am Bruderschaftsaltar die Übergabe des Rosenkranzes durch die Hl. Jungfrau an den Hl. Dominicus dargestellt sei.- Wollen daher Eure Hochwürden mir gefälligst bekannt machen, ob die Statue der Hl. Jungfrau mit der Statue des Hl. Dominikus mittelst eines Rosenkranzes schicklich so in Verbindung zu bringen ist, daß der genannten Bedingung Genüge geschieht. Wäre dieß nicht der Fall, so müßte ich mich früher nach Rom wenden. Die Vollmacht Rosenkränze zu weihen, erhalten Euer Hochwürden  und ihre rechtmäßige Nachfolger  mit der Errichtung der Bruderschaft eo ipso.“

Diese Bedingung konnte nicht erfüllt werden, da die Jungfrau Maria zu weit von der Statue des hl. Dominikus entfernt ist. Nichtsdestotrotz wurde die "Erzbruderschaft des heiligen Rosenkranzes" am 6. Juni 1869 durch den Dominikanerprior von Wien, P. Nikolaus Holl, in Kirchberg wiedereingeführt. Nach den im Pfarrarchiv enthaltenen Unterlagen gab es Einschreibungen bis 1913, die Mitglieder stammten zum Teil auch aus umliegenden Pfarren.

 

Annen- oder Rosenkranzaltar

Der Annen- oder Rosenkranzaltar befindet sich an der Stirnwand im Südschiff. Er trägt die Inschrift: „altare privilegiatum sanctissimi rosary“ (mit besonderen Rechten der Rosenkranzbruderschaft ausgestattet). Knapp über dem Altartisch befindet sich eine Statue der hl. Anna, die  ihrer kleinen Tochter Maria die Heilige Schrift erklärt. Auf der gewundenen Holzsäule darüber stand bis 1978 eine wertvolle, spätgotische Madonna die um das Jahr 1420 geschaffen wurde, die sich aber heute im Diözesanmuseum in Wien befindet. Nachträglich gesehen war es eine gute Entscheidung, die Plastik in sichere Verwahrung zu geben, denn eine an ihrer Stelle aufgestellte Replik wurde gestohlen.

Das Jesuskind der spätgotischen Madonnenstatue, die jetzt dort thront,  hält einen Vogel in der Hand. Dies geht auf die Legende zurück, nach der Jesus Sand über seine Schultern warf, worauf aus jedem einzelnen Korn ein Vogel entspross.

   

  
Madonna im Diözesanarchiv  - heutige Madonna - Anna mit ihrer Tochter Maria
 

An der linken Seite des Altares steht der hl. Dominikus, der Gründer des Dominikanerordens. Zu seinen Füßen liegt ein Hund mit einer Fackel im Maul, Symbol für die Verteidigung der katholischen Lehre. An der rechten Seite steht die hl. Katharina von Sienna mit Dornenkrone, Wundmalen und Kreuz.

 

Quellen:
Pfarrchronik Kirchberg

 

Jänner 2014
Maria Knapp