Christoph von Trenbach

 

Letzte Änderung:   20.10.2014

 

Die schillerndste Persönlichkeit unter den hiesigen Pfarrherren war zweifellos Christoph von Trenbach (oder Trenbeck), der hier von 1538 – 1552 Pfarrer war. Er gehörte dem niederbayerischen Uradel mit dem Stammhaus Obertrennbach bei Eggenfelden an. 

Er war bereits mit 21 Jahren Ober-Kellner des Domkapitels und mit 25 Jahren Domherr und Weinlesemeister in Stein an der Donau. 27-jährig ist er Pfarrer zu Kirchberg und mit 31 Domprobst zu Passau.

Aus diesem Grunde war er nicht ständig in Kirchberg anwesend, sondern delegierte die Aufgaben in Kirchberg an diverse Priester (oder Vikare). 

Bild: © Trenbeckchronik, NÖ Landesarchiv 

Wie Visitatoren berichteten, hielt er einen Schulmeister und Organisten, Succentor (Musiker, Sänger o.ä.), sowie Sängerknaben, hatte fünf Priester, verrichtete den Sonntagsgottesdienst an „hochzeitlichen Tagen mit Metten und Vesper und Verkündigung von Gottes Wort. Sein Lebenswandel war gut und ehrbar. 

 

Der Pfarrhof in Oberstockstall

Nachdem seine Vorgänger im Pfarramt (ebenfalls Domherren zu Passau) kaum in Kirchberg anwesend waren, war der Pfarrhof in Oberstockstall ziemlich verfallen als er seinen Dienst hier antrat. Da er zur Überwachung der Gegenreformation seinen Hauptsitz hierher verlegte, ließ er den Pfarrhof von Grund auf neu erbauen, nur die Kapelle des Pfarrers Rudger blieb stehen.

Foto: Schriftband und Wappen der Trenbachs über einer Tür im Schloss Oberstockstall

 

 

 

   
Aufgang zum Haupttrakt - Dienstbotentrakt
Bilder: Zeichnungen von Otto Fandl

Anschließend an den 2-stöckigen Haupttrakt befand sich in Richtung Norden der Gesindetrakt mit 4 vollständigen Bedienstetenwohnungen, wo Trenbachs zahlreiche Dienerschaft wohnte.

Er war wahrscheinlich auch der Urheber des Alchimistenlabors dort und die führende Kraft in der Gegenreformation in Österreich, die sein Stiefbruder Urban nach seinem Tod mit Kardinal Khlesl fortführte.

 

Die Trenbeck-Chronik

Major Eduard Wettendorfer (ein Heimatforscher aus Kirchberg, 1884 – 1954) spürte die prächtige „Chronik der Trenbecken von Trenbach“ im n.ö. Landesmuseum in St. Pölten auf und transkribierte die Eintragungen über Christoph von Trenbach. Die Chronik wurde um 1560 vom Schulmeister Anton Auer-Krems geschrieben und vom Maler Leonhard Abent-Passau mit farbigen Bildern ausgegeschmückt. Wir finden auf Seite 210 das farbige Porträt von Christoph von Trenbach zu St. Mörthen und Winkelberg, Domprosbst zu Passau.

 

Bild: Das Familienwappen gezeichnet von Dr. Delapina

 

Ein Textausschnitt aus der Trenbeck-Chronik: 

„Sein Vater war Rudolf Trenbach. Er wurde am Carsamstag 1511 (17.4.) zu Rudenberg undern freien Hymel geboren, als sei Mutter Luzia den Pastor zu Würbingen predigen het hören. Allda in Wehen kommen, wollte heimfahren, ist aber nur bis auf die Brücke gekommen; darum sollte er billig ein Kriegsmann werden. Hatte von Jugend auf eine große Lust zu geistlichem Stand, wider den Willen seines Vaters, der ihn lieber weltlich gesehen hätte. Gab ihn darum zum Zindar von Polheim, damit er der Hofweis gewonnen werde. Sollte heiraten, widerstand aber des Vaters Willen mit Hilfe Herrn Hansen von Schonnburg, Domheerr zu Passau, später Abt von Melk und Bischof von Gurk, sein Schwagern.

Den 1. Juli 1532 wurde er Domherr zu Passau. War 14 Jahre des Hochstiftes Passau Oberkellner in Oesterreich und Pfarrer zu Kirchberg am Wagram, welche Pfarre ihme um das, daß er den Pfarrhof von grundt auf neu erbaut, incorporiert gewest , wellig Pfarrhof ihme über 1900 Gulden kostete 1542 ward er von Herrn Erharden von Loenrad zum Coadjutor der Domprobst Passau ernannt, mit päpstlicher Bewilligung. Ward nach Abgang desselben Domprobst, behielt aber daneben die Pfarre Kirchberg am Wagram. Er erkaufte 1549 die Herrschaft Winkelberg von dem Landsherrn von Puechheim, weliche gleich beim Pfarrhof liegt und die Vogtei darüber hat.

Er war in hohem Ansehen und von jedermann geachtet, obwohl er wenig oder gar nichts von seinem Vater erbte. Ich hab an diesem Mann bei seinem Leben khain Laster befunden, als daß er ungern zuelassen sagen und dergleichen gern zuehorn, auch die Verklagten zu khainer Antwurt kommen lassen oder aber wenig Glauben geben.

1546 hat er sein Vaterteil von St. Mörthen von der Wittib, seiner Stiefmutter Frau Juliana, und von seinen Stiefbrüdern um 4000 fl an sich gebracht. Seinen Stiefbruder Urban hat er auf die Universität geschickt, ihm Pädagogen gehalten und seinen jüngeren Bruder Wolff Seyfried zu Fourier angenommen. Wie er sein Vater versprochen, hat er sie und die Stiefmutter in allem unterstützt.

König Ferdinand hat ihn in commissionibus gebraucht, er war zu raten anschlägig und hat gern Fried gemacht. Bei Streitigkeiten von Nah und Fern ist er begeht worden.

Hat sehr gut Glück zu Dienern gehabt, den Dienern Martin und Jakob Weißenberger, denen er zu priesterlichen Würden geholfen. Hat ein Anzahl von Dienern versorgt, unter anderem machte er seinen Kellner Hilari Kunolt zum Bürger von Kirchberg am Wagram und vermählte ihn mit Ottilie, der vermüglichen Tochter des Kirchbergers Thomas Mayr; item Lienhart Knapp, sein Schreiber; item Paul Otto, sein Organisten; Sebastian Eisensiedl, sein Stallmeister; und Hans Schertl, auch sein Schreiber.

Waren darunter solche, die sich durch Lugen und dergleichen ausgezeichnet und hat er ihnen geglaubt, wie sein Succentor Nicolaus Leb und sein Schulmeister Johannes Peckh von Ried, weil er große Lust zu christlichem Stande hatte, ist er simulate religione betrogen worden.

Hat allzeit ein, zwei oder drei Priester in Vorrat gehalten.

War jächzornig, ist ihm aber bald vergangen. Hat gern Heimlichkeiten erfahren oder ermittelt, alle kirchlichen Handlungen aber selbst verrichtet. Hat gesunde complexion, aber das Plütten aus der Nasen hat in sehr geschwächt."

 

Zum Tod von Christoph Trenbach

„Am Freitag von Nußdorf heimfahrend ist er unterwegs einem Karren mit einem pestkranken Knaben begegnet und bekam darob einen großen Schrecken. Dann ist er fast kleinmutig gewest, hat im Kopf übel empfunden. Samstag, den 3. Dezember hat er eilends zu Dr. Andrea Plankh nach Wien geschickt, zu dem er großes Vertrauen hatte. Der hat ihm zwei Trank verordnet. Wie er den ersten getrunken, war das Kopfweh weg. Der zweite Trank war ihm zu stark, er hat gelitten bis auf Mittwoch, den 7., da er zum Doktor geschickt, der aber erst nach seinem Tod gekommen.

Vor seinem Tode hat er alls versammelt, zeigte jedem seine Tugend und sein Laster, ermahnte sie zum Guten. Sprach dann: ‚Oh mein Urberl (Urban), du gesiechst mich auch nit mehr‘, und dann zu sich selbst: ‚Ach du znichtig Madensack, das ist alles zu wenig auf dich. Dir hat wohlgetan, daß man dich gnädiger Herr geheißen, daß du alle Kasten mit Getreid, alls Keller mit Wein gefüllt. Bist Gott undankbar gewesen, der allmächtige Gott sollte dich viel strenger bestrafe‘.

"Am Pfinztag, den 8. Dezember 1552, 12 Uhr nach Mittag, das ist um Mitternacht, ist er 41 Jahre, vier Monate und 20 Tage alt gestorben.  Er hat 22.000 fl. Schulden hinterlassen, sein Gut hat kaum zur Bezahlung gereicht  (Zum Vergleich: 1529 wurde vom Kaiser bei den Fuggern zu Augsburg eine Anleihe gemacht, um den Türkenkrieg zu finanzieren, sie betrug 24.000 fl.). Mit Apotheker in Krems, dem er 4000 tl schuldete, gabs nach seinem Tode Streit.“

 

Er wurde vom Pfarrhof in Oberstockstall in Begleitung von 8 Dienern in 12 Tagen die 250 km lange Strecke nach Passau gebracht, ist dort am 21. Dezember angekommen und liegt in der Herrenkapelle des Domstiftes Passau begraben.

Das Wappen der Trenbachs – gemalt von Dr. Rudolf Delapina:  

 

Quellen:
Major Eduard Wettendorfer
Trenbeck-Chronik, NÖ Landesarchiv St. Pölten
Dr. Rudolf Delapina
Otto Fandl

 

März 2013
Maria Knapp